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Software-Abos: Gibt es Apps bald nur im Monatsabo?

18.08.2017 | 12:22 Uhr | Stephan Wiesend

Immer mehr Softwareanbieter wechseln vom altgewohnten Verkauf zum Abo-Modell - was nicht immer gut ankommt, wie man unl├Ąngst bei Ulysses sieht.

ÔÇ×Nie wieder AdobeÔÇť schworen sich 2013 viele bis dahin treue Fans von Photoshop und Indesign. Der Softwarehersteller hatte damals angek├╝ndigt, die neuen Versionen seine Creative Cloud nur noch als Abo-Variante anzubieten. Die Beschwerden waren zahlreich, inzwischen haben aber die meisten Anwender das Bezahlmodell akzeptiert - mangels Alternativen. In j├╝ngster Zeit gibt es aber immer mehr Hersteller auch kleinerer Programme, die denselben Weg w├Ąhlen. Der Passwortverwalter 1Password ist nur als Abo zu haben, bei Finanz- und Antivirensoftware waren Abos schon l├Ąnger Standard.

Viel Kritik erntete aber vor einigen Tagen der Hersteller Ulysses , der seine beliebte Textsoftware zur Abo-Ware erkl├Ąrte. Vor allem auf der Facebook-Seite musste der Hersteller recht herbe Kritik einstecken und kassierte im App Store viele Ein-Punkte-Bewertungen.

Die Kritik hatte aber wohl auch Gr├╝nde in der Informationspolitik. Bestandskunden wurden unter iOS per Popup informiert, das etwas mi├čverst├Ąndlich formuliert ware. Einige Anwender verstanden, sie m├╝ssten ab sofort ein Abo abschlie├čen und reagierten erbost. Das Geb├╝hrenmodell f├╝r die Altkunden sollte diese bes├Ąnftigen, ist aber ziemlich kompliziert. Mittlerweile haben aber anscheinend die meisten Kunden das Konzept verstanden und sehen die Umstellung positiver.

Wirtschaftliche Hintergr├╝nde

Der Grund, warum Entwickler ein Abo-Modell bevorzugen, hat eine simple wirtschaftliche Ursache. Der Firmenchef und Entwickler von Ulysses hat dazu auf Medium einen l├Ąngeren Artikel ver├Âffentlicht , dem man kaum noch etwas hinzuf├╝gen muss. Die Kurzfassung: Verkauft ein Softwareunternehmens unbeschr├Ąnkt lauff├Ąhige Lizenz, bekommt es nach einiger Zeit nur noch Geld durch neue K├Ąufer der Software und kostenpflichtige Updates bzw. Upgrades. Diese Einnahmen kommen aber nur sehr sporadisch, etwa nach Einf├╝hrung einer komplett neuen Version. Abo-Kunden garantieren dagegen einen kontinuierlichen Finanzstrom.

So l├Âst das Abo auch ein Problem beim Verkauf von iOS- und Mac-Versionen einer App: Man kann in einem Abo alle SystemVersionen einbeziehen, was ├╝ber den App Store sonst nicht m├Âglich ist. Der Verkauf von Programmen mit unbeschr├Ąnkter Laufzeit stammt ja eigentlich aus Zeiten, als Software in einem Laden verkauft wurde. Nach Kauf der Installations-CD war es dann selbstverst├Ąndlich, dass ein K├Ąufer seine gerade erworbene Software kostenlos aktualisieren konnte.

Unsere Meinung

F├╝r einen Softwarehersteller ist ein Abo offensichtlich g├╝nstiger. Hat aber auch der Kunde davon Vorteile? Ein Abo-Modell ist vor allem f├╝r die Finanzierung einer langfristigen Entwicklung ein Vorteil. Das sollte in der Theorie ein besseres Produkt schaffen, muss es aber nat├╝rlich nicht. Kunden fragen sich au├čerdem, warum es dann noch so viele Ausnahmen gibt? So hat uns vor einigen Tagen Parallels versprochen, dass es die L├Âsung Parallels Desktop auch weiterhin wahlweise als Abo oder als unbeschr├Ąnkt lauff├Ąhige Software geben wird. Nur das neueste Produkt von Parallels, eine Tool-Sammlung namens Toolbox, gibt es ausschlie├člich als Abo. Die als Photoshop-Alternative gehandelte Software Affinity Photos gibt es ebenfalls als Kauf-Programm, was auch vom Hersteller als Vorteil beworben wird. Vor allem Affinity Photo zeigt nach unserer Einsch├Ątzung, wann die Finanzierung per Updates kein Problem sein kann: Die Bildbearbeitung ist noch in einem fr├╝hen Entwicklungsstand und wird noch sehr viele neue Funktionen bekommen - kein Problem f├╝r Serif j├Ąhrliche Updates zu verkaufen. Das Update-Modell ist auch langfristig sinnvoll, wenn die Software-Firma aus einzelnen┬á Personen besteht und die Software viele Neukunden gewinnen kann. Schwierig wird es aber, wenn zur Firma auch eine Marketing-Abteilung, Kunden-Support, angestellte Entwickler und Vertrieb geh├Âren ÔÇô┬áalso laufende Personalkosten entstehen.┬á Sp hatte ja Adobe bei Photoshop das Problem, das selbst Uralt-Versionen noch f├╝r viele Anwender v├Âllig ausreichend waren. Vor allem bei der Creative Suite hat man ja eigentlich ja weniger den Eindruck eines Abos (man bekommt ja nicht monatlich etwas geliefert) sonder einer zeitbeschr├Ąnkten Nutzungslizenz. Microsoft hat es da nach unserer Meinung besser gemacht: Beim Abo-Modell erh├Ąlt man zus├Ątzliche Dienste wie Skype und ein TB Online-Speicher. Au├čerdem kann man auf Wunsch doch noch eine unbeschr├Ąnkte Lizenz von Office erwerben.

Nebenbei war es ja Apple, der die Tendenz zum Abo auf dem Mac forciert hat: Als der App Store er├Âffnet wurde, hatte Apple n├Ąmlich eine Neuerung: Ein im Mac App Store erworbenes Programm ist unbeschr├Ąnkt lauff├Ąhig und der K├Ąufer wird nicht durch kostenpflichtige Upgrades geschr├Âpft. Das beschnitt aber auf Seiten der Softwareanbieter eine wichtige Einnahmequelle und f├╝hrte ├╝ber die Jahre zu unz├Ąhligen Eintagsfliegen, die nie weiter entwickelt wurden. Kein Wunder, dass die neue Abo-Variante im Store so begeistert aufgenommen wurde.

Man sollte au├čerdem nicht vergessen, dass es allem Heimanwender sind, die Abos verschm├Ąhen. F├╝r einen Selbst├Ąndigen, der seine Abo-Geb├╝hren f├╝r Creative Suite und Office problemlos von der Steuer absetzen kann, ist diese Lizenzart ja sogar einfacher abzusetzen. Ein Heimanwender kauft seine Software dagegen privat, nutzt vielleicht eine Bildberarbeitung nur alle paar Monate f├╝r Urlaubsfotos oder verwendet die elegante Autorensoftware f├╝r seinen Hobby-Blog. Vor allem bei der Umstellung einer Lizenz auf ein Abo-Modell sollte ein Hersteller deshalb Fingerspitzengef├╝hl beweisen - auch ein echter Mehrwert wie bei Microsoft Office kann nicht schaden.

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