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"Sorry, Apple! Ich lag falsch..."

04.05.2018 | 13:31 Uhr | Peter Müller

Es passiert nicht alle Tage, dass sich ein Blogger bzw. Journalist an eigene Worte erinnert und sich dafür noch entschuldigt.

Es gibt so Tage, an denen fragt man sich als über Apple berichtender Journalist durchaus, ob man den Weltkonzern nicht zu vehement in womöglich voreingenommener Weise verteidigt. Steht der Untergang Cupertinos nicht doch bevor? Ist das iPhone X nicht doch ein fürchterlicher Ladenhüter und der Homepod eine Totgeburt ? Beutet Apple über seine Vertragsfertiger in Niedriglohn-Ländern doch Arbeiter über die Maßen aus – und die tollen Umweltberichte sind doch nur Greenwashing ?

Andererseits: Je lauter eine Kritik ist und je ungeprüfter und emotionaler die Urteile, desto eher hält man sich mit seinem genauen aber möglichst neutralen Blick auf Kurs. Und dann gibt es so Tage wie diese, an denen Apple seine Kritiker Lügen straft. Nein, das iPhone X ist kein Flop und über den Homepod könne man das noch nicht sagen und ja, Apple arbeitet an Produkten und nicht daran, seine Kunden und deren Daten dazu zu machen .

Finanzanalysten haben schon am Tag nach Bekanntgabe der Bilanz für das zweite Quartal 17/18 Asche auf ihr Haupt gekippt und so mancher hat versprochen, seine Prognosemodelle zu überarbeiten – wir berichteten gestern . Nun meldet sich via Bloomberg ein Journalist zu Wort , der Apple bisher stets kritisiert hatte – und dabei nach eigenen Angaben in seiner Emotionalität einiges übersehen habe. Leonid Bershidsky räumt nun auch ein, dass Apple ein vernünftiges Unternehmen in einem überhitzten Silicon Valley ist, es zähle für die wertvollste Firma der Welt nicht der kurzfristige Innivationshype, sondern die langfristige und nachhaltige Entwicklung.

Die Produkte, die Amazon in so rascher Folge heraushaue, würden die Probleme der Welt nicht lösen, sondern eher noch verschärfen, man denke an die als Spionagegeräte nutzbaren Smart Speaker. Mit seiner Vernunft könnte man sich Tim Cook auch als Chef eines deutschen Mittelständlers vorstellen. Wir sind aber froh, dass er nicht einen schwäbischen Weltmarktführer für elektrische Spätzlehobel leitet, sondern den Computer-Hersteller, den wir auch weiter kritisch begleiten wollen. Aber mit aller gebotenen Vernunft und Sachlichkeit. Lange kann es aber bis zu den nächsten "Apple is doomed"- und "Wo bleibt die nächste Disruption"-Geschichten nicht mehr dauern, Demut hält selten lange an.

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