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Spiegel Online beschuldigt Apple der Ausbeutung - ist da was dran?

28.08.2017 | 15:21 Uhr | Stephan Wiesend

In einem Artikel berichtet Spiegel Online, ,,wie gnadenlos Apple Menschen ausbeuten lässt“, und wärmt dazu einen alten Artikel auf.

Die Kritik von "Spiegel Online" ist hart: Im Artikel „Ich konnte mich kaum noch aufrecht halten“ werden die Arbeitsbedingungen bei der iPhone-Produktion in China stark kritisiert. Im Auftrag der NGO China Labour Watch arbeitete der amerikanische Student Dejian Zeng im Sommer 2016 beim Apple-Zulieferer Pegatron. Nachdem er aber erfahren hat, „wie gnadenlos Apple Menschen ausbeuten lässt“, sieht er beim Blick auf sein iPhone „die tausenden Gesichter, die es unter Schmerzen für einen mickrigen Lohn gefertigt haben“, so Spiegel Online.

Der Bericht von Zeng ist allerdings nicht ganz neu, entstand er doch vor über einem Jahr. Auch inhaltlich gibt es im Artikel gegenüber einem Bericht des "Business Insider" vor einem halben Jahr und einem Interview mit Zeng Ende 2016 nichts Neues. Wir haben damals ebenfalls über Zengs Erfahrungen berichtet . Allerdings gibt es sowohl beim Bericht des "Business Insider" als auch unserem Artikel einen großen Unterschied, vom weit emotionalerem Stil abgesehen: Die Arbeitsbedingungen in China werden nicht dem taiwanesischen Hersteller Pegatron, sondern ausschließlich Apple angelastet. Wer weiß schon, dass Pegatron auch Acer, Dell, Fujitsu, Intel, Microsoft, Nokia und Sony zu seinen Kunden zählt? Die Arbeitsbedingungen sind äußerst hart und vor allem im Bereich Überstunden gibt es berechtigten Anlass zur Kritik. Da kann sich auch Apple nicht entziehen. Eine Firma, die in China produzieren lässt, muss sich auch mit den lokalen Arbeitsbedingungen auseinandersetzen. Apple hat sich in den letzten Jahren aber zumindest bemüht, die Arbeitsbedingungen der chinesischen Arbeiter zu verbessern und auch die Kontrollen verstärkt. 

Ohne Zweifel steht hier aber wieder einmal Apple dank seiner Bekanntheit stärker im Rampenlicht, als es die Firma verdient hat. Und das bald erscheinende iPhone 8 liefert da einen aktuellen Anlass. Für Spiegel Online hat es sich die stark emotionalisierte Berichterstattung auf jeden Fall gelohnt: Der Artikel zählt nach zwei Tagen auf der Seite mehr als drei hundert Kommentare, die vorwiegend Apple beschimpfen.

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