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Spion-Chips auf Apple-Servern: Bloomberg-Scoop endlich widerlegt?

12.12.2018 | 12:48 Uhr | Stephan Wiesend

Eine externe Überprüfung des Mainboard-Herstellers Super Micros hat keine verdächtigen Chips gefunden, was den Artikel zusätzlich zu widerlegen scheint.

Es schien eine journalistische Sensation: Laut einem Bericht der zu Bloomberg gehörenden Businessweek sollen in China produzierte Server-Mainboards der Firma Super Micro mit einem speziellen Spionagechip präpariert worden sein. Etwa 30 US-Firmen wären ausspioniert worden, darunter Amazon und Apple. Apple, Amazon und Super Micro hatten diesen Bericht sofort vehement dementiert. Sie hätten keine derartigen Bauteile in ihren Servern gefunden und es hätte auch nicht die im Bericht behaupteten Nachforschungen von Behörden gegeben.

Der Artikel wurde auch von Fachleuten kritisiert , da es einige Widersprüche in den Beschreibungen gab, in Fachkreisen hält man den Bericht übereinstimmend für sehr unwahrscheinlich. Um letzte Zweifel auszuräumen, hat Super Micro die externe Firma Nardello & Co mit der Überprüfung seiner Mainboard beauftragt: In Stichproben der im Artikel erwähnten Mainboards sowie neueren Modellen fand sich laut Bericht keinerlei böswillig installierte Hardware. Der Hersteller bekräftigt außerdem, seine Produkte würden in jeder Herstellungsstufe getestet, Zulieferer  ständig überprüft und das komplexe Design der Motherboards schütze vor Eingriffen. Kein einziger Kunde und keine Regierungsbehörde habe jemals von Hardware-Eingriffen berichtet. Für das Unternehmen war der Bericht nicht ohne Folgen: Der Börsenwert des Unternehmen hatte sich nach dem Bloomberg-Bericht auf etwa die Hälfte reduziert, hat sich in den letzten Monaten aber bereits etwa erholt.

Bloomberg steht allerdings weiter zu seinem Report, scheint aber weiter zu dem Thema zu recherchieren.

Unsere Meinung:

Der Artikel des renommierten Bloomberg ist offenbar so löcherig wie die Neue Pinakothek in München . Leider lassen sich die Vorwürfe von Seite der Unternehmen schwer entkräften: Apple soll ja laut Bloomberg Spionagechips gefunden haben, es aber bewusst verschweigen. Nicht ohne Grund verlangen die Firmen deshalb von Bloomberg einen Widerruf des Berichts.

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