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Spracherkennung: Aus für Dragon für den Mac

25.10.2018 | 11:05 Uhr | Thomas Hartmann

Die einzige professionelle Diktiersoftware und Spracherkennung für den Mac von Nuance ist mit sofortiger Wirkung eingestellt, es soll auch keine Updates mehr geben.

Nachdem früher IBM Via Voice die einzige ernstzunehmende Diktiersoftware für den Mac war und schon vor vielen Jahren eingestellt wurde, konnte zunächst Macspeech mit iListen die Lücke füllen, bevor die Software von Nuance übernommen und als Dragon Dictate fortgesetzt wurde. Hochpreisig war diese Software schon immer, doch wer eine Spracherkennungssoftware auf dem Mac benutzen wollte, um etwa längere Texte einfach zu diktieren oder den Mac per Stimme zu steuern, kam daran nicht vorbei.

Nun hat der Entwickler in recht dürren Worten auf einer Supportsite mitgeteilt , dass die aktuelle Version Dragon Professional Individual for Mac (Dragon 6) mit sofortiger Wirkung eingestellt wird, es soll auch keine Weiterentwicklungen oder Updates mehr geben. Man beobachte genau das eigene Produktportfolio und wie es den Bedürfnissen von Kunden und im Businessbereich entspreche. In diesem Fall hat man offenbar festgestellt, dass der Verkauf der Software nicht allzu gut lief. Immerhin kostet sie 300 Euro, ein stolzer Preis, wenn man bedenkt, dass man Spracherkennungssoftware für PCs vom selben Anbieter bereits ab unter 100 Euro erhält. Die entsprechende professionelle Variante für Windows kostet zwar immerhin noch 200 Euro, aber der Einstiegspreis in die Diktiersoftware ist eben für das Microsoft-Betriebssystem deutlich geringer. Da fragt man sich schon, warum man Dragon für eine derartig hohen Preis angeboten hat.

Genau dies dürfte wohl auch ein Hauptgrund sein, warum die Spracherkennung auf dem Mac einen schweren Stand hatte. Denn das überlegt man sich schon mindestens zwei- bis dreimal, ob man derartig viel Geld auszugeben bereit ist.

Wir selbst haben die Spracherkennung auf Macwelt.de immer wieder getestet, angefangen bei iListen bis hin zur letzten Version von Dragon 6 . Schon damals lobten wir die sehr gute Erkennungsrate, von der wir auch heute noch bei Diktaten wie diesem Text profitieren. Kleinere Updates brachten seitdem noch Verbesserungen. Schwachstellen und Macken wurden aber kaum ausgebügelt.

Wer also gerne weiter auf dem Mac Texte diktieren will, ist entweder auf das von Apple eingebaute Siri angewiesen, das aber insbesondere aufgrund fehlender Korrekturmöglichkeiten professionellen Ansprüchen nicht genügen kann. Oder er muss hoffen, dass die aktuelle Version von Dragon 6 noch eine Weile störungsfrei läuft, unter macOS 10.14 Mojave funktioniert das Programm ohne Probleme. Zukünftige Betriebssystemupdates könnten da aber einen Strich durch die Rechnung machen.

Ob ein anderer Entwickler in die Bresche springt, bleibt abzuwarten, da darf man aber aufgrund der hohen Anforderungen an eine solche Software erst einmal pessimistisch bleiben oder entsprechend auf die Windows-Version zurückgreifen und mit Parallels Desktop zusammenlaufen lassen, was dem Vernehmen nach funktionieren soll – selbst ausprobiert haben wir das noch nicht. Immerhin, benutzt man Parallels Desktop ohnehin schon und funktioniert es in der Kombination mit Dragon Naturally Speaking, wird es in der Folge mit der professionellen Spracherkennung auch für Mac-Anwender deutlich günstiger.

Noch kann man Dragon Professional Individual für Mac 6 auf der Website von Nuance übrigens finden, aber nur als Vorschau. Will man mehr Informationen oder die Spracherkennung kaufen, landet man unversehens (aber nicht sehr deutlich gekennzeichnet) bei der Windows-Version. Möchte man Dragon für den Mac 6 unbedingt noch erwerben, klappt dies beispielsweise derzeit noch bei Amazon als Download-Angebot – für dann sogar 328 Euro!

Schade, dass es der Entwickler nicht mit günstigeren Preisen probiert hat. Vielleicht hätten sich dann doch einige Mac-Anwender mehr von den Vorteilen einer guten Spracherkennung überzeugen lassen.

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