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Standortdaten: Google sammelt 16-mal mehr als iOS

23.08.2018 | 11:39 Uhr | Thomas Hartmann

Google offenbart sich einem neuen Bericht zufolge als wahre Datenkrake, selbst dort, wo man wie etwa auf iPhones gar keine Google-Dienste nutzt.

Das berichtet Digitalcontentnext im Anschluss an eine Untersuchung von Douglas C. Schmidt, Professor fĂŒr Computer Science an der Vanderbilt University, USA. Demzufolge sendet ein ruhendes Android-Smartphone mit im Hintergrund aktivem Chrome-Browser 340 mal innerhalb von 24 Stunden Ortsinformationen an die Google-Server. Solche lokalen Meldungen ĂŒber den Aufenthaltsort des Handys sollen allein 35 Prozent aller von Google gesammelten Daten ausmachen. Im Vergleich dazu sendet ein iOS-GerĂ€t mit Safari, aber ohne Google Chrome-Browser, keine Daten an Google, solange das GerĂ€t nicht genutzt wurde. Ein sich im Ruhezustand befindliches Android-Smartphone oder -Tablet soll sogar zehnmal hĂ€ufiger mit Google-Servern kommunizieren, als ein Apple-GerĂ€t mit Apple-Servern. Das heißt, Google ist im Grunde fast pausenlos dabei, Daten und insbesondere Ortsinformationen des Nutzers zu sammeln. Die Basis dafĂŒr sind entsprechende Android-Smartphones, auf denen Google-Dienste selbstverstĂ€ndlich installiert sind, im Gegensatz zu iOS-GerĂ€ten.

Datenverbindungen im Ruhezustand
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© Digital Content Next

Außerdem könne Google sogar anonyme Nutzerdaten mit den persönlichen Informationen eines Users mit Google-Account identifizieren. Möglich ist dies maßgeblich durch Technologien, wie sie in der Werbung eingesetzt werden und die Google weiterhin kontrolliert. Dies geschieht durch das Sammeln von AktivitĂ€tsdaten mit Apps oder Webseiten außerhalb von Google, die man besucht. Aber fast ĂŒberall findet sich auch Google-assoziierte Werbung (etwa Google Ads oder Analytics), Google kann dies offensichtlich mit Informationen, die das GerĂ€t an Google-Server sendet, querschließen. Dazu kommen Cookie-ID-Trackinginformationen, die via DoubleClick – welches zu Google gehört – ebenfalls ĂŒber Werbekontext auf Drittseiten gesendet und gesammelt werden.

Datenverbindungen an einem durchschnittlichen Tag.
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TatsÀchlich geschieht der Studie zufolge der Hauptteil der Datensammlung durch Google dann, wenn ein Nutzer gar nicht mit einem Google-Produkt wie Apps oder Webseiten des Konzerns interagiert, sondern im Grunde rund um die Uhr wenn das Smartphone oder Tablet gerade ruht. Dies betreffe mehr als 2 Milliarden Nutzer. Besonders bezeichnend sind die Unterschiede bei den Standortdaten. Laut der Studie sammelt Google das 16-fache an Standortdaten im Vergleich zu iOS an einem durchschnittlichen Tag.

Freilich sollte man sich auch mit einem iOS-GerĂ€t, auf dem man keine Google-Dienste oder entsprechende Apps nutzt, vor dem Datenhunger des Konzerns nicht zu sicher fĂŒhlen. So heißt es in dem Bericht von Professor Schmidt, dass auf iPhones oder iPads, die keinerlei Google-Produkte aktiv nutzen und auch keine entsprechenden Seiten besuchen, dennoch ein erstaunlich hoher Austausch mit Google-Servern stattfinde. Diese Kommunikation beruht ausschließlich auf Werbediensten fĂŒr die Webseiten, die von Google verwaltet werden und praktisch ĂŒberall anzutreffen sind. Dieser Austausch sei unter iOS in der HĂ€ufigkeit sogar Ă€hnlich hoch wie mit Google-GerĂ€ten. In dieser Untersuchung sei das Ausmaß des Datenaustauschs mit Google-Servern von einem iOS-GerĂ€t aus immerhin noch ungefĂ€hr halb so hoch wie auf einem Google-/Android-GerĂ€t.

ErwĂ€hnt werden sollte, dass diese Tests mit nicht mehr ganz aktuellen GerĂ€ten und Betriebssystemen durchgefĂŒhrt wurden, nĂ€mlich einem iPhone 5 mit iOS 10.3.3 sowie LG X Power mit Android 6.0. Es wĂ€re also zu hinterfragen, ob neuere Betriebssysteme und GerĂ€tetechnologien diesen Austausch insbesondere fĂŒr iOS-MobilgerĂ€te eingeschrĂ€nkt haben. Darauf verlassen sollte man sich sicherlich nicht. Gesammelt wurden die Daten mittels einer VPN-Verbindung mit einem Desktop-Rechner, fĂŒr die Aufzeichnung des Datenverkehrs wurde das Tool MITM Proxy verwendet.

Andererseits ist zu bedenken, dass es auch positive Auswirkungen dieser Datensammlung gibt. So zum Beispiel bei Google Maps, wenn man ziemlich prĂ€zise erfĂ€hrt, wo stockender Verkehr oder Staus zu erwarten sind und das praktisch in Echtzeit aufgrund der Auswertung der beschriebenen Nutzerdaten. Freilich hat man offenbar auch gar keine Chance, sich gegen diese ”Inanspruchnahme” durch den Google-Konzern, fĂŒr welchen Zweck auch immer, ernsthaft zu wehren. Und das ist sicherlich etwas, was im Zuge der Diskussion um Datensammlung, etwa auch durch Facebook und Cambridge Analytica, mittelfristig kaum mehr akzeptiert werden dĂŒrfte.

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