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Streams: Fußball live am Mac, iPhone und iPad schauen

02.08.2018 | 11:16 Uhr |

Fußball vor dem Fernseher ist schon längst kein Muss. Wir meinen hier keine komplette Abstinenz, sondern diverse Möglichkeiten am Mac, iPad und iPhone.

Es geht wieder los: Die Dritte Liga spielt seit letztem Wochenende, die Zweite Bundesliga eröffnet morgen mit HSV - Holstein Kiel ihre Saison und die Bundesliga wird am 24. August mit der Partie FC Bayern München gegen TSG 1899 Hoffenheim ihre 56ste Saison aufnehmen - dazwischen steigt noch die erste Runde im DFB-Pokal, in der so mancher Dorfverein einmal gegen Weltstars antreten darf. Was haben wir den rollenden Ball vermisst, nachdem die WM aus deutscher Sicht doch eher eine traurige Angelegenheit war.

Konnten wir aber noch die hohe Fußballkunst der Franzosen und der Kroaten im Finale im Free-TV verfolgen, wird das Vergnügen in den kommenden Monaten in Sachen Bundesliga, DFB-Pokal, Champions und Europa League doch eher ein eingeschränktes sein. Das ZDF überträgt zwar die Eröffnung aus der Allianzarena in München live und im Verlaufe der Saison noch zwei weitere Spiele, aber unter der Woche bleibt der Bildschirm schwarz: Erstmals ist die Champions League nur noch im Pay-TV zu sehen, bei Sky und DAZN. Einzige Ausnahme: Erreicht ein Bundesligist das Finale nächstes Jahr am 1. Juni in Madrid, darf der öffentlich-rechtliche Sender übertragen. Drücken wir also den Bayern die Daumen.

Die Rechtesituation ist aber auch in Sachen Bundesliga kompliziert, Sportschau (ARD) und Sportstudio (ZDF) zeigen nur Zusammenfassungen, Freitagsspiele gibt es (kostenpflichtig) bei Eurosport, den Rest bei Sky. Detailliert haben die Kollegen der PC-Welt aufgedröselt, wer wann was live übertragen darf, auf den TV im Wohnzimmer .

TV ist aber nun längst nicht mehr an das per Antenne, Kabel oder Satellit verfolgte große Gerät im Wohnzimmer gebunden. TV findet auf allen Endgeräten mit Bildschirm statt – so sind Fans flexibel und müssen nicht um halb vier nachmittags oder neun Uhr abends daheim vor der Glotze sitzen, wenn der Anpfiff erfolgt. Andererseits hat man mit iPhone, iPad und Mac auch noch andere Möglichkeiten, die über das Angebot der TV-Sender hinausgehen. Also, falls Sie wirklich Spiele mit griechischem, russischen oder niederländischen Kommentar im Stream sehen wollen. Unser Ratgeber fasst zusammen, welche Möglichkeiten Sie haben, abseits des etablierten Fernsehens bewegte Bilder von ihren Lieblingsteams zu sehen.

Welche Optionen bestehen: Mac, iPhone, iPad

Grundsätzlich bieten Mac, iPad und iPhone eine Reihe praktischer Möglichkeiten, um Fußball-Spiele live zu verfolgen – völlig egal, ob unterwegs, zu Hause oder am Arbeitsplatz. Wenn Sie einen frei empfangbaren Sender auf Laptop, Tablet oder Smartphone einschalten wollen, haben Sie grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Die erste ist ein DVB-T-Adapter. Dieser hat den Vorteil, dass er im Betrieb das digitale, terrestrische Signal auffängt und für Ihr Endgerät kodiert. Sie müssen also nicht online sein, Ihr Mobilfunktarif wird es Ihnen danken. Der Nachteil: Haben Sie sich etwa vor zwei Jahren im Vorfeld der EM ein solches Gerät angeschafft, werden Sie damit im Jahr 2018 keine Freude mehr haben. Denn der Standard DVB-T2 hat den bisherigen abgelöst. Nicht jeder Hersteller ist da mitgegangen, der Münchener Hersteller Equinux (tizi) etwa sieht die Zukunft des (mobilen) TV eher im Internetstreamimg und bietet daher keine DVB-T2-Adapter an. Ähnlich gelagert ist der Fall bei einem anderen renommierten Hersteller, den man als Mac-Anwender kennt. Elgato hat jedoch seine komplette TV-Sparte samt der Software EyeTV verkauft, immerhin hat der Käufer Geniatech passende Hardware im Angebot  – mehr dazu später.

Neben dem Einsatz von DVB-T2-Adaptern gibt es natürlich immer auch die Option, Fußballspiele per Internet-Stream im Browser zu schauen. Zudem können zumindest Desktop-Macs auch auf vorhandene Satelliten- oder Kabelanschlüsse zugreifen, um die Spiele in höchster Qualität zu genießen. Welche Lösung Sie letztlich wählen, bleibt natürlich Ihnen überlassen – wir zeigen Ihnen an dieser Stelle, welche Optionen Sie unterwegs, zu Hause und am Arbeitsplatz haben. Unterwegs müssen Sie natürlich beachten, dass das auf Kosten Ihres Datenvolumens geht. Einige Dienste verweigern gar die Arbeit, wenn Sie nicht in einem WLAN eingebucht sind – das kann aber durchaus zu Ihrem Vorteil sein.

Möglichkeit 1: Einen DVB-T2-Stick verwenden

DVB-T-Sticks für Mac, iPad und iPhone – eine Übergangstechnologie, deren Ende aber erst dann kommt, wenn die nur für Provider lukrative Drosselung des High-Speed-Volumens von Telekom und Co. ebenso der Vergangenheit angehört. Es gibt Tarife, deren Monatsvolumen an LTE-Internet schon nach der ersten Halbzeit ausgeschöpft ist. Einen mit unbegrenztem High-Speed-Volumen bietet seit kurzem die Deutsche Telekom an, Magenta XL kostet aber auch satte 80 Euro im Monat.

Aber für mobile Geräte gibt es noch Adpater, die das (meist) kostenlose DVB-T2-Signal auffangen und an den Bildschirm weitergeben. Die Firma Geniatech hat im Frühjahr 2016 die TV-Sparte von Elgato übernommen und vertreibt die bekannten EyeTV-Produkte nun unter eigenem Namen. Dabei bleibt allerdings erst mal alles beim Alten: Die Software ist wahlweise allein für 79,95 Euro erhältlich oder in einem Bundle mit einem der USB-TV-Sticks. Geniatech bietet die beiden Sticks eyeTV T2 und eye TV T2 hybrid an, für 79,95 Euro respektive 129,95 Euro. Der Unterschied: Der günstigere Stick kommt mit einer Lite-Version von Eye TV, mit der man etwa die elektronische Programmzeitschrift durchsuchen oder aufgenommene Sendungen schneiden kann. Achtung: Das DVB-T-Signal ist abgeschaltet und über DVB-T2 kann man nur öffentlich-rechtliches Fernsehen ohne weitere Kosten empfangen. Das hat Folgen für den Fußball: Will man etwa im Frühjahr 2019 die EM-Qualifikationsspiele des DFB-Teams ansehen, muss man für den Empfang von RTL extra bezahlen. Die Spiele im UEFA-Nationscup gegen Frankreich und die Niederlande im Herbst 2018 laufen jedoch auf ARD und ZDF.

Am 23. Juni sollte die Abwehr der Schweden kräftig ins Schwimmen kommen. Wir sind am Mac live dabei. (Symbolbild)
Vergrößern Am 23. Juni sollte die Abwehr der Schweden kräftig ins Schwimmen kommen. Wir sind am Mac live dabei. (Symbolbild)

Auch andere Anbieter wie Hauppauge, Rybozen oder Freenet TV bieten Sticks an, die teilweise deutlich günstiger sind als die Lösungen von Geniatech – es liegt diesen aber nicht die hervorragende Software EyeTV bei. Hinzurechnen müssten Sie auch noch die Kosten für Privatsender, sofern Sie diese zu empfangen wünschen. Das Abo Freenet TV kostet etwa 69 Euro im Jahr.  Eine Auswahl von Sticks finden Sie bei Amazon .

Schade: Geniatech hat die von Elgato übernommenen Lösungen für Mobilgeräte bisher nicht weiter entwickelt. Eye TV Mobile (mit Lightning-Stecker ) und Eye TV w (mit WLAN-Hotspot) empfangen kein DVB-T2 und sind somit allenfalls im Ausland geeignet, um auf iPhone und iPad Fernsehen zu empfangen. Samsung, Telestar und Logilink helfen mit DVB-T2-Lösungen aus, die wir aber bisher nicht getestet haben und deshalb nichts über deren Qualität sagen können.

Doch wer sich stets im WLAN aufhält oder sich über das Ende des High-Speed-Internets in seinem Mobilfunktarif keine Sorgen machen muss, der ist mit Internetstreams ohnehin besser bedient. Denn diese sind nicht nur von den herkömmlichen TV-Anstalten empfangbar. So beleuchten wir im kommenden Kapitel die zweite Möglichkeit.

Möglichkeit 2: Spiele streamen

Sie meinen also, Spiele live zu sehen, nur weil der Sender ein entsprechendes Logo einblendet? Weit gefehlt: Live gibt es nur im Stadion, bei jedweder Auslieferung von Bild und Ton aus der Arena kommt es zu Verzögerungen, durch Encoding, Signallaufzeiten oder Pufferspeicherung. Am schnellsten ist immer noch das analoge Radio (UKW), Kabelfernsehen und digitales terrestrisches TV (also DVB-T) ist auch noch recht flott, Satelliten-Fernsehen wegen der zwei mal zu überwindenden Entfernung von der Oberfläche zur geostationären Umlaufbahn schon deutlich langsamer.  Am langsamsten ist aber der Stream über das Internet, vor allem, weil er an diversen Stellen zwischengespeichert werden muss, um nicht abzureißen. Da sind dann gerne mal 15 bis 30 Sekunden Verzögerung drin. Sie dürfen sich dann nicht wundern, wenn der Nachbar oder der Nebensitzer im Biergarten schon jubelt, wenn Sie noch nicht einmal ahnen, dass das gleich eine Flanke kommt.  Aber wenn Ihnen das Spiel so wichtig ist, werden Sie ohnehin selbst am Radio hängen oder in die Sportbar gehen. Alle anderen können mit einer solchen Zeitverschiebung leben – Streams aus dem Internet haben nicht nur wegen der Kosten Vorteile.

Die derzeit wohl einfachste Lösung zum Verfolgen der (wenigen live übertragenen) Spiele ist das Einschalten der TV-Live-Streams von ARD und ZDF.

Die Livestreams der ARD sind unter diesem Link zu erreichen: http://www.daserste.de/live/index.html

Das ZDF streamt unter diesem Link: www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/live

Mittlerweile haben die Sender im Web auf HTML 5 umgestellt und setzen das unsichere Flash nicht mehr ein. Auf dem Mac kann man aber auch auf eine alternative Playersoftware setzen: Die App LiveTV   für den Mac hat den Vorteil, dass sie vom Browser unabhängig arbeitet und auf die Livestreams diverser Sender zugreifen kann. Allerdings hat die App den Nachteil, dass für ZDF und viele andere Sender eine monatliche Gebühr statt eines einmaligen Kaufpreises fällig wird. Alternativen sind Webdienste wie Zattoo oder MagineTV , die jedoch ebenfalls monatliche Kosten erzeugen.

Die Mediacenter-Lösung Kodi besitzt Plugins für die Streams vieler namhafter Fensehsender, darunter auch ARD und ZDF, die die EM-Spiele ausstrahlen.
Vergrößern Die Mediacenter-Lösung Kodi besitzt Plugins für die Streams vieler namhafter Fensehsender, darunter auch ARD und ZDF, die die EM-Spiele ausstrahlen.

Kostenfrei geht es übrigens mit der Mediacenter-App Kodi : Diese besitzt Video-Plug-ins für den Live-TV-Stream diverser Sender, darunter ARD und ZDF, mit denen Sie die Fußball-Duelle natürlich auch verfolgen können. Nachteil dieser Lösung: Kodi arbeitet nur im Vollbild-Modus, Arbeiten ist nebenher also nicht möglich.

Auf  iPhone und iPad benötigt man keinen Browser, wohl aber die richtige App. Auch hier bietet sich Zattoo an und Waipu.tv. Das Unternehmen Waipu.tv gehört zur Exaring AG, die ein eigenes Glasfasernetz in Deutschland betreibt. Die von Waipu ausgelieferten Streams sind in der Regel sehr zuverlässig, Sie versäumen kein Tor. Aber auch hier gilt zweierlei: Der Spaß ist nach einer 30-tägigen Probezeit kostenpflichtig mit 10 bis 15 Euro im Monat. Und: Trotz der hohen Qualität und Zuverlässigkeit sind Verzögerungen nicht zu vermeiden. Das gute, alte Radio ist auch hier deutlich schneller, aber dazu später mehr.

Vor der letzten WM hat Waipu.tv nun seinen Service aufgebohrt. Im Wesentlichen war die App bisher nur über das iPhone (oder ein Android-Gerät) zu bedienen. Ein Google Chromecast oder ein FireTV-Stick nimmt das Signal auf Wunsch entgegen und bringt es auf den großen Bildschirm. Im Frühjahr gab das Unternehmen bekannt, die App auch für Tablets optimiert zu haben, zunächst für die Fire-Tablets von Amazon und Android-Geräte. Eine iPad-Version steht in Kürze bevor. Fernsehen auf dem iPad geht auch so, wenn man die Darstellung 2X wählt, auch bildschirmfüllend. Doch die App selbst ist eben eine für den kleinen Bildschirm, mit allen sich daraus ergebenden Nachteilen. Wir sind auf das Resultat gespannt.

Was es bisher bei Waipu.tv auch nicht gab: Unterstützung für Apple-TV. Während man für Fire TV und Fire-TV-Stick und ebenso für die Chromecasts schon längst eine native App bekommt, blieb die Settopbox aus Cupertino bisher außen vor. Das soll sich laut Waipu nun auch bald ändern, einen Zeitpunkt kann das Unternehmen noch nicht nennen. Vielleicht klappt's ja bis zur Sportschau am ersten Bundesligapieltag nach der WM. Was bislang auch nicht ging: Per Waipu TV auf dem iMac oder Macbook schauen, über den Browser. Das ist ab sofort möglich und unser iMac im Home-Office wird nun endlich zum vollwertigen TV-Gerät.

Je nach Adapter sind die Tuner ausgesprochen kompakt und passen in jede Notebook-Tasche.
Vergrößern Je nach Adapter sind die Tuner ausgesprochen kompakt und passen in jede Notebook-Tasche.

Möglichkeit 3: Eigenen Kabel- oder SAT-Anschluss streamen

Sitzt der Mac im heimischen Netzwerk oder ist per VPN über ein externes LAN/WLAN mit ihm verbunden, gibt es zudem noch eine dritte Möglichkeit, die es ermöglicht, Fußball am Mac zu schauen: Manche Kabel-Router – etwa die Fritz!Box 6490 – besitzen einen integrierten DVB-C-Tuner, der das Fernsehprogramm ins Netzwerk streamen kann. Gibt es den nicht, kann sowohl am Kabel-, als auch am DSL-Anschluss eine Streaming-Box am Router angeschlossen werden, die ihrerseits mit der TV- oder Sat-Buchse an der Wand verbunden wird.

Die Kabel-Fritzbox 6490 erlaubt das Streaming von TV-Sendern direkt vom Kabelanschluss ins heimische Netzwerk.
Vergrößern Die Kabel-Fritzbox 6490 erlaubt das Streaming von TV-Sendern direkt vom Kabelanschluss ins heimische Netzwerk.

Je nach Ausführung kann dann entweder die EyeTV-Software oder der VLC-Player auf den auf diese Weise generierten Fernsehstream zugreifen. Das ist bei der Fritzbox denkbar einfach: Zunächst muss im Backend ein Suchlauf gestartet werden, anschließend kann eine M3U-Playliste vom Router heruntergeladen werden. Diese müssen Sie dann nur noch mit VLC öffnen, um das volle Programmspektrum Ihres Kabelanschlusses im Netzwerk zu genießen. Das geht natürlich auch unterwegs, indem Sie sich von dort per VPN auf Ihren Router und in Ihr heimisches Netzwerk verbinden – dem Fußballgenuss in voller HD-Qualität steht damit auch unterwegs nichts im Wege, sofern die WLAN-Geschwindigkeit stimmt. Natürlich klappt das auch mit dem DVB-S-Signal, sofern entsprechende Hardware vorhanden ist. Die Kollegen von der PC-Welt haben einige Lösungen zusammengesucht, um das TV-Signal als IPTV-Stream im Netzwerk bereitzustellen. Programme wie VLC oder das Mediacenter Kodi können auf diese Streams zugreifen – entweder zu Hause oder wie bereits erwähnt per VPN auch unterwegs.

Dieses IP-TV kann dann mit einem Player wie VLC oder Kodi per Playliste abgegriffen werden und sorgt für beste Fernsequalität am Mac ohne zusätzliche Hardware.
Vergrößern Dieses IP-TV kann dann mit einem Player wie VLC oder Kodi per Playliste abgegriffen werden und sorgt für beste Fernsequalität am Mac ohne zusätzliche Hardware.

Abseits der Öffentlich-Rechtlichen

Nun, da die Grundlagen erklärt sind, kümmern wir uns um die Details. Wer sich nur für EM, WM und ein paar verstreute Länderspiele interessiert, der kommt mit den öffentlich-rechtlichen Fußballangeboten wunderbar aus. Wem am Wochenende  Zusammenfassungen der Bundesligaspiele genügen und hin und wieder ein DFB-Pokal- oder Ligaspiel in voller Länge und das Champions-League-Finale mit den Bayern, der auch. Doch darüber hinaus wird es interessant. Und leider auch ein wenig kompliziert.

Bis einschließlich der  Saison 2016/17 genügte es, wenn man ein Abonnement des Bezahlsenders Sky abgeschlossen hatte. Alle Bundesligaspiele, die am Samstag auch in Konferenz, "live" und in Farbe, dazu alle Begegnungen der Champions League – wunderbar. Enthusiastische TV-Sportler sehen gar kein Problem, dafür ungefähr 50 Euro im Monat auszugeben, zumal man auch unterwegs per App oder Browser die Spiele sehen konnte – und jede Menge anderen Sport mitgeliefert bekam.

Seit der Saison 2017/18 ist es schwieriger und leider wird es 2018/19 noch schlimmer. Denn das Freitagsspiel der ersten Bundesliga wird nun im Bezahlkanal des Senders Eurosport, ein Teil des Großunternehmens Discovery, übertragen. Vor allem während der Vorrunde der letzten Saison hatten Eurosport-Kunden über ständig abbrechende Streams geklagt, mittlerweile scheint der Sender aber seine technischen Probleme in Griff bekommen zu haben. Empfangbar über die App, lässt sich das Sporterlebnis problemlos auch auf den großen Bildschirm streamen, etwa über Chromecast, Apple TV via Airplay oder Fire TV (Stick). Aber das gilt für alle auf dem iPhone oder iPad gesehenen Programme.

Mit der Champions League wird es nun ganz besonders kompliziert, denn seit letzter Saison teilen sich Sky und DAZN in Deutschland die Ausstrahlungen per Kabel (nur Sky) oder Streaming. Die wichtigsten Spiele sind zwar auf beiden Sendern zu sehen, aber wollte man die komplette Saison über so viele Spiele wie möglich sehen und vor allem alle seiner Lieblingsmannschaft, musste man Abos bei beiden Anbietern abschließen! DAZN ist zwar wegen der fehlenden klassischen TV-Infrastruktur deutlich günstiger als Sky, aber man zahlt halt schon wieder einen Zehner extra. Apropos "Zehner extra": Sky bietet auch für sein Streamingangebot einen Tagespass, so kann man etwa einzelne Spiele verfolgen, die der andere oder die anderen Anbieter nicht zeigen (dürfen). Oder einfach mal zum Ausprobieren, ob man wirklich am Samstag Nachmittag Fußball live im TV sehen will. Für eine ganze Woche, also mehrere Spiele, zahlt man bei Sky 15 Euro, der einmalige Monatspass, das Sky Supersport Monatsticket kostet 30 Euro .

Einschub: Wer soll das bezahlen? Wer hat das bestellt?

Wir hören laute Stoßseufzer? Haushaltsabgabe aka GEZ-Gebühr, Internet- und Kabelanschluss, Abos von Netflix, Watchever, Zattoo und/oder Waipu, Amazon Prime kostet ja auch etwas, jetzt noch 'nen Zehner pro Monat extra für DAZN oder einmalig für ein Tagesticket von Sky? Wann kommt endlich ein Anbieter, der das alles in eine handliche Box und ein akzeptables Paket verschnürt? Ja, das denken wir auch. Aber es ist kompliziert, gerade mit dem Sport. Die absoluten Spitzenkräfte in Europa bekommen 50 Millionen pro Jahr, die Topleute in der Bundesliga auch schon 15 Millionen, irgendjemand muss das bezahlen. Und zwar Sie: Über das Fernsehen in Form vieler Anstalten und Unternehmen, die Milliarden pro Jahr in den Sport pumpen.

Das ist für diese Saison noch relevanter geworden, denn das ZDF steigt bekanntlich aus der Champions League aus. Die einen mögen bedauern, dass sie nicht einmal mehr das eine Mittwochsspiel live sehen können (in der Vorrunde mit Beteiligung einer der vier deutschen Mannschaften, ab dem Achtelfinale nur mit den Bayern...). Andere erinnern an den Bildungsauftrag des ZDF als öffentlich-rechtliches Fernsehen und sehen die Erfüllung dessen gefährdet, wenn Milliarden aus dem Säckel der Anstalt in eine heiß drehende Unterhaltungsindustrie fließen und es schließlich an Etat für Dokumentationen oder Kultursendungen fehlt. Also, ab und an ein Sky-Ticket lösen, oder DAZN abonnieren oder jeden Samstag und Mittwoch ins Wirtshaus mit Übertragungslizenz? Letztlich eine Sache der Abwägung. Es geht aber auch kostengünstiger, aber eben mit Einschränkungen.

Raised on Radio Gaga

Wir haben es in diesem Artikel schon öfter erwähnt und können es einfach nicht genug loben: Das Radio. Nein, Sie bekommen über die öffentlich zugänglichen Frequenzen nicht ein jedes Spiel in voller Länge auf die Ohren kommentiert, aber so viel, dass es für die Grundversorgung reicht. (By the way: Champions-League-Spiele in voller Länge im TV zu übertragen, ist keine Grundversorgung, ARD und ZDF sind also nicht dazu verpflichtet.) Unschlagbar ist in Sachen Bundesliga natürlich die ARD-Konferenz am Samstag Nachmittag. Fünf und manchmal mehr Spiele in Konferenz zusammen geschaltet, die letzten fünf Minuten der ersten Halbzeit und die letzten 20 bis 25 Minuten der zweiten – Pflicht für jeden Fußballfreund, der nicht schon vor der Glotze sitzt. Problem dabei: Die Bundesliga spielt auch am Freitag und Samstag Abend, dazu noch am Sonntag und mittlerweile in seltenen Fällen am Montag. Es hängt dann sehr stark von den Paarungen ab und im welchen Sendegebiet Sie wohnen, ob Sie nun in seltenen Einblendungen oder längeren Live-Reportagen von den Spielen erfahren.

Immerhin bietet auch hier das Internet Lösungen. Apps wie TuneIn oder Radio.de bündeln die Streams hunderter Stationen, Sie werden Ihren Sender dann leicht finden. Aber auch hier gilt: Hört der Nachbar via UKW oder DAB+, hört er die Torschreie der Reporter vor Ort eher als Sie über Ihren gepufferten Internetstream.  Die Champions-League-Partien werden Sie nicht in jedem Fall im (Internet-)Radio in voller Länge genießen können, für Freunde und Feinde des FC Bayern ist der Sender "Bayern 5" aber die beste Anlaufstelle dafür. Die Live-Reportagen von Karlheinz Kas, Hans-Peter Pull, André Siems und Edgar Endres setzen aber einen Maßstab: Es wechseln sich über die 90 Minuten immer zwei ab.

Seit letzter Saison zeigt aber auch Amazon, wie Sportradio im 21sten Jahrhundert funktioniert. Ab der Bundesligasaison 2017/18 überträgt der Konzern über Amazon Music Unlimited (noch ein Abo extra!) die Spiele der ersten und zweiten Bundesliga, alle Partien des DFB-Pokals und ausgewählte Spiele der Champions League und Europa League in voller Länge – oder in Konferenz. Auch freitags und sonntags. Kunden der Echo-Geräte können ihrer Alexa auch per Sprachkommando mitteilen, was sie gerne hören möchten, etwa Mainz gegen Bayern oder Kiel gegen Regensburg. Die Qualität der Reportagen ist hoch, kann sich aber noch nicht ganz mit denen der etablierten Sender messen – das kann aber durchaus noch werden.

Nicht ganz sauber und von zweifelhafter Qualität

Natürlich können Sie einfach auch Ihre Suchmaschine anwerfen und nach Streams aktueller Spiele suchen. Nur werden Sie wenig Freude daran haben. Nicht alles ist legal und vor allem nicht hochqualitativ in Bild und Ton. Haben Sie mal einen Anbieter gefunden, der Ihnen gefällt, kann der nächste Woche auch schon wieder aus dem Netz verschwunden sein. Auch fies: Sie fangen sich auf einer Streamingsite einen Virus ein, wenn Sie mal nicht mit Ihrem Mac unterwegs waren. Oder erfreuen sich am lettischen Kommentar mit rumänischen Untertiteln. Aber vielleicht haben Sie ja Glück, bleiben von jedweder Unbill verschont, bekommen scharfes Bild wie verständlichen Ton und am Ende gewinnen die Bayern. Wenn Sie sich aber mehr für das Old Firm in Glasgow (Celtic vs. Rangers) oder HNJ Rijeka gegen Hajduk Split interessieren, bleibt Ihnen wenig anders übrig, als nach Streams aus anderen Ländern zu suchen. Und zu allerletzt bleibt eine letzte Möglichkeit, um auf dem Laufenden zu bleiben, gerade dann, wenn Sie gar kein oder nur schlechtes Netz haben oder ein Bildschirm die anderen Kino- oder Theaterbesucher massiv stören würde: Verfolgen Sie einen Ticker – wir empfehlen den vom Sportmagazin "kicker" – stellen Sie einen Toralarm ein und lassen Sie sich von Ihrer Apple Watch über den Fortgang der Partien informieren.

Fazit

Am Stadionerlebnis führt kein Weg vorbei. Doch manchmal liegt der Termin ungünstig, das Spiel findet weit weg statt oder die Arena ist seit Wochen ausverkauft – im 21. Jahrhundert müssen Sie nicht auf Live-Informationen verzichten. Meist bekommen Sie auch überall gute Bilder.

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