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Studie: Zwei Stunden Counterstrike täglich machen nicht weniger einfühlsam

10.03.2017 | 10:55 Uhr |

Das wollen zumindest Forscher an der medizinischen Hochschule in Hannover herausgefunden haben. Der Befund wurde gegen eine Kontrollgruppe erhoben.

Die sogenannte ”Killerspieldebatte” im engeren Sinne liegt nun schon eine Zeit lang zurück. Die vorherrschende Behauptung war damals, dass bestimmte Computerspiele wie insbesondere Ego-Shooter zur emotionalen und verhaltensmäßigen Verrohung führen. Studien in dieser Richtung waren insbesondere mit dem Namen des niedersächsischen Kriminalpsychologen Christian Pfeiffer verbunden. Die Diskussion ist seitdem zwar ruhiger geworden, aber keineswegs zum Ende gekommen. Unterschiedliche Studien zeigen verschiedene Ergebnisse und sind immer jeweils mit einer gewissen Vorsicht zu genießen.

Nun hat laut einem Bericht von Scinexx.de   der Privatdozent Gregor R. Szycik, Ausbildungsleiter und Ambulanzleiter im Institut für Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin (AVVM) an der Medizinischen Hochschule in Hannover in neuen Untersuchungen gezeigt, dass auch die sogenannten Killerspiele selbst bei Dauerspielern in Sachen Empathie und Emotionen keineswegs abstumpfen sollen.

Dazu begleitete die Forschungsgruppe vier Jahre lang ausschließlich männliche Vielspieler, die wenigstens zwei Stunden pro Tag Ego-Shooter wie Call of Duty oder Counterstrike zockten. Durchschnittlich waren es sogar vier Stunden pro Tag, an denen sie in blutigen virtuellen Kämpfen ballerten und ballern ließen.

Keine Unterschiede zur Kontrollgruppe

Anschließend mussten die Teilnehmer ebenso wie eine in dieser Hinsicht wenig erfahrene Kontrollgruppe Fragebögen auswerten, auf denen eine Auswahl an Bildern zu treffen war, die emotionale und empathische Reaktionen auslösen sollten. Dazu wurden die Studienteilnehmer nach ihren Gefühlen in den dargestellten Situationen gefragt und zugleich deren Gehirnaktivität über funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT) abgeleitet. Zwischen Befragung und dem vorherigen Spielen mussten wenigstens drei Stunden vergangen sein, damit nur wirklich längerfristige Effekte berücksichtigt wurden.

Das Ergebnis soll die Studienleiter selbst verblüfft haben. Demnach ergab die Auswertung der Fragebögen durch die Psychologen keine relevanten Unterschiede in punkto Aggression und Empathie zwischen den engagierten Computerspielern und denjenigen Probanden mit keiner oder wenig Erfahrung an Konsole und Monitor.

Scinexx zitiert Szycik mit den Worten: "Während das für Empathie typische Aktivitätsmuster erkennbar war, zeigten die beiden Gruppen keine Unterschiede in Hirn-Reaktionen." Die emotionalen Bilder lösten demnach bei Vielspielern und Nichtgamern ähnliche neuronale Reaktionsmuster aus.

Daraus ließe sich folgern, dass auch Gewalt haltige Computerspiele bestenfalls kurzfristig negative Effekte auf Einfühlungsvermögen und Aggressionspotenzial der Spieler auslösten. Langfristig scheint es keine Auswirkungen im Sinne von Abstumpfung oder Verrohung und erhöhter Aggressivität zu geben.

Da freilich die Teilnehmergruppe lediglich aus 15 Probanden bestand, will man weitere Experimente durchführen:  "Unsere jetzige Studie nutzt emotional provokative Bilder. Im nächsten Schritt wollen wir Daten analysieren, die durch aussagekräftigere Stimuli erzeugt wurden, beispielsweise indem Videos zum Hervorrufen emotionaler Reaktionen gezeigt werden." Der Originalbericht erschien bei Frontiers in Psychology, 2017.

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