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Studie: Junge Menschen mit Smartphones & Co. nicht fitter als Ältere

02.08.2017 | 10:38 Uhr |

Die sogenannten ”Digital Natives” sind heute noch keine 35 Jahre – sollen aber trotz Frühgewöhnung an iPhones und PCs nicht besser im Umgang damit sein als ältere Menschen.

Wenn man heutzutage “Kids“ an ihren iPhones und anderen mobilen Geräten in beispielsweise Whatsapp tippen sieht, kann es einem als älterem User schon schwindlig werden – so flott schafft man das selbst kaum, auch wenn man statt Einfingersystem wie “Oma“ wenigstens zwei Daumen zur Eingabe benutzt. Was auch daran liegen mag, dass jüngere Leute weniger auf korrekte Rechtschreibung oder gar auf ”Nebensächlichkeiten” wie Groß- oder Klein-Schreibung bei Hauptwörtern achten. Auch diese Beobachtung mag das Gefühl verstärken, dass die jungen Leute eben einfach fitter, flotter und fähiger sind, was digitale Medien betrifft. Nach manchen Vorurteilen tun sie ja im Grunde auch nichts anderes. Freilich sieht man oft genug auch Erwachsene gehobenen Alters, die sich bei jeder Gelegenheit mit ihren Smartphones beschäftigen anstatt mit ihrer Umwelt oder der am eigenen Tisch sitzenden Begleitung.

”Digital Natives” ist jedenfalls das Stichwort für die sogenannte Generation Y   oder auch ”Millennials”, die zwischen 1980 und 2000 geboren wurden und für die der Umgang mit digitalen Medien und Geräten eine Selbstverständlichkeit sein soll. Zurückgeht diese Überzeugung der digitalen Superkids auf einen Artikel des Erziehungswissenschaftlers Marc Prensky, der 2001 meinte, es gebe nun eine neue Generation mit speziellen Fähigkeiten bei der Bedienung aktueller Technologie, die zudem mehrere Aufgaben gleichzeitig bewältigen könne, dazu das sogenannte Multitasking beherrschen, im Gegensatz zu älteren Generationen. Das wurde freilich immer wieder angezweifelt.

Nun behauptet das Wissenschaftsfachmagazin "Nature" in einem Editorial : Der ”Digital Native” sei ein Mythos und ebenso selten zu finden wie ein Yeti mit Smartphone. Im Gegenteil benutzten jüngere Leute Technologie genauso wie ältere Menschen und sie seien auch keineswegs besser im Multitasking, bei dem noch nicht einmal belegt sei, dass es tatsächlich Vorteile bringe. Der Artikel bezieht sich dabei auf eine jüngste Studie in Teaching and Teacher Education, die genau dies belegen will. Eine englischsprachige knappe Zusammenfassung der Thesen findet sich hier . Demnach gibt es keine ”Digital Natives” mit speziellen Fähigkeiten zur Informationsverarbeitung oder gar mit technologischen Wunderkräften. Grundsätzlich sind Lernende auch nicht zum Multitasking fähig – schneller Wechsel zwischen verschiedenen Tätigkeiten bei Aufgaben bringt grundsätzlich Nachteile. Ein besonderes Design etwa von Seminaren oder anderen Lernangeboten für jüngere Leute beruht auf einer Fehleinschätzung und sollte zukünftig nicht mehr zum Einsatz kommen. Eine solche Gestaltung von Seminaren und Unterrichtseinheiten sei sogar hinderlich für das Erreichen der Lernziele.

Diese neueren Ergebnisse werden noch ergänzt durch weitere Aspekte i m Artikel von Quartz , demzufolge die ”Millennials” beispielsweise auch bei der Bedienung von Computerprogrammen keineswegs besser abschneiden als ältere User.

Also, alle, die mindestens 35 sind und sich manchmal mit Minderwertigkeitskomplexen gegenüber der jünger geborenen Generation herumschlagen: Vergesst es. Die spätgeborenen Kids sind in der Hinsicht keineswegs besser als ”der Rest von uns”. Irgendwie tröstlich …

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