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Test: Abbyy-Scanapps mit Texterkennung für Mac und iOS

15.05.2017 | 15:31 Uhr |

Dokumente und Zeitschriften sind unterwegs schnell fotografiert. Doch oft will man Texte auch verarbeiten können. Wir haben uns dazu Software von Abbyy angesehen.

Erst kürzlich haben wir in einem Vergleichstest diverse iOS-Apps zum Scannen und zur Texterkennung (OCR) für iPhone und iPad vorgestellt . Dabei kamen wir zu einem recht gemischten Resultat. Am besten funktioniert es demnach, wenn man unterwegs fotografiert oder mit dem iPhone gescannte Dokumente zu Hause oder im Office mit einer professionellen OCR-Software editionsfähig macht. Wir nutzten dafür das inzwischen nicht mehr erhältliche Abbyy Fine Reader Express, mit dem wir gute bis sehr gute Ergebnisse erzielen, wenn es darum geht, auch aus mehrspaltigen Dokumenten, die von großen Schriften für Headlines sowie Bildern durchzogen sind, in editierbaren Text zu konvertieren. Doch diese Software ist schon älter, deswegen wollten wir einen Blick auf die aktuellere Version aus dieser Entwicklerschmiede werfen, als Beispiel für andere Mac-OCR-Software. Uns interessiert außerdem, ob man nicht doch auch auf einem iOS-Gerät ordentliche Texterkennung zustande bringt, sofern man bereit ist, etwas mehr als eine Handvoll Euro zu investieren. Dazu haben wir uns ebenfalls von Abbyy dessen iOS-App Fine Scanner auf dem iPad angesehen. Diese kostet als ”Lifetime Premium” immerhin 65 Euro, sodass man schon etwas erwarten darf...

Fine Scanner für iPhone & Co.

Zunächst folgt an dieser Stelle der Test der iOS-App, in einem demnächst erscheinenden zweiten Teil schildern wir dann unsere Erfahrungen mit der neuesten Mac-OCR-Applikation von Abbyy.

Im Unterschied zur iOS-App Textgrabber von Abbyy ist Fine Scanner nicht nur deutlich teurer, sondern auch viel umfangreicher, komfortabler und ”mächtiger” in allen Funktionen, vor allem der Erkennung von Text und auch Buchseiten, die es automatisch in Einzelseiten zerlegen kann. Fotos von Büchern, Zeitschriften oder Dokumenten lassen sich automatisieren (”Autoerfassung” genannt), sodass die App selbständig versucht, den passenden Rahmen zu erstellen und auszulösen. Das klappt in den meisten Fällen auch gut, ein kontrastreicher Hintergrund ist dabei förderlich. Selbstverständlich lässt sich manuell auslösen und anschließend selbst zurecht schneiden. Die Funktion ”Beste von Drei” sucht von drei Aufnahmen die am besten geeignete aus, vor allem für die folgende (optionale) OCR. Mit den Filtern für Schwarz-Weiß, Graustufen und Farbe lässt sich die Qualität der Aufnahmen noch besser beurteilen und gegebenenfalls verbessern. Übrigens kann man mit der App, wenn man das möchte, auch auf die eigene Foto-Bibliothek auf dem iOS-Gerät zugreifen.

Buchseiten vollautomatisch trennen

Etwas Besonderes ist die Funktion ”Buchscan”. Dabei legt die App eine gestrichelte Markierung, wo die Mitte des Buches sein sollte, auf den Bildschirm. Man kann dann direkt Aufnahmen von den Seiten machen und im Buch weiterblättern. Ist man fertig, beginnt Fine Scanner die Seiten automatisch zu trennen. Dies geschieht allerdings online über einen eigenen Server für diese Funktion. Aus uns zunächst unklaren Gründen war es nicht immer möglich, die Funktion für den Buchscan einzuschalten oder umgekehrt wieder loszuwerden – dann wieder klappt es einwandfrei.

Nicht ohne Abbyys Server

Die Hilfe für die einzelnen Schritte mit der App ist etwas rudimentär. Es gibt eine kurze Einführung, dann aber erhält man nur eine FAQ auf Englisch, bei diesem Preis ist das zu wenig Service für den Nutzer an dieser Stelle. Immerhin sind die meisten Vorgänge intuitiv und selbsterklärend. Entscheidend ist, dass die wichtigsten Funktionen lediglich bei Online-Verbindung abzurufen sind, wie das Trennen von Buchseiten oder die Texterkennung von Dokumenten. Das bedeutet wiederum, dass eigene Texte über fremde Server laufen. Wenn man da skeptisch ist, sollte man zumindest sehr vertrauliche oder persönliche Dokumente von der Texterkennung ausschließen. Als Grund für diese Online-Pflicht nennt Abbyy, dass Fine Scanner immerhin 193 Sprachen erkennt und dabei die Formatierung eines Dokuments erhält. Dies benötige eine Menge an Arbeitsspeicher und Computerpower sowie Speicherplatz auf dem Gerät. Zwar kann die Desktop-Version von Fine Reader Pro auf dem Mac die OCR offline durchführen, aber dafür benötige sie jeweils bis zu 800 MB Speicherplatz auf der Festplatte. Daher landen die Dokumente zunächst auf den Servern von Abbyy. Nachvollziehbar, wenn auch vielleicht nicht für jeden beruhigend, wenn es um sensible Dokumente geht.

Ein weiterer Vorzug von Fine Scanner ist die Möglichkeit, die Dokumente auf einem der unterschiedlichen Cloud-Dienste wie Dropbox, Google oder One Drive sowie Evernote und anderen zu speichern. Dies lässt sich auch automatisieren. iCloud wird aber nicht unterstützt.

Fazit und Empfehlung

Wie man unseren Screenshots entnehmen kann, klappt die Texterkennung mit Fine Scanner für iOS recht gut. Auch bei mehrspaltigen Aufnahmen sind nur wenige Nachbearbeitungen erforderlich, je nach Qualität der Vorlage. Dafür muss man tiefer in die Tasche greifen als für manche andere Scanner-App – Fine Scanner kostet im App Store   samt aller Funktionen 65 Euro. Es lassen sich jedoch auch einzelne Funktionen getrennt dazukaufen, OCR beispielsweise für einmalig 28 Euro oder im Abo in der Premium-Version für fünf Euro monatlich. Wer professionelle Scans und OCR auf iPhone oder iPad erstellen will, kommt an dieser App kaum vorbei. (Demnächst folgt hier der zweite Teil unseres Tests mit der Mac-App von Abbyy…)

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