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Test: Drive Genius 5 vs. Festplattendienstprogramm

08.05.2017 | 16:29 Uhr |

Software für die Festplattenreparatur und -prüfung: Wir vergleichen Apples Festplattendienstprogramm und Prosofts neues Systemtool Drive Genius 5.

Festplatten sind wohl die wichtigste und sensibelste Komponente eines Computers: Ist die Festplatte oder SSD plötzlich nicht mehr ansprechbar, gehen unter Umständen wertvolle Familienerinnerungen und kostbare Geschäftsdaten verloren. Backups sind deshalb unerlässlich . In der Praxis verzichten aber viele Anwender auf diese unerlässlichen Datensicherungen. Ist die Festplatte dann nicht mehr ansprechbar, kann manchmal ein Reparaturprogramm wie Drive Genius helfen.

Wann braucht man ein Reparaturprogramm?

Der schlimmste Fall ist ein Hardwaredefekt, hier kann eine Software kaum noch etwas ausrichten. Vor allem bei SSDs kann meist nur ein teures Datenrettungs-Labor weiterhelfen. Bei herkömmlichen Festplatten ist dagegen oft nur das Dateisystem defekt, was etwa bei einem Stromausfall passieren kann. In diesem Fall sollte eigentlich Apples Reparaturprogramm den Schaden beheben. Man kann es per Terminal aufrufen oder die Festplatte mit dem Festplattendienstprogramm prüfen und reparieren.

Warum also hundert Dollar für eine Reparaturprogramm ausgeben? Apples Reparaturprogramm ist oft erfolglos und kann nur wenige auftretende Fehler beheben. Weit erfolgreicher sind spezialisierte Reparaturprogramme wie Drive Genius , Tech Tool Pro und Disk Warrior. Unterscheiden muss man diese Reparaturprogramme übrigens von einem Datenrettungsprogramm wie Data Rescue oder ddrescue: Ein Reparaturprogramm versucht die Festplatte zu reparieren, das Datenrettungsprogramm will nur die Daten auf eine andere Festplatte kopieren.

Reparaturfunktionen

Für die Reparatur einer Festplatte bietet das Tool zwei besonders wichtige Funktionen: Repair und Rebuild. Die Reparaturfunktion von Prosoft bietet kaum mehr als Apples Dienstprogramm, ein echter Mehrwert ist dagegen die Option Rebuild. In einigen Fällen ist nämlich die Katalogdatei einer Festplatte beschädigt. Das ist kein seltener Fall, und kann etwa nach einem Stromausfall auftreten. Dadurch sind sämtliche Daten auf einer Festplatte nicht mehr auffindbar. Über die Rebuild-Option kann man in relativ kurzer Zeit eine neue Katalogdatei anlegen. Dies beherrschen sonst nur die Konkurrenten Disk Warrior und Tech Tool. Geht bei einer Partitionierung etwas schief und eine Partition ist plötzlich verschwunden, kann die Funktion „Reset“ die Rettung sein. Laut Hersteller wird auch das kommende Dateisystem APFS unterstützt.

Boot Well

Einige Funktionen wie Reparatur oder Partitionierung der Startfestplatte stehen nur zur Verfügung, wenn man von einer externen Festplatte bootet. Über eine integrierte Funktion kann man ein solches Bootmedium erstellen, ein USB-Stick oder Festplatte genügen. Das Prosoft-Programm bezeichnet dieses Rettung-Medium als Bootwell.

Für einige Optionen muss man von einem externen Medium starten, hier Boot Well genannt.
Vergrößern Für einige Optionen muss man von einem externen Medium starten, hier Boot Well genannt.

Prüffunktion

Eine ganze Serie an Prüffunktionen ist die große Stärke der App. Sinnvoll sind diese Tests, wenn man langsam das Vertrauen in eine alte iMac-Festplatte verliert oder das alte Macbook eines öfter Probleme macht. Dabei besteht die aktuelle Version eigentlich aus zwei eigenständigen Tools, dem eigentlichen Reparaturprogramm Drive Genius und Drive Pulse.

Drive Genius ist für gezielte Wartungs- und Reparaturaktionen gedacht, Drive Pulse läuft permanent im Hintergrund und überwacht interne und externe Festplatten. Eine heuristische Funktion warnt beispielsweise, wenn eine Festplatte Anzeichen für einen baldigen Ausfall zeigt. Für beide Programme kann man eigene Voreinstellungen vorgeben, etwa die Prüfung externer Festplatten deaktivieren. Die automatische Prüfung kann nämlich die Performance einer externen Festplatte beeinflussen. Wie mit dem Festplattendienstprogramm kann man die so genannten SMART-Werte abrufen, die auf Fehler hinweisen. Im Unterschied zum Dienstprogramm führt die Drive Pulse die Prüfung automatisch durch. Auch das Prüfen und Korrigieren des Dateisystems ist mit beiden Programmen möglich. Zusätzlich beinhaltet das kostenpflichtige Tool einige weitere Tests, so beherrscht das Tool einen sogenannten Extended Check, eine Sektorüberprüfung. Diese kann Tage dauern, da jeder Sektor einzeln geprüft wird. Defekte Sektoren werden dabei gleichzeitig repariert. Nach einem Festplattenproblem kann man damit eventuell eine Festplatte noch retten. 

Drive Pulse prüft aber nicht nur die Festplatte, sondern auch das System. So waren wir etwa überrascht, dass die Software nicht nur die Festplatte überwacht, sondern den Library-Ordner auf defekte Voreinstellungsdateien prüft. Das ist zwar sinnvoll, aber eigentlich keine Aufgabe eines Festplatten-Prüfers. Neu dazugekommen sind in der aktuellen Version noch weitere Schutzfunktionen. Erstmals kümmert sich das Programm nicht nur um System-Probleme, sondern auch Malware - eine etwas unerwarteter neuer Aufgabenbereich. Eine Antivirussoftware ist seit der aktuellen Version ebenfalls integriert, der Hersteller hat sich dabei für die Open Source-Software ClamAV entschieden. Das ist leider keine ideale Wahl, die Software schneidet bei Vergleichstests eher mäßig ab. Vor allem bei der Erkennung von Mac-Malware kann sie nicht mit Konkurrenten wie Kaspersky und Bitdefender mithalten.

Das Programm warnt außerdem bei tiefen Systemeingriffen eines Installationsprogramms: Man sieht ein Warnfenster, wenn ein Tool bei seiner Installation eine Autostart-Datei anlegen will. Das ist meist harmlos, kann aber auch auf Malware hinweisen - etwa wenn eine vorgebliche PDF-Datei dies versucht.

Die vielen Optionen und die Aufteilung in zwei separate Tools macht die Nutzung leider etwas komplizierter. Die englischsprachige Dokumentation ist leicht verständlich, wenn auch etwas knapp gehalten.

Aufräumen und Tunen

Wie es sich für ein Wartungstool gehört, bietet das Tool einige Aufräumfunktionen: Eine Funktion spürt Duplikate auf, eine zweite listet großen Einzeldateien auf. Bei Platzproblemen kann man so schnell für mehr Speicherplatz sorgen. Allerdings finden wir d ie mit Sierra eingeführte Aufräumfunktion des Systems komfortabler und übersichtlicher.

Weniger sinnvoll ist die Defragmentierungsfunktion. Vor allem herkömmliche Festplatten verlieren an Performance, wenn über Jahre Dateien aufgesplittet und auf die komplette Festplatte verteilt werden. Sinnvoll kann eine Defragmentierung nach mehreren Jahren intensiver Nutzung sein, nach unserer Erfahrung ist der Performance-Gewinn aber sehr gering. Der Vorgang kann außerdem Tage dauern und ist nicht ganz ungefährlich, da bei einem Abbruch Datenverlust auftreten können. Besser man löscht alle paar Jahre eine alte Festplatte und stellt sein System aus einem Time-Machine-Backup wieder her. Die Defragmentierung einer SSD ist dagegen nicht nicht nur unnötig, sie kann sogar Probleme verursachen.

Fazit

Die aktuelle Version von Drive Genius bietet wertvolle Systemtools, nicht jede der Funktionen kann uns aber überzeugen. Durch die Vielzahl der Anwendungen wird die Bedienung etwas unübersichtlich, was die Aufteilung in Drive Genius und Drive Pulse verstärkt. Trotzdem ist die Software ihren Preis wert. Wir empfehlen sie aber vor allem Besitzern eines alten Macs mit herkömmlicher Festplatte, weniger für SSD-Nutzer. Zielgruppe ist außerdem eher ein Systemadministrator oder Profi-Anwender. Für die meisten Heimanwender genügen das Festplattendienstprogramm und regelmäßige Backups. Und treten Probleme mit einer alten Festplatte auf, ist der Austausch meist die sinnvollste Lösung.

Nachtrag vom 19. Juni:

Ein Leser hat uns auf eine für ihn sehr unangenehme Neuerung In der aktuellen Version aufmerksam gemacht: Die Seriennummer wird jetzt bei jedem Programmstart überprüft. Ohne Onlineverbindung ist die Software deshalb nicht mehr nutzbar.

Prosoft Drive Genius

Hersteller: Prosoft

Note: 1,9 gut

Preis: US$ 99, Upgrade von der Vorversion US$ 49

Vorzüge: Guter Funktionsumfang, gute Reparatur- und Prüffunktionen

Nachteil: Unübersichtliche Oberfläche, mäßiger Virenscanner, für SSDs begrenzt sinnvoll

Systemanforderungen: Ab OS X 10.10

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