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Test: Linguajet-App – Sprachen lernen wie nebenbei

21.02.2018 | 11:10 Uhr |

Auf der Birkenbihl-Methode basieren die Sprachlern-Apps von Linguajet. Wir haben es mit Latein und Englisch für Fortgeschrittene ausprobiert.

Für das Lernen setzt der Anbieter auf die Birkenbiel-Methode, entwickelt von der im Jahr 2011 verstorbenen Motivationstrainerin Vera F. Birkenbihl. Dass sie bei ihrer interlinearen Präsentation von Fremdsprachen nicht die Erste war, zeigt sehr gut dieser Überblick bei Sprachheld.de , dort gibt es auch weitere Hintergründe zu der nicht unumstrittenen Methode. Doch ohne Zweifel hat Birkenbihl diesen Ansatz konsequent ausgebaut. Ein kurzer Überblick zu ihrer Vita findet sich bei Wikipedia .

Lernen in nur 10 Minuten (aber regelmäßig)

Wir wollen ja gar nicht so tun, als ob wir das wissenschaftlich beurteilen könnten. Sondern ein wenig von unseren eigenen Erfahrungen mit zwei Apps berichten, die uns freundlicherweise von Linguajet  zur Verfügung gestellt wurden und die wir auf dem iPad ausprobieren.

Sprachenlernen soll damit leicht gemacht werden und den Nutzer auch zeitlich nicht überfordern – mehr als zehn Minuten am Stück sollte man sich den Sprachlehrgang mit Text gar nicht anhören oder ansehen. Lieber mehrmals am Tag Zeit für diese jeweils ”magischen” zehn Minuten verwenden. Weder müssen damit Vokabeln gepaukt noch Grammatikübungen bewältigt werden.

Latein: Wort für Wort

Zunächst beginnen wir also mit der App zu Latein als Anfänger- und Wiedereinsteigerkurs . Mit Großem Latinum (das es in dieser Form heute nicht mehr gibt) fühlen wir uns dafür gut präpariert und freuen uns auch auf die eine oder andere Erinnerung, denn natürlich geht vieles verloren, wenn man es nicht regelmäßig nutzt. In der App finden wir insgesamt sieben Kapitel, passend auf Lateinisch jeweils ”Caput” benannt, mit einer Dauer von etwa fünf bis knapp zehn Minuten. Hier werden die vorgefertigten lateinischen Texte in einstellbarem Tempo von ganz langsam bis normal vorgelesen, während sie in der Zeile darunter – interlinear, Linguajet spricht hier vom Karaoke-Player – auf Deutsch übersetzt sind, und zwar wirklich wortwörtlich, sodass beispielsweise aus ”et vobis oblectianomen intellegentem offerimus” wird: „und euch die-Unterhaltung vernünftige wir-bieten-an“. Dies heißt hier aktiv hören. Auf diese Weise soll man die Struktur der fremden Grammatik und Sprache intuitiv erlernen, anstatt sich mit komplizierten Konstruktionen aufzuhalten.

Die Texte haben einen deutlich weniger verstaubten Charakter als in den alten Lateinbüchern, es kommen auch modernere Fragen zum Zuge, sogar auf einen Hubschrauber (im Genitiv: helicopteri) stoßen wir. Wörter, die man verstanden hat, klickt man einfach weg, diese stehen ausgegraut weiter da, und in einem statistischen Überblick sehen wir sofort, wie viele Wörter wir in den verschiedenen Lektionen bereits sicher kennen. Beim Vorlesen können wir zu jeder beliebigen Stelle im Text direkt springen, dann geht es dort einfach weiter. Wir merken jedoch, dass es trotz noch recht solider Kenntnisse und der simultanen Übersetzung durchaus anstrengend ist, dem vorgelesenen Text zu folgen, einfach, weil man es in der Regel nicht gelernt hat, Latein fließend zu sprechen, sondern eben mühsam konstruierend zu übersetzen. Ob es wirklich hilft, damit wieder die alten Caesar, Cicero oder Seneca & Co. zu übersetzen, sei dahingestellt. Ein gutes Gefühl für die Sprache erhält man aber sicher.

Auf Englisch eingängig

Wie aber sieht es mit der englischen App aus, und zwar dem Aufbau-Kurs?   Hier gibt es dann entsprechend "Ten Lessons" mit einer Länge von bis zu über sechs Minuten und beispielsweise 360 Wörtern. Das Prinzip ist gleich wie in der lateinischen Variante. Nur fühlt man sich hier beim aktiven Hören gleich deutlich komfortabler, denn Englisch zu sprechen und zu hören ist uns allgemein sehr viel vertrauter. Und man kann sich auch sofort besser den unmittelbaren Anwendungszweck im Urlaub oder bei der Arbeit  vorstellen. Die Texte sind insgesamt unterhaltsam und motivieren zum weiteren Zuhören. Wer mit dem Englischen vertraut ist, findet hier einige gute Wiederholungen und Updates, wenn man die Texte vielleicht noch mitspricht, kommt man noch besser in das gesprochene Englisch hinein. Insgesamt erschließt sich uns der Sinn in diesem Kurs sehr viel direkter als beim Lateinischen. Der Profit kommt sozusagen unmittelbar, die Wiederholungen sind vertiefend und stabilisieren den Ertrag.

Verfügbarkeit und Systemvoraussetzungen

Billig sind die Kurse nicht. Für den Aufbaukurs Englisch mit insgesamt 6812 Worten, davon 1496 einmalig (Herstellerangaben) zahlt man für die allerdings gut gemachte App 89 Euro, der Latein-Basiskurs kostet genauso viel. Diese App für iPhone oder iPad lädt man kostenlos im App Store   (ab iOS 9.0) oder Play Store für Android-Geräte (ab Android 4.0.3), die jeweiligen Sprachkurse gibt es per In-App-Kauf kostenpflichtig dazu – die eigentliche Lizenz erwirbt man jedoch über die Website des Entwicklers. Die Kurse gibt es für zahlreiche weitere Sprachen wie Spanisch, Französisch, Russisch oder Chinesisch und andere. Möglich ist übrigens auch der Sprachkurs über einen beliebigen Web-Browser auf sämtlichen Plattformen, dazu muss man sich nur mit seinen Daten einloggen. Freilich muss man dafür im Gegensatz zu den Apps online sein.

Fazit und Empfehlung

Wir finden das Konzept von Linguajet schlüssig und unterhaltsam. Vorhandene Sprachkenntnisse lassen sich damit auf jeden Fall leicht vertiefen. Ob man eine Sprache auf diesem Weg auch komplett neu lernen kann, etwa für den Urlaub, ohne Vokabeln zu lernen oder sich Grundkenntnisse der Grammatik anzueignen, ist schwer zu beurteilen. Das ist vielleicht auch eine Mentalitätsfrage, weil jeder unterschiedlich lernt.

Ausprobieren würden wir es auf jeden Fall, wenn die Gelegenheit kommt, vielleicht einmal in ein Land zu reisen, dessen Sprache wir nicht beherrschen. Verlockend ist der Gedanke schon. Und wie wir direkt von den Entwicklern erfahren haben, arbeiten diese an weiteren interessanten Methoden bis hin zum Erlernen einer Fremdsprache (wie) im Schlaf. Wer auch gern einen visuellen Input hat, der sei auf "Jet Movie" von Linguajet hingewiesen, das wir ergänzend demnächst testen wollen. Und wer sich insgesamt für die neuesten Entwicklungen des Sprachenlernens bei Linguajet interessiert, erhält über deren engagierten Blog immer die neuesten Informationen. Insgesamt sind Ansatz um Umsetzung bei Linguajet eine klare Empfehlung wert.

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