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Test: OCR-Software Abbyy Fine Reader Pro Mac 12

01.06.2017 | 08:53 Uhr |

Mit OCR (Optical Character Recognition) konvertiert man vorzugsweise PDF-Dateien in editierbare Dokumente etwa für Word. Wir haben uns angesehen, wie gut das FineReader Pro Mac 12 von Abbyy schafft.

Dieser Test versteht sich als Fortsetzung unseres Artikels über iOS-Scan-Apps, hier insbesondere die 65 Euro teure Ausgabe Fine Scanner, ebenfalls von Abbyy mit recht überzeugenden Ergebnissen. Wir haben größtenteils die gleichen oder sehr ähnliche Vorlagen für die Desktop-Applikation von Abbyy genutzt, die App, Fine Reader Pro 12.1.6 , kostet knapp 100 Euro. Diesmal fotografieren wir die Vorlagen nicht mit dem iPad, sondern nutzen einen Flachbettscanner, der an unseren Mac angeschlossen ist. Das Abbyy-Programm kann vom vom Scanner direkt einlesen, in einer Auflösung von 300 dpi als Standard, aber auch bis zu 1200 dpi.  Man sollte davon eigentlich noch bessere Ergebnisse erwarten.

Schwächen bei komplexer Macwelt-Vorlage

Die erste Überraschung folgt gleich beim ersten Versuch  – wieder ist die Grundlage ein mehrspaltiger Artikel aus dem letzten Macwelt-Printmagazin von September 2015 über einen Benq-Monitor. Zugegeben, die Seite ist wirklich komplex, wie auch unsere Screenshots zeigen. Doch die iOS-App von Abbyy kommt damit erstaunlich gut klar, auch dieser Screenshot findet sich noch einmal zum Vergleich. Dagegen ist die Desktop-App nicht so recht glücklich mit der Vorlage und bringt kein überzeugendes Ergebnis zustande. Obwohl Spalten und Textbereiche sowie das Bild vom Monitor einwandfrei erkannt werden. Doch bei der OCR nach Word ging einiges an der originalen Formatierung und teils auch von den Worten verloren. Nun bietet Fine Reader Pro Mac 12 eine ganze Reihe von Bearbeitungsfunktionen und Exportoptionen. Wir probieren auch Unterschiedliches aus. Doch erst, als wir die Bewertungsspalte und die Überschrift und einige kleinere verstreute Wörter als Bild markieren, bekommen wir ein passables Ergebnis. Doch es ist immer noch deutlich entfernt von dem, was die iOS-App zu bieten hat.

Gute Ergebnisse mit anderen Vorlagen

Fast reine Textseiten aus William Gibsons Buch ”Peripherie” dagegen werden wieder gut erkannt, auch nach Seiten getrennt und in eine gut brauchbare Word-Datei konvertiert. Doch ganz zufrieden sind wir nach diesen ersten Testläufen noch nicht. Also scannen wir wie schon beim iOS-Test mehrere Seiten aus einem älteren amerikanischen Buch ”Business Portraits – Apple” von 1997 ein. Hier finden sich schöne, bunte und recht komplexe Seiten mit Texten und Bildern aus der Zeit, als es bei Apple gerade nicht so rund lief, und Steve Jobs gerade zurückgekehrt war, um kurz darauf seinen unerwarteten Deal mit Bill Gates und Microsoft über eine Investition von 150 Millionen US-Dollar zu verkünden. Eine Riesenüberraschung, die für eingefleischte Macianer zunächst für viel Frust sorgte, aber doch eine richtige Entscheidung für die Zukunft Apples war. Doch zurück zum Test:

Fine Reader Pro Mac 12 ist in der Lage, die Seitenbegrenzungen automatisch zu erfassen, mehrere Seiten aufzuteilen und diese sogar, wenn nötig, in die korrekte Position zu drehen. Die Texterkennung geschieht ebenfalls automatisch. Und nun zeigt sich ein ganz anderes Bild – diese Seiten werden mittels OCR einwandfrei erkannt und umgesetzt. Hier steht die Mac-Applikation der iOS-App von Abbyy in nichts mehr nach. Es bleibt insofern ein Rätsel, welche erhöhten Schwierigkeiten es in der Mac-Software von Abbyy mit der Macwelt-Seite gab. Und es lässt uns Fine Reader Pro Mac 12 wieder als empfehlenswert beurteilen. Weiterhin ist es mit Fine Reader Pro Mac 12 möglich, in gewissem Umfang Bilder zu bearbeiten, Texte aus Digitalfotos zu ziehen und aus gescannten Büchern oder Artikeln E-Book im EPUB- oder FB2-Format zu erstellen.

Systemvoraussetzungen und Verfügbarkeit

Fine Reader Pro Mac 12 läuft ab OS X 10.7 Lion und kostet im Online Store von Abbyy 99 Euro , ein Upgrade gibt es für 69 Euro. Im Mac App Store   zahlt man für dieselbe Versionsnummer unter dem etwas unterschiedlichen Namen Fine Reader OCR Pro, für das hier mindestens OS X 10.8 angegeben ist, erstaunlicherweise gleich 130 Euro. Einen Grund etwa in der Funktionsbeschreibung dafür können wir nicht finden, scheint alles gleich zu sein. Dafür einige User-Rezensionen, die zwar die hervorragende Texterkennung loben, sich aber über den mangelhaften Workflow und Abstürze bei längeren Scan-Folgen beschweren. Beides konnten wir in unserem Test zwar nicht feststellen oder bestätigen, der Preis ist allerdings äußerst happig. Wir haben nach dem Grund für diesen Unterschied angefragt, spekulieren jedoch auf die obligatorischen 30%, die ein App-Entwickler an Apple abgeben soll, wenn er seine Software über den App Store vertreibt.

Fazit und Empfehlung

Zwar konnten wir von den vielfältigen Optionen nicht jedes Detail testen, aber was wir unter die Lupe genommen haben, klappte weitgehend gut, bis auf die Schwäche bei der gescannten Macwelt-Seite. Insgesamt präsentiert sich Fine Reader Pro Mac 12 als eine hervorragende Scanner- und OCR-Software für den Mac, die bis auf Ausnahmen kaum Wünsche offen lässt. Wir können freilich alternativ auch eine Empfehlung für iPad-User abgeben, die deutlich günstigere, aber auch sehr mächtige iOS-Version Fine Scanner von Abbyy zu nutzen, die ebenfalls beispielsweise Buchseiten automatisch erkennt und in unserem oben erwähnten Test sehr gute, teils sogar bessere Ergebnisse erzielte – für nur 65 Euro inklusive aller Funktionen einschließlich OCR.

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