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The Talos Principle: iOS-Game nur begrenzt empfehlbar

23.10.2017 | 10:00 Uhr |

The Talos Principle ist ein äußerst cooles SciFi-Adventure, das Fans gespielt haben müssen. Aber nicht unbedingt auf dem iPad …

Spiele wie Valves "Portal 1" und "Portal 2" oder "Chromagun" sowie zuletzt "The Turing Test" haben es gezeigt – intelligente Spiele, die auch Rückfragen an die eigene Person als Spieler implizieren, kommen an. Nicht Ballern, sondern Denken ist hier angesagt, und das manchmal über mehrere Ecken im wahrsten Sinne des Wortes. Und wenn es dann doch Waffen gibt, dienen sie lediglich dem Bedienen von Portalen oder Schaltern sowie in "The Talos Principle" dem Verhindern, dass Drohnen und Maschinengewehre zum tödlichen Einsatz gegen uns kommen.

"I – Robot"? Philosophie als Spielprinzip

" The Talos Principle " des kroatischen Entwicklerstudios Croteam treibt die Hinterfragung des Spielers als Persönlichkeit mit philosophischen Mitteln und Texten auf die Spitze und macht das ausgesprochen gut. Zwar können die Texte in dem Spiel kein Philosophielehrbuch ersetzen, aber doch mit Anspielungen etwa an die altgriechische Philosophie oder modernen Fragen zu Selbstidentität und Bewusstsein durchaus dazu animieren, sich mit solchen Themen intensiver zu beschäftigen. Eine kurze Review zum Spiel auf Mac und PC haben wir bereits hier veröffentlicht – die Süddeutsche Zeitung hat sich in einem Artikel aus dem Erscheinungsjahr des Spiels 2014 noch intensiver mit den philosophischen Themen in "The Talos Principle" beschäftigt, der Aufsatz findet sich online hier .

Was Mac und PC betrifft, gilt: unbedingt spielen. Ein Nachfolger wurde ebenfalls schon angekündigt, soll aber noch weit entfernt sein . Es gibt allerdings die Erweiterung zum Hauptspiel ” Road To Gehenna ” als DLC für 15 Euro.

Mit dem iPad an die Grenzen gespielt

Doch unsere Aufgabe war es nun, die jüngst erschienene Version des Games für iOS-Geräte zu testen, wir benutzen dafür unser iPad Pro mit 10,5 Zoll. Zunächst wirkt alles so wie auf dem großen Bildschirm, nur eben kleiner. Also eine toll gestaltete altgriechische und später auch altägyptische Umgebung aus Ruinen, Tempeln und Pylonen sowie (Torso-)Skulpturen in Kombination mit Terminals und der Entdeckung, dass wir im Grunde ein Roboter sind. Die ersten Aufgaben erscheinen noch leicht. Doch bald kommen schwebende Drohnen hinzu, mit denen wir leicht zusammenstoßen und explodieren, wenn wir nicht aufpassen. Allein damit wird es deutlich schwieriger als im Desktop-Spiel, wie wir schnell herausfinden. Die Ursachen sind jedoch nicht ganz so klar. Doch im direkten Vergleich mit der Mac- und PC-Version bemerken wir, dass die Bildbreite, also die horizontale Darstellung des Geschehens, auf dem iPad deutlich schmaler ist und wir dadurch entscheidende Winkel und Ecken respektive herannahende Drohnen und gefährlich positionierte MGs nicht so schnell und deutlich bemerken wie auf dem großen Bildschirm.

Dazu gibt es, in vielen Situationen der entscheidende Ausweg, auf dem iPad keinen seitlichen Schritt nach links oder rechts, also, wie Gamer sagen, kein ”Strafen”. Das sind die beiden primären Gründe, warum viele Situationen sehr viel schwerer zu bewältigen sind, gerade wenn man in der Experimentierphase ist und noch herausfindet, was in dem Level oder Abschnitt eigentlich zu tun ist. Und ganz allgemein gesprochen ist es bei einem Spiel wie diesem, sei es nun in der Ich- oder Verfolgerperspektive, mit Maus und Tastatur deutlich einfacher und übersichtlicher als die Bewegung auf dem eingeschränkten iOS-Display. Ein unterstützter Joystick könnte hier sicher einiges verbessern, man ist dann beweglicher – aber an der Sichtbreite und wohl auch am mangelnden ”Strafen” dürfte das nichts ändern.

Systemvoraussetzungen und Verfügbarkeit

"The Talos Principle" gibt es im App Store ab iOS 9.0, die jeweiligen Systemvoraussetzungen für das eigene Gerät sollte man im Einzelnen beachten. Der Download ist knapp zwei GB groß. Zu zahlen sind dafür 5,49 Euro.

Fazit und Empfehlung

"The Talos Principle" ist und bleibt eins der besten Spiele seiner Art: Schicke Grafik in einer Mischung aus Antik und Science-Fiction. Religiöse Bezüge und philosophische Perspektiven. Puzzle und Herausforderungen, die zu fesseln wissen. Und insgesamt eine Story mit Tiefgang und Hintergrund, wie man sie selten in Computerspielen findet. Da jedoch manche Aktionen zeitkritisch sind und man jeden Überblick benötigt, den man kriegen kann, greifen Spieler lieber zur Desktop-Version auf Mac oder PC. Abgesehen davon verliert das Spiel an Atmosphäre und Stil auch auf iOS-Geräten nur wenig. Ein iPad mit wenigstens 9,7 Zoll und am besten auch ein Joystick sollten es aber mindestens sein.

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