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Thunder3 Dock Pro von Akitio – Schnelles Profi-Dock

21.12.2018 | 09:31 Uhr | Stephan Wiesend

Mit dem Thunderbolt-3-Dock Thunder3 Dock Pro richtet sich der Hersteller Akition vor allem an Profi-Anwender.

Seit Apple die Macbook Pro ohne USB- oder Ethernet-Schnittstelle ausstattet, kommt man als Besitzer eines mobilen Macs kaum um ein USB-C oder Thunderbolt-Dock herum. Die bisherigen Thunderbolt-Modelle von Elgato, Belkin oder OWC ähneln sich aber nicht nur optisch, sondern auch innerlich sehr stark. Bei ihrem Angebot an Schnittstellen gibt es auch auffallend wenig Unterschiede. Ein völlig anderes Konzept bietet aber das neue Thunderbolt-3-Dock Thunder 3 Dock Pro von Akitio. Als einziges Dock auf dem Markt bietet es eine superschnelle 10-GbE-Schnittstelle, auch ein CFast-Kartenleser lässt Videoprofis aufhorchen. Für knapp 360 Euro ist es im Fachhandel verfügbar .

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Schwer und laut

Packt man das gut verpackte Thunder3 Dock aus, wird einem bald klar, dass der mobile Anwender wohl nicht die Zielgruppe ist. Das Dock selbst ist bereits 21 cm lang und 11 cm breit, das massive Netzteil ist fast ebenso groß und schwer. Ungewöhnlich für ein  Dock ist ebenso der integrierte Lüfter, der relativ leise aber gut vernehmlich arbeitet. Über einen kleinen Schalter kann man den Lüfter komplett ausschalten, laut Hersteller sollte der Störenfriede aber nicht länger als dreißig Minuten ausgeschaltet bleiben. In unseren folgenden Leistungstests wurde er aber bald von dem Lüfter unseres Macbook Pro übertönt.

Sowohl Dock als auch Netzteil benötigen Platz.
Vergrößern Sowohl Dock als auch Netzteil benötigen Platz.

e-Sata, CFast und SD 4.0

Mit besonders hoher Geschwindigkeit können die beiden Kartenleser arbeiten. Sowohl die in Profikameras verbreiteten CFast- als auch SD-Karten werden unterstützt. Laut Hersteller erreicht das Dock per CFast bis zu 370 MB/s erreichen, bei SD-Karten sind es immerhin noch bis zu 312 MB/s. In einem Kurztest mit einer schnellen SD-Karte erreichten wir 148 MB/s beim Lesen, die Maximalleistung unserer Speicherkarte.

Die maximale Geschwindigkeit der CFast-Karte wird aber nicht zufällig bei 370 MB/s abgeregelt: Die Kartenleser, die eSata-Schnittstelle für schnelle Festplatten als auch die USB-3.0-Schnittstellen sind nämlich intern über eine einzelne PCIe-Gen2-Lane angebunden, die maximal 370 MB/s erreicht.

Den Lüfter kann man per Schalter ausstellen, ungewöhnlich ist aber vor allem die 10 GbE-Schnittstelle.
Vergrößern Den Lüfter kann man per Schalter ausstellen, ungewöhnlich ist aber vor allem die 10 GbE-Schnittstelle.

USB 3.0 und Thunderbolt

Die genannte maximale Transferrate von 370 MB/s gilt auch für die drei USB 3.1-Schnittstellen (Typ A). Bei unseren Messungen mit einer externen SSD T5 von Samsung messen wir mit dem Benchmark AJA System-Test akzeptable 334 MB/s beim Schreiben und 363 MB/s beim Lesen – deutlich langsamer, als die eigentlich Leistung der exernen SSD. Offensichtlich wirkt hier die Schnittstelle als Bremse.

Per USB-C erzielen wir deutlich höhere Werte als per USB-3
Vergrößern Per USB-C erzielen wir deutlich höhere Werte als per USB-3

Weit höhere Werte erzielen wir erst beim Anschluss der SSD an einen den beiden Thunderbolt-Ports, der auch per USB-C-Anschluss nutzbar ist. Über USB-C erreicht unsere T5 ihre Maximalleistung von 485 MB/s beim Schreiben und 521 MB/s beim Lesen – mit einer Thunderbolt-3-SSD wären natürlich noch höhere Leistungen möglich.

Monitore

Nur eine dezidierte Monitor-Schnittstelle ist integriert, eine Displayport 1.2-Verbindung. USB-C-Monitore kann man aber per Thunderbolt-Schnittstelle anschließen, ein 4K-Testmonitor von Viewsonic wird per USB-C problemlos erkannt. Ein zweiter Displayport-Monitor kann per Adapter außerdem über eine der Thunderbolt-Schnittstellen angeschlossen werden.

Schade: DP++ wird von der Displayport-Schnittstelle nicht unterstützt, man muss für den Anschluss eines HDMI-Monitors deshalb zu einem aktiven Adapter greifen. Als maximale Auflösung wird übrigens 4K bei 60 Hz unterstützt, 5K-Monitore dagegen nicht.

10GbE

Aktuell das Alleinstellungsmerkmal des Docks ist die Netzschnittstelle, eine vertraut wirkende  RJ45-Buchse. Per 10GbE-Verbindung ermöglicht sie aber die hohe Übertragungsrate von bis zu 10 000 Mbit – das zehnfache von Gigabit-Ethernet. Die Schnittstelle ist dabei abwärtskompatibel, man kann sowohl alte 100 MBit-Leitungen, Gigabit-Netzwerk als auch die Varianten 2.5G, 5G und volle 10G nutzen. Diese hohen Datenraten sind etwa für Video-Anwender interessant, kann man doch bis zu 1000 MB/s übertragen – über das in die Jahre gekommene Gigabit-Ethernet sind es nur maximal 115 MB/s.

Interessant ist dies für die Besitzer eines aktuellen Macs, die oft große Daten übertragen: Die neuen iMac Pro sind bereits mit einer 10 GbE-Schnittstelle ausgestattet, beim aktuellen Mac Mini erhält man sie gegen 120 Euro Aufpreis – oder kann sie nun durch das Dock nachrüsten. Auch bei NAS-Geräten ist die schnellere Netzschnittstelle immer häufiger zu finden. Es gibt spezialisierte 10 GbE-Adapter, allerdings sind diese mit knapp 150 Euro noch recht kostspielig.

Für eine ausführliche Messung der in der Praxis erzielbaren Transferraten stand uns leider aus Termingründen keine geeignete Hardware zur Verfügung, weshalb wir nur die Transferrate per Gigabit-Ethernet prüften: Per SMB griffen wir auf ein per Ethernetkabel verbundenes Macbook zu und maßen hier eine Transferrate von 98,4 MB/ beim Schreiben und 99 MB/s beim Lesen – ein solider Wert.

15-Zoll Macbook Pro und 60W

Zwei Thunderbolt-Schnittstellen stehen zur Wahl, eine mit 15W Leistung und eine mit 60W. Für den Besitzer eines aktuellen Macbook Pro mit 15-Zoll-Display scheint dies ein Ausschlussgrund zu sein, benötigt doch das Top-Modell der Macbook-Reihe ein 87W-Netzteil. Laut Akitio ist dies aber kein Problem und auch das 15-Zoll-Gerät soll am Dock problemlos nutzbar sein. Wie der Hersteller zu Recht anführt, benötigt ein Macbook Pro nämlich die volle Leistung seines Netzteils dann, wenn per Thunderbolt stromhungrige Peripherie angeschlossen ist: Etwa eine Festplatte oder ein Thunderbolt-Adapter. Ist aber die stromverbrauchende Peripherie mit dem Dock verbunden, komme das per Thunderbolt verbundene 15-Zoll-Gerät mit 60W aus.

Wir haben dies in der Praxis überprüft und können Akitio im Prinzip zustimmen: Bei durchschnittlicher Last sind 60W offensichtlich  ausreichend, auch der Akku wird dabei zusätzlich aufgeladen. Um das Verhalten bei hoher Auslastung zu testen, gehen wir aber noch einen Schritt weiter. Wir wandeln mit Handbrake eine Videodatei ins H265-Format um, was das Macbook für eine Stunde komplett auslastet. Das bleibt nicht ohne Folgen: Das Macbook läuft zwar weiterhin mit voller Leistung, allerdings wird der von uns zuvor etwas geleerte Akku nun nicht mehr aufgeladen. Offensichtlich ist die Ladung zu niedrig, um zugleich volle Leistung und Aufladen des Akkus zu gewährleisten, – in der Praxis also doch eine gewisse Einschränkung.

Fazit

Nach unserem Eindruck ist das neue Dock auf eine eher schmale Zielgruppe zugeschnitten: Profi-Anwender, die eine CFast-Schnittstelle oder 10GbE-Ethernet benötigten. Für diese Anwender ist wohl die aktive Kühlung per Lüfter ein echtes Plus, sorgt hohe Beanspruchung durch Aufladen und Datentransfers schnell für hohe Chip-Temperaturen. Schwächen sind aber die niedrige Lade-Leistung und mäßige Monitor-Unterstützung. Für den Büroanwender könnte da ein günstigeres Dock die bessere Wahl sein.

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