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Time Capsule: Die besten Alternativen

13.03.2019 | 16:52 Uhr |

Apple baut keine Airport-Router mehr. Das ist besonders für die Time Capsule schade, war sie doch eine All-in-One-Lösung für WLAN und kabellose Backups. Zumindest letztere gehen aber auch mit anderen Geräten. Wir zeigen Alternativen.

Lange Zeit wurden sie nicht mehr gepflegt, Apples schicke Airport-Router Airport Extreme, Airport Express und Time Capsule: Die letzte Produktaktualisierung erfolgte 2013, keines der Geräte war mehr wirklich auf dem Stand der Technik. Ende April 2018 wurde dann offiziell, was viele schon lange befürchteten: Apple erklärte, die Airport-Router künftig nicht mehr herstellen werde , allerdings würden die restlichen Geräte – für Apple untypisch – zunächst noch abverkauft. Schade, denn noch Ende 2016 kursierte das Gerücht, es werde zumindest noch ein Upgrade mit aktueller Mesh-Technologie geben. Auch ein Air-Print-Printserver wäre wünschenswert (und technisch möglich) gewesen. Doch das sollte nicht sein: Wer Airport-Funktionen benötigt, muss sich jetzt nach Alternativen umsehen.

Backup mit Time Machine erstellen

Mit der Airport-Gerätefamilie sterben auch Airport Express und Airport Extreme.
Vergrößern Mit der Airport-Gerätefamilie sterben auch Airport Express und Airport Extreme.
© Apple

Am meisten fehlt die Time Capsule

Obwohl alle drei Router von Apples Airport-Lineups praktische Geräte waren, die sich mit der zugehörigen Airport-App wunderbar einfach verwalten ließen, wiegt vor allem der Verlust der Time Capsule schwer: Das Gerät war nicht nur ein WLAN-Router und Print-Server, sondern eben auch eine wunderbare Lösung, um ein Macbook (Pro) wirklich kabellos zu betreiben. Denn erst die Time Capsule ermöglichte als Backup-Server im heimischen WLAN den Verzicht auf wirklich alle Anschlüsse: Statt regelmäßig eine externe Festplatte anzuhängen, konnte der Nutzer seine Time-Machine-Backups auf dem Netzwerkspeicher ( Network Attached Storage, NAS ) erstellen. Und das fast ohne Wartungsaufwand – Apple eben.

In der letzten Fassung war die Time Capsule nicht nur Router, sondern auch NAS und Printserver. Alle Funktionen können mit Drittanbieter-Tools ersetzt werden.
Vergrößern In der letzten Fassung war die Time Capsule nicht nur Router, sondern auch NAS und Printserver. Alle Funktionen können mit Drittanbieter-Tools ersetzt werden.
© Apple

Es gibt viele Alternativen

Allerdings ist auch Apples Argumentation nachzuvollziehen, keine eigenen Router mehr zu produzieren: Als Steve Jobs 1999 die erste Airport-Basisstation präsentierte, war WLAN für die Heimanwendung noch Zukunftstechnologie. Heute hat jeder einen leistungsstarken WLAN-Router zuhause. Moderne Drucker besitzen eigene WLAN-Anschlüsse, können direkt am USB-Port des Routers oder mit einem Print-Server ( oder sogar einem Raspberry Pi ) eingebunden werden. Auch hier ist Airport also obsolet geworden. Was von der Time Capsule übrig bleibt und den Verlust so schwer macht, ist die praktische Backup-Funktion im Netzwerk. Apple setzte hier auf hochwertige Festplatten und gute Dämmung. Doch auch die Backup-Funktion lässt sich inzwischen problemlos ersetzen. Denn es gibt reihenweise NAS-Geräte, die Backups mit Time Machine ermöglichen.

Trotz der Sicherung auf Time-Machine-Volumes im Netzwerk sollte von Zeit zu Zeit ein Backup auf einem normalen USB-Datenträger durchgeführt werden
Vergrößern Trotz der Sicherung auf Time-Machine-Volumes im Netzwerk sollte von Zeit zu Zeit ein Backup auf einem normalen USB-Datenträger durchgeführt werden
© Fotolia.de, lbfotografia

Woran erkenne ich, ob eine NAS Time Machine unterstützt?

NAS ist jedoch nicht gleich NAS. So hat zum Beispiel die in Deutschland sehr beliebte FritzBox zwar eine praktische NAS-Funktion über den USB-Port . Doch die lässt sich nicht zuverlässig mit dem Time-Machine-Backup in macOS kombinieren. Zwar gibt es Hacks mittels zuvor am Mac angelegter Sparse-Bundles auf externen USB-Datenträgern. Doch das funktioniert nur bedingt zuverlässig – für Backups, die ja benötigt werden, wenn Daten gerettet werden müssen, ist das ein No-Go. Und deshalb müssen sich Apple-NAS-Nutzer, die ein neues Gerät brauchen, künftig nach Alternativen zur Time Capsule umsehen. Zum Glück gibt es die von mehreren Herstellern, erkennbar wird es allerdings erst durch Lesen der Produktbeschreibung auf der Herstellerseite. Zum Glück gibt es viele Geräte, die Time Machine „aus der Box“ unterstützen.

Von der einfachen Konfiguration der Airport-Router müssen sich Apple-Fans jetzt leider verabschieden.
Vergrößern Von der einfachen Konfiguration der Airport-Router müssen sich Apple-Fans jetzt leider verabschieden.

Time-Capsule-Alternative 1: Western Digital MyCloud

Wer bereits einen modernen WLAN-Router besitzt, benötigt als Time-Capsule-Alternative im Grunde nur eine einfache NAS, die Time Machine unterstützt. Und hier sind Western Digitals MyCloud-Geräte ganz weit vorne: Die eleganten Geräte sind in einer Vielzahl an Varianten verfügbar: Von der einfachen MyCloud mit einer Festplatte und zwei bis acht Terabyte Speicher über die (neueren) Geräte der MyCloud-Home-Serie bis hin zu MyCloud-Pro und -Expert-Serien mit bis zu vier Platten für Unternehmen oder Büros gibt es für jedes Einsatzszenario eine passende MyCloud. Alle Geräte sind mit den leistungsstarken NAS- oder sogar Server-Festplatten der Red-Serie von Western Digital ausgerüstet, was hohe Zuverlässigkeit gewährleistet – und das zumindest bei den kleineren Geräten ohne lästigen Lüfter!

Die Router der MyCloud-Reihe besitzen eine leicht einzurichtende Unterstützung für Time Machine.
Vergrößern Die Router der MyCloud-Reihe besitzen eine leicht einzurichtende Unterstützung für Time Machine.
© Western Digital

Schön an den MyCloud-Geräten ist der recht niedrige Preis: Das Einstiegsgerät MyCloud Home mit zwei Terabyte, das für Time-Machine-Backups völlig ausreicht, kostet im Handel nur knapp über 130 Euro und bietet gegenüber Apples Time Caspule einen großen Vorteil: Die NAS ist mit Western Digitals MyCloud-Service über den Browser mit der URL www.mycloud.com und einem Login erreichbar, vergleichbar mit Cloud-Diensten wie Apples iCloud. Zwar können auf diese Weise keine Backups mit Time Machine erstellt werden, dafür erlaubt diese Option aber das Speichern und Abrufen von Daten auch von unterwegs, wie bei einem Cloud-Speicher eben. Mit dem Unterschied, dass Sie Ihre Daten nicht aus der Hand geben müssen: Sie liegen zuhause auf der MyCloud-NAS. Gleichzeitig erlauben die Western-Digital-Apps auch die Synchronisation von Inhalten wie etwa dem Benutzerordner eines Macs oder den Fotos eines iPhones. Auch ein iTunes- und DLNA-Mediaserver sind in den MyCloud-Geräten integriert. Doch vor allem ist die Time-Machine-Einrichtung ein Kinderspiel . Insofern sind die Geräte der MyCloud-Serie eine hervorragende Alternative zu Apples Time Capsule – und noch mehr.

Tipps & Tricks für WD MyCloud

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Einfache Geräte wie die MyCloud Home können die Time Capsule für Backup-Zwecke ersetzen. Quelle: ))
Vergrößern Einfache Geräte wie die MyCloud Home können die Time Capsule für Backup-Zwecke ersetzen. Quelle: ))
© Western Digital

Time-Capsule-Alternative 2: Synology DiskStation

Wer es etwas ausgefeilter mag und gerne bastelt, dürfte mit einer MyCloud jedoch schnell an seine Grenzen kommen. Die MyCloud-Geräte folgen der klassischen Idee des Netzwerkspeichers plus der praktischen Cloud-Funktionen. Wer mehr will – etwa einen Webserver aufsetzen, Dienste wie Owncloud verwenden oder generell nicht funktional eingeschränkt sein möchte, sollte deshalb zu einem Gerät von Synology greifen. In der kleinsten, preisgünstigsten Variante geht zum Beispiel die einfache DiskStation DS115j mit einem Festplatten-Steckplatz für unter 100 Euro über den Tisch – allerdings ohne Datenträger. Eine 3,5-Zoll-Festplatte in entsprechender Qualität – etwa eine Western Digital Red mit zwei Terabyte – schlägt noch einmal mit rund 50 Euro zu Buche. Allerdings ist der Nutzer hier in der Wahl der Festplatte frei, auch SSDs sind möglich.

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Die DS115j ist das einfachste Modell von Synology – und durchaus für Time Machine geeignet.
Vergrößern Die DS115j ist das einfachste Modell von Synology – und durchaus für Time Machine geeignet.
© Synology

Natürlich unterstützt das leistungsstarke Betriebssystem der Synology-Geräte auch Time-Machine-Backups, auch wenn die Einrichtung ein wenig technisches Know-How voraussetzt . Und ja: Es ist keine simple Firmware, die die NAS betreibt, sondern ein fast vollwertiges Linux-basiertes Betriebssystem namens Disk Station Manager. Das hat sogar einen App-Store. Die Möglichkeiten sind dadurch nahezu uneingeschränkt, eine Disk Station ist im Prinzip ein kleiner Computer am Netzwerk. Trotzdem unterstützt Synology in seinem Betriebssystem Apples Time-Machine-Protokoll: Sicherungen können hier problemlos an der NAS erstellt werden. Übrigens: Die Preisunterschiede zwischen den Modellen sind mit der Hardware begründet. So sind die preiswerteren Geräte in aller Regel mit weniger Anschlüssen und langsameren Prozessoren und weniger RAM ausgestattet als die teuren. Praktisch bei Synology: Mit einem kompatiblen USB-WLAN-Adapter ist nicht einmal mehr ein Ethernet-Kabel für den Betrieb notwendig.

Time-Capsule-Alternative 3: QNAP-NAS

Auch der dritte große NAS-Hersteller, QNAP, unterstützt in seinen Modellen Time-Machine-Backups. Die Geräte sind, ähnlich wie die Modelle von Synology, mit einem fast vollwertigen Betriebssystem samt App-Unterstützung und der Möglichkeit, als Media-, File- und Webserver zu arbeiten, ausgestattet. Die Time-Machine-Funktion ist dabei allerdings über den SMB-Server angebunden, wodurch die Einrichtung nicht ganz banal ist . Allerdings arbeitet die NAS anschließend als Time-Machine-Laufwerk im Netzwerk. Genau wie bei Synology und Western Digital gibt es unterschiedlichen Produktlinien in unterschiedlichen Leistungsklassen. Wer nur Time-Machine-Backups erstellen will, ist sicherlich mit der kleinsten Variante QNAP TS-128A ausreichend versorgt.

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Auch QNAP-NASen wie das Einstiegsmodell TS-128 unterstützen Time Machine.
Vergrößern Auch QNAP-NASen wie das Einstiegsmodell TS-128 unterstützen Time Machine.
© QNAP

Time-Capsule-Alternative 4: Router mit Time-Machine-Unterstützung

Wer auf „Geraffel“ verzichten will, kann übrigens auch einfach seinen Router austauschen oder ergänzen: Hersteller wie Asus, Netgear und Synology haben verschiedene Modelle im Programm, die sich für den Einsatz mit Time Machine eignen. Der Vorteil: Statt zweier Stromfresser – Router und NAS – haben Sie nur einen Router samt angeschlossener Time-Machine-Festplatte zuhause, was sowohl die Einrichtung, als auch die Wartung und Fehlersuche deutlich erleichtern kann. Wichtig ist, dass es sich um moderne Router mit WLAN nach 802.11ac-Standard handelt, außerdem sollten die Geräte Gigabit-WLAN und einen vollwertigen USB-Anschluss haben. Und natürlich firmwareseitig Apples Time-Machine-Protokoll unterstützen. Das ist zum Beispiel bei folgenden Routern der Fall.

-    Asus RT-AC88U

-    Netgear Nighthawk X4S

-    Synology RT2600ac

Viele Drittanbieter-Router – hier der Asus RT-AC88U Gaming-Router – unterstützen ebenfalls Time Machine auf angeschlossenen Festplatten.
Vergrößern Viele Drittanbieter-Router – hier der Asus RT-AC88U Gaming-Router – unterstützen ebenfalls Time Machine auf angeschlossenen Festplatten.
© Asus

Andere Modelle der gleichen Hersteller unterstützen Time Machine aber möglicherweise auch, zudem gibt es natürlich noch eine Reihe von NAS-Systemen kleinerer Anbieter, die mit Time Machine funktionieren. Nach wie vor ärgerlich ist jedoch, dass die weit verbreiteten FritzBoxen von AVM kein Time Machine können – das würde den Ersatz einer Time Capsule, zumindest auf dem von AVM beherrschten deutschen Markt, deutlich erleichtern.

Fazit: Es gibt viele gute Alternativen

Auf eine vollintegrierte Lösung wie die Time Capsule müssen Anwender nach der Einstellung des Routers durch Apple leider derzeit verzichten. Es gibt jedoch durchaus Alternativen, die die kabellose Anbindung eines Time-Machine-Volumes am Mac deutlich erleichtern können. Besonders interessant sind dabei die preiswerten und einfachen Geräte von Western Digital: Die MyCloud Home ist, sofern sie per Gigabit-Ethernet-Kabel an einem Router wie der FritzBox angeschlossen wird, ein hervorragender Ersatz für das von Apple gestrichene Router-Gerät.

AVM bleibt eine Time-Machine-Unterstützung nach wie vor schuldig. Wer eine FritzBox besitzt, muss, will er Time Machine im Netzwerk nutzen, eine zusätzliche Lösung kaufen oder die FritzBox ersetzen.
Vergrößern AVM bleibt eine Time-Machine-Unterstützung nach wie vor schuldig. Wer eine FritzBox besitzt, muss, will er Time Machine im Netzwerk nutzen, eine zusätzliche Lösung kaufen oder die FritzBox ersetzen.
© AVM

Doppelt genäht hält besser

Doch egal ob NAS oder neuer Router: Wir empfehlen bei den Drittanbieter-Geräten trotzdem, von Zeit zu Zeit ein reguläres Backup auf einer normalen externen Festplatte zu machen. Das hat vor allem zwei Gründe: Doppelt genäht hält besser – und Time-Machine-Backups auf externe Festplatten sind nach wie vor die zuverlässigste und schnellste Lösung, um sicherzustellen, dass alle Daten gesichert sind. Wir raten, neben der Netzwerk-Speicherlösung auch eine externe Festplatte in Time Machine einzubinden und diese mindestens einmal die Woche an den Rechner zu hängen. So ist die Datensicherheit gewährleistet – und der kabellose Komfort bleibt trotzdem erhalten.

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