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Tipps und Tricks: Western Digital MyCloud im Griff

24.07.2018 | 15:21 Uhr |

Western Digitals MyCloud ist nach dem Wegfall von Apples Time Capsule die einfachste und preiswerteste Alternative, um Backups im Netzwerk zu erstellen. Wir zeigen Ihnen einige Tricks und Kniffe, um das Gerät noch effektiver zu nutzen.

Mit der MyCloud von Western Digital gibt es seit geraumer Zeit ein einfaches NAS-System, das sich wunderbar als NAS und Time-Machine-Laufwerk für den Mac eignet. Das in der Basisversion lüfterlose Gerät ist auch deshalb so interessant, weil die Integration als Time-Machine-Volume vergleichsweise einfach ist. Doch es gibt noch viele andere Kleinigkeiten, die sich bei der MyCloud einstellen lassen – und die dadurch das Nutzererlebnis deutlich verbessern können.

Time Capsule – Die besten Alternativen

MyCloud als Time-Machine-Laufwerk verwenden

Die MyCloud ist ab Werk für den Einsatz als Time-Machine-Laufwerk eingerichtet. Nach der Grundeinrichtung können Sie das Gerät sofort für diesen Einsatz nutzen: Einfach die Time-Machine-Einstellungen am Mac öffnen und das MyCloud-Laufwerk hinzufügen, schon erstellt Time Machine auf dem NAS ein Backup. Aber Vorsicht: Die Grundeinstellungen sind so gesetzt, dass das Backup von jedem registrierten Nutzer des NAS ausgelesen werden kann! Denn das Time-Machine-Volume auf der NAS ist nur durch die Benutzerrechte geschützt. Am einfachsten ist es daher, beim Hinzufügen des MyCloud-Laufwerks den Haken „Backups verschlüsseln“ zu setzen. Auf diese Weise werden Ihre Backup-Inhalte vor unbefugtem Zugriff geschützt.

Erst durch die Time-Machine-Verschlüsselung wird das Backup für Dritte unbenutzbar.
Vergrößern Erst durch die Time-Machine-Verschlüsselung wird das Backup für Dritte unbenutzbar.

Auf schnelle LAN-Anbindung achten

Die MyCloud ist, wie die meisten NAS-Geräte, einfach per Ethernet-Kabel mit dem Router verbunden und besitzt hierfür einen schnellen Gigabit-Ethernet-Port. Den haben auch die meisten Router, etwa die FritzBox. Was viele User allerdings nicht wissen: Viele FritzBoxen verwenden zunächst einen gedrosselten Ethernet-Port im sogenannten „Green Mode“: Der reduziert die Geschwindigkeit auf ein Zehntel des technisch Machbaren. Das soll Strom sparen. Das Problem: Dadurch wird der Zugriff auf die MyCloud genau wie auf alle anderen kabelgebundenen Netzwerkgeräte unnötig verlangsamt.

Rufen Sie daher Ihre FritzBox-Oberfläche mit http://fritz.box auf und sehen Sie unter Heimnetz -> Heimnetzübersicht / Netzwerk -> Netzwerkeinstellungen nach, welcher Modus an dem LAN-Port aktiv ist, an dem Sie die MyCloud angeschlossen haben. Schalten Sie gegebenenfalls auf „Power Mode“ um und klicken Sie anschließend auf „Speichern“. Danach sollten Sie die MyCloud einmal neu starten, damit sie die neue Netzwerkgeschwindigkeit auch sicher erkennt.

FritzBox-Router sind oft mit reduzierter LAN-Geschwindigkeit eingestellt. Das kann auch andere Router-Typen betreffen. Schalten Sie auf volle Geschwindigkeit um, um die MyCloud mit höchster Effizienz zu betreiben.
Vergrößern FritzBox-Router sind oft mit reduzierter LAN-Geschwindigkeit eingestellt. Das kann auch andere Router-Typen betreffen. Schalten Sie auf volle Geschwindigkeit um, um die MyCloud mit höchster Effizienz zu betreiben.

Standardnamen der MyCloud für mehr Sicherheit ändern

Die MyCloud wird in der Standardeinstellung immer als „WDMyCloud“ im Netzwerk auftauchen. Wenn Sie mehrere der Geräte im Netzwerk haben, ist das unübersichtlich, unsicher wird es aber, weil ein potentieller Angreifer im WLAN sofort sieht, dass es sich um eine MyCloud handelt. Sie sollten den Standardnamen daher in etwas unverfänglicheres ändern, etwa: „Heim-NAS“ oder ähnliches. Öffnen Sie dazu im Browser die Adresse http://wdmycloud und klicken Sie hier auf „Einstellungen“. Wählen Sie den Punkt „Gerätenamen“ und tauschen Sie diesen gegen den neuen Namen aus. Achtung: Die NAS ist danach nicht mehr im Browser unter http://wdmycloud erreichbar, sondern nur noch unter Ihrem neuen Namen: Geben Sie dafür http://(neuer name), also etwa http://heim-nas im Browser ein. Die Groß- und Kleinschreibung ist dabei egal. Es kann sein, dass sich die MyCloud nach dieser Aktion verschluckt – starten Sie das Gerät dann einfach neu, indem Sie den Stecker ziehen und wieder einstecken.

Ein anderer Name schützt – und erleichtert die Verwaltung.
Vergrößern Ein anderer Name schützt – und erleichtert die Verwaltung.

Neue Benutzer anlegen fĂĽr mehr Komfort

Wenn Sie die MyCloud in der Familie oder Firma nutzen, sollte jeder, der das Gerät verwendet, einen eigenen Account haben. Praktischerweise gibt es einen voreingestellten Ordner „Public“, über den Sie Daten mit allen Nutzern austauschen möchten. Soll die NAS aber als File-Server dienen, ist es sinnvoll, jedem Nutzer einen eigenen Benutzernamen samt Passwort zuzuteilen und den Zugang per Passwort zu schützen.

Legen Sie Benutzer für MyCloud.com an, indem Sie einen Benutzernamen samt Mailadresse vergeben.
Vergrößern Legen Sie Benutzer für MyCloud.com an, indem Sie einen Benutzernamen samt Mailadresse vergeben.

Loggen Sie sich zunächst per Browser mit http://wdmycloud bzw. dem geänderten Namen des Geräts auf der MyCloud ein und wählen Sie „Benutzer“. Hier können Sie verschiedene Benutzer samt Mailadresse anlegen.

Anschließend erhält der Benutzer eine E-Mail, um ein Passwort zu setzen.
Vergrößern Anschließend erhält der Benutzer eine E-Mail, um ein Passwort zu setzen.

Damit alle Nutzer die NAS per MyCloud.com verwenden können, müssen Sie außerdem eine E-Mail-Adresse angeben und auf „Speichern“ klicken: Der Nutzer erhält eine E-Mail mit dem Hinweis, ein Passwort zu setzen. Anschließend kann der User die MyCloud im Browser verwenden und besitzt seinen eigenen Bereich. Sie können ihm außerdem Ordner zuordnen, auf die er Zugriff haben soll.

Anschließend kann er sich mit seiner E-Mail-Adresse und seinem Passwort bei mycloud.com auf der NAS anmelden und von überall Daten speichern.
Vergrößern Anschließend kann er sich mit seiner E-Mail-Adresse und seinem Passwort bei mycloud.com auf der NAS anmelden und von überall Daten speichern.

MyCloud-Benutzer-Zugriff im Finder per FTP aktivieren

Vielen Usern ist allerdings unwohl, jeden Schritt über das mycloud.com -Webinterface durchzuführen und hier Daten zu speichern. Denn auch, wenn die Daten auf der MyCloud und nicht beim Anbieter gespeichert ist, bleibt ein flaues Gefühl, weil der Service von Western Digital verwendet werden muss. Das ist aber nicht der Fall: Die MyCloud kann auch ganz normal im Finder genutzt werden! Loggen Sie sich dazu zunächst im Web-Interface der MyCloud ein und klicken Sie auf Einstellungen -> Netzwerk. Hier finden Sie die Möglichkeit, auf der NAS einen FTP- und SSH-Zugriff einzuschalten. Damit die Box nicht nur mit dem Public-Ordner, sondern mit allen freigegebenen Ordnern für Nutzer im Netzwerk im Dateimanager verwendbar ist, müssen Sie den FTP-Zugriff aktivieren. Anschließend sind die Benutzerordner im Netzwerk freigegeben.

Zwar taucht die MyCloud im Finder und Windows-Explorer auf. Nutzbar ist zunächst aber nur der öffentliche Ordner. Für Benutzerordner-Zugriff müssen Sie ein zusätzliches Benutzername-Passwort-Set vergeben.
Vergrößern Zwar taucht die MyCloud im Finder und Windows-Explorer auf. Nutzbar ist zunächst aber nur der öffentliche Ordner. Für Benutzerordner-Zugriff müssen Sie ein zusätzliches Benutzername-Passwort-Set vergeben.

Achtung: Die Benutzer können sich hier NICHT mit dem mycloud.com -Benutzernamen und -Passwort einloggen. Stattdessen benötigen sie ein zusätzliches Benutzername-Passwort-Set für den Betrieb im Netzwerk! Öffnen Sie dazu die MyCloud-Einstellungen und wählen Sie „Benutzer“. Schalten Sie „Passwort“ ein und vergeben Sie für den Benutzer ein FTP-Passwort. Den Benutzernamen können Sie im entsprechenden Punkt des Menüs sehen. Geben Sie die Kombination anschließend an die Benutzer weiter.

Aktivieren Sie den Schalter „Passwort“ beim jeweiligen User und vergeben Sie ein Passwort. Hier können Sie auch das Passwort wechseln, falls der Nutzer es ändern möchte
Vergrößern Aktivieren Sie den Schalter „Passwort“ beim jeweiligen User und vergeben Sie ein Passwort. Hier können Sie auch das Passwort wechseln, falls der Nutzer es ändern möchte

Diese können die MyCloud jetzt im Finder (oder Windows Explorer) sehen und sich hier mit der oben erstellten Username/Passwort-Kombination einloggen.

Anschließend können sich die Nutzer mit dem zweiten Zugangsdaten-Set per Finder oder Windows-Explorer auf der Box einloggen.
Vergrößern Anschließend können sich die Nutzer mit dem zweiten Zugangsdaten-Set per Finder oder Windows-Explorer auf der Box einloggen.

Cloud-Funktionen der MyCloud deaktivieren

Natürlich können Sie, nachdem Sie FTP-Zugangsdaten vergeben haben, auch ganz auf den MyCloud.com -Zugang verzichten. Der Nachteil dieser Lösung ist, dass die NAS nur noch im internen Netzwerk genutzt werden kann und die Cloud-Funktionen damit deaktiviert werden. Das ist vor allem dann praktisch, wenn das heimische Netzwerk sowieso per VPN angesteuert  wird oder Sie kein Interesse an den Cloud-Funktionen haben und die MyCloud einfach als „normale“ NAS betreiben wollen. Öffnen Sie dafür zunächst die MyCloud-Einstellungen und wählen Sie „Allgemein“. Hier finden Sie die Option „Cloud-Zugriff“. Schalten Sie den Schalter „Remotezugriff“ aus und bestätigen Sie anschließend die Warnmeldung mit „OK“. Achtung: Auch die MyCloud-App und die Sync-Funktionen funktionieren dann nicht mehr, die MyCloud dient einfach als Datenspeicher im Netzwerk!

Sie können die Cloud-Funktionalität der MyCloud komplett deaktivieren...
Vergrößern Sie können die Cloud-Funktionalität der MyCloud komplett deaktivieren...
Deaktivieren Sie dafür den „Remotezugriff“ und bestätigen Sie die Warnmeldung mit „OK“.
Vergrößern Deaktivieren Sie dafür den „Remotezugriff“ und bestätigen Sie die Warnmeldung mit „OK“.

Medienserver deaktivieren und Strom sparen

Übrigens: Wo Sie ohnehin schon dabei sind, nicht benötigte Funktionen abzustellen, sollten Sie auch einen Blick in die Medien-Einstellungen werfen: Die MyCloud besitzt einen iTunes- und einen DLNA-Server, was zum Beispiel praktisch ist, wenn mehrere Macs eine iTunes-Mediathek nutzen sollen oder Sie ein Smart-TV oder Media-Center verwenden , das auf die auf der NAS gespeicherten Filme, Bilder und Musikstücke zugreifen soll. Der Nachteil dieser Lösung: Ähnlich wie Spotlight auf dem Mac indexiert die NAS permanent ihre Inhalte. Gibt es viel Datenaustausch, kommt sie dadurch mangels Rechenleistung kaum zur Ruhe. Das wirkt, als würde der Ruhezustand nicht funktionieren. Das frisst einerseits Strom, andererseits verursacht es auch einen erhöhten Lärmpegel. Wenn Sie die Funktionen also nicht brauchen, sollten Sie sie abstellen.

Die integrierten Mediaserver sollten deaktiviert werden, wenn Sie sie nicht nutzen. Das spart Strom und Ressourcen auf der NAS und sorgt für deutlich ruhigeres Verhalten.
Vergrößern Die integrierten Mediaserver sollten deaktiviert werden, wenn Sie sie nicht nutzen. Das spart Strom und Ressourcen auf der NAS und sorgt für deutlich ruhigeres Verhalten.

Per E-Mail ĂĽber Probleme benachrichtigen lassen

Wenn Sie der Admin Ihrer NAS sind, sollten Sie jederzeit wissen, ob das Gerät einwandfrei funktioniert. Dafür besitzt die MyCloud eine praktische Benachrichtigungsfunktion: Wählen Sie „Einstellungen“ und hier „Benachrichtigungen“. Schalten Sie „E-Mail-Benachrichtigungen“ ein.

Die Benachrichtigungen helfen, über die korrekten Betrieb informiert zu bleiben.
Vergrößern Die Benachrichtigungen helfen, über die korrekten Betrieb informiert zu bleiben.

In der folgenden Maske müssen Sie jetzt eine E-Mail-Adresse angeben, auf der Sie die Nachrichten erhalten möchten. Stellen Sie den Slider auf „Kritisch und Warnung“, um nicht über jedes winzige Event benachrichtigt zu werden. Geben mit „Neue E-Mail-Adresse“ eine Adresse ein und klicken Sie auf „Test-E-Mail senden“. Kommt diese an, können Sie mit „OK“ bestätigen. Sie erhalten jetzt alle Benachrichtigungen, die relevant sind.

Fügen Sie eine Mailadresse ein, auf der Sie die Nachrichten erhalten wollen.
Vergrößern Fügen Sie eine Mailadresse ein, auf der Sie die Nachrichten erhalten wollen.

Backups der NAS-Inhalte erstellen

Die einfachste MyCloud ist mit nur einer Festplatte ausgestattet. Die ist zwar eine zuverlässige WD-Red für den NAS-Betrieb, trotzdem ist sie natürlich nicht gegen Ausfälle gefeit. Wenn Sie wichtige Daten auf der NAS speichern, sollten Sie daher ein automatisches Backup einrichten. Schließen Sie dazu zunächst eine USB-Festplatte am USB-Anschluss der MyCloud an, die mindestens die gleiche Kapazität wie das Hauptgerät hat. Bei einer 2-TB-Version sollten Sie also eine externe 2-TB-Festplatte anhängen. Wählen Sie anschließend im Menü den Punkt „Safepoints“ und klicken Sie auf das „+“-Symbol.

Wählen Sie den Datenträger – es sind sowohl Netzwerk-Laufwerke, als auch USB-Medien („Lokales USB-Gerät“) möglich – und wählen Sie die angeschlossene Festplatte aus. Klicken Sie danach auf „Weiter“.

Vergeben Sie jetzt einen Namen und eine Beschreibung. Aktivieren Sie außerdem den Schalter „Automatische Aktualisierung“, um jederzeit ein aktuelles Backup der NAS zu haben. Wählen Sie eine sinnvolle Uhrzeit für die Synchronisation: Nachts um 3 ist eine gute Zeit, weil hier die regulären Zugriffe auf die NAS am geringsten sein dürften. Wählen Sie außerdem die tägliche Sicherung.

Die MyCloud fragt jetzt, ob eine Sicherung erstellt werden soll. Wählen Sie „Jetzt“ und klicken Sie auf „Fertig stellen“. Ab sofort wird die NAS automatisch auf der externen Festplatte gesichert.

Fazit: Mit einigen Tricks eine praktische NAS und Time-Capsule-Alternative

Insgesamt kann das Verhalten der kleinen (und großen) MyCloud mit einigen Tricks und Kniffen deutlich verbessert werden, wodurch sie zu einer echten Time-Capsule-Alternative wird. Nach dem Umschalten der diversen Einstellungen ist sie sicherer, schneller und effektiver als in den Werkseinstellungen. Der Verzicht auf den MyCloud.com -Service ist sicherlich nicht zwingend notwendig, trotzdem gibt er ein sicheres Gefühl. Und durch die tägliche Datensicherung können Sie sichergehen, dass Ihre Daten jederzeit tatsächlich sicher sind.

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