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Topfolder im Test: Kein Finder-Ersatz

23.11.2018 | 11:40 Uhr |

Jederzeit und aus jedem Programm heraus Zugriff auf seine Dokumente und Bilder zu haben, klingt vielversprechend. Wir sind dennoch nicht ganz begeistert von der getesteten App.

Um zu verstehen, worum es bei Topfolder geht, zitieren wir einmal aus des Herstellers eigener Beschreibung: ”Mit TopFolder können Sie Ihre Daten schneller als je zuvor erreichen und ihren Workflow erheblich verbessern. Woran auch immer Sie gerade arbeiten, TopFolder wird immer vor allen geöffneten Programmen stehen und direkten Zugriff auf alle Daten ermöglichen. Via Drag & Drop kann jeder Ordner aus dem macOS System in TopFolder integriert werden. Wir haben TopFolder so programmiert, dass er keine Daten oder Ordner löschen kann.”

Insgesamt bietet Topfolder 26 Gruppen mit zehn Ordnern, sodass 260 Topfolder zur Verfügung stehen sollen. Fährt man mit der Maus über einen solchen Ordner, zeigt sich sein Inhalt aus Ordnern von der Mac-Festplatte und darin enthaltenen Dokumenten, Bildern oder Filmen. Lässt man den Mauszeiger auf eine dieser Dateien fahren, gibt es eine Miniaturvorschau der entsprechenden Datei, Filme laufen auf Wunsch ebenfalls in einer solch verkleinerten Vorschau ab.

Topfolder mit einigen Ordnern
Vergrößern Topfolder mit einigen Ordnern

Dokumente und Ordner in der Schwebeleiste

Um das praktisch zu beschreiben: Zieht man etwa seinen Dokumente-Ordner oder einen Unterordner daraus auf einen Topfolder und hat diesen sofort jederzeit verfügbar. Das schwebende Programmfenster von Topfolder ist stets sichtbar und bereit, per Tastaturkürzel oder Klick auf das Menulet in der Systemleiste kann man es jederzeit ausblenden, falls es doch einmal im Weg ist.

Es lassen sich Favoriten anlegen, Druckaufträge erteilen (was bei uns aber nicht funktionierte, auch nicht mit PDFs, wie es eigentlich versprochen ist), Dateien lassen sich direkt umbenennen, und man hat nach etwas Vorarbeit in den Systemeinstellungen Zugriff auf externe Laufwerke und USB-Sticks. Auch der Papierkorb lässt sich einsehen, aber nicht direkt löschen. Zusätzlich kann man Gruppen anlegen und vieles andere mehr. Die verschiedenen Topfolder erhalten unterschiedliche Farben, so kann man sie leichter unterscheiden, da sie in der Regel lediglich die Anmutung eines Aktenordners von hinten haben.

Kaum Arbeitserleichterung

Verbessert dies nun praktisch unsere Arbeit im Mac-Alltag? Finden wir nicht. Zunächst einmal steht man relativ ratlos vor der Frage, was hier eigentlich zu tun und einzurichten ist – denn automatisch macht Topfolder nichts. Es bildet also nicht beispielsweise hierarchisch auf die verschiedenen Ordner verteilt von der Mac-Festplatte ausgehend Dokumente, Bilder oder den User-Hauptordner ab. Online-Laufwerke lassen sich zwar ebenfalls einbinden, wie etwa die Dropbox, Google Drive oder Ordner aus der iCloud. Das muss man aber alles per Hand erledigen. Dabei wäre eine Funktion praktisch, die das auf Wunsch zumindest vorläufig für den User erledigt. So ist erst einmal einiges an Arbeit angesagt, um sich von Null aus eine passende Struktur zu erstellen. An der Hand genommen wird man dabei wie gesagt nicht. Es gibt zwar eine ausführliche Dokumentation, die muss man aber erst einmal umständlich auf der Website des Entwicklers finden und im Browser öffnen. Dort wird dann alles detailliert erklärt, doch geschenkt sozusagen wird einem nichts.

Topfolder im Dark Mode
Vergrößern Topfolder im Dark Mode
© F'n'F development GbR

Mac-Finder in den meisten Belangen besser

Praktisch ist selbstverständlich der direkte Zugriff auf bestimmte Ordner, egal, in welchen Programm man arbeitet, solange einen die querliegende Leiste auf dem Bildschirm nicht stört. Zum Glück ist sie ja rasch aus- und wieder einblendbar. Doch gerade im Vergleich zum Finder schlägt sich Topfolder mit seinen unmittelbaren Funktionen nicht besonders gut: so sind die Vorschaubilder eben winzig klein, sie reichen gerade als Orientierung. Man kann sie zwar ähnlich wie in macOS mit einem Druck auf die Leertaste vergrößern und hat dann etwas mehr Optionen, doch an die Funktionen des Mac-Betriebssystems reicht das nicht heran: Denn seit macOS 10.14 bietet der Mac-Finder auch in der Vorschau per Leertaste eine einfache Möglichkeit, Bilder direkt zu bearbeiten, etwa mit Grafiken, Notizen oder Text zu versehen und aus der Vorschau heraus zu versenden. Topfolder hat nichts Derartiges im Funktionsumfang. So fragt man sich doch, worin der große Vorteil dieser kostenpflichtigen App liegen soll.

Ordnereinblick mit Infos und Vorschaubild
Vergrößern Ordnereinblick mit Infos und Vorschaubild

Systemvoraussetzungen und Verfügbarkeit

Topfolder 1.6 gibt es Mac App Store   für 11 Euro ab macOS 10.12. Die Website des Entwicklers mit vielen Videos und Beschreibungen sowie der Hilfe-Datei findet sich hier https://www.topfolder.io/topfolder-german .

Fazit und Empfehlung

Nein, unsere Testläufe mit Topfolder 1.6 konnten uns nicht dazu verlocken, auf den Finder zu verzichten oder ihn durch Topfolder zu ergänzen, dazu bietet er uns zu wenige Vorteile. Zumal man auch im Finder nicht nur in der Seitenleiste Ordner anzeigen lassen kann, sondern auch in der Symbolleiste, wo man zugleich eine sehr effektive Suchfunktion hat. Und die neue Vorschau von macOS 10.14 direkt im Finder tut ein Übriges, dass wir hier wenig vermissen und kaum Lust verspüren, auf Alternativen mit zudem relativ hoher Lernkurve zu setzen. Schade, dass es vom Entwickler keine Demoversion gibt, um sich eine eigene Meinung zu bilden. Denn vielleicht gibt es ja für den ein oder anderen Zweck durchaus Verwendung für diesen Ansatz, den wir persönlich für den eigenen Workflow nicht finden konnten.

Einstellungsfenster
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