2389982

Tuning: Mehr Power für den alten Mac Pro

15.11.2018 | 14:59 Uhr |

Im Frühjahr kam der iMac Pro, im nächsten Jahr ein neuer Mac Pro und der Mac Mini ist an sich auch nicht übel. So aber holen Sie mehr aus Ihrem Mac Pro von 2013 heraus.

Fast immer, wenn man einen Rechner gekauft hat, wachsen die eigenen Ansprüche und die der Software an das Gerät. So nimmt die gefühlte Geschwindigkeit vom ersten Tag an ab, mit der Zeit immer schneller. Das ist auch bei einem Profirechner wie dem Mac Pro nicht anders . Als er Ende 2013 auf den Markt kam, war er ein Traum für viele Bild- und Videobearbeiter.

Auch wenn die eingebauten Grafikkarten im Jahr 2018 längst nicht mehr High-End sind, sind sie für die Arbeit mit den Programmen der Adobe Creative Cloud immer noch ausreichend. Der Grund liegt darin, das beispielsweise Photoshop und Lightroom hauptsächlich den Hauptprozessor und den Arbeitsspeicher beanspruchen. Die Grafikkarte trägt nicht viel zur Gesamtleistung bei.

Damit sind die Punkte, an denen man beim Tuning ansetzen kann schon mal klar: Prozessor, RAM und Datenspeicher. Anhand unseres Testrechners wollen wir die Möglichkeiten aufzeigen: Mac Pro mit 3,7 GHz Quad-Core Intel Xenon E5, 12 GB RAM und 256 GB SSD .

Prozessortausch: Nicht gern gesehen, aber möglich

Eigentlich lässt Apple es nicht zu Prozessoren zu tauschen, aber der Mac Pro hat einen gesockelten Prozessor und dieser lässt sich somit auswechseln. Das Prozedere ist nicht sonderlich schwer, kompliziert ist es dagegen, noch passende Xeon-Prozessoren zu bekommen. Diese Prozessoren der E5-Serie sind fast nur noch auf dem Gebrauchtmarkt zu bekommen.

Beispiele hierfür sind der E5-2667 v2 3.30 GHz mit acht Kernen oder der E5-1650 v2 3.50 GHz mit sechs Kernen.

Auf den Prozessortausch haben wir verzichtet, um den Rechner nicht versehentlich zu beschädigen. Wer sich den Austausch nicht selbst zutraut, findet passende Unternehmen, die das erledigen.

Was die Aktion bringt, lässt sich zumindest an der Prozessorperformance leicht bei Geekbench ablesen. Während unser Testrechner mit vier Kernen im Multicore-Test mit 13174 Punkten im Mittelfeld liegt, liegt ein Achtkerner mit 23234 Punkten immer noch in der Spitzengruppe. Schneller sind da unter anderem die neuen iMac Pro .

 

Mehr RAM: Eine einfache Übung

Sehr einfach erledigen lässt sich der Austausch der RAM-Bausteine. Vier Sockel hat der Mac Pro, von denen drei bei der Werksauslieferung belegt sind. Wie der Arbeitsspeicher ausgetauscht werden kann, erklärt Apple in einem Support Dokument .

Die verwendeten RAM-Bausteine vom Typ DDR3-ECC-DIMM mit 1866 MHz sind gut im Handel zu bekommen. Nur auf eine Sache muss  achten: Es lassen sich sowohl UDIMMs (Unbuffered) als auch RDIMMs (Registered) verwenden, nur nicht gemischt.

Wir haben uns drei 8-GB-UDIMMs von Crucial besorgt und im vierten Sockel einen 4-GB-UDIMM aus der Serienbestückung belassen.

Crucial hat auf seiner Homepage eine sehr schöne Übersicht über sein Angebot

Was aber bringt die Aufrüstung des RAM. Um das festzustellen, haben wir uns ein typisches Szenario in Adobe Lightroom ausgedacht und die Zeit gemessen, die die Software hierfür benötigt.

Wir ließen Lightroom 2323 Bilder (JPEG und Camera-RAW gemischt) in einen neuen Katalog importieren und verarbeiten. Dabei haben wir getrennt die Aufgaben "Import mit Erstvorschau", "Erzeugen einer 1:1 Vorschau", "Scrollen" und "Katalog öffnen" gemessen. Zusätzlich haben wir noch Panoramen und HDRs erzeugt, ebenso wie Bilder an Aurora HDR und Tonality übergeben. Bei der Messung war Lightroom das einzige geöffnete Programm.

Die Unterschiede zwischen der Original-Bestückung mit 12 GB und dem auf 28 GB RAM hochgerüsteten Mac Pro waren nur marginal. So hat der Import beispielsweise mit 12 GB RAM 2 Minuten und 37 Sekunden benötigt, mit 28 GB RAM waren es 2 Minuten und 31 Sekunden. Erst bei Berechnungen macht sich die Speicheraufrüstung etwas stärker bemerkbar. Panoramen verrechnen spart mit mehr RAM ein paar Sekunden. Sechs Bilder benötigen mit 12 GB RAM 32 Sekunden und mit 28 GB 26 Sekunden. Dass sich hier eine Beschleunigung bemerkbar macht ist klar, da man für die Bearbeitung mehrerer Bilder auch logischerweise mehr Speicher benötigt. So konnten wir auch einen geringen Geschwindigkeitszuwachs messen, wenn wir Bilder zum Verrechnen nach Aurora HDR übergeben haben.

Auch wenn die Beschleunigung durch mehr Speicher auf den ersten Blick nicht groß ist, relativiert sich das im normalen Arbeitseinsatz. Normalerweise hat man nicht nur ein Programm offen, sondern mehrere. Als Bildbearbeiter zum Beispiel Photoshop und Lightroom. In der Regel kommt dann noch Mail und Safari dazu, da kann der Speicher schon knapp werden. Empfehlenswerter ist es aber, mit Paaren von RAM-Modulen zu arbeiten. Beim Mac Pro verwenden Sie optimaler Weise gleich viermal 8 GB, also 32 GB in der Summe.

 

Der Speicher ist am Mac Pro sehr einfach zu wechseln.
Vergrößern Der Speicher ist am Mac Pro sehr einfach zu wechseln.
© Thomas Bergbold
Das Gehäuse lässt sich leicht öffnen und die RAM-Slots sind direkt zugänglich.
Vergrößern Das Gehäuse lässt sich leicht öffnen und die RAM-Slots sind direkt zugänglich.
© Thomas Bergbold

 

Interne SSD: Unkomplizierter Storage-Zuwachs

Der Austausch der internen SSD ist genauso leicht, wie die RAM-Bausteine zu wechseln. Eine Schraube fixiert die SSD, die in einem von Apple modifizierten PCIe-Sockel steckt. Das schränkt die Auswahl an passenden SSDs ein. Transcend ist einer der wenigen Hersteller, die passende SSDs in Deutschland anbieten.

Wir haben uns das JetDrive 855 besorgt, das eine Kombination aus einem externen Gehäuse mit Thunderbolt-2-Anschluss und einer PCIe-SSD ist. Das Kit kommt mit Gehäuse, das macht den Wechsel der SSD leichter. Vor allem kann man direkt von der alten SSD auf die neue SSD seine Daten überspielen, hat dann aber anschließend auch ein passendes Gehäuse für die alte SSD, um sie weiter einsetzen zu können. Dieser Aspekt ist besonders wichtig, da man die passenden Gehäuse nur schwer einzeln bekommt.

Das Gehäuse aus Aluminium macht zudem einen sehr guten Eindruck. Zusätzlich liefert Transcend zwei Schraubendreher mit. Einen Torx T5 für die Schrauben des Gehäuses und einen Torx P5, den man beim Mac Pro aber nicht brauchen kann. Für die Fixierschraube der SSD im Mac Pro benötigt man einen Torx T8. Wir haben uns das iToolkit 2 von LMP besorgt und hatten gleich noch für anderen Gelegenheiten weitere Werkzeuge.

 

Bei der Einrichtung der SSD von Transcend ist eine Klippe zu umschiffen, die Installation von macOS . Drei Szenarien sind bei der Installation möglich, eine Neuinstallation, die alten Daten klonen oder aus einem Time-Machine-Backup wiederherstellen. Klonen unseres  Systems  macOS 10.13 mit Hilfe des Festplattendienstprogramms gelang uns nicht, die Gründe konnten wir nicht eruieren. Hier müssen andere Programme wie Carbon Copy Cloner einspringen.

Aber auch bei einer Neuinstallation oder dem Wiederherstellen aus einem Time-Machine-Backup ist ein sehr wichtiger Punkt zu beachten: Das JetDrive 855 setzt mindestens macOS 10.13 voraus. Das bedeutet, das integrierte macOS-Wiederherstellungssystem erkennt die SSD nicht und versagt daher. Der Einsatz eines angepassten Boot-Sticks ist unumgänglich. Leider weist Transcend hierauf nicht hin.

 

Hat man diese Klippe umschifft, darf man sich nicht nur über mehr Speicher freuen, sondern auch über eine höhere Geschwindigkeit beim Datenzugriff.

Das Booten erfolgt nun in rund 28 Sekunden und damit 18 Sekunden schneller als mit der Serien-SSD unseres Mac Pro. Aber nicht nur der Systemstart verläuft schneller, Lesen und Schreiben wird allgemein flotter. Hatte man vorher schon gute Werte von 707 MB/s beim Schreiben und 930 MB/s beim Lesen, sind es jetzt 1108 MB/s beim Schreiben und 1319 MB/s beim Lesen. Das merkt man im täglichen Betrieb, alles geht ein wenig schneller, wie wenn man einen neuen Rechner hätte. Das JetDrive 855 ist mit 480 GB für rund 345,- Euro im Handel zu bekommen, die V ariante mit 960 GB für rund 735,- Euro .

 

Das Transcend JetDrive 855 ist eine der wenigen internen SSD Lösungen am Mac Pro.
Vergrößern Das Transcend JetDrive 855 ist eine der wenigen internen SSD Lösungen am Mac Pro.
© Thomas Bergbold
Der Wechsel der internen SSD am Mac Pro ist sehr einfach. Alles was man benötigt ist ein Torx T8 Schraubendreher, wie er beispielsweise im iToolkit 2 von LMP enthalten ist.
Vergrößern Der Wechsel der internen SSD am Mac Pro ist sehr einfach. Alles was man benötigt ist ein Torx T8 Schraubendreher, wie er beispielsweise im iToolkit 2 von LMP enthalten ist.
© Thomas Bergbold

 

Externe Speichermedien: Schnell und bequem

Am einfachsten ist es immer, Datenspeicher extern zu erweitern. Doch hier hat man die Qual der Wahl. Da wir für unseren Rechner nur das Schnellste möchten, kommen eigentlich nur Flashspeicher in Frage.

Für unseren Test haben wir uns ein paar typische externe Laufwerke mit Festplatten und SSDs ins Testlabor geholt. Eine 2,5 Zoll Seagate Firecuda Festplatten am USB3.0, eine 3,5 Zoll Seagate Festplatte mit Thunderbolt 1 und ein G-RAID Studio mit 8TB Festplatten mit Thunderbolt 2.

Dann haben wir versucht das Maximum an Datenraten mit SSD-RAIDs heraus zu kitzeln. Zum einem mit einen mit einem Akitio Thunder 2 Quad, bei dem G-RAID Studio haben wir die Festplatten gegen SSDs ausgetauscht und mit dem Apple Thunderbolt 3 Adapter wurden die aktuell schnellsten Laufwerke mit Thunderbolt 3 das Lacie Bolt3 und das Sonnet Fusion eingesetzt. Das sind alles Laufwerksgehäuse, die den Thunderbolt 2 Anschluss maximal ausreizen können. Ein bisschen unfair ist unser letzter Testpartner, ein Raidsonic IB-RD2253-U31 am USB3.0 Anschluss. Als SSDs haben wir zwei ältere Crucial M550 mit 256 GB verwendet.

 

Schreiben (MB/s)

Lesen (MB/s)

Festplatten

Seagate 3,5 Zoll Thunderbolt 1

177

181

Seagate Firecuda 2,5 Zoll USB 3.0

109

106

G-RAID Studio 8TB Thunderbolt 2

321

314

SSD

Akitio Thunder 2 Quad SSD RAID 0

559

583

Lacie Bolt3 mit Apple Adapter

908

1272

Sonnet Fusion mit Apple Adapter

947

1321

Raidsonic IB-RD2253-U31 USB3.0 SSD RAID 0

370

348

G-RAID Studio Thunderbolt 2 SSD RAID 0

687

721

 

Die Ergebnisse waren so zu erwarten, wobei das sehr schlechte Abschneiden der Firecuda schon etwas verwundert hat. Was man mit einem schnellen Festplatten-RAID aus dem Thunderbolt-2-Anschluss herausholen kann, zeigt sehr schön das G-RAID Studio mit 321 MB/s beim Schreiben und 314 MB/s beim Lesen. Das sind für Festplatten sehr gute Werte.

Das Maximum am Thunderbolt 2 ist das natürlich nicht. Da zeigen die SSDs, was Sache ist. Und das besonders eindrucksvoll die aktuellen Modelle Lacie Bolt3 und Sonnet Fusion. Mit über 900 MB/s beim Schreiben und rund 1300 MB/s beim Lesen ist das ein ganz neues Arbeitsgefühl am Mac Pro. Dafür haben die zwei Laufwerke auch sehr hohe Preis. Das Sonnet Fusion mit 1TB kostet rund 1000,- Euro und das Lacie Bolt3 mit 2TB rund 1760,- Euro.


 

Wesentlich günstiger und auch schon nicht schlecht sind die RAIDs mit Thunderbolt-2-Anschluss. Am Überzeugendsten ist das G-RAID Studio mit Werten um die 700 MB/s. Allerdings ist das Gehäuse nicht einzeln zu bekommen. Wer schon eines besitzt, kann aber auf diese Weise dem G-RAID Studio neues Leben einhauchen.

Hat man diesen Luxus nicht, so sind neben dem getesteten Akitio Thunder2 Quad für 360,- Euro, das Raidsonic Raidon GR3660-TB2 für 270,- Euro, zwei Alternativen. Während das Raidsonic ein Laufwerksgehäuse für zwei Laufwerke ist, ist das Akitio eines für vier Laufwerke.

Die von uns intern verbauten SSDs von Apple und Transcend haben wir natürlich auch extern gemessen. Das Gehäuse liefert Transcend ja bei seiner JetDrive 855 gleich mit. Die Transcend Kombination überzeugt mit guten 660 MB/s beim Schreiben und 766 MB/s beim Lesen. Damit bleibt sie aber weit hinter den internen Messwerten zurück. Bei der Apple SSD ist es genauso, nur das hier die Datenrate mit 596 MB/s beim Schreiben und 722 MB/s beim Lesen noch geringer ist.

 

Das G-RAID Studio bietet überzeugende Datenraten. Im Original mit Festplatte und erst recht mit SSDs.
Vergrößern Das G-RAID Studio bietet überzeugende Datenraten. Im Original mit Festplatte und erst recht mit SSDs.
© Thomas Bergbold
Der Thunderbolt 3 nach Thunderbolt 2 Adapter von Apple ist der einzige Adapter, der in beide Richtungen eine Adaptierung zulässt. Dadurch lässt er sich auch sehr gut zum Anschluss von Thunderbolt 3 Laufwerken am Mac Pro verwenden.
Vergrößern Der Thunderbolt 3 nach Thunderbolt 2 Adapter von Apple ist der einzige Adapter, der in beide Richtungen eine Adaptierung zulässt. Dadurch lässt er sich auch sehr gut zum Anschluss von Thunderbolt 3 Laufwerken am Mac Pro verwenden.
© Thomas Bergbold

 

Fazit

Mac-Pro-Tuning lohnt sich, auch in Zeiten des iMac Pro und höchstens ein Jahr vor dem neuen modularen Mac Pro. Vor allem der konsequente Ausbau mit schnellen SSDs brachte die Geschwindigkeit nicht nur gefühlt nach vorne. Bildbearbeitung und Verwaltung mit Lightroom gewinnt deutlich, wenn nicht nur der Katalog, sondern auch der RAW-Cache und die Bilddaten auf schnellen SSDs liegt.

Der Unterschied zwischen einfacher SSD und einem SSD-RAID0 war hingegen sehr gering. Bei unseren Lightroom-Aufgaben hat das RAID0 nur im Sekundenbereich eine Beschleunigung gebracht. Ähnlich sieht es bei Photoshop aus, Daten und Cache auf eine SSD zu legen bringt eine deutliche Beschleunigung.

Der RAM-Ausbau machte vor allem im täglichen Arbeiten Sinn. Viele Anwendungen parallel offen, da hilft viel RAM dem System deutlich auf die Sprünge. Wobei schon die 12 GB Grundausstattung für viele Aufgaben ausreichend ist.

Der Austausch des Prozessors ist etwas für risikofreudige Naturen. Die Preise für einen gebrauchten Sechs-Kern-E5 starten bei unter 200,- Euro, da kann man als Bastler schon schwach werden.

Macwelt Marktplatz

0 Kommentare zu diesem Artikel
2389982