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Überwachungskamera mit Freund-Feind-Erkennung: Nest IQ im Macwelt-Test

28.06.2017 | 09:06 Uhr |

Die neue Überwachungskamera der Alphabet-Tochter Nest kann Gesichter erkennen und benachrichtigt über unbekannte Eindringlinge.

Anfangs findet man es vielleicht noch sinnvoll, wenn die neue heimische Überwachungskamera jede Bewegung in der Wohnung per E-Mail oder Nachricht meldet. Vor allem in einem Mehrpersonenhaushalt führt dies jedoch zu einer immer lästiger werdenden Flut an überflüssigen Routine-Meldungen. Eine 24-Stunden-Videoaufnahme ohne jede Vorfilterung ist aber ebenfalls wenig hilfreich. Die neue Nest IQ bietet hier eine interessante Lösung: Eine Gesichtserkennung identifiziert den Kameranutzer und Familienmitglieder und markiert ihre Bewegungen in der Übersicht der Überwachungsvideos farblich. Haustiere wie eine Katze soll ein Algorithmus ebenfalls ausfiltern.

Die neue Nest Cam IQ ist das neue Topmodell von Nest und wurde in vielen Bereichen gegenüber den beiden älteren Modellen Nest Cam Indoor und Nest Cam Outdoor verbessert. So kommt in der neuen Kamera ein neuer Bildsensor mit höherer Lichtstärke und 4K-Unterstützung zum Einsatz und ein 6-Kern-Prozessor sorgt erstmals für eigene Intelligenz - deshalb der Name Nest Cam IQ. Funktionen wie Bildanalyse führte bei den anderen Kameras ausschließlich ein Webdienst durch. Dank verbesserter WLAN-Schnittstelle soll außerdem die Empfangsqualität besser als bei der Nest Cam Indoor sein.

Optik

Die neue Nest IQ ist relativ groß, vor allem im direkten Vergleich mit der kleineren Nest Indoor Cam, die wir vor kurzem erst getestet haben . Inklusive Standfuß ist sie immerhin 12,4 hoch und 7,4 cm tief. Die Kamera ist mit ihrem weißen und runden Gehäuse doch recht auffallend, die kleine schwarze Nest Cam Indoor ist da unauffälliger. Optisch ähnelt sie eher der von uns bereits getesteten Nest Cam Outoor-Version und benötigt anscheinend auch ein stärkeres Netzteil. Dafür bietet sie eine leistungsfähigere Hardware.

Installation und Bedienung erfolgt über eine App für iOS oder Android, für die Installation scannt man per Smartphone einen QR-Code auf der Kamera ein und muss eigentlich nur noch das WLAN-Kennwort eingeben. Eine Anmeldung beim zugehörigen Onlinedienst Nestware ist erforderlich. Hinweis: Die Konfiguration und Bedienung per App unterscheidet sich ein wenig von der Bedienung per Weboberfläche. In unserem letzten Test der Nest Cam Indoor haben wir den Dienst Nestaware noch etwas ausführlicher vorgestellt.

Die Kamera beinhaltet einen 4K-Sensor, Lautspreche, Mikrofone und eine 6-Kern-CPU.
Vergrößern Die Kamera beinhaltet einen 4K-Sensor, Lautspreche, Mikrofone und eine 6-Kern-CPU.

Personenerkennung

Die Personen-Erkennung der Nest IQ erfolgt zweigeteilt: Die Kamera selbst kann dank leistungsfähiger Hardware bei einer Bewegung erkennen, ob ein Mensch sie verursacht. Das ist schon ein großer Fortschritt zu einer simplen Bewegungserkennung, die bei jedem windbewegten Ast anschlägt. In der Videoübersicht findet man dann auf der Aufnahme einen Marker, muss also nicht durch Stunden an Videomaterials scrollen. In einem zweiten Schritt versucht der Webdienst Nestaware das Gesicht zuzuordnen. In einer E-Mail oder Nachricht meldet er bei Bedarf, ob es sich um ein bekanntes Familienmitglied oder einen Unbekannten handelt. In der E-Mail sieht man ein Vorschaufoto, per Mausklick hat man Zugriff auf die Aufnahmen. Gut: Bei Personenaufnahmen nutzt die Kamera den 4K-Bildsensor für eine Zoom-Funktion. Für Videoaufnahmen steht leider nur maximal die Auflösung 1080p zur Verfügung, laut Google wäre ein Live-Feed mit 4K-Auflösung zu bandbreitenintensiv für Server und die meisten Anwender-Netze. So müssen Nutzer schon bei den vorgegebenen 1080p mit einer Upload-Menge von 150 bis 300 GB pro Monat rechnen. Stattdessen kann die Kamera verlustfrei in das Bild hineinzoomen und eine Person verfolgen - was deutlich bessere Qualität bringt als ein digitaler Zoom. Um die Anzahl der Meldungen klein zu halten, werden auch Haustiere wie eine Katze automatisch ignoriert.

Über jeden Besucher wird man sofort informiert.
Vergrößern Über jeden Besucher wird man sofort informiert.

In unserem Test mit einer Vorserien-Software funktionierte dieser „Freund-Feind-Filter“ ganz anständig. Bei gutem Blickfeld und guter Beleuchtung konnte die Kamera zwei Wohnungsnutzer zuverlässig erkennen. Zu viel sollte man aber nicht erwarten: So versagt die Funktion, wenn das Gesicht eines vorbeihuschenden Bewohners nicht identifiziert wird. In unserem Test brachte etwa auch das Aufsetzen einer Mütze und Absetzen der Brille die Gesichtserkennung ins Wanken. Man muss also beim Aufstellen der Kamera auf ein gutes Blickfeld achten, die Kamera beispielsweise auf die Haustür ausrichten.

Bekannte Personen erhalten in der Übersicht eine farbige Markierung
Vergrößern Bekannte Personen erhalten in der Übersicht eine farbige Markierung

Im Hintergrund übernimmt ein Webdienst die Gesichtsanalyse, das kostenpflichtige Web-Abo Nest Aware ist also obligatorisch.

Nachtmodus und Lautsprecher

Gute Tonqualität bei Aufnahmen wird durch mehrere Mikrofone mit Rauschfilter garantiert, so war ein Gespräch im Nebenzimmer komplett aufgenommen und gut verständlich - auch ohne jeden Sichtkontakt werden Tonquellen übrigens aufgenommen. Ein deutlich stärkerer Lautsprecher als in der älteren Kamera ist ebenfalls integriert, das hilft bei der Kommunikation mit Familienangehörigen und sollte bei der Kontaktaufnahme mit Haustieren oder gar Einbrechern für mehr Autorität sorgen.

Auch bei Dunkelheit ist die Kamera aktiv, sie aktiviert bei zu wenig Licht automatisch einen Infrarot-Sensor. Das Bild ist dann schwarz-weiß, aber von guter Qualität. Insgesamt ist die Bildqualität hervorragend, bei schlechten Lichtverhältnissen sinkt sie aber rapide. Auch mit schwierigen Lichtverhältnissen, etwa eine eintretende Person bei Gegenlicht, waren kein Problem. Eine HDR-Funktion hellt dunkle Bildbereiche anscheinend automatisch auf.

Fazit:

Mit 349 Euro ist die ab sofort erhältlich Nest IQ kein Schnäppchen, die Nest Cam Indoor kostet immerhin 150 Euro weniger. Dazu muss man aber noch den Webdienst Netaware einkalkulieren: Ohne diese Serveranwendung hat auch Nest IQ zu wenig zu bieten: Zwar erfolgt die Erkennung von Personen auch ohne Abo, allerdings ist die praktische Videoverwaltung nur per Web möglich. Auch die Nest IQ kommt ohne integrierten Aufnahmespeicher, was das Abo eigentlich obligatorisch macht. Für 100 Euro im Jahr oder 10 Euro pro Monat erhält man Speicherplatz für 10 Tage, eine Version mit 30 Tage Speicher kostet 30 Euro im Monat bzw. 300 Euro im Jahr. Will man eine Überwachungskamera für sein Eigenheim und muss nicht auf den Preis achten, ist die Nest IQ eine äußerst komfortable Lösung mit soliden Ergebnissen. Für geringere Ansprüche sind aber auch die beiden anderen Nest-Kameras einen Blick wert.

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