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Verzicht auf Whatsapp & Co.: Symptome wie nach Drogenentzug

15.11.2018 | 11:15 Uhr | Thomas Hartmann

Eine psychologische Studie aus Österreich zeigt: Social Media wirken wie Suchtmittel, auch ein kurzfristiger Verzicht fällt vielen schwer.

Schon allein Probanden für den Test zu bekommen, war für die Wissenschaftler der Karl Landsteiner Privatuniversität Krems an der Donau in Österreich gar nicht so leicht: 1000 Personen nahmen die Einladung zur Studie zwar zunächst an, aber am Ende machten nur 152 Probanden im Alter von 18-80 Jahren tatsächlich mit, darunter ein Anteil von 70 Prozent Frauen. Dies berichtet ZDNet . Die Psychologen vermuten zudem, dass sich ohnehin nur Teilnehmer*innen meldeten, denen der Verzicht auf Social Media leichter fällt. Bei anderen könnten die Auswirkungen noch drastischer sein.

Die Aufgabe war, sieben Tage lang auf soziale Medien wie Facebook und Whatsapp zu verzichten. Immerhin war den Probanden in der Zeit erlaubt, beispielsweise Textnachrichten oder E-Mails zu nutzen. Trotzdem schafften sie es kaum, Facebook und andere soziale Medien in der Zeit völlig zu ignorieren: Immer wieder musste eine Mehrheit von knapp 60 Prozent ”schummeln” und wenigstens kurz die Nachrichten auf Whatsapp & Co. checken, um sich nicht völlig verloren zu fühlen. Das Verlangen, ja die Gier danach sei durch die an sich ausgeschlossene Nutzung von Social Media in der Abstinenzphase weiter stark angestiegen. Es zeigten sich aus der Suchtforschung bekannte Phänomene wie erhöhtes Verlangen, Langeweile und ein Einfluss auf positive sowie negative Stimmungen. Unerwartet war, dass nicht nur das Empfinden positiver Stimmungen vermindert wurde, sondern auch das Erleben negativer Gefühle sich reduzierte.

Der komplette Artikel zu der Studie ist von den Autoren Stefan Stieger und seinem Kollegen D. Lewetz unter dem Titel erschienen: ”A week without using social media: Results from an ecological momentary intervention study using smartphones”, in:. Cyberpsychology, Behavior, and Social Networking, 21 (2018), 618-624. Einen knappen Überblick dazu gibt es von der Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften KL an dieser Stelle . ZDNet zitiert in dem Zusammenhang auch die reumütigen Äußerungen von früheren Facebook-Mitarbeitern, etwa von Chamath Palihapitiya, der ab 2007 als Vice President für das Nutzerwachstum verantwortlich war. Er sieht die Wirkungen der Online-Interaktionen, die sich durch das Vergeben von Herzen, Likes und ähnlichen Symbolen her ergeben, in ”kurzfristigen, von Dopamin getriebenen Feedback-Schleifen“ begründet. Davon braucht man schlicht gesagt immer wieder etwas und immer mehr. Ihm und Entwicklern wie Mark Zuckerberg und Kevin Systrom von Instagram sei dies auch durchaus bewusst gewesen – gemacht habe man es trotzdem.

Tipp: Facebook löschen - So entfernen Sie Ihr Konto endgültig

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