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Virtualisierung am Mac: Parallels oder Virtual Box?

13.11.2017 | 07:58 Uhr |

Parallels und das kostenlose Virtualbox sind die beiden großen Player, wenn es um Windows- und Linux-Virtualisierung auf dem Mac geht. Doch welches Tool ist besser? Und wer sollte auf welche Lösung setzen?

Windows auf dem Mac ist auch nach über elf Jahren mit Intel-Prozessoren weiterhin ein Thema. Klar: Durch die Verschiebung von Anwendungen ins Internet spielt die zugrundeliegende Plattform heute keine so große Rolle mehr. Zudem gibt es ja auch Bootcamp , um Windows auf dem Mac auszuführen. Doch spätestens, wenn es darum geht, spezielle Anwendungen laufen zu lassen oder schlicht ein anderes Betriebssystem auszuprobieren, ist ein Dual-Boot-System wie Bootcamp nicht mehr sonderlich sinnvoll. Genau an diesem Punkt kommen Virtualisierungsprogramme ins Spiel: Sie führen Windows (oder Linux oder sonstige Betriebssysteme) samt Anwendungen direkt unter macOS aus und sorgen auf diese Weise für eine sichere und bequeme Nutzung der Systeme.

Warum virtualisieren?

Wenn die Rede von Virtualisierungssoftware ist, sind dabei in aller Regel drei Programme im Gespräch: VMware Fusion, Parallels Desktop und Virtual Box. Ersteres ist eher für die Profi-Fraktion geeignet, weshalb wir es aus diesem Vergleich herausnehmen möchten. Und so bleibt Usern die Entscheidung zwischen dem kostenpflichtigen und nicht ganz günstigen Parallels Desktop – und dem kostenlosen Open-Source-Virtualisierer Virtual Box. Beide laufen direkt als Programm unter macOS. Beide erlauben die Installation und Ausführung von Windows, Linux, Android und sogar macOS samt Anwendungen in einer sogenannten virtuellen Maschine – und zwar ohne großen Aufwand. Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen Host- und Gastsystem: Während der Mac als „Host“, als „Gastgeber“ fungiert, ist eine virtuelle Maschine als „Gast“ mit einem Software-PC vergleichbar: Es läuft auf dem Host-System im Fenster. Es können beliebig viele Gastsysteme aufgesetzt werden, allerdings begrenzt die Leistung des Host-Systems – also des zugrundeliegenden Macs – die Möglichkeiten der parallelen Ausführung mehrerer solcher Gastsysteme. Denn jedes Gastsystem knappst sich, während es läuft, etwas von den Ressourcen des Hosts ab: Prozessor, RAM und Grafik werden zwischen dem Host und seinen Gastsystemen aufgeteilt. Je mehr RAM und Prozessorkerne ein Mac hat, desto besser laufen die virtuellen Maschinen.

Parallels-Assistent hilft dabei, schnell virtuelle Maschinen aufzusetzen
Vergrößern Parallels-Assistent hilft dabei, schnell virtuelle Maschinen aufzusetzen

Der Vorteil gegenüber Bootcamp

Der Vorteil von Parallels Desktop oder Virtual Box gegenüber Bootcamp liegt auf der Hand: Der Wechsel zwischen den Betriebssystemen in Bootcamp ist zeitraubend, der Datenaustausch problematisch und auch die Betriebssicherheit alles andere als optimal. Schließlich kann ein Bootcamp-Fehler schnell den ganzen Mac zerschießen. Am wichtigsten ist aber die Tatsache, dass via Bootcamp (oder seine Alternative rEFInd immer nur ein Betriebssystem – macOS, Windows oder Linux – gleichzeitig ausgeführt werden kann. Das ist für den Workflow eher suboptimal. Denn Parallels Desktop und Virtual Box erlauben das parallele Ausführen mehrerer virtueller Maschinen, während macOS läuft – ein unschlagbarer Vorteil. Allerdings gibt es auch Fälle, in denen Bootcamp die bessere Wahl ist: Etwa dann, wenn 100 Prozent der Mac-Hardware für die Windows-Anwendung genutzt werden müssen. Das kann bei Spielen oder sehr aufwendiger Windows-Software der Fall sein.

Da wird selbst Profis schwindelig: VirtualBox erlaubt sehr detaillierte Einstellungen
Vergrößern Da wird selbst Profis schwindelig: VirtualBox erlaubt sehr detaillierte Einstellungen

Achtung: Windows-Lizenzen

Apropos Windows: Wer Windows in einer virtuellen Maschine installiert, muss im Hinterkopf behalten, dass die VM für Windows wie ein echter PC aussieht. Dementsprechend benötigt jede Windows-VM eine Windows-Lizenznummer. Allerdings ist das mit Windows 10 nicht mehr ganz so tragisch: Auch ohne Aktivierung läuft das System zunächst – eine Seriennummer kann gegebenenfalls nachgekauft werden. Wer nur eine Windows-Lizenz zur Hand hat, sollte aber wissen, dass diese nur für eine Windows-Installation verwendet werden kann: Entweder in Bootcamp – oder in Parallels. Gemeinerweise hat Windows auch einen Hardware-Check, der gegebenenfalls die Aktivierung beendet, wenn sich große Teile der Hardware ändern. Da sich die Hardware-Basis des echten Macs und der virtuellen Maschine deutlich unterscheiden, sind die beiden Installationen von Windows in Bootcamp und Windows in Virtual Box oder Parallels Desktop also auch zwei Lizenznummern notwendig – es sind schließlich zwei verschiedene PCs. Weitere Hürden gibt es aber zunächst nicht.

Steckt man ein USB-Gerät an, fragt Parallels, ob es für den Host oder den Gastrechner verwendet werden soll.
Vergrößern Steckt man ein USB-Gerät an, fragt Parallels, ob es für den Host oder den Gastrechner verwendet werden soll.

Parallels Desktop vs. Virtual Box: Der kostenlose Einstieg

Wer die Virtualisierung nur einmal ausprobieren will, hat zwei Möglichkeiten: Entweder greift er zu Parallels Desktop, das eine 14-Tage-Testversion anbietet, bevor die Lizenz von mindestens 79,99 Euro fällig wird. Dabei hat der Kunde die Wahl zwischen einem einjährigen Abo – oder einem Kauf der aktuellen Version von Parallels Desktop. Wer Pro- oder Business-Variante wählt, muss sogar zwingend zur Abo-Option greifen, die jährlich mit 99,99 Euro zu Buche schlägt.

Virtual Box von Oracle ist hingegen kostenlos, da es sich um Open-Source-Software handelt. Die unter der GPLv2 lizenzierte Software kann jederzeit von der Projekt-Website heruntergeladen werden. Anders als Parallels ist Virtual Box nicht nur für den Mac verfügbar, sondern auch für Windows, Linux, und Oracles Solaris-Betriebssystem. Damit stellt es derzeit den Quasi-Standard für die plattformübergreifende Virtualisierung dar.

Doch egal, für welche Variante Sie sich entscheiden: Zunächst ist sind beide kostenlos.

Übersichtlich und schlüssig – die Parallels-Einstellungen sind einfach, aber leistungsstark
Vergrößern Übersichtlich und schlüssig – die Parallels-Einstellungen sind einfach, aber leistungsstark

Parallels Desktop: Für Anwender, die einfach Windows nutzen wollen

Trotz des sehr ähnlichen Funktionsumfangs sind Parallels und Virtual Box jedoch zwei völlig verschiedene Produkte: Wer sich noch nie mit Virtualisierung gearbeitet hat, wird sich in den zahlreichen Optionen von Virtual Box schnell verlaufen. Genau deshalb ist Parallels Desktop für Einsteiger, die einfach Windows auf dem Mac nutzen wollen, die deutlich bessere Wahl: Die Software nimmt den Anwender an die Hand und führt ihn sanft zum Ziel.

Eine Win-10-VM aus VirtualBox kann nach Parallels konvertiert werden
Vergrößern Eine Win-10-VM aus VirtualBox kann nach Parallels konvertiert werden

Das beginnt schon bei der Installation: Im aktuellen macOS High Sierra hat Apple den Kernel-Schutz eingebaut, der es Anwendungssoftware verbietet, einfach Kernel-Extensions zu installieren: Der Anwender muss die Installation in den Systemeinstellungen unter „Sicherheit“ bestätigen. Diese Kernel-Erweiterungen sind zum Betrieb von Parallels oder Virtual Box aber unverzichtbar, werden aber während der Installation blockiert. Parallels weist den Anwender auf die nötige Einstellung hin. Virtual Box meldet hingegen kryptisch „Installation fehlgeschlagen“. Wer nicht weiß, wo der Fehler liegt, ist bei Virtual Box schnell gefrustet – ein Problem, unter dem Virtual-Box-Nutzer ohne Virtualisierungserfahrung des Öfteren leiden.

Allerdings sollte man in der VirtualBox-Maschine vorher alle Treiber und die Guest-Additions entfernen. Sonst drohen Bluescreens
Vergrößern Allerdings sollte man in der VirtualBox-Maschine vorher alle Treiber und die Guest-Additions entfernen. Sonst drohen Bluescreens

Parallels: Kluge Assistenten und flotte Voreinstellungen

Ist Parallels Desktop einmal installiert, ist die weitere Vorgehensweise schlüssig: Ein Assistent bietet die Installation von Windows, verschiedenen Linuxen, Android und sogar macOS selbst in der virtuellen Maschine an. Wer Windows 10 möchte, kann dieses direkt bei Microsoft herunterladen oder sogar kaufen, die verschiedenen Linuxe werden einfach gratis heruntergeladen und aufgesetzt. Umsteiger von Windows erhalten die Möglichkeit, ihren alten PC per Netzwerk oder USB-Festplatte direkt in die virtuelle Maschine zu übernehmen.

VirtualBox ist kostenlos, Parallels kostet im Abo ab 80 Euro im Jahr. Kauft man die Version regulär, läuft sie eine Weile auch unter künftigen MacOS-Versionen – perfekte Unterstützung gibt es aber nur für die MacOS-Versionsnummer, die zur Parallels-Versionsnummer passt (etwa: macOS 10.13 & Parallels 13)
Vergrößern VirtualBox ist kostenlos, Parallels kostet im Abo ab 80 Euro im Jahr. Kauft man die Version regulär, läuft sie eine Weile auch unter künftigen MacOS-Versionen – perfekte Unterstützung gibt es aber nur für die MacOS-Versionsnummer, die zur Parallels-Versionsnummer passt (etwa: macOS 10.13 & Parallels 13)

Und wer ein System aufsetzen möchte, das nicht voreingestellt ist, kann das ebenfalls einrichten, indem er „Windows oder anderes OS von DVD oder Imagedatei installieren“ – ideal, wenn zum Beispiel eine ältere Windows-Version, gar DOS oder OS/2 installiert werden sollen. Insofern bietet Parallels Desktop genug Reserven für Spielkinder: Wer noch ein altes Windows XP herumliegen hat, kann dieses genau so installieren wie ein exotisches Linux. Immer vorausgesetzt, das System liegt als ISO-Datei, USB-Stick oder DVD/CD vor.

Läuft TimeMachine im Hintergrund, warnt Parallels vor langsamen VMs
Vergrößern Läuft TimeMachine im Hintergrund, warnt Parallels vor langsamen VMs

Parallels Desktop: Windows-Installation ein Kinderspiel

Das wohl häufigste Szenario für den Einsatz von Parallels dürfte jedoch die Verwendung von Windows sein. Kleiner Tipp am Rande: Wer kein Windows benötigt, kann zunächst das kostenlose Parallels Lite aus dem Mac App Store laden: Hier können Linux-Systeme und sogar macOS installiert werden. Die macOS-Installation funktioniert in der Lite-Version unter High Sierra aber derzeit nur auf Umwegen, da die App noch nicht an High Sierra angepasst wurde. Nicht so die reguläre kostenpflichtige Version von Parallels Desktop: Diese ist perfekt an Apples aktuelles System angepasst und lädt und installiert Windows mit wenigen Klicks. Praktisch daran: Die virtuelle Maschine ist „voreingerichtet“, sprich: Maus und Tastatur funktionieren bei Windows-10-VMs sofort nahtlos.

Die Parallels-Tools sind essentiell und werden in Windows und Linux automatisch installiert
Vergrößern Die Parallels-Tools sind essentiell und werden in Windows und Linux automatisch installiert

Parallels Desktop: Sofort einsatzbereit

Nach der Installation ist das Betriebssystem sofort einsatzbereit, auch weil Parallels Desktop automatisch die Parallels Tools – ein Set von Treibern für die Windows-VM – aufsetzt. Diese verbessern die Integration im Mac-System maßgeblich. Sogar der Benutzer wird unterwegs automatisch angelegt: Parallels übernimmt dafür einfach den macOS-Nutzer.

Natürlich können auch Parallels und VirtualBox parallel betrieben werden – sie stören sich nicht
Vergrößern Natürlich können auch Parallels und VirtualBox parallel betrieben werden – sie stören sich nicht

Das gleiche gilt für „Spezialitäten“ wie die gemeinsame Zwischenablage und die Freigabe von Mac-Ordnern zum Windows-System und umgekehrt sowie Drag-und-Drop: Es funktioniert einfach direkt nach der Installation – zumindest bei allen Systemen, die Parallels standardmäßig anbietet. Praktisch dabei ist für Windows-Systeme der sogenannte Kohärenz-Modus: Windows-Programme werden dabei so ausgeführt, als wären sie direkt auf dem Mac installiert, von Windows selbst merkt der Nutzer nichts (außer der vielleicht niedrigeren Systemgeschwindigkeit).

Ist der Mac stark genug, sind auch mehrere VMs kein Problem. Hier auf einem iMac 27“ von 2017.
Vergrößern Ist der Mac stark genug, sind auch mehrere VMs kein Problem. Hier auf einem iMac 27“ von 2017.

Parallels Desktop: Flotte Windows-Virtualisierung aus der Box

Nach der Einrichtung, die übrigens auch bei Linux-Systemen und Android ähnlich einfach funktioniert, ist der virtuelle Windows-PC auch schon einsatzbereit. Die Virtualisierung ist flott und ruckelfrei, sogar Spiele werden unterstützt. Der Clou ist allerdings die intelligente Ressourcen-Aufteilung: Selbst einen Stresstest mit macOS, Windows 10, Android und Ubuntu-Linux, gleichzeitig unter macOS High Sierra geöffnet, überlebte das Programm auf einem 4-Kern-iMac von 2017.

Parallels kann Windows 10 mit wenigen Klicks vollautomatisch installieren. Das dauert je nach Internetverbindung nur wenige Minuten
Vergrößern Parallels kann Windows 10 mit wenigen Klicks vollautomatisch installieren. Das dauert je nach Internetverbindung nur wenige Minuten

Parallels ist so konzipiert, dass es Windows bei hoher Systemlast und Nichtbenutzung sofort pausiert, alle vier virtuellen PCs blieben bedienbar, wenn auch nicht mit voller Kraft. Natürlich ist es schon im Hinblick auf die Systemressourcen sinnvoll, immer nur eine virtuelle Maschine gleichzeitig laufen zu lassen – notfalls stemmt Parallels aber auch mehrere gleichzeitig.

Parallels kann Windows 10 mit wenigen Klicks vollautomatisch installieren. Das dauert je nach Internetverbindung nur wenige Minuten
Vergrößern Parallels kann Windows 10 mit wenigen Klicks vollautomatisch installieren. Das dauert je nach Internetverbindung nur wenige Minuten

Virtual Box: Gratis-Variante für erfahrene User

Doch wie schaut es mit Virtual Box aus? Das Programm ist schließlich kostenlos und höchstgradig flexibel und damit eine echte Alternative zu Parallels Desktop. Die Installationsproblematik mit den Kernel-Extensions kann wie bei Parallels umgangen werden, anschließend ist Virtual Box grundsätzlich einsatzbereit. Damit Virtual-Box-VMs jedoch mit maximaler Leistung (etwa: USB 3.0, Webcam und Verschlüsselung) laufen, sollte zunächst das optionale Virtual-Box-Extension-Pack installiert werden. Erst danach ist Virtual Box wirklich sinnvoll einsetzbar.

Parallels warnt vor dem neuen MacOS-Kernelschutz, VirtualBox nicht. Beide müssen jedoch...
Vergrößern Parallels warnt vor dem neuen MacOS-Kernelschutz, VirtualBox nicht. Beide müssen jedoch...

Virtual Box: Windows-Installation für Experten

Sind die Hürden für die Installation überwunden, begrüßt den Anwender eine ebenso schlichte wie funktionale Oberfläche: Hier kann eine neue virtuelle Maschine angelegt oder bearbeitet werden. Außerdem erlaubt Virtual Box den Import und Export von VMs als sogenannte „ Appliance s“: Vorgefertigte virtuelle Maschinen, die einfach auf einen anderen Rechner mit Virtual Box übertragen werden können. Für den schnellen Linux-Start bieten sich derartige Appliances an, wer Windows will, muss zum manuellen Setup greifen. Das heißt: Windows-ISO von der Microsoft-Website herunterladen , einen neuen virtuellen PC anlegen und konfigurieren und zuguterletzt die Windows-ISO in das virtuelle DVD-Laufwerk der virtuellen Maschine einlegen.

... in den Systemeinstellungen freigeschaltet werden
Vergrößern ... in den Systemeinstellungen freigeschaltet werden

Danach startet die Windows-Installation wie auf einem echten PC: Alle Schritte, von der Formatierung der (virtuellen) Festplatte bis zur Benutzereinrichtung müssen manuell durchgeführt werden. Ideal für alle, die die volle Kontrolle wünschen und sich auskennen. Für Einsteiger ist das jedoch ausgesprochen anstrengend.

Klappt erst beim zweiten Anlauf. Schuld ist der neue Kernelschutz in High-Sierra
Vergrößern Klappt erst beim zweiten Anlauf. Schuld ist der neue Kernelschutz in High-Sierra

  Virtual Box: Systemintegration per Guest Additions

Sobald das Windows-System läuft, ist auch hier alles weitere manuell einzurichten: Zunächst müssen die Virtual Box Guest Additions – die Virtual-Box-Version der Parallels-Tools – installiert werden. Dazu muss die virtuelle CD mit den Treibern über die Menüzeile in die virtuelle Maschine eingelegt werden. Windows bittet danach zur Installation. Die Guest Additions sind zwingend notwendig, um zum Beispiel die Bildschirmauflösung der virtuellen Maschine zu ändern, Hardware wie virtuelle Netzwerkadapter zu nutzen oder um Austauschfunktionen zwischen dem Windows-Gast und dem macOS-Hostsystem zu ermöglichen. Allerdings ist die Leistung gegenüber Parallels Desktop nicht immer optimal: Selbst auf aktuellen Macs ruckelt und hakt es immer wieder. Dieses Problem dürfte der Tatsache geschuldet sein, dass Virtual Box plattformübergreifend entwickelt wird und nicht auf spezielle Mac-Funktionen zugreift – Parallels hingegen schon.

Erst mit den zusätzlichen Extensions ist VirtualBox voll einsatzbereit
Vergrößern Erst mit den zusätzlichen Extensions ist VirtualBox voll einsatzbereit

Virtual Box: Einstelloptionen für Interessierte

Das wird auch an den Einstellungen für die virtuellen Maschinen deutlich: Neben Standard-Einstellungen wie zu verwendenden Prozessorkernen und Arbeitsspeicher können diverse Prozessor- und Chipsatzfunktionen verändert werden. Sogar der Netzwerkadapter selbst kann eingestellt werden. Der Nachteil dieser Lösung: In der Standardkonfiguration sind die virtuellen Maschinen längst nicht immer optimal eingestellt. So weist Virtual Box standardmäßig nur 64 Megabyte Grafikspeicher zu – für Windows 10 eigentlich zu wenig. Auch andere Kleinigkeiten benötigen Aufmerksamkeit: So sind zum Beispiel die Netzwerkeinstellung im Expertenmodus so kleinteilig, dass selbst erfahrene Anwender hier den Durchblick verlieren. Das Problem dabei: Wer zu viel einstellt, geht möglicherweise verloren – oder verliert die VM, die dann schlimmstenfalls nicht mehr richtig startet. Dafür sind aber Konfigurationen und Szenarien möglich, von denen Parallels-Nutzer nur träumen können.

Alles, was das Bastler-Herz begehrt: VirtualBox besitzt sehr feine Experteneinstellungen
Vergrößern Alles, was das Bastler-Herz begehrt: VirtualBox besitzt sehr feine Experteneinstellungen

Virtual Box und Parallels: Ein Blick auf die Systemleistung

Grundsätzlich gilt bei allen VMs, dass sie nur so schnell sind wie ein Teil des Host-Systems. Das liegt daran, dass konzeptbedingt Prozessor, RAM und Grafikleistung durchgeschleift werden. Außerdem teilen sich VM und Host natürlich auch die Festplatte. Gerade die kann sich, zusammen mit dem Arbeitsspeicher, als echter Flaschenhals entpuppen, da die Auslagerung des Arbeitsspeichers auf zwei Systemen zu viel für den Mac sind. Wer einen Rechner mit Dualcore-Prozessor besitzt, noch dazu wenig RAM und eine mechanische Festplatte, sollte die Virtualisierung lieber lassen: Zu schnell könnte der Mac unter der Last einer falsch eingestellten virtuellen Maschine unbenutzbar langsam werden.

Die Einrichtung einen virtuellen PCs in VirtualBox erfolgt vollständig manuell. Ideal für Anwender, die die Kontrolle haben wollen
Vergrößern Die Einrichtung einen virtuellen PCs in VirtualBox erfolgt vollständig manuell. Ideal für Anwender, die die Kontrolle haben wollen

Ein Problem, das sowohl Parallels, als auch Virtual Box betrifft. Parallels wirkt aber insgesamt flotter und runder, vermutlich, weil es ausschließlich für die Mac-Plattform entwickelt wurde. Richtig schnell sind aber beide nicht: Für die Ausführung regulärer Anwendungen – von Office über Quicken bis zu Photoshop Elements – ist die Virtualisierung normalerweise flott genug. Parallels schafft sogar nicht ganz taufrische 3D-Spiele. Wer jedoch aufwändige Anwendungen, etwa aktuelle Spiele, unter Windows nutzen will, sollte sich eine Windows-Maschine kaufen – oder zumindest Bootcamp verwenden.

Mit Version 5.2 ist VirtualBox deutlich benutzerfreundlicher geworden. Trotzdem ist das Programm noch immer eher für Profis gedacht
Vergrößern Mit Version 5.2 ist VirtualBox deutlich benutzerfreundlicher geworden. Trotzdem ist das Programm noch immer eher für Profis gedacht

Fazit: Virtual Box probieren und Parallels nutzen

Doch welche der beiden Lösungen ist nun die bessere? Nun: Unter dem Strich sind beide Programme gute Lösungen, um Windows auf dem Mac zu betreiben. Während sich das kostenlose Virtual Box aber eindeutig an Nutzer richtet, die wissen, was sie tun und manuelle Einrichtungsschritte nicht scheuen, ist Parallels Desktop dank Assistenten und Automatiken sehr einsteigerfreundlich. Außerdem läuft es unter macOS deutlich runder, weil es immer an die jeweils aktuelle macOS-Version angepasst ist. Das bietet diverse Vorteile, von einer robusteren Systemintegration über Stromsparfunktionen bis zur Leistung des virtuellen Grafikadapters. Praktisch ist auch die Möglichkeit, USB-Hardware mit einem Klick einzubinden.

Selbst simple Grundeinstellungen muss der User in VirtualBox bestätigen. Parallels hat dafür eine Automatik
Vergrößern Selbst simple Grundeinstellungen muss der User in VirtualBox bestätigen. Parallels hat dafür eine Automatik

Anders Virtual Box: Als Cross-Plattform-Software greift es nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner der möglichen Host-Betriebssysteme zurück. Spezielle Funktionen des Mac bleiben außen vor, Dinge wie das Einbinden von USB-Geräten ist nicht selten problematisch.

Auch VirtualBox besitzt ein Treiber-Set für Windows und Linux, das auf jeden Fall in der virtuellen Maschine installiert werden sollte
Vergrößern Auch VirtualBox besitzt ein Treiber-Set für Windows und Linux, das auf jeden Fall in der virtuellen Maschine installiert werden sollte

Parallels mit sehr hohem Komfort-Niveau

Die derzeit jährlich knapp 80 - 100 Euro für Parallels Desktop sind bei häufigerer Nutzung von Windows auf dem Mac sowohl für Einsteiger, als auch für Profis gut investiertes Geld. Denn Parallels erspart seinen Anwendern doch viel Bastelei. Parallels bleibt zwar flexibel genug, um speziellen Ansprüchen gerecht zu werden – allerdings auf einem sehr hohen Komfort-Niveau. Das hat Virtual Box als sehr „technische“ Lösung leider nicht zu bieten. Wer mac OS stabil virtualisieren will, sollte ebenfalls eher zu Parallels Desktop greifen: Die macOS-Installation unter Virtual Box ist zwar möglich, aber alles andere als komfortabel.

Die Testphase von Parallels geht zwei Wochen. Ausreichend für einen Überblick. Wer kein Windows braucht, kann zum kostenlosen Parallels Lite aus dem Mac App Store greifen
Vergrößern Die Testphase von Parallels geht zwei Wochen. Ausreichend für einen Überblick. Wer kein Windows braucht, kann zum kostenlosen Parallels Lite aus dem Mac App Store greifen

Insofern können wir Parallels Desktop allen Nutzern empfehlen, die sich nicht mit Bastelarbeit aufhalten wollen . Anwender, die Windows auf dem Mac nur gelegentlich einsetzen, die gerne basteln oder sich in technische Details fuchsen, dürften aber auch mit Virtual Box glücklich werden. Letztlich führt auch Virtual Box Windows auf dem Mac aus und reicht damit in den allermeisten Fällen völlig aus, wenn hier und da eine Windows-Anwendung benötigt wird.

Nicht von Assistenten unterstützte Betriebssysteme können auch in Parallels aufgesetzt werden. Der Vorgang gleicht aber eher dem von Virtual Box.
Vergrößern Nicht von Assistenten unterstützte Betriebssysteme können auch in Parallels aufgesetzt werden. Der Vorgang gleicht aber eher dem von Virtual Box.

Ein Wort zum Schluss

Zuguterletzt noch ein kleiner Hinweis: Parallels Desktop kann virtuelle Maschinen aus Virtual Box importieren. Umgekehrt geht das nicht. Wer also nicht sicher ist, ob er überhaupt virtuelle Maschinen benötigt, kann mit Virtual Box erste Schritte wagen – und später bei Bedarf auf Parallels „upgraden“.

Parallels kann macOS virtualisieren. VirtualBox zwar auch, allerdings ist das tendenziell sehr knifflig.
Vergrößern Parallels kann macOS virtualisieren. VirtualBox zwar auch, allerdings ist das tendenziell sehr knifflig.

 

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