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VoIP: Warum wir es auch 2018 nicht lieben werden

12.01.2018 | 14:25 Uhr | Christoph Dyllick-Brenzinger

Wir befinden uns mitten in einer der gr├Â├čten Technikumstellungen der letzten Jahre. Im Jahre 2018 werden nun endg├╝ltig die letzten analogen und ISDN-Anschl├╝sse abgeschaltet und komplett auf ÔÇťVoice over Internet ProtocolÔÇŁ (VoIP) umgestellt.

Mit VoIP werden Telefongespr├Ąche nicht mehr ├╝ber Telefonanschl├╝sse, sondern ├╝ber das Internet abgewickelt, und eigentlich sollten alle davon profitieren: Die Provider k├Ânnen zuk├╝nftig s├Ąmtliche Dienste wie Telefonie, Fax, TV, Internet und Mobilfunk ├╝ber ein Datennetz zur Verf├╝gung stellen. Ein separates Telefonnetz ist nicht mehr n├Âtig. Das spart nat├╝rlich enorme Kosten und Verwaltungsaufwand. Den Kunden wird versprochen, dass mit VoIP die Kommunikation einfacher, flexibler und schneller wird.

├ťberhaupt sind moderne Anwendungungen wie Videotelefonie oder die engere Verzahnung von Telefonie und Software erst mit VoIP m├Âglich. Und obwohl die Argumente der Anbieter durchaus richtig sind, wird VoIP sowohl im Privaten wie auch im Unternehmensumfeld h├Ąufig als Last und - schlimmer noch - teilweise sogar als R├╝ckschritt angesehen.

Doch woher kommt die Kritik an VoIP, und warum ist VoIP nicht so ÔÇťrock solidÔÇŁ wie ISDN?

Aus meiner Sicht gibt es vier Gr├╝nde daf├╝r, dass auch im Jahr 2018 nur Wenige von VoIP begeistert sein werden:

1. Die St├Ârquellen nehmen zu

VoIP verwandelt Telefonie in Kommunikation. Telefon und Computer wachsen immer mehr zusammen, da sie sich das gleiche Datenkabel und ├ťbertragungsnetzwerk teilen. Selbst Standard-Gigabit- Netzwerke erlauben von der Kapazit├Ąt her mit Leichtigkeit Gespr├Ąche in HD-Qualit├Ąt - theoretisch. Denn wie ├╝berall, wo man sich Ressourcen teilen muss, kann es zu Engp├Ąssen oder Wechselwirkungen kommen.

Leider reagiert VoIP extrem sensibel auf schlechte Datenverbindungen. Sei es die langsame Internetverbindung, die parallelen Datei-Downloads oder ein Netflix-Stream, ├╝berforderte Switches, altersschwache LAN-Kabel oder eine falsch konfigurierte Firewall - wenn man keine zuverl├Ąssige verz├Âgerungsfreie Datenverbindung vom Telefon ├╝ber die Telefonanlage bis zum VoIP-Provider herstellen kann, f├╝hrt das zwangsl├Ąufig zu Problemen vom kleinen Aussetzer bis hin zur v├Âlligen Nichterreichbarkeit.

Die Anbieter versprechen den Anwendern eine ganz einfache Umstellung auf VoIP, ignorieren dabei aber die Tatsache, dass viele Unternehmen gar nicht ├╝ber die n├Âtigen Voraussetzungen und das Wissen verf├╝gen, um s├Ąmtliche St├Ârquellen im lokalen Netzwerk zu erkennen und zu vermeiden. Wenn dann Probleme mit der Sprach├╝bertragung oder der Erreichbarkeit auftreten, wird VoIP daf├╝r verantwortlich gemacht.

2. VoIP ist ein neues Sicherheitsrisiko

Das Missbrauchspotenzial bisheriger Telefonieanschl├╝sse war vergleichsweise gering. Der Zugang zum Telefonnetz eines Unternehmens war schwierig und der Nutzen eines Angriffs vergleichsweise gering.

Mit einer modernen VoIP-Telefonanlage ist das anders. Ein VoIP-Telefonanlage muss zwingend ├╝ber das Internet vom VoIP-Provider erreichbar und gleichzeitig aus dem lokalen Netzwerk von den IP-Telefonen ansprechpar sein. Diese Anforderungen f├╝hren zu ge├Âffneten Ports in der Firewall und einer dauerhaften Verbindung ins lokale Netzwerk.

Eine VoIP-Telefonanlage muss somit zwingend in den IT- Sicherheits├╝berlegungen eines jeden Unternehmens ber├╝cksichtigt werden. Dieser Mehraufwand ver├Ąrgert nat├╝rlich jeden Unternehmer, der vor vielen Jahren seine ISDN-Telefonanlage einrichten lie├č und seitdem keinerlei Aufwand mit seiner Anlage mehr hatte.

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3. Es fehlt an offener und standardisierter Computer Telephony Integration (CTI)

Ein VoIP-Telefon ist eigentlich ein kleiner Computer mit Telefonh├Ârer. Alternativ kann man auch ├╝ber einen sogenannten Softclient, also mit einer Software auf dem Computer und beispielsweise einem Headset, telefonieren. Folglich ist VoIP deutlich n├Ąher am Computer und dem Betriebssystem dran, als die vorherige analoge und ISDN-Telefonie.

CTI ist an dieser Stelle das Zauberwort und verspricht nahtlose Integration von Telefonie und Computer. So ├Âffnet sich bei einem Anruf automatisch das Kundenprofil oder man klickt einfach nur mit der Maus auf die Telefonnummer eines Kunden, um einen Anruf aufzubauen. Diese Art der Integration bietet vielf├Ąltige Optimierungspotenziale, die aber nur wenige Unternehmen ├╝berhaupt ausnutzen. Grund ist weniger der Wille, sondern es sind die fehlenden Schnittstellen. Es gibt kaum Softwarel├Âsungen, die fertige Schnittstellen anbieten, und wenn doch, sind diese alles andere als trivial einzurichten.

Statt sich auf einheitliche und sinnvolle Schnittstellen zu einigen, kochen die Telefonanlagenanbieter ihr eigenes S├╝ppchen und bieten CTI oder individuelle Schnittstellen nur zu einzelnen Softwarel├Âsungen und als kostenpflichtiges Add-on an. Diese Eintrittsh├╝rden torpedieren zuverl├Ąssig den wahrscheinlich wichtigsten Vorteil von VoIP und verhindern echte Effizienzgewinne.

4. Am Anfang stehen erst mal Kosten

Eigentlich sollte man erwarten, dass zumindest ein Teil der Kostenersparnis des Providers an den Endkunden weitergegeben werden. Und tats├Ąchlich kann VoIP-Telefonie durchaus g├╝nstiger sein. Doch leider ist der Umstieg auf VoIP zumindest anfangs erst einmal mit Kosten verbunden.

Egal, ob man eine neue Telefonanlage mietet oder kauft, man diese durch einen Profi einrichten l├Ąsst oder es selber machen kann - die Umstellung kostet. Hinzu kommt, dass man mit gro├čer Sicherheit neue Telefone anschaffen muss. Der Weiterbetrieb von ÔÇťaltenÔÇŁ analogen Telefonen ist zwar technisch m├Âglich, mittelfristig f├╝hrt jedoch nichts an einer Neuanschaffung vorbei. Selbst bei extrem optimistischer Rechnung kann die Umstellung auf VoIP in den n├Ąchsten Jahren nicht die Kosten der Umstellung aufwiegen.

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Holen Sie f├╝r sich das Maximum aus der Umstellung auf VoIP

VoIP wird auch im Jahr 2018 kein Selbstl├Ąufer. Viele Unternehmer und Anwender haben das Gef├╝hl, zu einer neue Technik gedr├Ąngt zu werden, die bestenfalls das Gleiche leistet und trotzdem Investitionen erfordert.

Dabei bietet die VoIP-Umstellung enormes Potenzial zur Optimierung der Arbeitsabl├Ąufe. Dies erfordert jedoch Planung und Fachwissen, um die Potenziale zu heben und die Schwierigkeiten zu vermeiden. Einfach die erstbeste oder g├╝nstigste Telefonanlage zu w├Ąhlen und sich keine Gedanken ├╝ber eine zuverl├Ąssige Datenverbindung und Absicherung des Netzwerkes zu machen, ist der sichere Weg, Geld zu verschenken oder Telefonie-Probleme zu bekommen.

Telefonie ist jedoch auch in Zeiten von Whatsapp und Slack bei den meisten Unternehmen das wichtigste Kommunikationselement im Umgang mit den Kunden, und als solches sollte es auch behandelt werden.

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