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Nächste Apple-Keynote in vier Wochen – virtuelle WWDC

25.05.2020 | 13:30 Uhr | Peter Müller

Die neue Normalität zwingt Apple dazu, seine Entwicklerkonferenz WWDC erstmals komplett online abzuhalten.

Schon seit März war klar: Echte Keynotes eher nicht vor dem nächsten Jahr. Immerhin: Für den Großteil des Publikums ändert sich nichts. In das Steve Jobs Theater passen geraede einmal 1000 ausgewählte Journalisten, von den rund 5000 Besuchern einer klassischen WWDC kommen zur Eröffnungskeynote am jeweiligen Montag der Konferenzwoche auch nicht viel mehr Leute in den Saal, auf dessen Bühne Tim Cook und Konsorten die Höhepunkte der neuen Systeme präsentieren und ab und an auch neue Hardware.

In diesem Frühjahr hätte Apple mit Macbook Air, Macbook Pro 13'', iPad Pro samt Magic Keyboard und vor allem dem neuen iPhone SE genügend Neuheiten gehabt, um diese in einer großen und weltweit beachteten Show zu präsentieren – allein die Welt hat andere Probleme. So verlegte sich Apple auf Ankündigungen per Pressemitteilung jeweils zu einem Zeitpunkt, an dem die Neuheiten so gut wie lieferfertig waren. Keine unnötigen Wartezeiten, das hat auch etwas Gutes.

Zur WWDC wird Apple einige wesentliche Veranstaltungen für die Allgemeinheit per Stream übertragen, vor allem eben die Keynote zur Eröffnung. Diese wird am 22. Juni stattfinden, vermutlich wieder ab 10 Uhr Ortszeit in Cupertino, also ab 19 Uhr MESZ. Danach ziehen sich registrierte Entwickler in diverse Online-Sessions zurück. Um mehr über macOS 10.16, iOS 14, iPadOS 14, tvOS 14 und watchOS 7 zu erfahren – und Details zur ein oder anderen Überraschung, die noch anstehen könnte.

Wie es nach der WWDC weiter geht, ist noch völlig offen. Wenn sich das Online-Format bewährt, könnte Apple das auch im Herbst bei der Vorstellung neuer iPhones so handhaben, die mutmaßlich iPhone 12 und iPhone 12 Pro heißen werden und in jeweils zwei Größen kommen. Der Umstieg auf 5G und andere Innovationen wären für eine bloße Ankündigung per Presseaussendung schon fast zu groß. Und dann bleibt die Hoffnung auf das nächste Jahr und klassische Keynotes nach der Pandemie.

Das erwarten wir jedenfalls in den nächsten zwölf Monaten an Veranstaltungen und Ankündigungen:

WWDC im Juni 2020: Erstmals virtuell

Im Frühsommer 2020 ist die Pandemie noch lange nicht gestoppt, obwohl erste Länder Lockerungen wagen und Apple etwa seine Stores allmählich wieder eröffnet – unter Auflagen und zu reduzierten Zeiten. Apple hatte sein großes Entwicklertreffen WWDC in San Jose frühzeitig abgesagt und angekündigt, dass man stattdessen die Sessions komplett online anbieten werde. Sonst waren immer um die 5000 Entwickler aus aller Welt nach Kalifornien gereist, um dort rund 1000  Apple-Ingenieuren die Hände zu schütteln, das wird frühestens wieder 2021 möglich sein, wenn nicht erst 2022.

Informationen über seine jüngsten Entwicklungen muss Apple dennoch weiter geben: WWDC steht bekanntlich für Worldwide Developers Conference. Dies ist eine überwiegend Software-orientierte Veranstaltung, bei der Apple die Hauptfunktionen in seinen jährlichen Betriebssystem-Updates bekannt gibt, damit Entwickler ihre Software aktualisieren können, um mit dem neuen Betriebssystem zu arbeiten.

Im Jahr 2019 fand die WWDC vom 3. bis 7. Juni im McEnery Convention Center in San Jose, Kalifornien, statt. Apple nutzte das neue Konferenzzentrum erstmals im Jahr 2017, wenngleich früher schon Entwickler nach San Jose eingeladen hatte. Von 2003 bis 2016 hatte Apple die Entwicklerkonferenzen im Moscone Center in San Francisco abgehalten.

Der Termin 22. bis 26. Juni 2020 steht für die fünftägige Konferenz nun fest, zwei bis drei Wochen später, als man ursprünglich erwarten durfte. Die Keynote wird am Montag, den 22. Juni ab 19 Uhr MESZ steigen, vermutlich in einer Foirm wie die "Geisterspiele" im Fußball und bald im Basketball: Auf der Bühne sind alle wichtigen Leute versammelt, außer einigen wenigen Technikern und einer handvoll Mitarbeitern wird im Auditorium aber keiner sitzen. Aber auch wenige Menschen können viel Lärm machen, wenn sie an den richtigen Stellen jubeln.

Was können wir während dieser besonderen Keynote der WWDC im Jahr 2020 erwarten? Auf der WWDC 2019 hörten wir von iOS 13, iPadOS 13 und macOS 10.15 Catalina, sowie von Updates für tvOS und watchOS. Zudem durfte man den neuen Mac Pro und das Pro Display XDR bewundern.  Im Jahr 2017 hatte es zuletzt neue Hardware zu sehen gegeben: Wir bekamen einen ersten Blick auf den neuen iMac Pro, der zusammen mit den neuen iMacs sowie dem aktualisierten Macbook Pro und Macbook vorgestellt wurde. Im Jahr 2018 hatte Apple keine Hardware auf der Bühne, im Jahr 2019 hatte es in der Woche vor der WWDC etliche Ankündigungen gegeben, etwa über ein neues Macbook Pro mit acht Rechenkernen oder den neuen iPod Touch.

Man braucht also kein Genie zu sein, um vorauszusagen, dass die WWDC 2020 Updates für iOS, iPadOS, macOS, tvOS und watchOS bringen wird. Ob diese von Hardware-Ankündigungen begleitet werden, hängt nicht zuletzt von der jetzigen Situation ab – vielleicht verschiebt Apple ja das eine oder andere für das Frühjahr geplante Produkt.

Schon seit einigen Jahren spekulieren Fachkreise aber über ein völlig neues Produkt, ein ultraportables Macbook (mit macOS), das aber auf einem ARM-Chip wie die iPads läuft. Auf einer Entwicklerkonferenz wäre an sich die beste Möglichkeit, über ein solches Produkt zu sprechen  es kann ja dann noch drei Monate bis zur Markteinführung dauern. Eine Keynote mit einem besonderen Touch liegt also durchaus im Bereich des Möglichen. Wir stellen uns das Raunen der Entwickler aus tausendfacher Kehle einfach vor, wenn Tim Cook und Craig Federighi macOS for ARM enthüllen und erste Bilder eines neuen Macbook mit Apple-CPU zeigen.

iPhone – die nächste Runde

Die Frage wird Apple im Spätsommer beantworten: Zieht sich der Produktzyklus des iPhone in die Länge oder bleibt es bei den Releases im Jahrestakt? Zuletzt hatte Apple das iPhone eher evolutionär weiter entwickelt, das grundsätzliche Design ist seit 2017 unverändert. Das wird sich im September 2020 ändern – oder eben erst im Frühjahr 2021, was ja nicht zuletzt von der globalen Pandemiesituation abhängt. In China, wo Telefone und wesentliche Bauteile für die 5G-Infrastruktur gefertigt werden, scheint das Schlimmste zwar vorbei zu sein und der für Apple zweitwichtigste Markt nach dem heimischen erholt sich langsam. Im Rest der Welt sieht es anders aus – weshalb nicht auszuschließen ist, dass Apple erst noch ein wenig abwartet, bis sich die Nachfrage nach neuen iPhones ausreichend aufgebaut hat. Anstatt in den letzten Sommertagen die neue Generation anzukündigen, wird es eher Herbst werden, sogar Ende Oktober ist für die iPhone-Keynote 2020 noch ein denkbarer Termin.

Ganz ohne eine solche wird Apple die vier neuen Geräte iPhone 12, iPhone 12 Max, iPhone 12 Pro und iPhone 12 Pro Max aber nciht auf die Reise um die Welt schicken, dazu sind die Neuerungen zu bedeutend. Die fünfte Generation des Mobilfunks  bedeutet einen gewaltigen Sprung. Die Infrastrukturen hierfür sind noch nicht ausreichend ausgebaut, im Jahr 2019 hätte ein 5G-iPhone wenig Sinn ergeben. Im Herbst 2020 wird das eine andere Sache sein – und die Prognose ist nicht sehr weit her geholt, dass Apple noch einige andere Dinge am iPhone ändern könnte. So wäre der Umstieg auf USB-C (dann schon auf dem Standard USB 4 basierend?) denkbar – oder gar ein völlig portloses iPhone . Fortschritte bei der Kameratechnologie könnten die Notch der 11er zwar nicht überflüssig, aber womöglich doch kleiner werden lassen? Das ist alles noch sehr vage, in den nächsten Wochen und Monaten werden aber immer mehr Informationen über die iPhone-Generation von 2020/21 bekannt werden. Man kann sagen, dass wir uns auf eine iPhone-Keynote im Herbst so freuen würden wie noch nie zuvor auf eine – selbst als Geisterkeynote könnte sie uns begeistern.

Was vom Jahre übrig bleibt

Nach dem iPhone beginnt das Weihnachtsgeschäft – Apple hat aber immer noch etwas, was kein Smartphone ist. Nicht jedes Jahr gibt es eine Keynote, letzten Herbst begnügte sich Apple wieder mit Ankündigungen per Presseaussendung. Gehen wir aber mal davon aus, dass die Spekulationen um ARM-Macs richtig wären, dann sollten im Herbst erste Produkte herauskommen. Mit der Hauptwelle rechnen Analysten zwar erst ab 2021, doch wird der Umstieg nicht auf Mobilrechner beschränkt sein. Selbst Desktop-Schlachtschiffe wie Mac Pro und iMac Pro könnten von einem Plattformwechsel profitieren . Eine zweite (virtuelle) Keynote nach der für das iPhone 12 ist aber eher unwahrscheinlich, entweder handelt Apple diese Themen in einer Show ab – oder es gibt für den Rest des Jahres weitere Presseaussendungen.

Auf ein Neues in 2021

Nächstes Jahr wird alles anders – hoffentlich. So wie zuvor wird es nicht mehr werden, so groß ist der angerichtete Schaden. Aber schon ab dem 20. Januar 2021 kann die Zeit nach Trump beginnen und eine neue Freiheit nach der Pandemie. Apple wird nicht unbeschadet aus der Krise kommen, hat aber die besten Aussichten, wie weit glimpflicher zu überstehen als etwa Fluggesellschaften. Von daher wird Apple auch im Frühjahr 2021 Neues zu zeigen haben, Hardware, Software, Services. Wie das aussieht, lässt sich heute schlecht vorhersagen, 2021 könnte aber in der Tat das große Thema "Der Mac wechselt von Intel zu ARM" haben. Und was heute ein schöner Traum ist, wird im März 2021 vielleicht ja doch wahr: Eine klassische Frühjahrskeynote vor Publikum.

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