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Warum Apple Shazam braucht

12.12.2017 | 13:03 Uhr |

Für Apples Dimensionen klingen die kolportierten 400 Millionen US-Dollar als Schnäppchen, doch das ist der größte Firmen-Kauf seit Beats.

Nun ist es offiziell, Apple hat gegenüber der Presse bestätigt, die Firma Shazam, die sich auf Musikerkennung spezialisiert, zu kaufen. Der Preis wird wohl nie öffentlich bekannt gegeben, die kolportierten 400 Millionen US-Dollar erscheinen als realistisch. Bedenkt man die jährlichen Umsätze und die Barreserven von Apple in Milliardenhöhe, könnte rasch der Eindruck entstehen, dass Apple wieder mal ein kleineres Unternehmen geschluckt hat. Doch seit rund drei Jahren hat der Konzern aus Cupertino nicht so viel Geld in die Hand genommen und für das notwendige Know-How ausgegeben: Shazam ist der zweitgrößte Kauf seit der Beats-Übernahme.

Wohin Shazam im Apple Universum passen könnte

Der erste schlüssige Anwendungsbereich von Shazam liegt auf der Hand – die Musikerkennungsapp wird in Apple Music integriert, wobei wir schon wieder bei Beats wären: Apple zeigt immer wieder, dass Musik als Kunst und Musikindustrie als Business-Bereich immer wichtig für die Firma waren und immer wichtiger werden. Der Service-Bereich bei Apple, wozu auch Apple-Music-Abos gehören, ist mittlerweile zum zweitwichtigsten Unternehmenszweig aufgestiegen, im Unterschied zu der Mac-, iPad- aber auch der iPhone-Sparte wächst der Bereich auch kontinuierlich, teilweise mit zweistelligen Prozentzahlen.

Statistic: Apple's revenue from iTunes, software and services* from 1st quarter 2013 to 4th quarter 2017 (in billion U.S. dollars)** | Statista
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Apple kooperiert auch verstärkt direkt mit den Musikern, die aktuellen Stars treten regelmäßig mal auf der WWDC, mal auf der Keynote zum iPhone auf. Ok, das Apple Music Festival ist seit September eingestellt, dafür will Apple exklusive Inhalte das ganze Jahr über produzieren. Angefangen hat es mit dem Doku-Film über Taylor Swifts Welttournee, mittlerweile produziert Apple auch den erfolgreichen Nachfolger von "Carpool Caraoke", mit Zane Lowe hat sich wohl das Unternehmen die Connections zu der gesamten Musikindustrie eingekauft, der Mann holt vor das Beats-Mikro fast jeden, der Rang und Namen auf dem Markt hat.

Shazam kann hier auf der digitalen Ebene unterschiedliche Aspekte verbinden: Siri wird wohl bald noch besser Lieder erkennen können. Zwar hat Apple die Nutzung von Shazam bereits lizenziert, es ist aber eine Sache, wenn man fremde Daten nur nutzen kann, und etwas anderes, wenn man die sämtliche Datenbank übernimmt und für eigene Zwecke anpasst. Ob Apple noch ein eigenes Team für künstliche Intelligenz dazu verpflichtet, anhand Algorithmen feststellen zu können, nicht nur welches Lied das genau ist, sondern zu welchem Genre es gehört, welche Stimmung es wiedergibt und für welche Anlässe es passt, ist natürlich nur unsere Spekulation. Möglich wäre es allemal.

Trojanisches Pferd für Android?

Es ist auch nicht zu unterschätzen, dass Shazam eine erfolgreiche App im Google Play Store unterhält. Nach aktuellen Angaben haben zwischen 100 und 500 Millionen Nutzer die App unter Android installiert . Zum Vergleich: Apple Music ist auf 10 bis 50 Millionen Android-Geräten installiert. Mit einem Schlag hat sich hier Apple fast eine halbe Milliarde Nutzer eingekauft, die das Unternehmen wohl auf anderen Wegen nie erreicht hätte. In diesem Licht erscheinen die Befürchtungen, Apple könnte die Android-App von Shazam einstellen und sich auf die iOS-Entwicklung konzentrieren, eher unbegründet. Umgekehrt – Shazam wird so zu einem Haupt-Marketing-Tool für Apple Music unter Android. Die Entwickler müssen hier nur noch etwas an der Oberfläche der App anpassen und die Download-Links der gefundenen Lieder nur auf Apple Music anbieten. Apples Musik-Abo ist mittlerweile auf den wichtigsten Plattformen vorhanden, keiner der Nutzer wird somit ausgesperrt und zu den Apple Services gelockt. Cupertino hat in seiner Geschichte schon einmal ein trojanisches Pferd auf fremde Plattformen geschickt und auf diese Weise wenn nicht die Nutzer direkt, dann zumindest einige Einnahmen von der Konkurrenz abgezweigt – dies war mit iTunes für Windows ab 2003 möglich.

Wird Shazam enger in Apple Music integriert, erhält der Abo-Dienst von Apple ein Alleinstellungsmerkmal und kann sich von der Konkurrenz wie Spotify und Co. unterscheiden. Unser Macworld-Kollege Michael Simon merkt noch an, dass man den verschobenen Homepod in dieser Hinsicht nicht vergessen soll: Apple Music, Siri und Shazam können das Gerät zu einem gut funktionierenden Musik-Hub in der Wohnung machen und so die Kunden zum Kauf bewegen.

Fazit: Shazam passt mit seiner Technologie und mit seinen umfassenden Musikdatenbanken wie eingegossen in Apples Musik-Universum. Hoffentlich werden die Nutzer bald von der Übernahme in täglicher Nutzung von Musik-App oder Siri schon bald profitieren.

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