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Warum das iPad Pro (noch) keinen Mac ersetzt

27.02.2018 | 13:30 Uhr |

Apples Plan scheint laut einer neuen Werbung aufzugehen: Das iPad Pro ist kurz davor, den Laptop als beliebtes mobiles Arbeitsmittel abzulösen. Allerdings spricht auch vieles dagegen. Fünf Gründe, warum das iPad Pro einen Computer nicht ersetzen kann.

„Was ist ein Computer?“, fragt ein junges Mädchen in einem aktuellen Werbespot von Apple. Die Kernaussage der neuen Werbung lautet: Der Nutzer kann mit seinem iPad Pro alle wichtigen Aufgaben erledigen, sodass ein Computer anscheinend überfällig wird.

Wäre das Mädchen in dem Werbespot allerdings ein paar Jahre älter und müsste ausschließlich das iPad Pro für die Universität oder den Beruf nutzen, würde sie ihr iPad wahrscheinlich sofort gegen einen Laptop eintauschen. Denn so praktisch wie das iPad Pro auch sein mag, in manchen Punkten kann es ein Macbook einfach nicht ersetzen .

1. Apple Pencil und Finger sind gut, Maus ist besser

Dank Wischgesten und Apple Pencil kann man das iPad kinderleicht bedienen. Solange es darum geht, ein eBook durchzublättern oder sich durch Netflix-Videos zu navigieren, reichen Finger oder Stift vollkommen aus.

Je nach Anwendungsbereich kann man mit einer Maus jedoch viel schneller und präziser arbeiten. Was mit der Maus in Bruchteilen von Sekunden erledigt werden kann, muss auf dem iPad mit den entsprechenden Wischgesten erfolgen. Das kostet vergleichsweise viel Zeit. Letztendlich erreicht man das gleiche Ziel, wer aber auf dem iPad arbeiten will, muss eine Menge Geduld mitbringen.

Apple könnte diesem Problem jedoch ganz einfach entgegenwirken und einen Maus-Support einführen. Schließlich kann man via Bluetooth auch Tastaturen mit dem iPad koppeln – warum also keine Maus?

2. Unausgereifte Technik

Apple will, dass der Apple Pencil als ein Werkzeug für Künstler verstanden wird. Wer eine Idee hat, soll sie mit dem Stift sofort auf das digitale „Papier“ bringen können – dies gilt auch für handgeschriebene Notizen. Daher ist es eine Schande, dass diesbezüglich die Technik noch nicht sonderlich ausgereift ist.

Lediglich die App namens „Notability“ schafft es, das sich das Schreiben mit der Hand möglichst flüssig und echt anfühlt. Andere Anbieter fühlen sich dahingegen noch recht steif an. Auch die Möglichkeit, dass die Handschrift automatisch in vom Computer generierte Texte umgewandelt wird, ist nicht wirklich befriedigend. Zu oft passieren Fehler, die im Nachhinein umständlich korrigiert werden müssen.

Kein Wunder also, dass viele Nutzer lieber auf die digitale Tastatur tippen, anstatt sich den Stift zu schnappen und per Hand zu schreiben. Dabei würde gerade letzteres einen größeren Lerneffekt erzielen. Diverse Studien zeigen, dass wir uns Dinge besser merken können, die wir per Hand aufgeschrieben haben, anstatt sie über eine Tastatur zu tippen.

3. Fehlende Apps

Im Vergleich zum iPad ist das iPhone das bessere Gerät für unterwegs. Denn obwohl das iPad den Namen „Pro“ im Namen trägt, kommt das Apple Tablet mit weniger nativen Apps als das iPhone auf den Markt.

Die Apps für Aktienkurse, Sprachmemos oder einen Taschenrechner sucht man auf dem iPad vergebens. Selbst die Wetter-App hat Apple aus dem App-Angebot für das iPad gestrichen. Auf dem iPhone sind sie dagegen Standard. Natürlich gibt es im App Store eine Menge an Alternativen. Das Problem ist, dass die Apps von Drittanbietern nicht über das Control Center aufgerufen werden können. Somit braucht der Nutzer von vornherein mehr Zeit, um die gewünschte App zu starten.

Warum weigert sich Apple, die Apps für das iPhone auch auf das iPad zu bringen? Einer Legende zu Folge soll es die Taschenrechner App nicht auf das iPad geschafft haben, weil Steve Jobs kurz vor der Veröffentlichung das Design nicht mochte. Dies liegt aber nun auch schon ein paar Jahre zurück. In der Zwischenzeit hätte Apple das Designproblem eigentlich lösen können.

4. Beliebte Apps unterstützen nicht alle Funktionen

In manchen Fällen trägt Apple gar keine Schuld, wenn sich der Nutzer mal wieder über fehlende Features ärgert. Es gibt nämlich keine Garantie, dass die Entwickler von Drittanbietern dafür sorgen, dass die Apps dem Technikstand des iPad Pro angepasst werden.

Beispiel Google Docs. Zurzeit ist Google Docs das am meist genutzte Programm, um Dokumente mit Kollegen zu teilen. Google sah aber offenbar lange Zeit keine Notwendigkeit darin, der iPad-App ein Update zu spendieren, damit die Nutzer damit auch im Split-Screen-Modus arbeiten können. Erst ein Jahr später, nachdem Apple das Feature vorstellte, konnten Google Docs-Nutzer auch diese Funktion nutzen.

Man könnte meinen, Google hätte aus dieser Situation gelernt. Nicht wirklich, auf den Split-Screen Support für die G-Mail App für das iPad Pro warten Nutzer bis heute noch.

5. Dateien-App noch immer umständlich

Wenn Sie jeden Tag viele verschiedene Datei-Typen via Mail verschicken müssen, werden Sie mit dem iPad Pro wahrscheinlich nicht sonderlich glücklich. Die Verwaltung von Dateien ist zwar längst nicht mehr so umständlich, wie es noch vor iOS 11 und der Vorstellung von „Dateien“ war, im Vergleich zu einem Computer bleibt es aber immer noch umständlich.

Der Nutzer muss zu oft zwischen verschiedenen Apps hin- und herspringen. Tatsache ist aber, dass  es heutzutage in fast jedem Beruf notwendig ist, Daten schnellstmöglich auszutauschen. Und solange die iOS-Philosophie keinen leichteren Weg vorgibt, ist das Arbeiten am Computer immer noch angenehmer.

Dabei bietet das iPad so viel Potenzial. Das einzige, was Apple ändern müsste, wären wenige Designänderungen. Wer aber Apple kennt, weiß, dass gerade solche Änderungen eher unwahrscheinlich sind.

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