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Warum der Macbook-Air-Nachfolger viele enttäuschen könnte

11.07.2018 | 13:29 Uhr |

Vom Macbook-Air-Nachfolger erwarten viele eigentlich ein Macbook Pro für 1000 Dollar, wir sind da skeptisch.

Seit vielen Jahren hoffen Mac-Anwender auf zwei Apple-Produkte: Einen Nachfolger des Macbook Air und einen Nachfolger des Mac Mini. Zumindest beim Macbook Air könnte es bald soweit sein: Alle zuverlässigen Quellen von Bloomberg bis zu Zulieferer-Kreisen haben es fest versprochen: Noch in diesem Jahr wird Apple einen Nachfolger des Macbook Air vorstellen, das seit 2015 nicht mehr aktualisiert wurde.

Soll man nun alle Kaufwünsche verschieben und auf ein Phantom warten?

Enttäuschend wenig ist nämlich bisher über das neue Modell bekannt. Als sicher gelten nur ein 13-Zoll-Display mit Retina-Auflösung sowie ein Preis um die 1000 US-Dollar. Apple ist aber kein Mirakel und kommt ein 1000-Dollar-Macbook, steht einiges vorab fest:

Um diesen Preis zu erhalten, wird Apple an einigen Stellen den Rotstift ansetzen. Bei der Konzeption günstiger Einstiegsversionen ist Apple dabei bisher immer sehr amerikanisch vorgegangen und erwies sich schon bei früheren Spar-Modellen wie dem weißen iBook, dem Mac Mini 1,4 und dem iPad 2018 als gnadenloser Buchhalter: Kosten wurden mit Einsatz nicht mehr ganz taufrischer Großserientechnik, Rückgriff auf simplere Materialien und Vereinfachungen bei der Produktion gesenkt. Nicht zu vergessen: Mit einigen kleinen Details wird Apple Interessenten dazu anhalten, doch zu den teureren Modellen zu greifen.

Die Zielgruppe

Das kommende 1000-Dollar-Macbook richtet sich wohl eigentlich nicht an den durchschnittlichen Heimanwender. Dieser soll weiter das Macbook Pro oder das Macbook 12-Zoll kaufen! Zielgruppe sind vermutlich Firmen und vor allem der amerikanische Bildungsmarkt. Vor allem letzterer ist für Apple immer noch ein wichtiger Markt und Apple leidet hier unter starker Konkurrenz . Die günstigen Chromebooks sind in den USA ein Renner, iPads vor allem in höheren Klassen nicht sehr beliebt. Hier fehlt ein günstiges Notebook im Programm. Eigentlich steckt hinter dem langen Verkauf des Macbook Air nach unserer Einschätzung ein Fehler in Apples Preispolitik: Das edle 12-Zoll-Macbook war als Nachfolger der Macbook-Air-Serie gedacht, mit einem Einstiegspreis von 1300 Dollar ist es aber Schulen und Privatleuten dann doch zu teuer – und vielleicht auch zu mickrig. Viele griffen lieber weiterhin zum günstigen Macbook Air, für Schulen blieb inoffiziell sogar das 11-Zoll-Modell des Macbook Air im Angebot.

Was bekommt man für 1000 Dollar?

Die Einstiegsversion des Macbook Pro, ein spartanisches Modell ohne Touchbar und mit 128 GB SSD-Speicher, kostet bereits 1300 Dollar. Eigentlich könnte es sich ja Apple einfach machen, und dieses Modell für 1000 Dollar anbieten? Oder das Macbook 12-Zoll für 1000 Dollar? Falsch gedacht!

Eine so starke Preissenkung würde das Preisgefüge von Apples Produktmatrix zerstören und das neue Modell wäre für Apple kaum noch profitabel. Und was hätte Apple davon? Apples Gewinne an jedem Macbook sind für Außenstehende zwar üppig, bei den Einstiegsmodellen sind die Margen aber schmal. Satte Profite macht Apple, wenn der Kunde das besser ausgestattete Modell mit 512 GB, 16 GB oder der schnelleren CPU wählt. Intern arbeitet Apple nicht nur mit anderen Rendite-Erwartungen, das neue Macbook darf außerdem nicht die profitablen Macbook Pro kannibalisieren.

Das kommende Modell wird deshalb vielleicht nicht einmal ein neues Design erhalten, eher das Gehäuse des Macbook Pro ohne Touchbar. Das Innenleben könnte Apple vom Macbook 12-Zoll übernehmen: Eine eher gemächliche m3-CPU sorgt dann für ausreichende Leistung für Schüler und Büroangestellte, der Abstand zu den profitablen Macbook Pro bleibt gewährt. Verzichten muss man dann aber auf eine für Profi-Videoschnitt taugliche CPU, schnelle IRIS-Grafik und vermutlich sogar Thunderbolt. Auf eine Einstiegsversion mit 128 GB SSD würden wir ebenfalls wetten... die fehlt ja bisher in der Macbook-Reihe. Ganz sicher werden sich aber einige Medien über nicht zeitgemäße Technik und hohe Apple-Preise beschweren...

Warum alte Komponenten?

Die Komponenten der Macbook Pro sind keineswegs günstig und ein Preis von 1000 US-Dollar ist damit für Apple zu niedrig. Die CPUs der aktuellen Generation mit leistungsfähiger IRIS-Grafik sind teuer, von Endkunden verlangt Intel etwa allein für den Core i5-7360U 304 Dollar, auch Thunderbolt-Schnittstellen und schnelle SSDs sorgen für hohe Produktionskosten. Weit günstiger ist das Innenleben des simpleren Macbook 12-Zoll, das auf der lahmeren aber günstigeren m3-7Y32 von Intel basiert. Intel hat zwar sogar noch günstigere CPUs wie die Intel Pentium Gold im neuen Surface, diese würden aber wohl einige Anpassungen des Systems erfordern. Auch beim Retina-Display gibt es Einsparmöglichkeiten, soll Apple hier doch vor einem Generationenwechsel stehen. Die kommende Version erhält danach neue Displays, das Einstiegsmodell die bisher verbauten aber nun günstigeren „alten“ Retina-Panel. So hat ja Apple immer noch einen Non-4K-iMac mit „nur“ HD-Auflösung im Angebot, der für viele Firmen völlig ausreicht, auch das iPad von 2018 basiert ja auf dem günstigeren iPad Air von 2013.

Auch beim günstigen iPad 2018 setzt Apple auf bewährte Technik.
Vergrößern Auch beim günstigen iPad 2018 setzt Apple auf bewährte Technik.

Darauf würden wir wetten: Schneller als das Macbook Air wird das kommende Macbook wohl sein, einen „Macbook-Pro-Killer“ sollte man aber nicht erwarten.

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