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Warum die Apple Watch den Smartwatch-Markt beherrscht

12.10.2018 | 07:18 Uhr |

Stolz prahlte Tim Cook auf der letzten Keynote, Apple sei nun der größte Uhrenhersteller der Welt. Wie ist es nun dazu gekommen?

Als Apple im Herbst 2014 die neue Produktlinie der Smartwatch vorgestellt hat , wurde das neue Produkt wie üblich von den Analysten zum Sterben verdammt: zu teuer, zu eckig, zu geschlossen, zu wenig Funktionen für den Preis, zu Apple eben... Auch der Hersteller selbst wusste anscheinend anfangs nicht, wohin die Reise gehen soll. Ist die Apple Watch ein Mode- und Image-Gegenstand? Aber freilich doch: Man konnte eine Apple Watch für knapp 10 000 Euro kaufen, Beyoncé & Co. prahlten damit auf sozialen Medien . Ist die Apple Watch eine Verlängerung des iPhones? Auch das stimmt: Mit Benachrichtigungen und Apps, zuletzt mit der LTE-Option kann man zeitweise komplett auf sein iPhone verzichten.

Wenn man jedoch unterschiedlichen Marktforschungsfirmen glaubt, ist die Apple Watch eine unangefochtene Nummer eins im Bereich Smartwatches. So schätzt Counterpoint Research , dass Apple im zweiten Quartal 2018 knapp 41 Prozent des Marktes für sich reserviert, im Vergleich mit Vorjahr ist dies übrigens ein Verlust – 2017 hat die Apple Watch etwa die Hälfte des Smartwatch-Marktes (48 Prozent). Wie ist es Apple mit einem der teuersten Produkte in der Kategorie gelungen?

Zum einen hat Apple die Watch kontinuierlich weiter entwickelt. An dem Design hat sich nichts geändert, aber jede Iteration der Uhr wurde mit einem Schlag besser: Mit der Series 2 kam erhöhter Wasserschutz, mit Series 3 nach Wunsch LTE und ein bombastischer Akku, mit Series 4 ein größeres Display und diverse Gesundheitsfunktionen, die noch freigeschaltet werden müssen. Nicht zu unterschätzen ist auch die Entwicklung der Bestandteile: Mit jeder Iteration werden die Prozessoren schneller und leistungsfähiger ( Series 0 - 512 MB RAM , Series 3 – 768 MB RAM , um ein Beispiel zu nennen).

Ein weiterer Grund, warum  die Apple Watch so erfolgreich ist: Die Konkurrenz hat das Feld Apple komplett überlassen. Das hat Gründe tiefer in der Lieferkette. Qualcomm ist nicht nur der größte Hersteller der Android-Chips, das Unternehmen fertigt auch die Chips für diverse Smartwatches, die dann mit Wear OS laufen. Bis vor wenigen Wochen gab es hier einen Stillstand. Während Apple im Jahrestakt seine Smartwatch-Prozessoren aktualisierte, mussten die Hersteller auf die fast drei Jahre alten CPUs von Qualcomm zurückgreifen. Snapdragon 2100 – der dezidierte Smartwatch-Prozessor – wurde Anfang 2016 vorgestellt. Sein Nachfolger Snapdragon 3100 wurde erst am 10. September 2018 vorgestellt, was jetzt heißt, dass die Android-Smartwatches mit dem neuen Chip erst in diesem Moment gebaut wurden. Kein Wunder, dass Google auf seinem jüngsten Event nichts von dem lang gemunkelten Google Pixel Watch gezeigt hat.

Etwas mehr Bewegung kam in den Markt mit Fitbit. Der Hersteller setzt bei seinen neuen Smartwatches auf Toshiba-Chips , was bedeutet, Fitbit muss nicht auf Qualcomm warten, um neue Geräte herausbringen zu können. Zum anderen verfügt der Hersteller über ein eigenes Betriebssystem für Wearables und Smartwatches – Fitbit OS – und kann die Software-Entwicklung genauer kontrollieren. Mit Fitbit Ionic kam im Herbst 2017 die erste richtige Smartwatch des Herstellers auf den Markt, mit Fitbit Versa hat das Unternehmen aus Delaware nochmals nachgelegt, die Versa sieht auch der Apple Watch zum Verwechseln ähnlich aus.

Manchmal gehört es zum Erfolg nicht nur ein gutes Produkt, was die Apple Watch ohne Zweifel ist, sondern auch eine gute Portion Glück bzw. wenig Konkurrenz. Eine überragende Dominanz auf dem Markt hat jedoch noch keinem gut getan, wir hoffen, dass mit Fitbit und womöglich Google etwas mehr Bewegung in den Markt kommt.

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