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Warum ein 1600-Euro-iPhone kommen wird

02.08.2017 | 18:46 Uhr | Stephan Wiesend

Das iPhone 8 soll in zwei Versionen zu 1200 und 1600 Euro erscheinen ÔÇô das ist aber keineswegs Irrsinn.

Im September wird ein neues iPhone erscheinen, nach Vorhersage vieler Journalisten wird das Jubil├Ąums-iPhone aber nicht billig. Man munkelt ├╝ber Premium-Features wie einen riesigen OLED-Screen, 3D-Scanner und Gesichtserkennung, aber daf├╝r soll es zwischen 1000 und 1400 US-Dollar kosten. Wohl ein Standardmodell f├╝r umgerechnet 1200 Euro und ein Topmodell mit mehr Speicher f├╝r 1600 Euro wird es geben (Zu den h├Âheren Preisen in Euro tr├Ągt noch der Umrechnungs-Mechanismus im lokalen Apple Store bei). Damit w├Ąre das Top-Modell doppelt so teuer wie ein Galaxy S8 ÔÇô nach Meinung vor allem deutscher Techjournalisten reiner Wahnwitz.

Lesetipp: Alle Informationen und Ger├╝chte zum iPhone 8

Anders sieht es dagegen das Wall Street Journal ( Alternativ-Link ) aus Sicht des Betriebswirts und nennt gleich f├╝nf Gr├╝nde, warum Apple es genau richtig macht. F├╝nf Gr├╝nde die wir ziemlich ├╝berzeugend finden:

1. Das neue teure iPhone kann einen sogenannten ÔÇ×Halo-AffektÔÇť erzeugen und das Image der ganzen Marke anheben. Durch die eher zur├╝ckhaltende Entwicklung der iPhones in den letzten Jahren steht ja Apple heute weniger f├╝r Innovation als Zuverl├Ąssigkeit und fast schon Langeweile. Das kann das neue Ger├Ąt endlich ├Ąndern. Dabei ist es dann gar nicht so wichtig, dass Kunden dieses Ger├Ąt kaufen. Wichtiger ist, dass sie umso lieber die g├╝nstigen Varianten kaufen. So wird es ja weiter ein iPhone 7 oder verbessertes iPhone 7S geben. Sogar ein Nachfolger des iPhone SE soll bald erscheinen.

Ist Apple noch innovativ?

2. Aber auch um neue Technologien einzuf├╝hren, ist das neue Topmodell gut geeignet. F├╝r g├╝nstigere Modelle w├Ąre etwa ein 3D-Sensor vermutlich zu kostspielig, im neuen Top-Modell ist die noch teure Technologie aber gut aufgehoben.

3. Nach Meinung von John Gruber l├Âste der hohe Preis ein anderes Problem. Apple kann vermutlich die neuen Modelle nur in begrenzter St├╝ckzahl herstellen. Durch den hohen Preis kann Apple aber gut Produktion und Nachfrage anpassen.

4. Wichtig ist f├╝r Apple schlie├člich vor allem der sogenannte ÔÇ×average selling priceÔÇť, der Durchschnittspreis den Apple pro verkauftem iPhone erzielt. Im letzten Quartal 2016 lag er bei 695 Dollar, je h├Âher der ASP, desto h├Âher ist der Profit. Das kommt ein Luxus-Modell gerade recht.

5. Als letzten Grund nennt das Finanzmagazin den Luxus-Effekt: Je teurer ein iPhone ist, desto begehrenswerter ist es. Nach Meinung des Marketing-Professors M. Berk Talay k├Ânnte das iPhone 8 das iPhone wieder zu einem sogenannte ÔÇ× Veblen Gut ÔÇť machen. Vereinfacht gesagt: Durch den hohen Preis wird das iPhone wieder zu einem Statusobjekt. Bei Testberichten w├╝rde nach Einsch├Ątzung der Zeitung zwar schlecht gegen Ger├Ąte wie das Galaxy S8 abschneiden, Ende 2017 w├╝rden Apple Verkaufszahlen aber trotzdem wieder alle Rekorde brechen.

Unsere Meinung: Die Argumentation von Wall Street Journal hat viel f├╝r sich, offensichtlich sollte Apple das Image seiner iPhone etwas aufbessern. H├Ârte man in der deutschen Presse doch schon nach einigen g├╝nstigen iPhone-Verkaufsaktionen, iPhones w├╝rden geradezu ÔÇ×verramschtÔÇť. Gibt es ein iPhone SE bei Lidl und Netto als Sonderangebot, steigert das aber nicht gerade das Markenansehen. Ein komplett neues iPhone ist ja au├čerdem l├Ąngst ├╝berf├Ąllig. So hat das iPhone 7 ja neben den ├╝bergro├čen Android-Smartphones mit OLED-Display bildlich und w├Ârtlich an Glanz eingeb├╝├čt.

Im Unterschied zu unseren Kollegen vermuten wir aber, dass der hohe Preis nicht in allen L├Ąndern akzeptiert werden wird. In den USA kann Apple fast jeden Preis f├╝r seine iPhones verlangen, dort sind aber auch die Einkommen h├Âher und iPhones deutlich billiger. Auch in China wird Reichtum anscheinend gerne gezeigt, wenn sich auch Apple dort etwas schwer tut. In Deutschland ist aber wohl nicht ohne Grund das iPhone SE das beliebteste iPhone : Deutsche Konsumenten sind bei Elektronik viel preissensibler (erzogen) als Amerikaner und ein 1600 Euro-Handy bricht da einige Schmerzgrenzen. Schlie├člich handelt es sich ja auch nicht um einen BMW, bei dem man ohne Murren 1600 Euro allein f├╝r das Entertainment-Paket auf den Tisch legt...

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