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Warum ein Hybrid-System aus iOS und macOS nicht mehr zeitgemäß

23.04.2018 | 16:06 Uhr |

Machtwort von Tim Cook: macOS und iOS werden nicht zu einem Betriebssystem verschmelzen. Das ist auch völlig überflüssig, liegen die Herausforderungen für die Zukunft doch völlig anders.

Die Aussagen von Tim Cook, iOS und macOS nicht miteinander verschmelzen zu wollen, stoßen auf Zustimmung vorwiegend aus dem Mac-Lager, das  endlich wieder auf eine richtige Profimaschine hoffen darf. Auf der anderen Seite gibt es die iPad- und iPhone-Verfechter, die schon den Abgesang auf Desktop-Hardware aufführen und hoffen, eine Art eine Art macOS auch endlich auf dem iPad laufen zu sehen. Denn dem mobilen Betriebssystem iOS fehlen wichtige Werkzeuge wie das Terminal, um Zugriff auf den kompletten Unterbau des Systems zu erlangen. Diesbezüglich wäre eine Verschmelzung wünschenswert. Eigentlich sollten aber Tim Cooks Aussagen die Herzen beider Lager höher schlagen lassen. Denn man kann aus ihnen schließen, dass sich Apple endlich wieder mehr auf eine Profimaschine konzentriert und das Mac-Betriebssystem sowie die darunter liegende Hardware anpasst. Erste Anzeichen gibt es bereits durch die Ankündigung, 2019 endlich einen modularen Mac herauszubringen, der sich einfach erweitern und aktualisieren lässt. iOS indes entwickelt Apple kontinuierlich weiter und zieht auch immer mehr Unterschiede zwischen den Versionen für iPad und iPhone ein.

Alles nur Kalkül

Tim Cook wird vor allem den betriebswirtschaftlichen Ertrag im Kopf haben. Eine Verschmelzung von macOS und iOS könnte ja auch die Verwässerung der Apps bedeuten. Bislang müssen alle Entwickler von iOS-Apps fleißig Abgaben an Apple zahlen, da diese nur im App Store angeboten werden. Professionelle Nutzer würden aber auch Anwendungen wünschen, die gegen Apples Richtlinien verstoßen würden. Ein Zusammenschluss beider Betriebssysteme bedeutete möglicherweise auch, iOS zu öffnen und Apps nicht nur via App Store anzubieten.

Ohne ein solches Hybrid-System kann sich Apple jedoch darauf konzentrieren, den Mac für Profis auszulegen und damit Produkte zu schaffen, die etwas mehr Geld kosten. Wie schon die Anbindung von externen Grafikkarten können hier weitere Produkte folgen. Eine Verschmelzung von iOS und macOS würde bedeuten, Apple müsse bei den erweitbaren Funktionen wie eGPUs Kompromisse für die schwächere Hardware des Tablets bzw. Smartphones eingehen und nicht die volle Leistung beim Macbook Pro ausschöpfen. Wer ein fusioniertes macOS + iOS-Betriebssystem auf dem iPad hat, wird außerdem wohl nicht mehr zum Macbook greifen.

Microsoft versuchte schon lange, ein Windows zu konzipieren, das gleichermaßen für mobile und stationäre Hardware geeignet ist. Allerdings mit mäßigem Erfolg. Die Tablet-Ansicht des Betriebssystems vermisst auch weiterhin zugeschnittene Anwendungen für den Touch-Betrieb. Aus dem Smartphone-Geschäft hat sich Microsoft mittlerweile verabschiedet. Die neue Strategie des CEO Satya Nadella lautet: Services und Software anstatt Betriebssysteme.

In Mountain View beim Rivalen Google macht man sich gerade daran, einen neuen Unterbau, wenn nicht sogar einen Ersatz, für Android mit dem Namen Fuchsia zu schaffen. Es wurde auch schon lange gemunkelt, ob nicht sogar eine Art Android auf den neuen Chromebooks laufen soll. Diese sind sehr bei Schulen wegen der unkomplizierten Bedienung beliebt.

Strategien der Konkurrenz

Microsoft versuchte schon lange, ein Windows zu konzipieren, das gleichermaßen für mobile und stationäre Hardware geeignet ist. Allerdings mit mäßigem Erfolg. Die Tablet-Ansicht des Betriebssystem vermisst auch weiterhin zugeschnittene Anwendungen für den Touch-Betrieb. Aus dem Smartphone-Geschäft hat sich Microsoft mittlerweile verabschiedet. Die neue Strategie des CEO Satya Nadella lautet: Services und Software anstatt Betriebssysteme.

In Mountain View beim Rivalen Google macht man sich gerade daran, einen neuen Unterbau, wenn nicht sogar einen Ersatz, für Android mit dem Namen Fuchsia zu schaffen. Es wurde auch schon lange gemunkelt, ob nicht sogar eine Art Android auf den neuen Chromebooks laufen soll. Diese sind sehr bei Schulen wegen der unkomplizierten Bedienung beliebt.

Services sind das neue Betriebssystem

Die Frage nach dem besten Betriebssystem und der Marktführerschaft stellt sich so aber ohnehin nicht mehr: Der komplette IT-Markt wird sich den APIs und Web-Diensten verschreiben. Mehr und mehr aktive Programmierer und Firmen sind im Dienstleistungszeitalter aufgewachsen, es wandelt sich daher der Markt, auf dem Daten der wichtigste Rohstoff sind.

Firmen werden sich also zunehmend darauf konzentrieren, nur noch Berechnung und Bereitstellung von Daten zur Verfügung zu stellen, und diese dann gegen eine monatliche Gebühr anzubieten. Dies führt dazu, dass sich die großen Tech-Riesen wie Microsoft, Google und Amazon die Infrastruktur für diese neue API-Ökonomie bereit stellen wollen.

Sprich: Sie stellen Server zur Verfügung, die sie sich monatlich und je nach Rechenleistung vergüten lassen. Diese enorme Einnahmequelle lassen andere Produkte dann quasi mitfinanzieren. Es ist also nicht mehr entscheidend, auf welchem Betriebssystem der eigene Service läuft, sondern auf welcher Serverfarm.

Keine Konkurrenz mehr für Apple?

Mit iOS hat Apple eines der stärksten Pferde im Stall. Nicht nur hat sich die Qualität konstant hoch gehalten, auch läuft der App Store nur so von qualitativ hochwertigen Apps fast über. Tim Cook sieht hier also keinen Grund, etwas zu verändern. Auch Google wird wohl in diesem Bereich nicht mehr gefährlich, da sich der Konzern voll und ganz der Weiterentwicklung künstlicher Intelligenz verschrieben hat.

Das neue Betriebssystem hat keine Oberfläche mehr

Wenn wir in die Kristallkugel blicken und für unsere Prognose auch die Entwicklung der letzten Jahre betrachten, so wird eines klar: Das Betriebssystem der Zukunft verspricht, automatisch Daten und Antworten bereit zu stellen. Ein Sprachassistent benötigt keine Eingabefelder. Die Chips werden immer Ressourcen-schonender, was es ermöglicht, immer kleinere Hardware bereit zu stellen. Anstatt also auf das iPhone zu starren, werden wir mehr mit unseren Assistenten zu Hause oder unterwegs kommunizieren – dieser nutzt alle Arten von Geräten, eben auch Lautsprecher und Kopfhörer.

Apple macht hier kein neues Fass mehr auf, der Zug hat schon seit Jahren volle Fahrt in Richtung Siri und künstliche Intelligenz aufgenommen. Der Mac wird immer noch benötigt, um diese Softwareprodukte und Services herzustellen, daher wird Apple auch weiterhin ein relativ kleines Team beschäftigen, das Entwickler bei Laune hält.

Augmented Reality

Der nächste Schritt geht dann hin zu komplett bildschirmfreien Elementen. AR-Brillen und AR-Anwendungen erstellen Oberflächen in der realen Umgebung. Anstatt sich auf sein Smartphone zu konzentrieren, wird man Informationen dort finden, wo sie sein sollen: In der realen Umgebung. Das iPhone X hat hier wohl ein neues Zeitalter eingeläutet als das letzte große Smartphone. AR-Anwendungen lassen sich jetzt schon problemlos auf dem neuen Gerät ausführen und sind somit Einstiegsdroge in eine neue Welt der AR-Brillen.

Mehr anstatt weniger

Der alte Gedanke, dass mobile Betriebssysteme die stationären wie macOS verdrängen werden, ist also überholt. Der Mac wird bleiben, da in Zukunft leistungsstarke Anwendungen für virtuelle Umgebungen konzipiert werden müssen. Solange es keine neue Programmiersprachen oder Entwicklungsumgebungen gibt, die einfacher zu bedienen sind, haben Mac und macOS eine Zukunft.

Das iPad und iPhone dienen als Einstieg in die Welt Apples. Mit Swift Playgrounds können Schüler Programmieren lernen und erste kleine Projekte abschließen. Im Studium dann kommt der erste Mac für die anspruchsvollen Anwendungen. Das iPhone selbst ist eine perfekte Einnahmequelle in Sachen Apps. Diese bieten zum einen einen bunten Zeitvertreib und dienen mit AR-Anwendungen als erste Testphase für eine AR-Welt.

Fazit

Apple wird in Zukunft mehr Produkte und Hardware anbieten als weniger. Die Konkurrenz hat sich anstatt auf die Entwicklung von mobilen Betriebssystemen schon lange AR und der künstlichen Intelligenz verschrieben. Apple konzentriert sich also vollends auf die neue Welt und macht kein Fass mehr in Sachen Verschmelzung auf.

Was nicht heißt, dass sich die verschiedenen Lösungen nicht gegenseitig helfen könnten. Der Mac kann (und wird sich hoffentlich) viel in Sachen einfachere Navigation und Bedienung von iOS abschauen, das iPad wird die ein oder andere Profifunktion von macOS lernen. Die neuen AR-Brillen von Apple werden auch hier wieder völlig neue Wege aufzeigen, mit den Produkten zu interagieren, was anschließend auf watchOS, iOS und macOS zurück fließen wird.

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