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Warum iPhones wertstabiler als Edel-Androide sind

07.09.2018 | 16:30 Uhr | Stephan Wiesend

Will man den Kauf des neuesten Modells mit dem aktuellen Smartphone finanzieren, klappt das nur mit bestimmten Marken.

Update vom 07.09.2018:

Unsere Zahlen zu dem Wiederverkaufswert des aktuellen iPhones bestĂ€tigen die Kollgen aus den USA: 9to5mac hat sich die Auswertung eines Anbieters aus Großbritannien angeschaut. Auch dort bleibt der Wert des iPhone X extrem stabil und erreicht momentan 68 % des ursprĂŒnglichen Preises. Zum Vergleich: In Deutschland kann man momentan bei Flip4new sein iPhone X 64 GB fĂŒr 785,94 Euro abgeben. Beim Anfangspreis von 1149 Euro sind das ebenfalls 68 Prozent. Einen vergleichbaren Wert erzielt man bei Ebay – aktuell liegt der durchschnittliche Preis fĂŒr ein gebrauchtes iPhone X mit 64 GB Speicher bei 750 Euro. Wer also mit dem aktuellen GerĂ€t den Kauf des iPhone XS finanzieren will, hat dazu beste Voraussetzungen.

Hohe Preise fĂŒr gebrauchte iPhones

Warum ist der Preisverlust bei Androiden so hoch?

UrsprĂŒngliche Meldung vom 24. August 2018:

iPhone-Fans behaupten oft, iPhones wĂ€ren preisstabiler als Android-Smartphones und was man beim Kauf drauflege, erhalte man beim Verkauf wieder zurĂŒck. Android-Fans hören das nicht gerne. Sieht man sich den Wertverfall ehemals hochpreisiger Android-Modelle, kann dieser aber schon mal bei 70 Prozent liegen. DafĂŒr gibt es mehrere GrĂŒnde, an denen auch die Hersteller von Android-Smartphones nicht schuldlos sind.

Hohe Preise fĂŒr gebrauchte iPhones

Für ein gebrauchtes iPhone X bekommt man auch bei Ebay noch relativ viel Geld.
VergrĂ¶ĂŸern FĂŒr ein gebrauchtes iPhone X bekommt man auch bei Ebay noch relativ viel Geld.

Letztes Jahr veröffentlichte Apple mit dem iPhone X das erste iPhone, das schon in der Einstiegsversion ĂŒber 1000 Euro kostete. DafĂŒr wurde Apple in Foren und Medien stark kritisiert . Allerdings war Apple damit Ende 2017 nicht allein, auch Samsung, LG, Google und Essential veröffentlichten Android-Smartphones der Hochpreis-Kategorie wie S8, Pixel 2 und LG V30. Der Grund fĂŒr diesen Trend: Die teuren Flagschiffe werden fĂŒr die Hersteller von Smartphones immer wichtiger, da in vielen LĂ€ndern der Markt fĂŒr Smartphones gesĂ€ttigt ist. Profite und Umsatzgewinne kann man da fast nur noch mit hochpreisigen Modellen machen. 200-Euro GerĂ€te sind zwar fĂŒr viele Kunden völlig ausreichend, fĂŒr einen Smartphone-Hersteller aus den USA oder Korea aber eigentlich ein VerlustgeschĂ€ft. Allesamt waren die „iPhone-X-Killer“ etwas gĂŒnstiger als Apples Top-iPhone, allerdings könnten die KĂ€ufer im Nachhinein das schlechtere GeschĂ€ft gemacht haben. Grund dafĂŒr ist der höhere Wertverlust der gekauften Edel-Androiden, der sich nicht leugnen lĂ€sst.

Ein iPhone bleibt auch nach einem Jahr Nutzung noch relativ wertvoll: Verkauft man aktuell sein einjĂ€hriges iPhone X bei einem Aufkaufdienst wie Wirkaufens oder Flip4New, erhĂ€lt man immer noch knapp 780 Euro dafĂŒr. Eine „Schwacke-Liste“ fĂŒr Smartphones gibt es leider nicht, um den Restwert schnell zu schĂ€tzen ist aber eine Ankaufseite wie „Wirkaufens.de“ und Flip4new ein guter Maßstab. Per Ebay erzielt man allerdings meist etwas höhere Preise.

Ein gebrauchtes iPhone X ist immer noch relativ viel wert.
VergrĂ¶ĂŸern Ein gebrauchtes iPhone X ist immer noch relativ viel wert.

Ein iPhone X ist immer noch begehrt: Das fĂŒr 1149 erworbene iPhone X ist dem Ankaufdienst Flip4new immerhin 785,94 Euro wert. Es hat also etwa ein Drittel an Wert verloren. Tapfer mĂŒssen dagegen die KĂ€ufer eines Edel-Smartphones von LG sein: Hat man letzten November ein LG V30 gekauft, zahlte man damals noch 899 Euro. Nicht mal ein Jahr spĂ€ter bietet die Seite Flip4new beim Ankauf allerdings nur noch 280,48 Euro an – trotz dem Zustand „Wie neu“ ist es also nur noch ein Drittel wert. Wertstabiler ist das beliebte Samsung S9. 849 Euro zahlte man bei Erscheinen fĂŒr das Top-Android-GerĂ€t, jetzt gibt es immerhin noch 435,67 Euro oder knapp die HĂ€lfte dafĂŒr. Allerdings erschien es auch erst vor einem halben Jahr, fĂŒr den VorgĂ€nger S8 gibt es noch knapp 320 Euro.

Das im März erschienene Galaxy S9 ist immerhin noch die Hälfte wert.
VergrĂ¶ĂŸern Das im MĂ€rz erschienene Galaxy S9 ist immerhin noch die HĂ€lfte wert.

Beim Kauf eines teuren Android-Smartphones kann man also vielleicht beim Kauf einige hundert Euro „sparen“, zahlt aber beim Wertverlust ziemlich drauf. Unter iPhone-Kunden ist dies zu Recht ein gutes Argument.

Warum ist der Wertverlust so hoch?

Die Ursache dafĂŒr ist nach unserer EinschĂ€tzung eigentlich nur begrenzt ĂŒberlegene Technik oder bessere Verarbeitung: Der erste Grund ist Apples strikte Preiskontrolle – es gibt keinen rapiden Preisverfall bei aktuellen iPhones. Vor allem der Apple Store wirkt da wohl sehr stabilisierend. Anderen Herstellern gelingt es im Unterschied aber kaum, die Preise stabil zu halten. Schon nach wenigen Monaten setzt bei einem Android-Smartphone ein starker Preisverfall ein, der bei einem iPhone nicht eintritt. Ein iPhone X kostet ja im Apple Store weiterhin 1149 Euro und der „Straßenpreis“ liegt immer noch bei knapp 990 Euro. Auch das Edel-Smartphone von Essential konnte seinen hohen Einstiegspreis von 699 Dollar nicht halten, vor kurzem war es bei Amazon.com sogar fĂŒr 250 Dollar im Angebot.

Das wirkt sich direkt auf den Gebrauchtpreis aus: Beim Weiterverkauf eines gebrauchten Smartphones ist fĂŒr den KĂ€ufer ja nicht der damalige Kaufpreis der VerkĂ€ufers, sondern der aktuelle Ladenpreis relevant. Und ein nagelneues V30 von LG bekommt man mittlerweile fĂŒr 450 Euro, ein neues S8 fĂŒr 600 Euro.

Der Restwert des 899-Euro-Gerätes von LG ist enttäuschend.
VergrĂ¶ĂŸern Der Restwert des 899-Euro-GerĂ€tes von LG ist enttĂ€uschend.

Strategisch geschickter ist Apple außerdem bei der Produktpolitik: Die Android-Hersteller haben kĂŒrzere Produktzyklen als Apple und oft eine verwirrende Produktpolitik mit zahlreichen Modellen.

Das Essential Phone erschien für 699 Dollar, der Preis sank aber extrem schnell.
VergrĂ¶ĂŸern Das Essential Phone erschien fĂŒr 699 Dollar, der Preis sank aber extrem schnell.

Eine echte Ausnahme ist allerdings Google mit seinen Pixel-Smartphones. Das fĂŒr 899 Euro vorgestellte Pixel 2 kostet im Fachhandel immer noch knapp 700 Euro. Offensichtlich setzt Google auf eine Ă€hnliche Preispolitik wie Apple und gewĂ€hrt dem Handel so gut wie keine Rabatte. Allerdings ist das Pixel fĂŒr Google eher ein Image- als ein Verkaufs-Erfolg, wie mĂ€ĂŸige Verkaufszahlen zeigen. Und auch der Gebrauchtpreis ist mĂ€ĂŸig: FĂŒr ein einwandfreies Pixel 2 will uns etwa Flip4New nur 332 Euro zahlen...

Relativ wertstabil ist natĂŒrlich auch das Segment der Billig-Smartphones: Ein Xiaomi Redmi 6, das aktuell 175 Euro kostet, wird auch in einem Jahr nicht viel billiger sein. Allerdings handelt es sich da um eine Preiskategorie, bei der ein KĂ€ufer arge Konzessionen an Leistung und QualitĂ€t machen muss.

Und wenn ich das Smartphone lange nutze?

Macht nichts, sagen sich jetzt manche Kunden. Der Wertverlust ist ja irrelevant, wenn man sein Smartphone mehrere Jahre nutzt und danach an ein Familienmitglied verschenkt. Außerdem kann man ja einfach ein halbes Jahr warten und den Edel-Android zum SchnĂ€ppchenpreis kaufen?

Das ist aber etwas zu kurz gedacht: Viele Smartphone-Hersteller haben einen sehr schlechten Ruf, was die Versorgung mit Updates betrifft und ein Android-Smartphone sollte zumindest Sicherheitsupdates aufspielen können – auch das der Ehefrau. Vor allem der Hersteller LG erntete deshalb vor kurzem Kritik von der Stiftung Warentest , da der renommierte koreanische Hersteller ĂŒberraschend schnell die Versorgung mit Updates einstellt. Uns nebenbei ist diese Update-Problematik der zweite wichtige Grund fĂŒr den schnellen Wertverlust von Android-Handys.

Relativ lange versorgt nur Google seine Kunden mit Updates, ist dabei aber eher die Ausnahme von der Regel, auch Samsung schaffte es in der Rangliste der Stiftung nur auf den fĂŒnften Platz. Hier kann Apple wieder punkten, werden doch iPhones sehr lange mit Updates und aktuellen Systemversionen versorgt. Nebenbei hat man bei einem alten Android schnell Probleme, an Ersatzteile zu kommen oder einen Reparaturdienstleister zu finden – ganz anders beim Großserienprodukt iPhone, ein Ersatz-Akku oder -Display selbst fĂŒr betagten iPhones 4S oder 5S ist kein Problem.

Fazit: Vor allem im Segment der Edel-Smartphones kann Apple mit geringem Wertverlust punkten. DafĂŒr gibt es viele GrĂŒnde wie PreisstabilitĂ€t, gute Update-Versorgung und eine klare Produktpolitik. Ein Risiko sollte man dabei aber nicht vergessen: Ohne etwas Vorsicht und eine gute SchutzhĂŒlle kann es mit dem tollen Restwert des Edel-iPhones schnell vorbei sein.

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