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Warum Photoshop CC das iPad Pro voran bringt

19.10.2018 | 13:25 Uhr |

Für 2019 hat Adobe eine vollwertige Version von Photoshop auf dem iPad angekündigt. Warum das für die Plattform wichtig ist.

Es ist nun bestätigt: Photoshop – das richtige Photoshop – kommt im nächsten Jahr auf das iPad . Wenn Sie Photoshop professionell einsetzen, und dazu das iPad verwenden, ist das eine gute Nachricht. Denn Photoshop auf dem iPad erzeugt einen deutlichen Rückenwind für das iPad Pro und zeigt den Weg auf, den Apple mit seinen Plattformen einschlägt. Im Jahr 2019 kommen iOS-Anwendungen nicht nur auf den Mac – denn eine der größten und wichtigsten Mac-Anwendungen nimmt den umgekehrten Weg und kommt auf iOS.

Die Macht der Gewohnheit

Meist, wenn ich Photoshop im Kreise meiner Kollegen (alles Computerfreaks) erwähne, ernte ich unverständige Blicke. Viele Experten schätzen Adobes Vorreiterrolle in Sachen Software-Abonnements nicht – es gibt ja auch zahlreiche Alternativen zu Photoshop, auf dem Mac etwa die hervorragenden Programme Affinity Photo und Pixelmator Pro.

Man muss der Wahrheit aber ins Gesicht schauen: Photoshop ist ein mächtiges Tool und hat sich fest etabliert. Seit drei Jahrzehnten nutzen es Grafikprofis. So basieren die Workflows vieler verschiedener Sparten auf dem Bildbearbeitungsflaggschiff. Große, mittlere und kleine Unternehmen verlassen sich einfach auf Photoshop. Adobe macht es wirklich einfach, eine Lizenz für die gesamte Firma zu kaufen und jeden Computer – Mac oder PC – mit dem Industriestandard auszustatten. ( Creative Cloud bedeutet für die Branche Druck und Grafik, was Microsoft Office für Unternehmen bedeutet.)

Und dann ist da noch der persönliche Geschmack. Ich habe in den 1990er-Jahren bei meinen Schülerzeitungen Photoshop kennen gelernt, ich habe also schon mit Photoshop 1.0 gearbeitet. Der Rechner, auf ddem as Programm lief, – ein Mac II cx – hatte noch gar keinen Farbmonitor.

Photoshop ist jetzt tief, tief in meinen Workflows verankert. Ich habe zwar auf meinem Mac ein halbes Dutzend alternative und ergänzende Anwendungen installiert, die meisten oder alle von ihnen bieten die gleichen Funktionen, die ich in Photoshop verwende. Und keine von ihnen kostet die 120 Dollar pro Jahr, die ich für Photoshop zahle. Aber – und das ist mein Punkt hier – keine von ihnen ist Photoshop. Nur Photoshop ist Photoshop, und ich schätze die Tatsache, dass ich jetzt einen jährlichen Beitrag an Adobe zahlen kann und dafür immer die neueste und beste Version der App bekomme, die ich seit 28 Jahren verwende.

(Übrigens, für 120 Dollar pro Jahr ist das Foto-Bundle-Photoshop und Lightroom von Adobe ein ziemlich gutes Angebot, wenn man diese Apps mag. Weitere Pro-Apps von Adobe kosten 240 US-Dollar pro Jahr, und die volle Creative-Cloud-Mitgliedschaft beträgt 600 US-Dollar pro Jahr.)

Warum es auf dem iPad wichtig ist

Unter iOS gelten die gleichen Regeln: Es gibt zwar viele Anwendungen, die viele der Dinge tun, die Photoshop macht, vor allem Pixelmator und Affinity Photo, aber sie sind nicht Photoshop. (Es gibt sogar eine Reihe von "Photoshop-Anwendungen" von Adobe – aber auch sie sind seltsame Derivate von Photoshop, die nicht wirklich Photoshop sind.) Für jemanden wie mich macht das einen großen Unterschied.

Aber es geht nicht nur um mich. Jen Bartel, eine Comic-Zeichnerin, die ich sehr mag, hat vor einiger Zeit darüber getwittert, wie sehr sie ihr iPad liebt – aber sie kann es nicht für ihre Arbeit nutzen. Ihr Unternehmen setzt voll auf Photoshop und sie ist an benutzerdefinierte Pinsel angewiesen, die Adobe exklusiv hat und die nur in Photoshop erhältlich sind. Für die professionelle Arbeit unterwegs verwendet die Mac-Benutzerin und der iPad-Fan Bartel ein Windows-gesteuertes Wacom Mobile Studio Pro – weil das eben mit Photoshop läuft.

Mit dem Umstieg von Adobe auf das iPad wird jeder, der Photoshop kennt, liebt oder sich auf Photoshop verlässt, sofort zu einem potentiellen Käufer eines iPad Pro. Damit es klar ist, das iPad Pro ist bereits stark genug, um Photoshop auszuführen und mit dem Apple Pencil hat das Tablet eine Eingabemethode, die die meisten Grafikprofis zufrieden stellen wird. Noch besser, Adobe hat gesagt, dass es über die Cloud Photoshop-Dateien synchronisieren wird, so dass Sie Projekte nahtlos direkt von einem Gerät auf ein anderes übertragen können.

Ein Großteil der Kritik am iPad Pro als mangelhaftes Werkzeug für professionelle Arbeit beruht auf der (nicht) verfügbaren Software. Die Hardware ist leistungsfähig – aber wo ist die passende Software? Diese Argumente sind seit einiger Zeit nicht mehr zutreffend – Microsoft Office für iPad ist erstklassig, und Apples iWork-Apps sind bemerkenswert leistungsfähig – aber mit jeder prominenten App, die auf der Plattform ankommt, wird die Kritik leiser. Adobe bringt auch eine vereinfachte Version von Premiere, Premiere Rush, auf das iPad. Ich frage mich, ob Apple nicht darüber nachdenkt, wie Final Cut und Logic auf dem iPad funktionieren könnten?

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Beide profitieren – der Mac und das iPad

Im Jahr 2019 werden sich Wesentliches tun. Ja, wir wissen, dass Apple daran arbeitet, iOS-Anwendungen auf den Mac zu bringen. Aber wie die Ankündigung von Adobe zeigt, werden auch Desktop-Anwendungen unter iOS laufen. Wenn Adobe jetzt über Photoshop spricht, bezeichnen sie die Lösung als ein einziges universelles Tool für alle Geräte. Photoshop ist ein System, das Mac, PC und jetzt auch iOS umfasst. Es geht dorthin, wo der Kunde hingeht, auf die Geräte, die er nutzt.

Auch Apple bewegt sich mit seiner Initiative in die Richtung, eine gemeinsame Plattform zu schaffen, die für die Entwicklung von Mac- und iOS-Anwendungen gedacht ist. Und es ist schwer, den Auftritt von Apples Phil Schiller auf der Entwicklerkonferenz Adobe Max nicht als klares Zeichen dafür zu betrachten, dass Adobes Ankündigungen im nächsten Jahr – oder schon in der übernächsten Woche – ein großer Teil der Botschaft von Apple rund um den iPad Pro sein werden.

Denn was ist am Ende der iPad Pro außer einem Computer in Form eines Tabletts? Wenn man ein Künstler ist, möchte man vielleicht draußen oder auf der Couch arbeiten oder vielleicht möchte man ein viel kleineres Gerät mitnehmen, wenn man in der Stadt unterwegs oder auf Reisen ist. Soll der Nutzer nicht Photoshop überall hin mitnehmen können? Und ist das iPad Pro mit Apple Pencil nicht für einige der Aufgaben perfekt geeignet, für die sich Photoshop auch perfekt eignet?

Das ist wirklich die größere Vision von Apple für 2019 und die spätere Zukunft: Egal, ob man an einem Schreibtisch vor einem großen iMac-Bildschirm sitzt oder mit einem iPad Pro reist, soll man Zugang zu vertrauter Software haben. Photoshop auf dem iPad ist nicht der eine magische Schlüssel, der die Zukunft des iPad Pro öffnet. Aber es ist eines der größten Anzeichen dafür, dass sich die Dinge ändern – und dass das iPad nicht nicht mehr von den Kreativen abgelehnt wird.

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