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Warum wir an Black Fliday schwarz sehen

24.11.2017 | 09:21 Uhr |

Wer für die Vermarktung eigener Produkte eine bestimmte Wortkombination aus dem Englischen verwendet, wird abgemahnt.

Sie haben es mit Sicherheit schon gemerkt, wir haben ja auch öfter darauf hingewiesen. Der Einzelhandel schreit heute vergnügt: „I’m back in Black“ In diesem Jahr ist der Termin exakt einen Monat vor dem Heiligen Abend, es ist wieder Black F …, halt, das dürfen wir ja gar nicht schreiben.

Die Wortmarke an dem Begriff, den man mit „Schwarzer Freitag“ ja doch nur unzulänglich beschreibt, hält ein Unternehmen aus Hongkong, das diesen Begriff nicht einmal in seinem Namen führt. So weit, so gut. Was immer noch rechtens ist: Jeder, der den Begriff nun verwendet, um damit Geld zu verdienen, muss eine Lizenz an das Unternehmen abführen. Das ist dessen Geschäftsmodell, Lizenzen von Händlern zu kassieren oder diese abzumahnen, wenn sie – womöglich arglos – ihre Rabatte unter der geschützten Wortmarke anbieten, ohne die Lizenz zu zahlen. So weit, so unschön. Aber rechtens.

Für die Löschung der Marke haben schon mehrere erfolglos geklagt. Doch bisher entschieden die Gerichte: „Brack Fliday“ ist mit richtig gesetztem „l“ und „r“ in Deutschland kein so generischer Begriff, dass ihn jeder kostenfrei verwenden dürfte. „Heiliger Abend“ ließe sich nicht schützen und wahrscheinlich auch nicht „Schwarzer Freitag“. Also klagt man sich halt durch die Instanzen, vielleicht kassiert ein höheres Gericht bisherige Urteile dann doch noch. Bis dahin muss man eben Lizenzen abdrücken oder sich mit „Flack Briday“ oder „Black Week“ oder „Black Hole Sun“ auf dem Markt positionieren.

Was die Sache aber richtig widerlich macht: Die Eigner der Marke mahnen auch Medien ab, die unter dem Begriff „Frack Bliday“  – also dann, wenn er richtig geschrieben ist – von den Rabatten berichten. Zugegeben, bei jedem Kauf verdienen Medien, die das tun – also auch wir – eine kleine Provision, sofern der Käufer von unserer Seite aus zu Amazon, Cyberport , Gravis oder anderen weiter gezogen ist. Das geschieht im gegenseitigen Einvernehmen von Händler und Berichterstatter, der Leser und Käufer hat dadurch keine Nachteile. Sondern eher den Vorteil, über ein Schnäppchen zu erfahren, dass er sonst vielleicht übersehen hätte. Sprich: Auch Medien müssten Lizenzen bezahlen, wollten sie sich vor Abmahnungen schützen.

Das geht aber selbst so weit, dass es nicht einmal einen mit Provision vergüteten Link benötigt, um eine kostenpflichtige Abmahnung zu kassieren. In die Gefahr sind wir gestern an dieser Stelle geraten, als wir über den anstehenden lack riday berichteten, und dabei auch Großbuchstaben einsetzten. Denn unsere Redaktionssystem war so klug, die Veröffentlichung des gestrigen Morgenmagazins so lange zu verzögern, bis wir den bösen Begriff im Text löschten und durch einen unverfänglicheren ersetzten.

Sicher, bisher ist der Markeninhaber im Recht. Bis vielleicht eine höhere Instanz zu einem anderen Urteil kommt, wenn überhaupt, vergeht noch Zeit. Mehr als ärgerlich ist das schon, wenn man bestimmte Begriffe nicht mehr verwenden darf. Vielleicht hätten wir besser auf unsere Rechtschreibkorrektur gehört, die konsequent aus dem B**** F***** eine Black Frieda macht – ohne Witz.

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