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Facebook-Datenskandal: Was an Zuckerbergs Aussagen vor dem Senat schief war

12.04.2018 | 07:07 Uhr |

Mark Zuckerberg musste sich gestern und heute vor dem US-Senat in Causa Wahlmanipulation verantworten.

Rund fünf Stunden hat gestern Abend die Anhörung Mark Zuckerbergs vor dem US-Senat gedauert. Gleich zwei Kommissionen waren vertreten – für Wirtschaft und Recht sowie für Forschung und Verkehr. Es ging um den Datenschutz bei Facebook und um russische Desinformation auf der Plattform. Manche Fragen haben sich in der Sitzung wiederholt, manche Fragen hat Zuckerberg in der besten PR-Manier beantwortet: Viel geredet, aber nichts gesagt. Es gab jedoch in diesen fünf Stunden Momente, die uns aufhorchen ließen. Sehr wenige werden Zeit haben, das fünfstündige Video anzuschauen oder das genaue Transkript bei der " Washington Post " durchzulesen. Daher hier eine Auswahl von bedeutendsten Aussagen und Fragen der Senatoren. Zur besseren Auffindbarkeit im Skript erwähnen wir jeweils den Senatoren, auf dessen Frage Mark Zuckerberg geantwortet hat.

Auf die Frage von Senator  Feinstein hat Zuckerberg bedauert, dass die Firma nur sehr zögerlich auf die russischen Kampagnen reagierte. Das ist im besten Fall sehr untertrieben, denn Facebook wurde auf die russische Troll-Fabriken sowie nicht ganz saubere Methoden dieser Firmen bereits Ende 2014-Anfang 2015 angesprochen . Für ein Town-Hall-Meeting bei Facebook hat die Frage zu den russischen Trollen in der Ukraine knapp 48 000 Likes bekommen , Zuckerbergs Post – rund 65 000. Sogar der ukrainische Präsident hat sich in die Diskussion eingeschaltet und um ein ukrainisches Facebook-Content-Team gebeten. Zuckerberg wies die Bitte ab – alles nur Meinungsfreiheit, und die ukrainischen Blogger wurden massenhaft blockiert, weil sie Hassreden verbreitet haben...

Knapp drei Jahre später konnte jedoch Mark Zuckerberg auf die Frage von Senator Sasse keine vernünftige Antwort geben, was genau seiner Meinung nach die Hassrede ist.

In einer Unterredung mit Senator Wicker konnte Facebooks CEO auch keine genaue Antwort geben, ob und wie sein Unternehmen eigene Nutzer im Internet auch nach dem Logout von der Plattform verfolgt. Teilweise hat dies Zuckerberg zugegeben: "Wir tun das der Sicherheit wegen, auch um die Werbeaktivitäten zu messen, damit unsere Nutzer das effektivste Werbeerlebnis haben. Die Nutzer können natürlich dieses Tracken abschalten". Das penetrante Folgen und Unterjubeln von Werbeanzeigen, die noch auf den vorschnellen Trugschlüssen aus dem Nutzer-Verhalten gründen, wird im Zuckerberg-Sprech als eine wertvolle Dienstleistung gegenüber eben jenem Nutzer dargestellt.

Mehrmals in der Anhörung, in der Antwort auf die Frage von Senator Lee beispielsweise, hat Mark Zuckerberg behauptet, die Nutzer können jede Zeit die Einstellungen ändern, welche die Werbeeinblendungen auf Facebook steuern. In unserer nicht ganz ernst gemeinten Umfrage wussten rund 80 Prozent der Teilnehmer nicht, dass es überhaupt eine solche Möglichkeit gibt, wobei wir an sich eine technikaffine Zielgruppe der Leserschaft haben. Bei der Gesamtbevölkerung würde diese Diskrepanz wohl noch höher ausfallen. In der gleichen Antwort hat Zuckerberg noch eine äußerst wichtige Anmerkung gemacht: Das Netzwerk unterscheidet zwei Arten von Daten: Die Inhalte, die die Nutzer auf Facebook selber posten oder direkt dort generieren, wie Likes oder andere Reaktionen und die Daten, die Facebook selbstständig von den Nutzern sammelt. Dabei sind beispielsweise die Geräte, auf denen der Anwender Facebook nutzt, aber auch beispielsweise solche Kategorien wie "Reist oft ins Ausland", "Inhaber von iPhone SE", obwohl wir diverse Redaktions-Geräte auch für Facebook-Nutzung verwendet haben. Facebook hat uns ganz korrekt in eine bestimmte ziemlich kleine soziale Gruppe eingegliedert, obwohl dies explizit nie abgefragt wurde. Unsere Arbeitgeber-Angabe, die für niemanden anderen sichtbar sein soll (Einstellung "Nur ich"), liefert Facebook wie selbstverständlich an die Werbetreibende der Plattform aus.

Senator Baldwin hat gefragt, ob Zuckerberg weiß, ob Aleksandr Kogan die gesammelten Facebook-Daten an andere Firmen als Cambridge Analytica verkauft hat. Laut Facebooks CEO landetet die Daten bei mehreren Analytics-Firmen, konkret hat Zuckerberg nur Eunoia genannt, der passendste Treffer ist wohl eine britische Beratungsfirma , die sich auf Reformen in den afrikanischen und Balkan-Ländern spezialisiert hat.

Auf Anfrage von Senator Blumenthal hat Zuckerberg auf das Download-Tool hingewiesen, das alle bei Facebook gespeicherten Daten den Nutzern liefern soll. Nach Behauptung der Initiative „ Europe vs. Facebook “, die der bekannte Datenschutz-Aktivist aus Wien Max Schrems betrieb, liefert das Standard-Tool von Facebook nicht mal die Hälfte aller gesicherten Datensätze. Um eine komplette Sammlung zu erhalten, benötigt man eine schriftliche Anfrage bei Facebook in Irland und gegebenenfalls eine Beschwerde gegenüber irischen Behörden, falls das Unternehmen die Daten nicht herausgeben will.

Die Befragung von Zuckerberg geht heute Nachmittag weiter, wir werden den Artikel um die weiteren Aspekte vervollständigen.

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