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Was bringt VoLTE? Telefonate über mobiles Internet

30.03.2017 | 13:54 Uhr |

Der UMTS-Nachfolger LTE ermöglicht schnellere Datenverbindungen und das neue VoLTE gute Sprachqualität. Das Sprach-Angebot hat aber noch Lücken.

Das seit acht Jahren verfügbare LTE oder 4G ist fast schon ein alter Hut, mit 5G steht schon der schnellere Nachfolger bereit. Für Anwender, die ihr Smartphone vor allem für Telefonate verwenden, ist aber vor allem eine noch neue LTE-Funktion interessant: VoLTE.

Statt auf alte Mobilfunkstandards wie GSM oder UMTS zurückzugreifen, erfolgt eine Sprachverbindung per VoLTE rein IP-basiert. Das ermöglicht dank relativ hoher Datenraten gute Sprachqualität, die Anbieter auch als „HD-Telefonie“ bezeichnen. Aber auch die Latenz soll besonders hoch sein und eine Gesprächsaufnahme ist innerhalb Sekunden möglich. Die Gespräche genießen dabei Sonderrechte gegenüber anderen Verbindungen: Bei „Verkehrsspitzen im Datenverkehr“, so die Telekom, werden VoLTE-Verbindungen bevorzugt übertragen. Sogar den Akkuverbrauch senkt laut Anbietern das neue Protokoll. Die Anbieter haben demgegenüber den Vorteil, dass VoLTE im Vergleich mit VoIP mit etwa der halben Bandbreite auskommt.

Bei einer aktiven Gesprächsverbindung steht allerdings weniger Bandbreite beim Surfen zur Verfügung, laut Telekom etwa 100 kbit/s im Down- und Upload.  Für die Mobilfunkbetreiber ist VoLTE so eine interessante Waffe gegen VoIP-Anbieter, sollte VoIP doch besonders schnell und zuverlässig arbeiten können. Noch besser soll die Sprachqualität mit einer Technologie namens Crystal Clear werden, die Vodafone im August erstmals angekündigt hat.

Wer bietet VoLTE?

Ein Smartphone mit VoLTE-Unterstützung ist die Hardware-Voraussetzung. Unterstützt werden aber alle iPhones ab dem iPhone 6 und iOS 9.3. Apple hatte diese Sprachoption für Telekom-Kunden sogar schon vor dem Erscheinen von iOS 9.3 aktiviert. Für die Telekom war dies aber anscheinend zu früh und das Unternehmen ließ diese Option durch ein Update wieder entfernen. Unter iOS 9.3 war dann aber VoLTE ebenfalls noch nicht automatisch aktiv, man musste die Option über die Systemeinstellung "Datenoptionen" eigens aktivieren – einige Anwender auch in ihrem Online-Konto. Unter dem aktuellen iOS 10 scheint VoLTE dagegen automatisch bereits aktiv zu sein. Grund für die zögerliche Einführung waren bei allen Anbietern offenbar Probleme mit dem sogenannten das Handover, also dem Wechsel während eines Gespräches zu 3G oder 2G bei Verbindungsproblemen. Das größte Problem ist aber wohl, dass beide Gesprächsteilnehmer VoLTE nutzen müssen, damit alles reibungslos funktioniert. Android-Handys mit VoLTE-Unterstützung sind aber noch rar, wie eine Übersicht bei Teltarif zeigt. Unterstützt werden nur die neuesten Top-Modelle.

Mit dem Einstieg Anfang 2016 war die Telekom relativ spät dran, in Deutschland unterstützen Vodafone schon seit März 2015 den Standard, O2 ebenfalls seit Mitte 2015.

Außen vor bleiben allerdings Kunden mit Prepaid-Karten oder virtuellen Providern wie Lidl, Blue, Congstar. Die Telekom setzt einen Magenta-Tarif voraus, auch die beiden Konkurrenten sind da nicht großzügiger. Immerhin erlaubt O2 seit Januar 2017 auch Multicard-Kunden die Nutzung der neuen Technik.

Dass VoLTE nicht unterstützt wird, sieht man bei einem iPhone am LTE-Symbol: Kann VoLTE beim Telefonieren nicht verwendet werden, wechselt das Symbol von einem LTE-Symbol zu einem 3G-Symbol.

Testergebnisse

In einem kürzlich veröffentlichten Vergleichstest der Fachzeitschrift Connect, bei dem die Netzanbieter Telekom, Vodafone und Telefonica (O2) verglichen wird, zeigen sich qualitative Unterschiede: Die Telekom erreicht bei den Messungen von Daten- und Sprachqualität die besten Noten, allerdings sind die Ergebnisse von Vodafone kaum schlechter. Deutlich schlechter schneidet dagegen O2 ab, laut Testern aber deutlich besser als im Vorjahr. Zumindest in den Städten gibt es anscheinend wenig Unterschiede, vor allem bei Messungen unterwegs und bei Bahnfahrten schnitt die Telekom aber am besten ab.

In einigen Gebieten steht LTE nicht innerhalb von Gebäuden zur Verfügung.
Vergrößern In einigen Gebieten steht LTE nicht innerhalb von Gebäuden zur Verfügung.

Auch bei einem Blick in die Netzabdeckungs-Karten sieht es für die Telekom besser aus. In jedem Falls sollte man vor Abschluss eines Vertrages besser die Netzabdeckung seines Wohngebietes überprüfen.

Hier die Karten der Anbieter Telekom , Vodafone und Telefonica/02 .

Einfacher haben es Österreicher und Schweizer mit der Auswahl: In Österreich bietet nur A1, in der Schweiz nur die Swisscom VoLTE.

Alternative Wi-Fi-Calling

Eigentlich ist Wi-Fi-Calling eine Alternative zu VoLTE, bei der Telekom steht diese Sprach-Option aber nur bei gleichzeitiger Aktivierung von VoLTE zur Verfügung. Gedacht ist dies für Gebiete mit schwacher Netzabdeckung oder in Gebäuden. Vor allem in Gebäuden steht oft WLAN zur Verfügung aber ein schwaches Mobilfunksignal. Bei neueren iPhones kann man diese WLAN-Telefonie unter Telefon/WLAN-Anrufe auf iPhone aktivieren. Man benötigt allerdings einen Provider, der diese Funktion erlaubt, bisher ermöglichen diese nur Telekom, O2 und Vodafone – wie bei VoLTE außerdem nur regulären Kunden. Im Unterschied zu VoLTE steht die Option dafür auch auf älteren iPhones zur Verfügung.

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