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Was sich Entwickler von der WWDC 2018 wünschen

18.05.2018 | 15:18 Uhr |

In zwei Wochen startet die WWDC, und während die ganze Welt auf neue Macbooks spekuliert, haben Entwickler andere Wünsche.

In rund zwei Wochen beginnt die WWDC in San Jose, die Veranstaltung wird zunehmend für alle Nutzer interessant, stellt doch Apple Neuerungen von  iOS und macOS vor. Zuweilen gibt es auch neue Hardware wie Macbooks oder iPads – das kann auch in diesem Jahr passieren . Doch die WWDC ist nach der Keynote am Abend des 4. Juni, einem Montag, noch längst nicht vorbei. Denn  für Entwickler wird es erst dann so richtig interessant. Diese Gruppe hat auch besondere Anforderungen an Apple und seine Produkte, müssen sie doch neue Applikationen oder Updates entwickeln und mit Apples APIs zurecht kommen. Wir haben uns im Vorfeld der WWDC wieder in der Entwickler-Gemeinde umgehört und bringen deren Wünsche hier zum Ausdruck.

APFS benötigt bessere Dokumentation

Beginnen wir mit einer Forderung von Entwicklern, die bereits für macOS High Sierra laut wurde, erstaunlicherweise aber immer noch aktuell ist. Bei dem letzten Update von Disk Warrior 5.1 hat der Entwickler Alsoft in einem Nebensatz erwähnt, für die Unterstützung von APFS warte mal immer noch auf eine gescheite Dokumentation des neuen Datensystems von Apple. Zwar ist die Dokumentation auf dem Developer-Portal um Einiges länger als die ursprünglichen vier Seiten geworden, Drittherstellern reicht das immer noch nicht aus, um damit zuverlässige Tools für APFS programmieren zu können.

Einige alte Zöpfe spricht ebenfalls Thorsten Lemke an, der Entwickler des bekannten Graphic Converter . Nicht nur das Dateisystem hat sich ab macOS High Sierra geändert, sondern verstehen Macs und iPhones neue Bild- und Videoformate wie HEIC. Apples neues Format ist platzsparender und bietet mehr Meta-Daten bei den Bildern und Videos an. Laut Lemke hat Apple die Export-Möglichkeiten für HEIC erst mit macOS 10.13.4 implementiert, also vor wenigen Wochen. Der Rest fehlt noch und bremst die Entwickler somit aus: "Das verlustlose Bearbeiten von Meta-Daten in HEIC ist bis jetzt mit den entsprechenden macOS-Routinen noch nicht möglich. In die Konsole wird nur eine Meldung ausgegeben: Noch nicht implementiert." Diese fehlende Funktion betrifft nicht nur Graphic Converter, sondern jeden Hersteller, der seine Fotobearbeitungs- oder Videobearbeitungssoftware für Mac anbietet. Dazu wünscht sich Thorsten Lemke eine aufgebohrte Infrastruktur im Mac App Store: "Im Mac App Store fehlt leider weiterhin die Möglichkeit kostenpflichtiges Upgrades anzubieten. Hier rechne ich mit keiner Änderung, da Apple das Abo-Modell bevorzugt. Des Weiteren wäre eine Reduzierung der Verkaufsgebühren im Mac App Store für die gesamte Entwicklergemeinde positiv und würde die Akzeptanz des Mac App Stores verbessern." Der Mac App Store wird immer wieder kritisiert, offensichtlich erhält die Plattform von Apple bei Weitem nicht so viel Aufmerksamkeit wie der iOS Store. Zur Erinnerung: Erst mit iOS 11 hat Apple den mobilen Store erneuert, die Apps werden mit individuellen Geschichten, gar Entwickler-Interviews vorgestellt.

Erfahrungen mit ARKit

Aber auch iOS-Entwickler haben ihre wunden Stellen, wir haben beispielsweise das Entwicklerbüro Headraft GmbH, verantwortlich für die AR-App der Fantastischen Vier "Tunnel AR" befragt. Da sich Headraft GmbH auf den AR-Apps spezialisiert, ist die Liste für ARKit verständlicherweise lang: "Im Bereich Augmented Reality stehen natürlich gleich eine Reihe von Weiterentwicklungen auf unserer Wunschliste. Angefangen bei Verbesserungen bei der Erkennung von Bildern, über die Erkennung von Objekten, bis hin zu Möglichkeiten, um Räume zu scannen. Sowohl um sie wieder zu erkennen, um Objekte permanent an bestimmten Stellen im Raum zu verankern, als auch um visuell ansprechende 3D-Repräsentationen seiner Umgebung zu erstellen. Bisher ist dies nicht, oder nur mit APIs von Drittanbietern möglich, alles unter einem Hut zu haben würde die Entwicklung weiter vereinfachen."

Das Entwickler-Team rund um Fabian Fricke und Julian Weiß sieht jedoch noch Verbesserungspotential im App Store, vor allem bei der Distribution der Apps im Business-Bereich, hier wünschen sich die Entwickler neben den bereits vorhandenen Volume Purchases und MDM-Steuerung etwas einfachere Möglichkeiten ihre Apps an die Kunden zu bringen.

Seit iOS 11 ist es möglich, einfache Bildschirmaufnahmen zu machen, hier wären bessere APIs für diese Funktion willkommen. Xcode bleibt wahrscheinlich eine offene Baustelle, bis es iOS- und macOS-Apps gibt, ist doch die Entwicklerumgebung essentiell beim Erstellungsprozess. So wünschen sich die Entwickler bei Headraft etwas mehr Zuverlässigkeit: "Kleine Verbesserungen wie z.B. eine zuverlässigere automatische Geräteerkennung in Xcode, wenn man wiederholt ein Gerät ab- und ansteckt, und transparenteres Management von Xcode Temp Dateien wären im Alltag ebenfalls sehr nützlich." Ein Klassiker ist ebenfalls auf der Liste: Die Unterstützung von mehreren Nutzern auf einem iPad.

Besseres Feedback der Nutzer gewünscht

Skylum, ursprünglich Macphun, ist trotz der Namensänderung nach wie vor auf dem Markt der Bildbearbeitungssoftware tätig. Der Mitbegründer Dmitry Sytnik beanstandet beispielsweise eine restriktive Handhabung von Fotos: Dank des Sandboxing-Mechanismus sei momentan eine Bearbeitung eines Bildes aus der Fremd-App nicht möglich. Dazu wünschen sich die Entwickler bei Skylum Beta-Test für macOS-Apps: "Wir erstellen Produkte für Fotografen und ihre Feedbacks sind wichtig für uns. Daher sammeln wir bei der Durchführung von Beta-Tests die Rückmeldungen von echten Benutzern, um zu verstehen, wo und was noch für die endgültige Version verbessert werden soll. Rückmeldungen eines Nutzers sowie unsere Aktionen können aber die Qualität der Arbeit mit dem Programm vieler Menschen beeinflussen. Es gibt solche Möglichkeit für iOS, trotzdem gibt es immer noch keine für macOS." Dazu will der Entwickler wieder den Zugriff auf die Absturz-Reporte seiner App von den Rechnern der Nutzer: "Die Sammlung dieser Daten ermöglicht uns als Programmentwickler, auf die auftretenden Probleme zeitnah zu reagieren und deren Ursachen zu identifizieren. Schade, dass diese Funktion jetzt für Mac nicht verfügbar ist."

iOS 12: Multiuser für das iPad

MacPaw, der Entwickler von "Clean my Mac" und "Gemini", hat übrigens auch den Wunsch geäußert, iOS 12 soll bei den iPads eine komfortable Nutzung für mehr Personen zulassen. Core ML hat Apple im vergangenen Sommer vorgestellt, die Entwickler können Apples eigene Engine für Maschinelles Lernen nutzen und nicht mehr auf Lösungen von Dritten setzen. Alex Patrienco von MacPaw wünscht sich jedoch eine Erweiterung von CoreML, die Engine soll auch die Modelle für Reinforced Learning unterstützen. Hier wird wohl ein Ausflug in Wikipedia notwendig: Reinforced Learning ist ein Zweig des Maschinellen Lernens, bei dem die Algorithmen das gesammelte Wissen, sei es Verhalten in einem Spiel oder Verhalten in einer Gruppe, mit den Signalen in der aktuell gegebenen Situation abgleicht und daraus die bestmöglichen Entscheidungen trifft. Diese Methoden setzt Google beispielsweise für seinen Google Assistant ein. Für die MacPaw-Entwickler, und übrigens nicht nur für die ( Link ), fehlt im Xcode eine Grundlage-Funktion für Swift: Bis jetzt lassen sich in der Entwicklerumgebung beispielsweise keine Klassen, Funktionen etc. durchgehend umbenennen. Dies ist nur für Objective C und C vorbehalten. 

Eindeutige Mac-Adressen wieder zugänglich machen

Bereits im November 2017 haben wir berichtet , dass nicht jede Neuerung bei den Entwicklern auf Begeisterung stoßt. So haben beispielsweise Macher bestimmter Netzwerk-Tools protestiert, dass Apple den Zugang zu den eindeutigen Mac-Adressen gesperrt hat. Aus guten Gründen – die eindeutigen Mac-Adressen konnte man für die erweiterte Nutzer-Verfolgung im Raum und Zeit missbrauchen, dies hat man bereits 2014 bemängelt. Diese Funktion komplett auszuschalten hat jedoch die Entwicklung der sogenannten Netzwerk-Apps unmöglich gemacht. So ist im Herbst sogar eine Petition gestartet, diese verzeichnet heute mittlerweile rund 26 000 Unterschriften. Der Entwickler einer solchen App "iNet" BananaGlue GmbH hat beispielsweise vorgeschlagen, dass Apple die eindeutigen Mac-Adressen der Geräte wieder zugänglich macht, der Schutz der Daten wird durch die Ausstellung eines entsprechenden Zertifikates gewährleistet.

Sind Sie ein Entwickler und haben weitere Verbesserungsvorschläge? Wir sammeln diese unter diesem Link und werden mit den besten den Artikel aktualisieren.

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