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macOS 10.13 High Sierra – das ist neu

27.09.2017 | 10:20 Uhr |

Mit macOS High Sierra ist die mittlerweile vierzehnte Version von Apples Desktop-Betriebssystem am Start. Im Fokus diesmal: Umfangreiches Feintuning im Unterbau

Als Craig Federighi während der Keynote der WWDC im vergangenen Juni den macOS-Part eröffnete, war die wohl wichtigste Frage, ob Apple seinem altgedienten Desktop-Betriebssystem einen intensiven Neuanstrich inklusive neuer Features spendieren oder sich auf die weitere Optimierung des Unterbaus von macOS konzentrieren würde. Ohne die sonst üblichen kleinen Scherze kündigte Apples Software-Chef an, dass auf macOS Sierra High Sierra folgen würde. Und die Nomenklatur macht klar: In diesem Jahr wird es keine großen, neuen Features oder Veränderungen an der Benutzerführung geben, sondern ein auf den Unterbau von macOS fokussiertes Update. Auch wenn die Namensgebung auf den ersten Blick Unspektakuläres ankündigt: Die vielen kleineren sichtbaren sowie größeren unsichtbaren Verbesserungen, die Apple in mac-OS High Sierra implementiert, haben sich im täglichen Gebrauch als ausgesprochen nützlich erwiesen. Da Apple abseits der Neuerungen keine grundlegenden Veränderungen vorgenommen hat, gilt: Wer schon mit Sierra gearbeitet hat, wird sich in High Sierra sofort heimisch fühlen.

Was ein Mac für High Sierra mitbringen muss

Die Anforderungen für High Sierra lassen sich recht einfach so zusammenfassen: Macs, auf denen mac-OS Sierra läuft, haben auch mit High Sierra keine Probleme. Während Apple zum Start von macOS Sierra im vergangenen Jahr zur Anpassung des Support-Zyklus an die Hardware-Supportzeiten einige ältere Mac-Modelle aufs Altenteil geschoben hat (vornehmlich Macs der Baujahre 2007–2008), bleibt beim Sprung auf High Sierra von den Systemanforderungen her alles beim Alten. Sie brauchen also wie für Sierra mindestens einen Mac mit 64-Bit-Intel-Prozessor, die 64-Bit-Version der Firmware „EFI“ (Extensible Firmware Interface), ein Minimum von 2 Gigabyte Arbeitsspeicher (RAM) und insgesamt 8 Gigabyte an freiem Speicher auf der Festplatte.

Welche Macs macOS 10.13 genau unterstützt, haben wir im Kasten zusammengestellt. Mit unserem kostenlosen Test-Tool High Sierra Tester, das Sie auf der beiliegenden DVD finden, können Sie detailliert prüfen, welche Kriterien Ihr Mac erfüllt und wo Sie unter Umständen nochmal mit Hardware-Upgrades nachjustieren können. Schauen Sie dazu auch auf Seite 30 in diesem Heft vorbei, dort erklären wir Ihnen, wie Sie mit unserem Tester umgehen.

So kommt High Sierra unfallfrei auf Ihren Mac

Erfüllt Ihr Mac die genannten Mindestanforderungen, können Sie mit der Installation des neuen Betriebssystems loslegen. Haben Sie in der Vergangenheit bereits eine macOS-Installation durchgeführt, wird Ihnen auch die Installation von High Sierra keine Probleme bereiten, da Apple Logik und Ablauf der Installation nicht wesentlich verändert hat. Stellen Sie vor dem Update sicher, dass Sie den letzten Stand Ihrer aktuell benutzen mac-OS-Installation via Time Machine gesichert haben. Im Umstiegs-Tutorial ab Seite 34 in diesem Heft zeigen wir sehr ausführlich, welche Schritte Sie in der Vorbereitung auf das Update beherzigen sollten, und wie Sie erfolgreich durch die Installation kommen.

High Sierra: Apples Betriebssystem-Eisberg

Ist die Installation erfolgreich durchgelaufen, werden Sie schnell feststellen, dass bis auf einige kleine Ausnahmen alle Elemente an den gewohnten Stellen zu finden sind. Anders als beispielsweise Yosemite oder El Capitan stellen die wenigen sichtbaren Neuerungen in macOS High Sierra die „Spitze des Eisbergs“ dar, während das Gros der Veränderungen im Vergleich zum Vorgänger unter der Oberfläche verborgen liegt.

Von der Spitze des Eisbergs …

Mit den sichtbaren neuen Features in macOS High Sierra setzt Apple in diesem Jahr einen Trend der Vorgänger-Versionen fort: Kleinere Ergänzungen fügen nützliche Funktionen zu bestehenden Apps hinzu, ohne dabei die gesamte Anwendung auf Links zu stülpen. Am umfangreichsten hat Apple dies in High ­Sierra mit seiner-Fotos-App getan.

Fotos

Lange fokussierten Apples Software-Ingenieure bei der Weiterentwicklung der Foto-App primär auf die Organisation von Bildern und fügten im vergangenen Jahr mit Sierra und iOS 10 intelligente Algorithmen zur Bilderkennung hinzu. In diesem Jahr hat Apple den gesamten Bearbeitungs-Bereich überarbeitet und eine große Schippe an Funktionen und Mehrwert draufgepackt.

Die Bildbearbeitung in Fotos hat Apple für macOS 10.13 vollständig überarbeitet und eine Reihe neuer Tools eingebaut. So erleichtert das Kurven-Tool Farbanpassungen, …
Vergrößern Die Bildbearbeitung in Fotos hat Apple für macOS 10.13 vollständig überarbeitet und eine Reihe neuer Tools eingebaut. So erleichtert das Kurven-Tool Farbanpassungen, …

So ist es in Fotos nun möglich, mit einem Kurven-Tool wesentlich feinere Farbanpassungen vorzunehmen als bisher. Zudem hat Apple ein Werkzeug für die selektive Farbkorrektur eingebaut. So können Sie in Bildern die Farben bestimmter Flächen anpassen, ohne dabei die Farbwerte des gesamten Bilds zu verändern. Die „Vergleichen“-Schaltfläche oben links erlaubt es dann, Änderungen mit dem Original zu vergleichen.

… Live Photos können wie in iOS 11 in GIFs oder zu Endlosschleifen konvertiert werden …
Vergrößern … Live Photos können wie in iOS 11 in GIFs oder zu Endlosschleifen konvertiert werden …

Anwender, die keine professionellen Ansprüche an ihre Bildbearbeitung haben, werden mit Fotos künftig gut voran kommen. Und sollte doch mal der Anspruch steigen, lassen sich Bilder direkt aus Fotos heraus mit den Pro-Tools weiterbearbeiten und im Anschluss wieder zurück in die Foto-Mediathek speichern.

Die „Vergleichen“-Schaltfläche hilft dabei, die Änderungen durch den Tool-Einsatz nachzuvollziehen …
Vergrößern Die „Vergleichen“-Schaltfläche hilft dabei, die Änderungen durch den Tool-Einsatz nachzuvollziehen …

Übrigens: Wie in iOS 11 lassen sich in Fotos nun auch auf dem iPhone geschossene Live Photos bearbeiten und beispielsweise in Loops oder GIFs umwandeln.

… und die verfügbaren Filter sorgen in Fotos für High Sierra für etwas natürlichere Ergebnisse als zuvor.
Vergrößern … und die verfügbaren Filter sorgen in Fotos für High Sierra für etwas natürlichere Ergebnisse als zuvor.

Neben dem Bearbeitungs-Modus haben die Entwickler bei Apple auch an der Nutzerführung gearbeitet. Die Seitenleiste ist jetzt dauerhaft eingeblendet, um die Navigation zu vereinfachen und die zahlreichen Filter-Optionen wie beispielsweise Personen oder Orte jederzeit gut ansteuern zu können. Die neue Ansicht „Importe“ fasst alle Bildimporte in der Mediathek zusammen und bietet so nicht nur eine praktische Übersicht, sondern endlich auch Transparenz beim Hinzufügen neuer Bilder.

Die mit macOS Sierra eingeführte Intelligenz, die Fotos in der Mediathek lokal nach wiederkehrenden Mustern – Gesichter, Hintergründe, Haustiere und mehr – durchsucht und in sogenannte Rückblicke zusammenfasst, hat Apple weiter verbessert.

Unter dem Strich dürften die Neuerungen in Fotos die wohl weitgehendsten Anpassungen einer App in High Sierra sein und werten die Foto-Verwaltung im Vergleich zu den Vorjahren deutlich auf.

Die Seitenleiste ist in Fotos für macOS High Sierra dauerhaft eingeblendet und und liefert eine Reihe von Filter-Funktionen, um schnell gesuchte Bilder zu finden und Alben zusammenzustellen.
Vergrößern Die Seitenleiste ist in Fotos für macOS High Sierra dauerhaft eingeblendet und und liefert eine Reihe von Filter-Funktionen, um schnell gesuchte Bilder zu finden und Alben zusammenzustellen.

Safari

Apples Standard-Browser erhält mit macOS High Sierra neue Funktionen, die vor allem auf ein sichereres Browsen und mehr Geschwindigkeit (bei gleichzeitig steigender Energieeffizienz) abzielen. In den Einstellungen von Safari (diese erreichen Sie über die Menüleiste „Safari > Einstellungen“) finden sich im Reiter „Websites“ einige neue Konfigurationsmöglichkeiten für den Umgang mit Websites. Safari lässt Nutzer unter „Automatische Wiedergabe“ Medien blockieren, die automatisch und mit Ton laufen. Sie können dabei global bestimmen, was blockiert werden soll. Sie haben die Wahl, alles zu blocken, nur Inhalte mit Ton auszusieben oder alle Inhaltstypen laufen zu lassen. Ausnahmen für Ihre Lieblingswebsites – beispielsweise macwelt.de – können Sie von Fall zu Fall manuell konfigurieren. Per Rechtsklick auf die Adressleis-te von Safari lässt sich über ein kleines Kontextmenü die Option „Einstellungen für diese Website …“ aufrufen und eine solche Regel auch ganz einfach während des Surfens festlegen oder ändern.

In den Safari-Einstellungen können Auto-Play-Medien sehr effektiv geblockt werden. Nutzer haben dabei die Wahl, global zu blocken oder einzelne Websites individuell zu konfigurieren.
Vergrößern In den Safari-Einstellungen können Auto-Play-Medien sehr effektiv geblockt werden. Nutzer haben dabei die Wahl, global zu blocken oder einzelne Websites individuell zu konfigurieren.

Und für ein weiteres Problem des modernen Internets hat Safari in High Sierra eine charmante Lösung: Tracking. Hat man sich im Webshop seiner Wahl einmal ein bestimmtes Produkt angesehen, verfolgen den Nutzer quer durch das Netz personalisierte Anzeigen zum selben oder ähnlichen Produkten. Durch maschinelles Lernen will Apple in Safari nun verhindern, dass Werbetreibende und andere Dritte seitenübergreifend das Surfverhalten der Anwender verfolgen. Das gelingt im Test-Alltag sehr gut, da selbst nach ausführlichen Amazon-Streifzügen oder Web-Recherchen zum Thema Hochzeit kaum noch „auffällig passende“ Werbung eingeblendet wird.

Auch die Reader-Darstellung ist in High Sierra konfigurierbar. Gerade für die eigenen Lieblingsseiten kann eine automatische Darstellung von Artikeln nützlich sein. Alle Seiten zu nutzen, die den Reader unterstützen, sorgt aber vor allem bei Shop-Websites für Verwirrung.
Vergrößern Auch die Reader-Darstellung ist in High Sierra konfigurierbar. Gerade für die eigenen Lieblingsseiten kann eine automatische Darstellung von Artikeln nützlich sein. Alle Seiten zu nutzen, die den Reader unterstützen, sorgt aber vor allem bei Shop-Websites für Verwirrung.

Ebenfalls unter „Safari > Einstellungen > Websites“ finden sich in High Sierras Safari neue Möglichkeiten, den Reader-Modus des Browsers und seinen Einsatz flexibler zu machen. Safari kann so konfiguriert werden, dass der Browser, wo immer möglich, Seiten im Lesemodus ausspielt. Das funktioniert auf den Web-Angeboten von Magazinen oder Zeitungen sehr gut, da der Browser die Homepages erkennt und normal darstellt, während Klicks auf Artikel dagegen den Lesemodus auslösen. Bei Webshops führt das aber zu Verwirrung, da Safari nicht nur Werbung und aufdringliche Elemente der Seiten ausblendet, sondern beispielsweise auch essenzielle Schaltflächen wie „zum Warenkorb hinzufügen“. Analog zu den Einstellungsmöglichkeiten für Lesemodus und die automatische Wiedergabe hat Apple Möglichkeiten für die Konfiguration des Seitenzooms, die Nutzung der Facetime-Kamera und des eingebauten Mikrofons, sowie für die Ortungsfunktionen eingebaut.

Alle Detaileinstellungen für Websites lassen sich auch direkt beim Surfen auf der entsprechenden Seite anpassen. Ein Rechtsklick auf die Menüleiste und ein Klick auf „Einstellungen für diese Website …“ geben Ihnen Zugriff auf die spezifischen Einstellungen zur jeweiligen Website.
Vergrößern Alle Detaileinstellungen für Websites lassen sich auch direkt beim Surfen auf der entsprechenden Seite anpassen. Ein Rechtsklick auf die Menüleiste und ein Klick auf „Einstellungen für diese Website …“ geben Ihnen Zugriff auf die spezifischen Einstellungen zur jeweiligen Website.

Da Safari in macOS 10.13 auch mit Blick auf die Schnelligkeit überzeugt und sinnvolle, weil nah an den Surfgewohnheiten der Nutzer ausgerichtete Funktionen hinzugekommen sind, dürfte Safari für die allermeisten Mac-User eine valide Browser-Option für den täglichen Gebrauch bleiben.

Mail

Apples Mailprogramm zeigt sich in High Sierra ebenfalls mit kleinen Verbesserungen. Die Suche erhält mit einem „Toptreffer“ genannten Filter ein durch Intelligenz unterstütztes Element, das die relevantesten Suchergebnisse separat ganz oben in der Suche anzeigt. Je häufiger dabei die Suchfunktion genutzt wird, desto besser werden die hervorgehobenen Toptreffer. Mail bezieht in die Gewichtung der Toptreffer mit ein, ob und wie oft bestimmte Mails gelesen werden, ob der Absender ein VIP ist oder ein Kontakt ist, mit dem häufig Nachrichten ausgetauscht werden, oder ob die Mails auch vom Empfänger beantwortet wurden.

Für Vollbild-Freunde bietet Mail nun eine von iOS entliehene Split-View-Ansicht.
Vergrößern Für Vollbild-Freunde bietet Mail nun eine von iOS entliehene Split-View-Ansicht.

Darüber hinaus ist High Sierras Mail-Version deutlich schlanker. Apple verspricht eine Platzersparnis von etwa 35 Prozent, im Test-Szenario zu diesem Artikel landen wir tatsächlich bei knapp über 20 Prozent weniger Speicherplatz als bei der Vorgängerversion. Dies erreicht Mail, indem es die gespeicherten Nachrichten nur noch komprimiert ablegt.

Ebenfalls neu: Wird Mail in einem Setup mit mehren Bildschirmen im Vollbild-Modus genutzt, öffnet sich beim Klick auf die Schaltfläche zum Schreiben einer neuen Mail eine an das iPad angelehnte Split-View-Ansicht – so können Sie eine neue Mail schreiben und parallel den Posteingang im Auge behalten.

Wer schon in macOS Sierra zu den treuen Mail-Nutzern gehörte, dürfte das durch die kleinen, cleveren Ergänzungen auch in High Sierra bleiben.

Siri

Wie in iOS 11 erhält Siri, Apples Sprachassistentin, auch unter mac-OS High Sierra eine verbesserte und etwas natürlicher klingende Stimme – bei Apple heißt das „mehr Varianz bei Ausdruck, Tonfall und Betonung“. Im Gespräch zeigt sich aber an vielen Stellen noch immer, dass die Erkennung von Kommandos auf Deutsch nicht optimal funktioniert und gewohnt oft in „soll ich im Web nach XYZ suchen“ endet. Stellt man in den „Systemeinstellungen > Siri“ die Sprache auf Englisch um, klappt die Erkennung besser.

Klassische Aufgaben wie Ansagen zum Wetter oder zum Abdunkeln des Displays bekommt Siri auch in macOS 10.13 gut hin. Die subtilen Veränderungen der Oberfläche erleichtern zudem die Lesbarkeit.
Vergrößern Klassische Aufgaben wie Ansagen zum Wetter oder zum Abdunkeln des Displays bekommt Siri auch in macOS 10.13 gut hin. Die subtilen Veränderungen der Oberfläche erleichtern zudem die Lesbarkeit.

Das macht sich auch bei Siris DJ-Funktionen bemerkbar: Wünsche wie Jazz zur Entspannung abzuspielen oder eine Playlist für sonniges Wetter zu erstellen bleiben in etwa 7 von 10 Versuchen auf Deutsch unerfüllt. Die klassischen Anfragen zur Erstellung eines Termins, zum Wetterbericht oder zur Zusammenstellung der letzten Dokumente beantwortet Siri dagegen zuverlässig.

Als weitere Neuerung akzeptiert Siri Texteingaben und die Oberfläche erhält kleinere optische Anpassungen wie beispielsweise ein neues Icon und besser lesbare Schriften im Frage-Antwort-Spiel. Was Sie in macOS 10.13 alles mit Siri anstellen können, lesen Sie in diesem Sonderheft auf Seite 66 zusammengefasst.

… bis in die Tiefen von macOS

Die offensichtlichen Neuerungen, die Apple der 14. Iteration von macOS spendiert hat, kennen Sie nun. Der technologisch deutlich spannenderere Teil ist in macOS High Sierra aber eindeutig das, was Sie nicht direkt sehen können – die diversen Performance-Verbesserungen, die Apples Software-Ingenieure in den Unterbau von 10.13 eingebaut haben. Diese tiefgreifenden und Veränderungen sorgen vor allem für eines: eine zukunftsfähige Basis für macOS.

Metal 2

Zukunft ist ein gutes Stichwort. Mit Metal 2, der zweiten Version von Apples Grafik-Entwicklerschnittstelle, stößt Apple für iOS 11 und macOS High Sierra das Tor für schnelleres Gaming, performanteren Videoschnitt und andere Anwendungen mit hohen Ansprüchen an die Grafikpower eines Mac auf. Da es sich bei Metal 2 um eine Entwicklerschnittstelle handelt, sind freilich die allermeisten Änderungen im Vergleich zur ersten Version nur für Entwickler von Interesse – so zum Beispiel die Tatsache, dass Metal 2 nun dem Entwickler-Werkzeugkasten Xcode einen GPU Performance Counter hinzugefügt hat oder der Frame Debugger nun bis zu 100 Mal schneller ist.

Auf der WWDC zeigte John Knoll, Chief Creative Officer von Industrial Light and Magic, welche Möglichkeiten Metal 2 und ein iMac Pro bieten – am Beispiel einer virtuellen Star-Wars-Welt.
Vergrößern Auf der WWDC zeigte John Knoll, Chief Creative Officer von Industrial Light and Magic, welche Möglichkeiten Metal 2 und ein iMac Pro bieten – am Beispiel einer virtuellen Star-Wars-Welt.

Ebenfalls erwähnenswert: Da die neuen Metal-2-Features für Entwickler plattformübergreifend mit iOS, macOS und auch tvOS funktionieren, brauchen Entwickler Apps nicht mehr plattformspezifisch anzupassen. Doch während der Nutzung von macOS High Sierra sind auch einige für normale User interessante Verbesserungen erkennbar.

Da der Systemdienst „WindowServer“ (zuständig etwa für das Handling Ihrer offenen Programm-Fenster und Spaces) in High Sierra ebenfalls auf Metal 2 zurückgreift, werden die Animationen beim Wechseln zwischen Spaces oder dem Minimieren von Fenstern in das Dock deutlich weicher.

Virtual Reality

Ein weiteres Feld, das von Metal 2 profitiert, ist Virtual Reality. Genau für diese Technologie trifft Apple mit macOS High Sierra wichtige Vorkehrungen, um ihr künftig auch auf dem Mac eine Heimat zu bieten. So werden die wichtigsten Player im VR-Umfeld – Valve mit Steam-VR, Epic mit dem Unreal 4 Editor, Unity mit seinem Editor und HTC mit seinem Vive-VR-Headset – ihre Werkzeuge für High Sierra optimieren. Apple selbst wird zudem zum Jahresende Final Cut Pro X für 360-Grad-Videos optimieren.

Zusammen mit der passenden Hardware im iMac Pro schafft Apple so die Voraussetzungen für die Erstellung von Virtual-Reality-Inhalten. Damit nicht nur die aktuellen Top-Modelle wie der iMac Pro in den Genuss der neuen Möglichkeiten kommen, erhält macOS 10.13 auch Support für externe Grafikkarten, die dann über Thunderbolt 3 verbunden werden und für zusätzliche Grafikpower sorgen – nach aktuellem Stand im Frühjahr 2018.

HEVC und HEIF

Die beiden Akronyme stehen für „High Efficiency Video Codec“ (auch „h.265“ genannt) und „High Efficiency Image File Format“ und sollen die Handhabung von Video-Dateien und Bildern in Apples Betriebssystemen revolutionieren.

Beide Dateitypen sind dazu in der Lage, bei geringerem Speicherbedarf dieselbe Bildqualität zu gewährleisten oder die Bildqualität bei nur marginal größerem Speicherbedarf zu verbessern. HEIF-Dateien, die am Ende das JPEG beerben sollen, sind Container-Dateien, die verschiedenste Informationen enthalten können: Ein Original-Bild, dessen bearbeitete Version und Serienaufnahmen. Gleichzeitig können stille und bewegte Bilder nebst Ton in einem HEIF-Container gespeichert werden. Damit paart HEIF im Grunde JPEG und GIF, ganz wie Apple das schon mit seinen „Live Photos“ praktiziert.

Der HEVC-Codec, den Apple mit macOS 10.13 erstmalig unterstützt, adressiert den gestiegenen Speicherbedarf durch die zunehmende Verbreitung von 4K-Videos. Es ist so möglich, hochauflösende Inhalte mit bis zu 40 Prozent niedrigerem Speicherbedarf als bei h.264 zu nutzen. Während alle High-Sierra-Macs den neuen Video-Codec softwareseitig unterstützen werden, bleibt der sehr CPU-lastige Hardware-Support für HEVC, der das Encoding der Videos weiter beschleunigt, auf die aktuellsten Macs beschränkt.

Apple Dateisystem

Die meisten Anwender dürften auf die Frage nach dem auf ihrem Rechner eingesetzten Dateisystem mit den Schultern zucken. Die Einführung des neuen Apple Dateisys-tems (engl. „Apple File System“, kurz APFS) ist allerdings eine gute Gelegenheit, sich mit der Frage zu beschäftigen.

Der bisherige Systemstandard HFS+ zählt inzwischen 20 Jahre, HFS ist so alt wie der Mac selbst. Insofern ist es wenig verwunderlich, dass Apple angesichts der Hardware-Veränderungen der letzten 30 Jahre, die sich vor allem bei den eingesetzten Speichermedien – Stichwort SSD – bemerkbar machen, an einem neuen und zeitgemäßen 64-Bit-Dateisystem gearbeitet hat. Im produktiven Einsatz ist APFS bereits auf allen iOS-Geräten, die mindestens mit iOS 10.3 laufen und springt mit macOS High Sierra nun erstmals auf den Mac.

APFS für Macs mit Fusion Drive erst später

Das neue Dateisystem APFS kommt mit dem Update auf High Sierra nicht auf Macs mit Fusion Drive - das hatte Apple vergangene Woche bereits in einem Support-Dokument erläutert. Nun hat Apples für Software-Entwicklung zuständiger Senior Vice President Craig Federighi in einer Mail an einen Leser der Site Macrumors bestätigt, dass ein Update für High Sierra das nachholen werde. Einen Zeitraum dafür hat er aber nicht angegeben. Erfahrungsgemäß kommt schon bald nach der finalen Version ein erstes Wartungsupdate auf macOS 10.13.1, das aber nur kleinere Fehler beheben wird. Wann die wesentliche Funktion nachgetragen wird, hat Federighi nicht verraten. Das Problem scheint aber nicht trivial zu sein, weswegen womöglich erst ein zweites, drittes oder gar viertes Wartungsupdate für High Sierra APFS auf Fusion-Drive-Macs bringen wird.

Das Fusion Drive hatte Apple mit einer neuen iMac-Reihe im Herbst 2012 eingeführt. Zwei physikalische Volumes sind hier zu einem logischen verbunden. Auf der schnellen SSD ist das Betriebssystem gespeichert und werden oft benutzte Dateien abgelegt, die langsamere, aber günstigere Festplatte bietet Platz für viele und große Dateien, die nicht so oft zu Einsatz kommen. In aktuellen iMacs bietet Apple etwa eine 3-TB-Option an, bei der die SSD 64 GB fasst, bei nur 1 TB Speicher kommt eine kleinere SSD (16 GB) zum Einsatz. Auch den Mac Mini bietet Apple optional mit Fusion Drive an.

Installieren lässt sich High Sierra sehr wohl auf diesen Rechnern, auf das neue Dateisystem muss man aber verzichten. Was aber derzeit eher von Nutzen als von Schaden ist, im Verlauf des Beta-Tests hat es immer wieder Probleme mit den Systempartitionen von Fusion-Drive-Macs gegeben.

Das neue Dateisystem zeichnet sich neben seiner Optimierung für Flash-Speicher vor allem dadurch aus, dass es alltägliche Dateioperationen massiv beschleunigt. Kopiert man Dateien auf einem APFS-Volume von A nach B, geschieht das sofort und ohne Fortschrittsbalken.

Als Apples Software-Chef Craig Federighi auf der WWDC-Bühne das Kopieren von Daten vorführte, ging ein Raunen durchs Auditorium.
Vergrößern Als Apples Software-Chef Craig Federighi auf der WWDC-Bühne das Kopieren von Daten vorführte, ging ein Raunen durchs Auditorium.
© Apple

Technisch gesehen speichert nämlich APFS beim Kopieren keine zwei physischen Dateien, sondern nur das Original und einen Klon, der den Verzeichniseintrag des Originals enthält und kaum physikalischen Speicher belegt (Copy-on-Write).

Bei Änderungen am Klon schreibt das macOS dann nur die geänderten Blöcke physikalisch auf das Volume. So kann es eine platzsparende Versionierungs-Historie für alle Dateien vorhalten.

Sobald Sie ein Volume auf APFS konvertiert haben werden Sie zudem bemerken, dass sich der benötigte Speicher für Ihre Daten reduziert hat und macOS sofort die Datei- und Ordnergrößen berechnet und anzeigt (Apple nennt das „Fast Directory Sizing“). Das ist ebenfalls ein Ergebnis der Speichereffizienz von APFS.

Ähnlich verhält es sich mit dem sogenannten „Space Sharing“. Diese Funktion ermöglicht es mac- OS, künftig den Speicher von Volumes flexibler zu handhaben. So lassen sich dank APFS mehrere Partitionen und unterschiedliche Dateisysteme auf demselben physikalischen Volume bearbeiten und deren Größen dynamisch anpassen – ohne wie bisher Partitionen löschen zu müssen, wenn die Struktur des Volumens angepasst werden sollte.

Spannend ist auch der Blick auf die erweiterten Sicherheitsfunktionen von APFS, das nun nicht mehr nur via Filevault eine Full-Disk-Verschlüsselung unterstützt, sondern auch die Verschlüsselung einzelner Dateien mit Single- oder Multi-Keys ermöglicht. Zudem unterstützt High Sierra Snapshots.

Was sonst noch neu ist

Neben den hier vorgestellten Anpassungen gibt es noch eine Vielzahl kleinerer Änderungen in macOS High Sierra.

Notizen

Wichtige Notizen können unter macOS 10.13 angeheftet werden.
Vergrößern Wichtige Notizen können unter macOS 10.13 angeheftet werden.

Notizen bleibt auch in macOS High Sierra eine kompakte, schnell zu bedienende App zum Erstellen, Verwalten und Teilen von Notizen. Nach dem Update auf macOS 10.13 können Sie häufig genutzte Notizen – beispielsweise Ihren Einkaufszettel – ganz oben in der Liste Ihrer Notizen anheften. Mit Blick auf die Formatierungsoptionen erlaubt es Notizen nun auch, Tabellen einzufügen und so beispielsweise einen schnellen Reiseplan oder Ähnliches zusammenzustellen.

Allgemeine Zwischenablage

Die allgemeine Zwischenablage, die Apple mit Sierra eingeführt hatte, erlaubt es, Copy-and-Paste zwischen iOS-Geräten und Macs zu nutzen. Mit High Sierra funktioniert das Ganze nun auch zwischen zwei Macs.

Spotlight

Spotlight verfügt nun über ein rudimentäres Tracking-Feature für Flüge.
Vergrößern Spotlight verfügt nun über ein rudimentäres Tracking-Feature für Flüge.

Die Systemsuche von macOS 10.13 kann nun ähnlich wie die Google-Suche Flüge tracken. Sucht man in Spotlight nach einer Flugnummer, zeigt macOS Abflug- und Ankunftsgates, die Flugroute und etwaige Verspätungen.

Nachrichten in iCloud

Analog zu iOS 11 unterstützt auch macOS High Sierra das Speichern von Nachrichten, Verläufen und Anhängen in iCloud. Wird ein Gerät dann neu eingerichtet, stehen über die iCloud-Synchronisation gleich alle Chats zur Verfügung. Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von Nachrichten bleibt gewährleistet.

Live Photos in Facetime

In High Sierra können Sie aus Facetime-Anrufen heraus Live Photos machen und so kurze Sequenzen eines Anrufs festhalten. Sobald eine Aufnahme gemacht wird, erhalten beide Teilnehmer des Anrufs eine Benachrichtigung – so kann die Funktion nicht missbraucht werden.

Familienfreigabe und geteilte iCloud-Speicherpläne

Geteilter Speicherplatz sorgt in iOS 11 und macOS High Sierra für mehr Raum für Bilder und Dokumente. Ebenfalls sehr willkommen sind feinere Einstellungsmöglichkeiten für die verschiedenen Aspekte der Familienfreigabe.
Vergrößern Geteilter Speicherplatz sorgt in iOS 11 und macOS High Sierra für mehr Raum für Bilder und Dokumente. Ebenfalls sehr willkommen sind feinere Einstellungsmöglichkeiten für die verschiedenen Aspekte der Familienfreigabe.

Eine der besten Ideen, die Apple in den letzten Jahren hatte, dürfte wohl die Familienfreigabe gewesen sein. In High Sierra wird das Ganze nun deutlich transparenter. Sie können von nun an unter „Systemsteuerung > iCloud > Familie verwalten“ nicht nur die Familienmitglieder verwalten, sondern auch gesondert die Freigaben für Apple Music, App-Store-Käufe und Standorte anpassen. Unter „iCloud-Speicher“ im Reiter „Apps & Services“ ist es nun zudem möglich, den eigenen Speicherplan mit den Familienmitgliedern zu teilen – sofern es einer der 200 Gigabyte oder 2 Terabyte großen Pläne ist.

Teilen in iCloud

Wenn Sie „Personen hinzufügen“ wollen, haben Sie in High Sierra deutlich flexiblere Optionen.
Vergrößern Wenn Sie „Personen hinzufügen“ wollen, haben Sie in High Sierra deutlich flexiblere Optionen.

Nachdem schon in macOS 10.12 ein gewichtiger Fokus von Apple auf dem Ausbau der iCloud-Funktionen lag, ergänzt Apple diese Bemühungen für High Sierra mit einer optimierten „Teilen“-Funktion für in iCloud Drive gesicherte Dateien. So können unkompliziert mehrere Personen an Dokumenten arbeiten. Gleichzeitig werden Änderungen synchronisiert.

Fazit: Weniger ist heuer mehr

Die Überschrift zu diesem Fazit klingt wie eine Plattitüde, trifft auf macOS High Sierra aber zu. Denn in diesem Jahr macht Apple vieles richtig, indem sich das Unternehmen auf die saubere Implementierung von leistungssteigernden Themen wie APFS und eine überschaubare Reihe von sinnvollen App-spezifischen Verbesserungen konzentriert.

Dieser Ansatz dürfte vor allem die Gewohnheitstiere unter Ihnen freuen, da sich im Grunde weder optisch, noch in Sachen Handhabung etwas im Vergleich zum Vorgänger Sierra geändert hat. Warum Sie dann das Upgrade in Erwägung ziehen sollten?

Der aktualisierte Unterbau mit Metal 2 und dem Apple Dateisystem sorgt für ein schnelleres und gleichzeitig weniger ressourcen-hungriges macOS. Auch wenn die neuen Funktionen in Fotos oder Safari nicht so prominent daherkommen wie die Einführung von Siri am Mac im Vorjahr, sorgen sie für mehr Komfort im Nutzeralltag. Wenn das keine guten Gründe sind! Mark Arnold

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