2299459

Welche iPhone-8-Gerüchte richtig waren

17.11.2017 | 08:30 Uhr |

Nach der Keynote ist diesmal nach der Keynote. Wir prüfen die verbreitetesten Gerüchte auf deren Wahrheitsgehalt.

"Meh, das war langweilig", dachte sich manch Apple-Fan nach der Keynote zum iPhone 8. Und tatsächlich, die gut durchdachte Dramaturgie der Keynote mit einem iPhone X als "One more Thing" hat wohl ein sabotierender Mitarbeiter vermasselt, wurde doch die GM-Version des iOS 11 kurz vor der Keynote geleakt und damit allerletzte Einzelheiten wie die genauen Namen und beispielsweise Animoji verraten. Beim Zuschauen denkt sich nur ein interessierter Technik-Fan: "Das habe ich schon gehört, das habe ich schon gehört, also, nichts Neues." Haben aber denn alle Gerüchte zum iPhone 8 bzw. iPhone X gestimmt? Erstaunlicherweise ziemlich viele davor kolportierte Features sind gar nicht gekommen.

An dieser Stelle macht es keinen Sinn, die Leaks aus der Homepod-Firmware und aus der Golden-Masters-Version des iOS zu behandeln. Die alle waren richtig, denn die Quelle war ja Apple selbst. Es gibt aber weitere Info-Quellen, die für einige Aufregung gesorgt haben. Und rein technisch gesehen, stimmt ungefähr die Hälfte der kolportierten Feautres nicht, denn das iPhone 8 hat kein OLED-Display und kein Kamera-System auf der Vorderseite zur Gesichtserkennung. Aber auch neben diesen doch noch erschienenen Funktionen, obgleich mit iPhone X, gab es in diesem Sommer genügend ungenaue Angaben zu den neuen iPhones.

Auch Apple hat manche Gerüchte ausdrücklich dementiert, obwohl sich die Firma zu den meisten Rumors nicht äußert. Diese betrafen die kolportierten Projekte der Touch ID. Angeblich hat Apple noch im Sommer versucht, den Fingerabdruckscanner unter dem Bildschirm unterzubringen. Als dies nicht gelungen ist, habe man sich angeblich entschieden, nur auf Face ID zu setzen. Gegendarstellung von Apple: die Face ID im aktuellen iPhone X war schon Ende 2016 eine entschiedene Sache.

Auf Twitter hat sich insbesondere ein Nutzer namens Benjamin Geskin profiliert. Angeblich hat er immer als erster ziemlich glaubwürdige Einzelheiten zu dem kommenden iPhone veröffentlicht. Wir haben seine Aussagen ausgewertet, weil auch etablierte Blogs und Magazine seine Tweets in eigene Berichterstattung aufgenommen haben. Bei solcher Relevanz lohnt sich immer zu wissen, ob die Quelle etwas taugt oder nicht.

Wir haben vom August 2016 bis September 2017 rund 1600 Tweets von seinem Profil heruntergeladen. Bei weniger als der Hälfte – 450 Tweets – handelte es sich um iPhones. Wir konnten knapp 185 Tweets definieren, die eine Aussage, also keine Frage, Umfrage, Bewerbung der eigenen angeblich naturgetreuen iPhone-X-Modellen etc. beinhalteten, und deren Wahrheitsgehalt mehr oder weniger überprüfbar war. Von diesen 185 Tweets waren 108 falsch. Zur Erinnerung: ein iPhone in  Blush Gold ist nie erschienen, auch die weißen Ränder um das OLED-Display waren nicht nur hässlich, sondern Gott sei Dank absolut falsch , auf ein iPhone mit 512 GB Speicher warten wir bis heute. Dazu hat er eine falsche Einladung zu der angeblichen Keynote im Frühjahr 2017 verbreitet. Diese Gerüchte hatten Anfang bis Mitte Februar in China kursiert, offenbar hat Geskin die Bilder ohne weitere Überprüfung einfach übernommen.

Bei den angeblichen Bestandteilen des iPhone X bzw. iPhone 8 erreichte Geskin ebenfalls eine nicht besonders hohe Trefferquote. Bei manchen Tweets war es uns schlicht und ergreifend nicht möglich zu überprüfen, ob nichts sagende Kabel tatsächlich im iPhone oder in jedem anderen beliebigen Handy vorkommen. Zu solchen Tweets haben wir zehn Einträge eingeordnet.

Zu den mehr oder weniger richtigen Vorhersagen von Geskin haben wir rund 50 von seinen Tweets eingeordnet, heißt, knapp ein Drittel aller von Geskin getroffener Aussagen zum iPhone X bzw. iPhone 8 waren richtig. Ziemlich viel davon stammten aus den beiden Leaks im Sommer – dem Homepod-Leak und dem iOS 11.2-Leak wenige Tage vor der Keynote. Allerdings hat er als erster die Ausbuchtung im Display, die sogenannte Notch, ziemlich richtig getroffen.

Die ersten Treffer, was das Aussehen von iPhone X angeht, hat er auch relativ spät gelandet – Ende April 2017, obwohl erste Berichte zu dem kommenden iPhone schon im Herbst-Spätsommer 2016 auftauchten. 

Deutlich zuverlässiger war der bekannte Analyst Ming Chi Kuo, er hat bereits im Februar 2017 richtige Größe-Konstellation für drei iPhone-Modelle getroffen. Schon bei unserer Quellen-Auswertung der iPhone-7-Gerüchte hatten sich die meisten seiner Aussagen als korrekt erwiesen.

Fazit: Auf dem Feld der iPhone-Gerüchte ist es ein leichtes Spiel, seine eigene Person als Nachrichtenquelle zu etablieren. Dazu muss man sich nicht besonders gut in der Materie auskennen – Geskin hat eine iPhone-Keynote am 17. September, an einem Sonntag vorhergesagt, – sondern ständig für Nachschub an neuen Bildern, angeblichen Spezifikationen etc. sorgen. Ob diese stimmen oder nicht, spielt eh keine Rolle. Spätestes in zwei Wochen wird sich keiner daran erinnern. Fast keiner.

Macwelt Marktplatz

0 Kommentare zu diesem Artikel
2299459