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Welt-AIDS-Tag: Product RED bei Apple

01.12.2017 | 08:26 Uhr |

Rabatte am Tag nach Thanksgiving sind nicht so wichtig wie Apples Unterstützung des Global Fund: Besser Product RED als Friday, black.

Es ist nun 26 Jahre und eine Woche her, da verstummte in London eine der großartigsten Stimmen, welche die Pop-Musik je hervor gebracht hatte. Nur einen Tag vor seinem Tod im Jahr 1991 erst hatte Freddie Mercury öffentlich eingeräumt, was alle Menschen in seinem Umfeld längst wussten und was der Musikfreund längst hätte ahnen können: Das Todesurteil AIDS hatte ihn ereilt.

Plötzlich klang der für den Film "Highlander" aufgenommene Schmachtfetzen "Who wants to live forever" ganz anders, ebenso die letzten Queen-Singles "The Show Must Go On" und "These Are the Days of Our Lives". Posthum erst erschien Mercurys Schlussfolgerung: "Too Much Love Will Kill You" – erst in einer Version von Brian May veröffentlicht, später erst dann das Queen-Original, kurz vor Mercurys Tod am Genfer See aufgenommen. Klang fast so, als gäbe er sich selbst die Schuld an seinem frühen Tod, als hätte sein intensiv gelebtes Leben eben nun mal diese Konsequenz gehabt. Das ist aber Unfug und wir hoffen, dass Freddie das selbst am Schluss so gesehen hat: An AIDS trägt der Infizierte keine Schuld.

Die Infektion muss längst kein Todesurteil mehr sein, das gilt aber nur für wohlhabende Länder. Der Weg zu einer Therapie, welche die Viren wirkungsvoll an der Vermehrung hindert, war aber lang und teuer. Doch in Europa nehmen die Infektionen derzeit wieder zu , vor allem deshalb, weil viele Infizierten gar nicht wissen, dass Sie das Virus in sich tragen – so geben sie es weiter. Die Weltgesundheitsorganisation hat daher das Ziel 90 - 90 - 90 ausgerufen: 90 Prozent der Infizierten sollten bis 2020 identifiziert sein, 90 Prozent davon antiretrovirale Medikamente erhalten, die in 90 Prozent dieser Fälle den Ausbruch der Krankheit verhindern – 100-100-100 wäre natürlich schöner, aber nur in Utopia zu erreichen. In der Realität waren es im Jahr 2016 aber nur 70 - 77 -  82. Besser wird es die kommenden Jahre womöglich nicht, die US-Regierung hat im Haushalt für 2018 die Mittel für die AIDS-Hilfe um eine Milliarde US-Dollar gesenkt.

Werden private Initiativen also noch wichtiger. Hervorzuheben ist etwa der vom irischen Sänger Paul Hewson, den alle Welt nur als „Bono“ kennt, gegründete Global Fund, der vorwiegend in Afrika das Problem angeht. Dort sterben immer noch halbe Generationen an der mit viel Geld halbwegs in den Griff zu bekommenden Epidemie und hinterlassen eine perspektivlose Nachfolgegeneration. Einige Sozialwissenschaftler sehen das als dringenderes, da akuteres Problem an als die Folgen des Klimawandels.

Apple gehört zu den prominenten Anbietern, die einige ihrer Produkte als Product Red vermarkten – einen Teil des Gewinnes spenden Apple und Konsorten an eben jenen Global Fund. In diesem Jahr hatte der iPhone-Hersteller sogar für sechs Monate ein rotes iPhone 7 im Angebot, dauerhaft gibt es immerhin Hüllen und auch noch einen roten iPod Touch .

Beim Schwarzen Freitag hat Apple heuer eher zurückhaltend agiert, Käufer bekamen immerhin einen Gutschein für den weiteren Bezug von Produkten bei Apple. Da wäre heute eventuell Gelegenheit, ein Product Red dafür zu erstehen. Apple nennt in diesem Jahr einige konkrete Zahlen: Im Jahr 2017 habe man 30 Millionen US-Dollar gespendet, was für 144 Millionen Tagesdosen antiretroviraler Medikamente entspreche . Insgesamt hätten Apple und seine Kunden in den letzten elf Jahren Spenden für 475 Millionen Tagesdosen zusammengesammelt. Die gesamte Aktivität des Product Red hat bisher 500 Millionen US-Dollar für den Global Fund gebracht. Das, was die US-Regierung im kommenden Halbjahr einsparen will.

Das soll aber das Engagement des Global Fund und anderer NGOs nicht schmälern, im Gegenteil, ohne sie geht es bald nicht mehr. Apple hat derzeit insgesamt 20 Product-Red-Artikel im Angebot , wer also noch eine Hülle, einen Kopfhörer oder ein Armband braucht, könnte überlegen, Rot als Farbe der Hoffnung zu wählen.

Keine Sorge: Diesmal legt Cupertino nicht das neue U2-Album einfach mit in den Einkaufskorb, wie das vor drei Jahren mit den „Songs of Innocence“ geschehen ist. Die „ Songs of Experience “ muss man sich ab heute entweder kaufen oder über das Apple-Music-Abo beziehen. Das lohnt sich durchaus: Paul „Bono Vox“ Hewson hat schon auch eine gute Stimme. Wenn sie auch nicht so schön ist wie die von Freddie Mercury war.

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