2393564

Wie Apple das Cebit-Ende schon 2001 vorweg nahm

29.11.2018 | 09:54 Uhr |

Apple stellt seine eigenen Produkte schon lange auf Keynote in Cupertino, San Francisco oder New York vor. Technik-Messen hat der Hersteller bereits vor zehn Jahren den Rücken gekehrt.

Eine der gestrigen Nachrichten löste eine Schockwelle in der IT-Szene aus: Die Cebit wird eingestellt. Jene ehemalige Leitmesse der Computerindustrie, die aus dem "Centrum für Büroautomation, Informationstechnologie und Telekommunikation" der Hannover Messe hervor gegangen war und zu ihren Hochzeiten bis zu 830.000 Besucher nach Hannover lockte. Im Jahr 2001 war das. In diesem Jahr hatte die Cebit erstmals im Juni statt im März ihre Tore geöffnet, durch die nur noch 120.000 Personen strebten. Die Messe ist gelesen. Schluss, aus, vorbei. Ende Gelände.

Sagten wir Schockwellen? Nun ja, ein nicht unerheblicher Teil der IT-Szene zuckte eher nur mit den Schultern. Ist die Cebit eben nicht mehr, was soll's? "We don't believe in trade shows" sagte Apple schon zu Zeiten, in denen die Messe noch so relevant war, dass sie kein Aussteller, kein Journalist und kein IT-Nerd missen wollte. In Cupertino fand man die Veranstaltung eher uninteressant, aber nicht nur diese. Letztmals beehrte Apple die Cebit im Jahr 1999, mit dem Apple Power Park in Halle 13, nahe des Ausgangs in Richtung Messebahnhof Laatzen. Die Welt des Macintosh (recht viel anderes gab es da ja nicht) nahm etwa ein Achtel der Halle in Beschlag, was angesichts der Großbauten in Hannover ja nicht mal so wenig ist. Apple hatte selbst einen Stand in einem Zentrum, rundherum positionierten sich allerlei Partner wie Händler, Zubehörhersteller oder die Fachpresse – Macwelt war natürlich auch mit einem kleinen Stand vertreten.

Man kann gewissermaßen sagen, der Apple Power Park tanzte um den kalifornischen Hersteller herum, der Rest der Show keineswegs. Das kann einer Firma mit einem derart großen Selbst- und Sendungsbewusstsein nicht gefallen haben. Also kam man nur noch zu den deutlich kleineren, aber auf den Stargast konzentrierten Macworld- und Apple-Expos weltweit, das dann aber auch nicht mehr lange. Denn ab 2001 baute Apple seine eigenen permanenten Ausstellungen auf: Die Apple Stores. 830.000 Besucher? Auf die Zahl kommt gefühlt der Store in der Münchener Rosenstraße an jedem Samstag im Advent, in Wahrheit sind es natürlich ein paar weniger. Aber in allen Stores weltweit zählt Apple pro Jahr mehr als 500 Millionen Besucher pro Jahr. Das sind mehr als zehnmal so viel, als es eine 2001er Cebit gezählt hätte, wäre sie über das gesamte Jahr mit dem Rekordandrang gelaufen. Also, warum nach Hannover? Über den Apple Store in der Nähe des dortigen Hauptbahnhofs sind uns keine Zahlen bekannt, mehr als die 830.000 dürfte aber der Laden im Jahr sehr wohl begrüßen.

In Erinnerung bleibt die Cebit aber Besuchern und Ausstellern nicht alleine durch das Gedränge in den Rekordjahren oder das mäßige Interesse zuletzt, sowohl gerne als auch ungern erinnert man sich an die Unterkunft. Nun ist Hannover gewiss eine schöne Stadt, mit etwas mehr als einer halben Million Einwohnern aber nicht gerade riesig. Die Zahl der Hotelbetten daher recht eingeschränkt. So war es den meisten Besuchern, die nicht nur für einen Tag blieben, ein mal größeres und mal kleineres Vergnügen, privat untergebracht zu werden. In Wohnungen, deren Mieter für die Woche des Wahnsinns sich aus der Stadt gemacht hatten. In Kinderzimmern, deren eigentliche Bewohner mal eine Woche bei Verwandten oder Bekannten untergebracht waren. Oder auf irgendeiner Wohnzimmercouch, mit Familienanschluss. Alles in allem war es aber schön in Hannover. Die Erinnerung stellt ja meist Fallen und filtert das Unangenehme aus.

Macwelt Marktplatz

0 Kommentare zu diesem Artikel
2393564