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Wie Apple mit dem FBI kooperiert

28.03.2018 | 07:21 Uhr |

Das FBI ist Apple offenbar bereits zu einem Zeitpunkt angegangen, als es selbst noch nicht alle Mittel ausgeschöpft hatte. Apple verweigerte eine Hintertür in iOS hartnäckig und erfolgreich, entzieht sich aber nicht der Zusammenarbeit mit den Strafverfolgern.

Update vom 28.3.2018:

Zu früh attackiert: Heute ist es zwei Jahre her, dass das FBI die Klage gegen Apple zurückzog, die das Unternehmen zu einer Hintertür in iOS zwingen wollte. Die Bundespolizei hatte es anderweitig geschafft, in das iPhone des San-Bernardino-Attentäters einzubrechen, mit Hilfe des israelischen Unternehmens Cellebrite. Nun stellt sich laut eines Berichts von TechCrunch in einer Untersuchung heraus, dass das FBI schon vor der Eskalation mit Apple Zugriff auf Werkzeuge hatte, um das iPhone 5C des Mehrfachmörders zu knacken, man habe aber nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, bevor man sich aggressiv an Apple wandte. Cupertino hatte das geforderte Vorgehen abgelehnt, da eine Hintertür hunderte Millionen von iPhones unbekannten Risiken ausgesetzt hätte. Auf dem iPhone des Attentäters fand das FBI keine nützlichen Hinweise zu Hintergründen der Tat.

Artikel vom 17.1.2018:

2016 kam es zum großen Streit zwischen dem iPhone-Hersteller und der US-amerikanischen Bundesbehörde, dem FBI . Der Grund: Apple weigerte sich, den FBI-Ermittlern im Fall San Bernardino den Zugriff auf die Daten eines gesperrten iPhones des Attentäters zu ermöglichen. Eine lautstark geforderte „digitale Hintertür“ sei viel zu gefährlich und könne in den falschen Händen erheblichen Schaden anrichten, so Tim Cook noch vor zwei Jahren.

Bis heute hat Apple seine Meinung zu diesem Thema nicht geändert. Laut Forbes sieht die Beziehung zwischen Apple und dem FBI jedoch deutlich besser aus , als in den Medien bisher berichtet.

Demnach soll John Bennett, Leiter der FBI-Division in Kalifornien, „im Zeitalter der Crypto Wars“  die Rolle des „Friedensstifters“ einnehmen und sich für eine positivere Zusammenarbeit mit Apple eingesetzt haben. Denn die Exekutive hat ein großes Problem:  Die Smartphone- und Software-Hersteller bringen mächtige Verschlüsselungstechniken auf den Markt und gewährleisten somit einen starken Schutz der Nutzer-Privatsphäre. Im Falle von Straftaten sind aber genau eben jene Sicherheitsvorkehrungen extrem hinderlich für die Polizisten.

Das konnte Bennett am eigenen Leib erfahren, laut Forbes war er an den Ermittlungen in San Bernardino beteiligt. In einem Gespräch mit Bennett wurde jedoch deutlich, dass sich die Zusammenarbeit zwischen Apple und den Behörden - zumindest in San Francisco - stark verbessert habe. Tatsächlich lobte er Apple für das gezeigte Engagement.

Laut Forbes helfe Apple den Beamten im Silicon Valley Regional Computer Forensics Laboratory (RCFL) des FBI  bei forensischen Arbeiten am Mac. Das Angebot seitens Apple beschränke sich dabei nicht nur auf das FBI, sondern auch auf ortsansässige Einrichtungen.

Darüber, wie genau das kostenlose Trainingsprogramm von Apple aussieht, ist nur äußerst wenig bekannt. Eine Quelle soll jedoch bekannt gegeben haben, dass Apple die Polizisten nicht darüber unterrichtet, wie Apples Sicherheitsmaßnahmen umgangen werden können. Stattdessen lernt das FBI, wie es – auf legale Weise und im Rahmen von Apples Richtlinien – an möglichst viele Informationen von beschlagnahmten iPhones, Macs und iCloud Accounts gelangen kann. Forensiker werden demnach über Updates aufgeklärt und über damit verbundene Veränderungen von iOS und macOS unterrichtet.

„Viele behaupteten zu jener Zeit, dass Krieg zwischen dem FBI und Apple herrschte“, sagte Bennett. Dies entspreche jedoch nicht den Tatsachen. „Apple ist ein großartiges Unternehmen, welches wir sehr respektieren.“

Apples Hilfe richtet sich vor allem an Beamte, die mit der gesamten Technik bisher noch nicht sonderlich vertraut sind. Es gehe darum, das Wissen der Polizisten von Grund auf zu vergrößern, um somit in Zukunft effizienter arbeiten zu können. Laut Forbes habe zum Beispiel ein örtliches Police Department bis zu 15.000 Seiten eines Apple-Dokuments ausgedruckt, anstatt es digital zu verwalten. Genau solche Patzer sollen mit dem Apple-Training schon bald vermieden werden.

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