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Wie es zur größten iPhone-8-Enthüllung kam

03.08.2017 | 13:30 Uhr |

Seit dem letzten Wochenende kursieren immer mehr Einzelheiten zu dem neuen iPhone 8, aus der ersten Hand. So kam es dazu

Der April 2010 war ein Alptraum für Apple Ingenieure und für Steve Jobs persönlich: Jemand aus dem Entwickler-Team hat einen Prototypen des iPhone 4 in einer Bar liegen gelassen. Die Finder haben das Telefon an den Blog Gizmodo verkauft. Kurz darauf wusste ganze Welt, was Apple Monate später vorstellen wird.

Am Freitag hat vermutlich ein Apple-Mitarbeiter fast den gleichen Fehler begangen: Über den offiziellen Feed der Apple-Updates kam ein neuer Eintrag rein, die Firmware für den Homepod. Der brasilianische Entwickler Guilherme Rambo hatte sich vor Überraschung schon die Augen gerieben, und hielt die Veröffentlichung für einen Fehler. Dennoch hat er die Software heruntergeladen. Wohl gerade noch rechtzeitig bevor die Software wieder vom Apple-Server verschwand. "Wired " hat mit dem Entwickler über seine Entdeckungsreise durch den frischen iOS-Code gesprochen.

Rambo stolperte zunächst über die Versions-Nummer. Auf dem Homepod soll wohl ein vollwertiges Betriebssystem á la iOS laufen. Es wird keine Nebenstränge wie watchOS oder tvOS geben. Das zufällig veröffentlichte iOS trug dabei die Versionsnummer 11.0.2. Ist dem aktuellen iOS 11 Beta also zwei Iterationen voraus. Dieses System sollte planmäßig wohl gegen Ende September veröffentlicht werden. Hierfür haben wir einfach den Zeitpunkt der Veröffentlichung von iOS 10.0.2 als Referenz herangezogen. Zu diesem Zeitpunkt ist das iPhone 8 bereits auf dem Markt, und die technischen Einzelheiten zum neuen Produkt müssen nicht mehr versteckt werden.

Ab hier begreift Rambo, was er vor sich hat. Er begann die Suche nach den bis jetzt unveröffentlichten Funktionen, die einen Hinweis auf das neue iPhone geben könnten. Im ersten Schritt hat er die Dateien zum BiometricKit durchsucht. Diese Schnittstelle ist etwa für die Touch ID zuständig. Da schon lange gemunkelt wird, dass das neue iPhone mit einer Gesichtserkennung ausgestattet sein wird, ist BiometrikKit die erste logische Anlaufsstelle für so eine Suche. Mit dem Suchwort "face" kommt Rambo nicht weiter, bemerkt jedoch neben der Touch ID noch eine weitere biometrische Anwendung namens "Pearl ID". An einer der zahlreichen Dateien der ominösen "Pearl ID" klebte noch eine Modellbezeichnung "D22". Rambo durchsuchte den Code nach "D22" und fand eine Vektor-Grafik, die animierten Oberflächen-Hinweise – "Payment_glyph_phone-D22.caar". Die Grafik soll dem Nutzer wohl erklären, wie man mit dem Gerät bezahlt. Nach dem Rendern zeigte das Bild wohl das, was in einem Monat zum iPhone 8 wird: Randloses Design, eine Auslassung für Kameras, Mikrofone und Sensoren in der Mitte. Bald werden sicherlich noch weitere Einzelheiten auftauchen. Diese fassen wir in unserem laufend aktualisierten iPhone-8-Beitrag zusammen.

Update 03.08.2017:

Die Enthüllungen aus der Homepod-Firmware bestätigen noch ein Gerücht aus dem Dezember 2016. Damals sind zunächst auf chinesischen Webseiten, dann später auf englisch - und deutschsprachigen, die ersten Hinweise aufgetaucht, dass Apple gleich drei iPhone-Modelle im Herbst vorstellen wird. Die Modellbezeichnungen aus chinesischen Unterlagen stimmen mit denen aus der geleakten Firmware überein: D20 und D21, dazu kommt noch ein drittes Modell D22. Die ersten zwei würden für iPhone 7S und iPhone 7S Plus stehen, das dritte Modell sollte das Jubliäums-iPhone 8 sein. Der Bericht liefert jedoch einen zusätzlichen Blick auf das Innen-Design des neuen iPhones. Demnach wird das iPhone 8 mit einer doppelten Hauptplatine kommen: In einem Block werden sich der Prozessor sowie der Speicher befinden, der zweite Block, der sogenannte Verbindungsblock wird Wlan-, Bluethooth- und andere Kommunikations-Chips beinhalten. 

Unsere Meinung : Es ist für Tim Cook und Co. sicherlich außerordentlich ärgerlich, dass durch einen ungeschickten Fehler alle Sicherheitsvorkehrungen der letzten Monate zunichte gemacht wurden. Denn Apple hat ein Spezial-Team aus  ehemaligen NSA-Mitarbeitern zusammengestellt, die sämtlichen potenziellen Lecks, etwa bei Zulieferern und Internen in Cupertino nachgehen sollten. Das war insofern erfolgreich, als dass bis letzte Woche nur ein paar Gerüchte und Mutmaßungen von Analysten kursierten, aber keine Hardware-Details oder dergleichen bekannt waren. Nun hat wohl Apple selbst uns den Großteil der Spannung und Überraschung der kommenden Keynote genommen. Ob und wie sich das später auf die Verkaufszahlen auswirkt, wird sich zeigen. Schließlich entscheiden sich die Kunden nicht unbedingt aufgrund des Unterhaltungswerts einer Vorstellungs-Keynote für ein bestimmtes Smartphone, sondern in der Regel aufgrund der Funktionen, des Designs und des Preises. Dieser könnte bei dem iPhone 8 happig ausfallen.

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