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"Wie ich das Apple-Stipendium gewann und was daraus wurde"

19.06.2017 | 16:58 Uhr |

Wir haben mit Lara-Marie Reimer aus München gesprochen, einer der Gewinnerinnen des WWDC Scholar-Programms von 2017.

Guten Tag, Frau Reimer, können Sie sich kurz vorstellen, wer Sie sind?

Mein Name ist Lara-Marie Reimer, ich bin 21 Jahre alt, ich komme aus München und ich studiere Wirtschaftsinformatik auf Bachelor im sechsten Semester an der Technischen Universität München.

Sie waren dieses Jahr eine der Gewinnerinnen von WWDC Scholar. Was ist das überhaupt?

Apple hat jedes Jahr eine große Entwicklerkonferenz. Da sind ungefähr 5000 Entwickler jedes Jahr versammelt. Normalerweise kosten die Tickets an die 1600 US-Dollar, Apple vergibt aber jährlich an die 350 Tickets an Schüler, Studenten und Mitglieder der Stem-Organisationen umsonst, und dieses Jahr gab es noch eine Unterkunft (für die Gewinner der WWDC Scholars) dazu.

Wir haben gesehen, Sie waren auch 2016 als WWDC Scholar auf der Entwickler-Konferenz von Apple. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich für das Stipendium zu bewerben?

Bei uns an der Uni gibt es ein Praktikum, das beschäftigt sich mit der iOS-Entwicklung. Das Praktikum gibt es jedes Semester und ist für zirka hundert Studenten ausgelegt, jedes Semester gibt es zehn Teams. Jedes Team hat einen Industrie-Partner, für diesen gilt es, während des Semesters ein System und die dazu gehörende App zu entwickeln. Darüber habe ich erfahren, dass es dieses Stipendium überhaupt gibt. Daraufhin habe ich beschlossen, dass ich mich darauf bewerben möchte und das hat gleich geklappt.

Mit welchem Projekt haben Sie sich in diesem Jahr beworben?

Apple stellt es immer konkrete Anforderungen, was sie haben möchten, und in diesem Jahr ging es darum, ein Playground zu entwickeln. Ich hatte eine Idee, dass ich in diesem Playground Diabetes erklären möchte, also die Zusammenhänge, wenn  man etwas isst, geht der Blutzuckerspiegel hoch, wenn man etwas Ungesundes (mit viel Zucker) isst, geht der Blutzuckerspiegel schneller hoch. Dass man die Blutzuckerwerte mit dem Insulin senken könnte. Aber es ist auch für die Gesundheit nicht gut ist, wenn die Werte ebenfalls zu niedrig sind. Das habe ich versucht, in diesem Playground abzubilden.

Können Sie kurz die Atmosphäre auf der WWDC beschreiben?

Auf der WWDC kommen meistens um 5000 Entwickler zusammen und alle wollen wissen, was es Neues gibt, alle wollen etwas lernen und ausprobieren. Die Atmosphäre ist da ziemlich gespannt auf Neuigkeiten. Das ist wirklich etwas Einmaliges.

Sie waren auf der WWDC die ganze Woche anwesend. Was genau haben Sie besucht?

Ich war natürlich am Anfang bei der großen Keynote dabei. Im Anschluss dazu gibt es immer danach die sogenannte „State of the Union“, da wird noch mehr auf die Neuerungen für die Entwickler eingegangen und in den darauf folgenden Tagen, also Dienstag bis Freitag bin ich in die diversen Sessions gegangen, wo Apple Ingenieure spezielle Themen nochmals vertieft erklären. Ich war auch in ein paar Sprechstunden mit Apple-Mitarbeitern, wobei man die Fragen direkt stellen kann.

In einem von Ihren Tweets haben Sie gemeint, die WWDC sei der einzige Ort, wo die Schlange zum Männer-WC länger ist als zum Frauen-WC. Apple bemüht sich seit Jahren um mehr Vielfalt, aber soweit wir sehen konnten, gibt es nach wie vor auf solchen Veranstaltungen mehr Männer als Frauen. Hatten Sie auch diesen Eindruck?

Ja, das ist definitiv noch so, dass auf der WWDC deutlich mehr Männer als Frauen gibt, aber ich würde schon sagen, dass es dabei schon einige Frauen gibt. Das ist nicht so, dass die WWDC komplett von Männern dominiert ist.

Wie viele Mädchen gab es dann unter den Gewinnern von WWDC Scholar?

Das weiß ich gar nicht so genau, ich schätze mal, vierzig. Aber wie gesagt, ganz genau weiß ich es nicht.

Soweit wir wissen, veranstaltet Tim Cook ein Treffen mit den Gewinnern von WWDC Scholars. Waren Sie diesmal dabei?

Genau, diese Veranstaltung ist immer am Sonntag, bevor die WWDC überhaupt los geht. Das ist eine Veranstaltung, auf die ein paar Apple-Verantwortliche kommen und interessante Sachen erzählen. Und Tim Cook kommt immer kurz vorbei und man hat eben Zeit, mit ihm kurz Selfies zu machen.

Haben Sie jetzt ein Selfie mit Tim Cook?

Ja (lacht).

Kann man das Foto auf Ihrem Twitter-Kanal finden?

Nein, das Foto habe ich nicht gepostet.

Was hat die WWDC für Sie gebracht? Konnten Sie sich auf der Veranstaltung gut mit anderen Studenten oder Entwicklern vernetzen? Haben Sie irgendjemanden interessanten kennengelernt?

Dieses Jahr waren alle Stipendiaten zusammen untergebracht worden, nämlich an der Universität von San Jose. Ich finde, das hat geholfen, ein Gruppengefühl zwischen den Menschen aufzubauen. Man hat sich untereinander viel besser kennengelernt. Man hat abends nochmal etwas zusammen gemacht. Man ist zusammen gesessen. Mit anderen Entwicklern sind wir eher weniger in Kontakt gekommen, weil da viele Menschen doch unter sich bleiben, oder in die Sessions gehen oder mit den Apple-Leuten reden.

Um die WWDC gibt es immer viele Parties, es gibt sogar einen offiziellen WWDC-Bash. Waren Sie dabei?

Ja, ich war jeden Abend auf irgendwelchen WWDC-Events, und am Donnerstag anschließend auf der WWDC-Bash.

Wie läuft diese ab? Wie kann man sich das vorstellen, dass in einem Raum iOS- und macOS-Entwickler eine Party feiern? Ist es anders als sonst?

Es kommt darauf an, wohin man hingeht. Es gibt viele Veranstaltungen, die sind ganz normale Parties wie sonst. Manche Parties haben einen ganz speziellen Fokus: Es gab zum Beispiel eine Party, da ging es darum, Selfies zu machen. Ich war beispielsweise an einem Konzert von James Dempsey , er schreibt Lieder über iOS-Entwicklung. Das ist natürlich schon etwas spezieller, aber alles war sehr cool.

Was haben Sie generell von dieser WWDC mitgebracht?

Dieses Jahr ging es verstärkt um Hardware, da ist besonders die Verbesserung des iOS fürs iPad in Erinnerung geblieben, die ich super finde. Von der Software-Seite bin ich von der ARKit und der Core-ML-Kit begeistert. Diese Schnittstellen sind so leicht zu benutzen, aber gleichzeitig kann man damit so viel machen. Das finde ich echt Wahnsinn!

Sie studieren momentan an der TU München. Planen Sie auch in der Zukunft für iOS zu entwickeln oder schauen Sie sich noch bei anderen Anbietern um?

Ich arbeite momentan als Werkstudent in der iOS-Entwicklung und das ist, was ich auch die nächsten Jahre auch machen möchte. Aber ob das für immer bleibt, weiß ich noch nicht.

Und was genau, wenn Sie das erzählen dürfen?

Ich arbeite bei der Combine GmbH und wir haben und wir haben eine App entwickelt, diese hilft, Outfits zusammen zu stellen und mit den Freunden zu teile und sich gegenseitig Feedback zu geben.

Was haben Sie noch in San Jose Herausragendes oder Besonderes gesehen, was speziell in der Erinnerung geblieben ist?

San Jose ist ein bisschen wie ein Herzstück der Silicon Valley. Das ist der Ort, wo die ganz großen und bekannten Firmen ihre Hauptquartiere haben. Wir haben zum Beispiel Google besucht. Wir waren natürlich auf dem Apple Campus. Die ganze Gegend zu erkunden war eine coole Erfahrung.

Waren Sie bereits im neuen Apple-Gebäude?

Nein, da kommt man leider als Besucher noch nicht rein.

Wenn Sie jetzt die Möglichkeit hätten, eine komplett neue App zu entwickeln, welchen Zweck würde sie haben?

Ich finde, dass es zunehmend mehr Apps gibt, die die Leute nicht nur bespaßen, sondern auch konkrete Probleme lösen. Ein Thema sehe ich, das viele Leute interessiert und für viele hilfreich sein wird, ist die Medizin, dass man beispielsweise den Umgang mit den Krankheiten durch den Einsatz von Apps erleichtert, dass die Apps erinnern, rechtzeitig Medikamente zu nehmen.

Wenn Sie eine Möglichkeit hätten, sich direkt an eine große Leserschaft zu wenden, was würden Sie als Abschluss sagen?

Ich würde mehr Menschen dazu ermutigen, wirklich das Programmieren mal zu versuchen. Ich glaube, es schreckt immer noch viele ab, weil viele denken, dass es schwer ist. Aber Apple hat echt gute Möglichkeiten geschaffen, um die Grundlagen von Programmieren gut zu verstehen.  Und Programmieren macht echt Spaß!

Was meinen Sie genau unter den Möglichkeiten von Apple?

Es gibt zum Beispiel die Swift Playgrounds App, diese ist so ausgelegt, dass man als Einsteiger das Programmieren lernt. Die Programmiersprache Swift ist darauf ausgelegt, dass jeder sie gut verstehen und gut lernen kann.

Frau Reimer, wir bedanken uns für das interessante Gespräch.

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