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Wie Multitouch zu Apple kam

26.06.2017 | 11:39 Uhr |

Noch drei Monate vor der Präsentation des ersten iPhone funktionierte daran noch wenig, erzählt ein weiteres Buch.

An diesem Donnerstag jährt sich der Erstverkaufstag des iPhone zum zehnten Mal, immer mehr Geschichten aus der Entwicklungsgeschichte des smarten Telefons machen nun die Runde. Cult of Mac hat einen ausführlichen Leseauszug aus dem Buch Jony Ive: The Genius Behind Apple’s Greatest Products von Leander Kahney veröffentlicht, das die Geschichte von MultiTouch beleuchtet. Bei Apple war die Technologie Anfang 2003 angekommen, die Hardwareingenieure hatten zunächst an einen Touchfähigen Mac oder ein Tablet als Einsatzzweck gedacht. Doch landete man schließlich bei der Entwicklung eines Telefons, als man feststellte, wie sehr man die Technik miniaturisieren konnte. Apple stand ohnehin unter de Druck, dass irgendwann ein Konkurrent den iPod mit dem Mobiltelefon würde verschmelzen. Ein erster Versuch, das Motorola Rokr, ging bekanntlich ziemlich schief, doch das eigene Projekt "Telefon, iPad, banhbrechendes Internetgerät" sollte schließlich gelingen.

Die Schwierigkeiten waren jedoch immens, berichtet Kahey in Übereinstimmung mit dem Buch "The One Device: The secret history of the iPhone" von Brian Merchant. Nicht nur waren die am Projekt beteiligten Personen zu strengster Geheimhaltung verpflichtet, auch das Hardwareteam durfte nicht wissen, was das Softwareteam bastelte. Das hatte gute Gründe, denn der letztlich verworfene Ansatz, Hardware und Software auf den iPod basieren zu lassen, konkurrierte mit anderen Ansätzen. An Prototypen gab es vor allem zwei, die Apple P1 und P2 nannte – das gesamte Projekt trug den Codenamen "Purple". P1 basierte auf dem iPod, P2 war im Prinzip die Fortführung des bereits begonnen Tablet-Projekts für einen kleineren Formfaktor. So unterschied sich letztlich auch die Hardware, die Extrudo-Modelle sahen dem iPod Mini ähnlich, sie bestanden aus ausgestreckten (extruded) Aluminiumrröhren, die sich in unterschiedlichen Farben anodiert werden konnten. Doch was für den iPod Nano später bestens funktionierte, klappte mit dem iPhone überhaupt nicht: Das Aluminium ließ die Funkwellen für Bluetooth, Wi-Fi und GSM zu schlecht durch, weshalb man sich mit unschönen Plastikkappen behelfen musste. Zudem waren die Extrudos zu sperrig und ihre Kanten konnten beim Telefonieren verletzen.

Die alternative Sandwich-Form sollte schließlich gewinnen. In der ursprünglichen Fassung waren Vorder- und Rückseite aus Plastik, von einem Metallband dazwischen gehalten - im Phone 4 kam das Design doch noch zu seinen Ehren. Das Plastik gewann aber wenige Anhänger, das iPhone-Erlebnis werde man nur mit Glas erhalten. Zu der Zeit war jedoch kein Hersteller bekannt, der ein derart bruchfestes Glas in dieser Größe und in entsprechenden Mengen produzieren konnte. Rechtzeitig fand man aber Corning, das damals für seine mittlerweile Gorillaglass genannte Innovation keine Anwendung fand. Nur diesen seltsamen Kunden aus dem Silicon Valley, der auch gleich mal 100 Millionen US-Dollar Vorschuss für den Aufbau der Produktionsanlagen überwies...

Dennoch kam man bei Apple in einem Meeting drei Monate vor der geplanten Vorstellung auf der Macworld Expo am 9. Januar 2007 zum Schluss, dass man kein funktionierendes Produkt habe, aber Probleme an allen Ecken und Enden. Es soll eines der seltenen Meetings gewesen sein, in denen Steve Jobs nicht tobte und schrie, sondern einfach nur ganz ruhig und sachlich reagierte. Umso erschreckender für diejenigen, die seine Wutanfälle kannten...

Bei Apple war danach für die Beteiligten am Projekt die arbeitsintensivste Zeit überhaupt angebrochen, von Oktober bis Januar müssten viele praktisch durchgearbeitet und in den Büros sogar geschlafen. Alles für diesen einen Moment, am 9. Januar 2007 um 9.41 Uhr Ortszeit in San Francisco im Konferenzzentrum Moscone West.

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