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Windows-Medien am Mac: NTFS for Mac 15 im Test

01.06.2017 | 16:45 Uhr |

Für Kompatibilität mit Medien im Windows-Format sorgt NTFS for Mac von Paragon. Die aktuelle Version bietet eine komplett überarbeitete Oberfläche mit gutem Bedienkomfort.

Das Tool "NTFS for Mac" löst ein Problem, das Mac-Anwender mit Windows-Kollegen gut kennen: Erhält man eine Festplatte oder einen USB-Stick von einem Windows-Nutzer, sind diese oft im Windows-Format NTFS formatiert: Ein Dateiformat, auf das macOS nur lesend zugreifen kann. Soll man aber Dateien auf den Stick kopieren, ohne ihn komplett zu löschen und neu zu formatieren, benötigt man ein Systemtool wie NTFS for Mac. Ein weiterer Vorteil: Nutzt man eine Bootcamp-Partition mit Windows-System, erhält man über den Treiber Zugriff auf die PC-Daten.

Neue Oberfläche

Die neue Version bedient man über ein Menüleistentool, das Hauptprogramm ruft man wahlweise über die Menüleiste oder die Systemeinstellungen auf. Vor allem das neue Menüleistentool finden wir sehr praktisch, da man damit bequem externe Festplatten verwalten kann. Der Füllzustand ist hier ebenfalls ablesbar, man kann das Zusatztool aber bei Nichtgefallen auch deaktivieren. Das neue Hauptprogramm, das jetzt ein wenig Apples Festplattendienstprogramm ähnelt, ist dagegen für weitergehende Aufgaben zuständig. So kann man damit Medien überprüfen oder neu formatieren.

Nicht ganz eingängig: Mit dem Befehl „Bestätigen“ startet man die Überprüfung eines Volumes. Dabei kommt die gleiche Prüffunktion wie bei einer Prüfung mit dem Festplattendienstprogramm zur Verwendung, auch die Startfestplatte kann man auf Fehler prüfen. Nach der Installation kann man NTFS-Volumes übrigens mit Apples Festplattendienstprogramm anlegen, das neue Format wird automatisch unter den unterstützten Dateiformaten neu aufgelistet.

Insgesamt macht NTFS for Mac einen ausgereiften Eindruck, ein Problem stellten wir in unserem Test aber beim Umformatieren eines älteren USB-Stick fest. Nach einer Formatierung mit NTFS for Mac ins Format NTFS wurde er nicht von Windows erkannt, er wurde als nicht formatiert angezeigt. Daran waren wir allerdings zum Teil selbst schuld: Der vorher nur am Mac genutzte USB-Stick hatte nämlich das Mac-Partitionsformat GUID. Beim Formatieren mit NTFS for Mac wird dieses aber beibehalten, was den Stick mit Windows inkompatibel macht. Man sollte deshalb Medien besser mit dem Festplattendienstprogramm formatieren und hier die Master Boot Record statt GUID wählen. Paragon hat aber bereits versprochen, das Problem zu beheben.

Sonderoptionen

Interessant für fortgeschrittene Anwender sind einige besondere Optionen, die man über das Hauptfenster vornehmen kann: Auf Wunsch aktiviert der Treiber ein bestimmtes Medium beispielsweise nicht automatisch. Das ist etwa bei einer Bootcamp-Partition sinnvoll. Diese Optionen funktionieren übrigens auch mit Mac-Medien. Auf Wunsch kann man eine Festplatte oder Partition außerdem nur schreibgeschützt öffnen, was ebenfalls vor allem für Bootcamp-Partitionen zu empfehlen ist. Zusätzlich kann man noch eine Spotlight-Indizierung deaktivieren. Letzteres ist sogar bei einer internen Systemfestplatte möglich, wenn auch wenig sinnvoll.

Nur bei NTFS-Volumes stehen außerdem die Optionen „Eigentumsrechte ignorieren“ und „Letzten Zugriffspunkt speichern“ zur Verfügung – nützliche Funktionen beim Umgang mit Windows-Medien.

Vor allem durch solche Zusatzoptionen kann sich Paragon von kostenlosen Konkurrenten wie Fuse abheben. So sind Zugriff etwa problematisch, wenn sich das Windows-System einer Partition oder Festplatte gerade im Ruhezustand befindet. Über die Voreinstellungen kann man deshalb vorgeben, dass NTFS for Mac dann ein Medium nur lesend öffnet oder vorher in einem Dialogfenster danach fragt.

Ein optionales Menüleistentool hilft bei der Verwaltung von Medien.
Vergrößern Ein optionales Menüleistentool hilft bei der Verwaltung von Medien.

Performance

Stärke des Paragon-Treibers ist die gute Performance, man kann Windows-Festplatten etwa mit der Leistung einer Mac-Festplatte verwenden. Bei der kostenlosen Alternative Fuse muss man dagegen mit einem herben Einbruch der Transferraten rechnen. Bei unseren Messungen mit einem Macbook mit SSD können wir dies bestätigen: Das Macbook ist auf eine Bootcamp und eine macOS-Partition aufgeteilt, mit dem Tool Black Magic Disk Speed Test messen wir die Schreib- und Leserate beider Partitionen. Bei Aktivierung der NTFS-Partition mit Paragon-Treiber sind die Transferraten bei HFS- und NTFS-Partition so gut wie identisch - es gibt nur Abweichungen von wenigen Prozent, die aber als Meßungenauigkeit einzustufen sind. Einige Stichproben mit anderen Medien bestätigen die guten Ergebnisse. Auch ein Anstieg der Systemlast ist bei Nutzung der NTFS-Partition nicht festzustellen, der NTFS-Treiber eignet sich also auch für anspruchsvolle Aufgaben.

Nach der Installation unterstützt auch das Festplattendienstprogramm NTFS.
Vergrößern Nach der Installation unterstützt auch das Festplattendienstprogramm NTFS.

Mit 20 Euro pro Gerät ist das Tool zwar nicht billig, gewährleistet aber eine problemlose Nutzung von Windows-Medien. Nutzer einer früheren Version von NTFS for Mac erhalten je nach Lizenz 30 oder 50 Prozent Rabatt, für Nutzer der Version 14 ist das Upgrade kostenlos. Tipp: Nutzt man eine externe Festplatte von Seagate, kann man eine auf Geräte dieses Herstellers beschränkte Version von NTFS for Mac benutzen.

Alternativen wie das kostenlose Mounty for NTFS können wir aktuell nur eingeschränkt empfehlen, so traten damit unter Sierra zuletzt Kompatibilitätsprobleme auf und es gibt anscheinend Probleme mit nicht korrekt abgemeldeten NTFS-Medien. Eine echte Alternative ist eigentlich nur das Tool Tuxera NTFS for Mac, das mit einem Preis von 25 Euro sogar noch etwas teurer ist.

Fazit:

Empfehlenswert ist NTFS for Mac für berufliche Anwender, die problemlos auf Daten von Windows-Anwender zugreifen wollen. Die aktuelle Version bietet zudem eine deutlich komfortablere Oberfläche als frühere Versionen. Für das Formatieren von Medien sollte man aber besser das Festplattendienstprogramm benutzen, bis Paragon die Formatierfunktion verbessert.

NTFS for Mac

Hersteller: Paragon Software
Systemanforderungen: Ab OS X 10.10
Preis: Euro 20

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