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watchOS 4: Mehr Training und Musik, weniger iPhone

22.09.2017 | 10:45 Uhr |

Mit iOS 11 kommt auch watchOS 4 auf die Apple Watch. Unsere ersten Eindrücke.

Die Apple Watch hat (noch) nicht den großen Durchbruch im App Store geschafft: Nach wie vor sind gute und vor allem sinnvolle Apps für die smarte Uhr rar. Apple hat mit der aktuellen Version des Betriebssystems die Stärken ausgebaut und hat die Apple Watch ein Stück weit intelligenter und vor allem selbständiger gemacht.

Trainings-App

Die meisten Anwender sollte die Trainings-App auf der Uhr, oder besser gesagt, die Fitness-Tracking-Funktion zum Kauf einer Apple Watch bewegen. Entsprechend groß war die Aufmerksamkeit der Entwickler gegenüber der App. Dabei wurde sie massiv ausgebaut: Der Nutzer erhält einen besseren Überblick über die Sportarten, denn statt nur Namen der Aktivitäten gibt es auch schön gemalte Icons, die genau die Aktivität darstellen sollen, der der Sportler gerade nachgeht. Startet man die Aufzeichnung, merkt man, dass das Aussehen von iOS 11 auch auf die watchOS 4 vererbt wurde: Die Überschriften und Zahlen sind fetter und größer geworden, was die Sichtbarkeit auf der Uhr erleichtert. Mit dem üblichen Wisch nach links gelangt man zum Steuerungsbildschirm, hier lässt sich eine neue Trainings-Art hinzufügen und so komplexe Trainings-Einheiten aufzeichnen. So hatten wir vormals den Besuch im Fitness-Studio einfach als Krafttraining aufzeichnen lassen, ab watchOS 4 gibt es hier mehr Spielraum und hoffentlich Genauigkeit: Auch auf der Uhr wird das Krafttraining auf eine Laufeinheit folgen und mit ein paar Minuten von Dehnübungen abschließen lassen. Wir vermuten, dass Apple den Kalorienverbrauch (auch) nach der Sportart berechnet und somit nun die Ergebnisse etwas genauer bei den komplexen Trainings erraten kann.

Ganz schön: Startet man das Training, werden automatisch die vorhandenen Wiedergabelisten auf der Uhr in der Musik-App abgespielt. Das unnötige Hantieren mit der Musik-App, Wiedergabe etc. fällt weg, nur noch Kopfhörer drauf und los geht's. An dieser neuen Funktion sieht man, dass die Training- und die Musik-App bei watchOS 4 ein wenig verschmolzen sind: In der Trainings-App erscheint nun die Steuerungsoberfläche, wie man sie aus der Musik-App kennt. Um dahin zu gelangen muss man statt links nach rechts wischen, in der Übersicht lassen sich die Lautstärke regeln oder Songs überspringen.

Bei den Standardsportarten, die gleich im Start-Screen der Trainings-App vorkommen, ist noch eine Neuerung dazu gekommen: High Intensity Interval Training, kurz HIIT. Hier nimmt die Apple neben dem Pulsmesser auch den Beschleunigungssensor hinzu und versucht festzustellen, welche Übungen gerade der Mensch ausführt. Wie genau oder ungenau diese Feststellung wird, müssen wir noch ein bisschen intensiver testen, als es uns bis jetzt möglich war.

Musik-App

Apple Music wird wohl den Käufern der Apple Watch Series 3 mit der LTE-Verbindung vorbehalten bleiben, doch auch die älteren Uhren bekommen mehr Optionen, Song-Sammlungen mit auf den Weg zu nehmen. Mit iOS 11 und watch OS 4 schlägt nämlich die Musik-App auf dem iPhone dem Nutzer vor, die beliebtesten Songs oder Playlists automatisch auf die Apple Watch zu übertragen. Sobald die Uhr an das Netz angeschlossen wird, beginnt die Übertragung. Die kleineren Uhren mit dem Speicher von 8 GB können bis zu 2 GB für die Musikdaten verwenden. Die LTE-Variante der Apple Watch hat 16 GB Speicher und kann so mehr Musik-Speicher abbekommen.

Etwas verwirrend ist jedoch, dass aus der Music-App der Watch eine Möglichkeit verschwunden ist, die Musik auf dem iPhone zu steuern. Diese beiden Optionen hat Apple nun getrennt, Apple Music, Podcasts etc. lassen sich nun nur über die Komplikation "Wiedergabe" der Uhr steuern. Das Problem hier: Diese Komplikation ist gut versteckt und kommt bei keinem der Zifferblätter als Standard-Option vor. Man muss schon ziemlich genau wissen, was und wo man sucht, um die Option überhaupt dauerhaft auf den Bildschirm zu holen. Spielt die Apple-Music- oder die Podcasts-App etwas ab, kann sich die Oberfläche der "Wiedergabe" automatisch einblenden, wenn der Nutzer auf die Uhr schaut. So lassen sich zumindest Songs überspringen oder die Lautstärke regeln.

Gesundheit

Groß auf der Bühne angekündigt, erreicht eine wirkliche Verbesserung auch alle normalen Nutzer: In der Watch-App auf dem iPhone lässt sich einstellen, ob die Uhr Alarm schlagen soll, wenn die Herzfrequenz höher als Zahl X ist, obwohl der Nutzer nicht aktiv ist. Mit dem Schritt von 10 Herzschlägen pro Minute lassen sich die Alarme von 100 bis 150 BPM einstellen. Dieser Fokus auf die Herzgesundheit kommt ebenfalls der App "Health" und "Aktivität" auf dem iPhone zu Gute. Seit dem Umstieg auf iOS 11 und watchOS 4 liefert die Health-App auch die Angaben zur Ruheherzfrequenz, Variabilität des Herzschlages , zum Durchschnittswert beim Gehen.

Auch in der Aktivitäten App gibt es nun eine schöne Grafik, wobei der Nutzer mitverfolgen kann, wie genau sein Pulsschlag während der Übung gewesen ist. In der Health-App kann man die erweiterten Herz-Daten erst seit dem Update auf iOS 11 und watchOS 4 verfolgen, in der Aktivitäten-App aktualisiert der Entwickler diese Daten auch nachträglich, so erscheinen die neuen Grafiken auch bei unseren Trainings aus dem August oder Juli.

Wir haben ebenfalls mit watchOS 4 den digitalen Trainings-Coach aktiviert. Dieser sollte uns zu mehr Bewegung oder mehr Stehstunden auffordern, wenn wir kurz vor dem Ziel stehen. Entweder waren wir zu artig oder der Coach hatte in der kurzen Zeit noch keine Möglichkeit gehabt, bis jetzt hatten wir noch keine Tipps zu mehr Aktivitäten erhalten.

Kleinigkeiten, die noch auffielen

Wie mit jedem größeren Update gibt es ein paar Kleinigkeiten, die uns recht spät auffallen:

  • Das Dock (Druck auf die Seitentaste) hat sich geändert und ist nun vertikal scrollbar.

  • Die neuen Zifferblätter springen eigentlich sofort ins Auge, wählt man jedoch die Kaleidoskop-Option, kann man damit etwas mehr spielen. Nomen est omen: So kann man mit der digitalen Krone tatsächlich wunderschöne Kaleidoskop-Animationen ins Leben rufen.

  • Im Kontrollzentrum, das mit dem Wisch nach oben aus dem unteren Rand sichtbar wird, erscheint nun eine Taschenlampe. Hier gibt es im Unterschied zum iPhone drei Varianten: eine normale Taschenlampe, die im Dunkelheit den Weg erleuchten sollte, eine Warn-Lampe, die mit unterschiedlichen Licht-Intensität blinkt und eine rote Lampe. Die drei Optionen lassen sich mit dem Wisch nach links oder nach rechts wählen, sobald die Lampe aktiviert ist.

  • Scribble-Unterstützung für die deutsche Sprache.

  • Neue Gesten beim Schreiben einer Mail

  • Zifferblock in der Telefon-App

  • Kalender stellt nun die Termin-Konflikte dar.

  • Vorgeschlagene und letzte Orte in der Karten-App

  • Kontakte und Orte in den intelligenten Antworten (iMessage, Whatsapp).

watchOS 4 mit dem Fahrrad ausprobiert
Vergrößern watchOS 4 mit dem Fahrrad ausprobiert

Kaum Neuheiten für Fahrradfahrer

Eine der neuen Aktivitäten heißt Fahrrad Indoor. Die Apple Watch misst dabei aber nur den Puls und errechnet anhand der bekannten Daten des Hallensportlers den Kalorienverbrauch. Ein Test der Funktion steht aber noch aus, derzeit lädt das Wetter noch zum Fahrradtraining draußen ein.

Und hier hat sich bis auf das Layout nichts geändert: Weder erkennt die Apple Watch von alleine, dass wir losfahren, noch hält sie das Training beim Ampelstopp an. Nur Läufer können optional in den Einstellungen festlegen, dass die Uhr die Stehzeiten nicht der Trainingszeit anrechnet. Radler müssten bei jedem Halt das Training mit einem Fingertipp anhalten und wieder starten. Blöd, wenn man Handschuhe trägt – so warm ist es Ende September dann auch nicht mehr. Selbst wenn diese mit einem Lederflicken an der Fingerspitze ausgestattet sind und Uhr wie Smartphone damit bedienen können, ist es auf dem kleinen Bildschirm doch eine lästige Fummelei.

Das schlägt sich im Ergebnis nieder. Unser analoger Fahrradcomputer zeigt nur eine geringfügig länger Strecke an als die vom iPhone per GPS gemessene (22,0 km gegenüber 21,77 km), aber mit 21,2 km/h einen deutlich höheren Schnitt als die auf der Uhr ausgewiesenen 19,6 km/h. Nur ein Schönheitsfehler, gewiss, aber andere Fahrradapps sind durchaus in der Lage, Ampelstopps und andere Pausen zu erkennen. pm

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