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Zuckerberg kontert Apple: "Teurer ist nicht immer besser"

03.04.2018 | 14:20 Uhr | Halyna Kubiv

Nach dem Datenskandal bei Facebook und Cambridge Analytica leisten sich Tim Cook und Mark Zuckerberg einen Schlagabtausch.

Apple hat letzte Woche ein Bildungs-Event veranstaltet, bei dem es sich prim├Ąr um iPads, B├╝cher, Schulen etc. drehte. Am Rande sprach Tim Cook in einem Interview mit Kara Swisher von "Recode" und Chris Hayes von MSNBC auch ├╝ber die Privatsph├Ąre . Auf eine Frage, was er denn an Stelle von Mark Zuckerberg tun w├╝rde, hat er nur knapp geantwortet: "Ich w├╝rde nie in einer solchen Situation sein." Aus dem Kontext gerissen klingt es zun├Ąchst recht ├╝berheblich, doch in einem kurzen Ausschnitt aus dem Interview erkl├Ąrt Cook, dass Apple selbst Zugriff auf immense Nutzer-Daten haben k├Ânnte: "Wir k├Ânnten Unmengen an Kohle erwirtschaften, wenn wir unsere Nutzer monetarisiert h├Ątten; wenn wir unsere Nutzer zum Produkt gemacht h├Ątten. Wir haben uns dagegen entschieden." Im ├ťbrigen gibt es kaum ein anderes Interview oder eine Keynote-Vorstellung, wobei der reservierte und ruhige Cook so emotional geworden ist.

In einem aktuellen Interview mit Vox' Ezra Klein wurde Mark Zuckerberg auf diese Kritik seitens Apple angesprochen. Klein fragte den Facebook-CEO ├╝ber dessen Business Modell und ob es zu der aktuellen Krise beigetragen haben k├Ânnte. Mark Zuckerberg bezeichnete jedoch die Kritik von Tim Cook als etwas "unbedacht und nicht immer mit der Wahrheit vereinbart". Zum einen hat er angemerkt, dass die Entscheidungen der Firma nicht immer zu Gunsten des Business- bzw. Sales-Team fallen, die Facebook-F├╝hrung schaue zun├Ąchst, ob die Nutzer nicht verprellt w├╝rden, erst dann sind die Business-Interessen der zahlenden Kunden an der Reihe. In dem zweiten Teil der Argumentation hat sich Mark Zuckerberg eine Manipulation erlaubt und eine falsche Dichotomie aufgestellt: "Wenn man einen Dienst bauen will, der nicht nur f├╝r Reiche zug├Ąnglich sein wird, muss man etwas Bezahlbares schaffen. ... Wir bei Facebook sind eine Firma, die hart daran arbeitet, um einen kostenlosen Dienst f├╝r alle zu schaffen. Ich denke jetzt nicht, dass wir uns deswegen nicht um unsere Nutzer k├╝mmern. Ganz im Gegenteil: Ich denke, es ist wichtig, dass wir dabei kein Stockholm-Syndrom entwickeln und uns von teureren Anbietern ├╝berzeugen lassen, dass sie sich um uns mehr sorgen. Das ist l├Ącherlich."

Zwar ist in diesem Argument Apple und Tim Cook mit keinem Wort genannt, den Wink mit dem Zaunpfahl kann man jedoch kaum ├╝bersehen. Zuckerberg bedient sich hier eines weit verbreiteten Klichees, Apple-Produkte seien ├╝berteuert. Dies k├Ânnte bis vor wenigen Jahren stimmen, Anno 2018 ist es nicht mehr so: Selbst bei Notebooks und Working Stations ruft Apple vergleichbare Preise auf wie die Konkurrenz. Dazu hat selbst Facebook-Tochter Whatsapp bewiesen, dass man einen preiswerten Dienst f├╝r alle schaffen kann, den die Nutzer gerne bezahlen: Der Messenger war bis 2016 nicht komplett kostenlos, sondern verlangte pro Jahr rund 90 Cent Abo-Geb├╝hr (Preisangaben f├╝r Deutschland). Erst nach der ├ťbernahme von Facebook wurde die App wieder komplett kostenlos.

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