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Airpods Pro: Apples Audio-Revolution beginnt

21.11.2019 | 14:53 Uhr |

In gewisser Weise sind die AirPods Pro Apples erstes spezielles AR-Produkt und stehen erst am Beginn einer Revolution der Audioverarbeitung.

Ich liebe meine Airpods Pro , seit ich sie vor ein paar Wochen bekommen habe. Ich war ursprünglich ein Airpods-Skeptiker – ich mochte nie die Art und Weise, wie Earpods passen oder klingen – aber ihre kabellose Bequemlichkeit machte mich zu einem Fan. Die Airpods Pro haben es mit der Einführung der Noise-Cancelling-Technologie weiter auf die Spitze getrieben, so kann ich sie beim Staubsaugen, Rasenmähen oder Fliegen verwenden – ihr cleverer Transparenzmodus lässt mich mit meiner Umgebung im Einklang bleiben, wenn ich es brauche.

Aber das ist erst der Anfang. Ich stimme meinem Kollegen Dan Moren zu, dass die Funktionen von Airpods Pro auf Apples Zukunft in der Augmented-Reality-Technologie hinweisen. Da Apple die Rechenleistung der Airpods in kommenden Modellen noch weiter erhöhen wird, ist der Transparenzmodus ein großer Hinweis auf die zukünftigen Möglichkeiten der Audioverarbeitung direkt am Ohr.

Software, die wie Zauberei funktioniert

Ich produziere viele Podcasts, in denen oft Gäste sprechen, die ich unter schwierigen Audiobedingungen aufnehme. Sie nutzen oft schlechte (oder gar keine) Mikrofone, sie halten sich in Räumen mit viel Echo auf, und häufig laufen im Hintergrund eine Heizung, eine Klimaanlage oder ein Ventilator. (Nichts lässt den Podcaster den Lauf der Jahreszeiten mehr spüren als das die Veränderungen der Hintergrundgeräusche in den Aufnahmen vom Brummen der Klimaanlage bis zum Summen der Heizung).

Was ich in den letzten Jahren über Audio-Software gelernt habe: Man kann für ein paar hundert Dollar Software kaufen, die Audio auf eine Weise verarbeitet, die unmöglich schien. Ich besitze Plug-ins, die elektrische Brummen und Breitbandrauschen automatisch und in sehr kurzer Zeit aus dem Hintergrund einer Audiodatei entfernen. Die Person, die mitten im Sommer neben einer Klimaanlage aufgenommen hat? Meine Software kann es so machen, dass Sie nicht einmal merken, dass da eine Air Condition war.

Dann gibt es noch die De-Echoing-Software, die den Klang von jemandem, der sich in einem Raum voller harter Oberflächen so klingt, als säße er am Boden eines Brunnens, nehmen und ihn so weit reinigen kann, dass er sich fast so gut anhört wie jemand in einer Tonkabine.

Bläst der Wind? Dafür gibt es ein Plug-in. Atemgeräusche? Es gibt ein Plug-in, mit dem man das auslöschen kann. Die Liste geht weiter. Professionelle Audio-Software ist wirklich gut. Viel besser, als ich es je erwartet habe.

Was mich zurĂĽck zu den Airpods Pro bringt.

Meine eigene Welt gestalten

Im Moment verfügen die AirPods Pro über drei Audiomodi. Im ersten Fall gibt es überhaupt keine Verarbeitung – die Außenwelt wird nur herausgefiltert, weil Sie kleine Ohrstöpsel in Ihre Ohrlöcher gesteckt haben, die natürlich einen Teil des Klangs blockieren. Im zweiten Fall verwenden die AirPods jeweils zwei Mikrofone, um das Rauschen in der Umgebung zu überwachen und dann eine invertierte Wellenform zu erzeugen, um dieses auszugleichen – so funktioniert die Rauschunterdrückung.

Der dritte Modus, Transparenz, ist der interessanteste. Er leitet den Ton von einem externen Mikrofon weiter und überlagert ihn mit dem, was Sie hören, sodass Sie die Außenwelt künstlich hören. Es ist ein dramatisch anderer Sound und ich habe viele Leute sagen hören, dass sie es zu schätzen wissen, Musik oder Podcasts hören zu können und gleichzeitig die Sounds der realen Welt zugänglich zu haben.

Was mir an der Transparenz auffällt, ist jedoch, dass Apple den Sound von außen sehr wenig oder gar nicht anpasst. Wenn ich Transparenz verwende, höre ich nicht nur Leute reden oder das Geräusch eines Autos, das die Straße hinunterfährt – ich höre selbst das Summen des Verkehrs auf einer nahe gelegenen Autobahn im Hintergrund.

Stellen Sie sich nun eine zukünftige Version von Airpods Pro mit etwas mehr Rechenleistung vor. Zusätzlich zum Transparenzmodus gibt es vielleicht einen intelligenten Transparenzmodus, der fortgeschrittene Audioverarbeitungssoftware verwendet, um etwa unveränderliche Hintergrundgeräuschen und sogar Raumechos zu entfernen, sodass das, was Sie durch die Ohrhörer wahrnehmen, klarer ist als das, wenn Sie es ungefiltert hören. Die Algorithmen sind heute da, sie messen während des Betriebs das Reflexionsvermögen des Raumes und löschen Echos – es geht nur darum, Hardware zu bauen, die leistungsfähig genug ist, um alle Daten in Echtzeit zu verarbeiten.

Ich habe vor Kurzem eine Geschichte über die Suche nach "intelligenten" Hörgeräten gelesen, die darauf hindeutet, dass Algorithmen Hintergrundgespräche ziemlich gut filtern können und vielleicht sogar herausfinden können, wie man die Stimmen bestimmter Sprecher hervorhebt, wenn man die sprechende Person ansieht. Die Herausforderung ist einmal mehr die Rechenleistung – und es ist schwer vorstellbar, dass Apple nicht in der Lage sein wird, die Leistungsfähigkeit der Airpods Pro weiter zu steigern.

Bedienungshilfen fĂĽr alle

Airpods sind keine Hörgeräte. Und ich bin mir nicht ganz sicher, ob Apple in den Hörgerätemarkt einsteigen will, obwohl ich es angesichts der ständigen Diskussion des Unternehmens über die Bedeutung von medizinischen und gesundheitlichen Initiativen und der Barrierefreiheit von Geräten durchaus für realistisch halte. Mit dem Kommen einer Deregulierung von Hörgeräten in den Vereinigten Staaten ist es nicht unmöglich, dass Apple die gewonnenen Erkenntnisse über Audioverarbeitung und Integration mit anderen Apple-Geräten nutzen kann, um das Hörerlebnis von Menschen mit leichten bis mittleren Hörschäden zu verbessern.

Aber lassen wir medizinische Hörgeräte für einen Moment beiseite. Eine Sache, die ich in den letzten Jahren gelernt habe, ist, dass Barrierefreiheit fast immer unerwartete Vorteile hat. Ebenso denke ich, dass Apple die Möglichkeit hat, das Gehör von Airpod-Nutzern zu verbessern, unabhängig davon, ob sie sich für schwerhörig halten oder nicht. Es gibt wahrscheinlich viele von uns, die einen Dialogverbesserungsmodus für den Einsatz auf lauten Partys begrüßen würden, der versucht, alle Geräusche außer den menschlichen Stimmen im Vordergrund herauszufiltern. Ich hätte gerne einen Filter, der es mir ermöglicht, Ansagen auf Bahnhöfen oder Flughäfen zu hören, aber Hintergrundgeräusche zu vermeiden.

Das ist kein leichtes Unterfangen und es erfordert eine Menge Technologie, um derartige Ziele zu erreichen, aber die Airpods Pro geben mir das Gefühl, dass Apple diesen Weg bereits einschlägt, und zwar schnell. Im Moment betrachte ich meine Airpods Pro als ein großartiges Set von geräuschunterdrückenden Ohrhörern, die ich beim Hören von Musik oder Podcasts verwenden kann, aber sie sind auch Geräte mit erweiterter Funktionalität für meine Ohren. In gewisser Weise sind sie Apples erstes spezielles AR-Produkt. Die Ziele des Transparenzmodus sind noch bescheiden, aber sein Zukunftspotenzial kommt durch Lautstärke und Klarheit zum Ausdruck.

Ob dieser Zukunft erinnern wir uns an eine Akustik-App " Inception ", die frei nach dem Konzept im Film von Christopher Nolan gestaltet wurde: Die  Mikrofone nahmen die Umgebungsgeräusche auf und vermischten diese mit den monumentalen Soundtracks von Hans Zimmer. Das versetzte den Nutzer in eine halb reale Welt und führte zuweilen zu Verwirrungen. Die App wurde übrigens 2010 veröffentlicht. (Anm. d. Redaktion).

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