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Android 12: Neuer Datenschutz ist nicht so konsequent wie bei iOS 14.5

19.05.2021 | 13:45 Uhr |

Google hat Android 12 mit einigen neuen Funktionen zum Datenschutz ausgestattet. Damit setzt sich der Trend fort, den Apple mit dem Trackingschutz von iOS gesetzt hat. Aber Google ist nicht konsequent genug. Ein Kommentar unseres amerikanischen Kollegen Michael Simon.

Am Dienstag enthĂŒllte Google die Highlights von Android 12, das im Herbst auf dem Pixel und anderen Android-Telefonen landen wird. Von personalisierten Farbpaletten bis hin zum schnelleren Zugriff auf Google Pay und Home-Einstellungen – es ist eines der grĂ¶ĂŸten Updates fĂŒr Googles Betriebssystem seit Jahren.

Aber die interessantesten neuen Funktionen betreffen etwas, mit dem iOS-Nutzer sehr vertraut sind: Datenschutz. Google demonstrierte mehrere neue Datenschutzfunktionen fĂŒr Android 12, die es Nutzern einfacher machen, ihre Daten und Smartphones privat zu halten. Zu den Änderungen gehört ein neues Datenschutz-Dashboard, das laut Google "einen einzigen Blick auf Ihre Berechtigungseinstellungen bietet sowie darauf, auf welche Daten zugegriffen wird, wie oft und von welchen Apps. Außerdem können Sie App-Berechtigungen direkt vom Dashboard aus leicht widerrufen."

Im Datenschutz-Dashboard können Sie sehen, welche Apps auf Ihren Standort, Ihre Kamera, Ihr Mikrofon und andere Berechtigungen, einschließlich Kontakte, Medien und andere Sensoren, zugegriffen haben und fĂŒr wie lange. Es ist eine raffinierte Funktion, die es tatsĂ€chlich ein wenig einfacher macht, den Zugriff zu widerrufen als unter iOS und ich wĂŒrde gerne sehen, dass Apple etwas Ähnliches fĂŒr iOS 15 in Betracht zieht.

Bein erstmaligen Öffnen einer App können Sie unter iOS auswählen, ob Sie ihre Daten teilen möchten.
VergrĂ¶ĂŸern Bein erstmaligen Öffnen einer App können Sie unter iOS auswĂ€hlen, ob Sie ihre Daten teilen möchten.
© Apple

Ebenfalls neu in Android 12 ist eine Anzeige in der Statusleiste, die den Nutzer darauf hinweist, wenn Apps auf das Mikrofon oder die Kamera zugreifen. Dies Ă€hnelt einer Funktion, die Apple in iOS 14 eingefĂŒhrt hat und fĂŒgt sogar eine Schnell-Einstellungstaste hinzu, mit der Sie den Kamera- und Mikrofonzugriff fĂŒr alle Apps mit einem Tippen widerrufen können.

Android-Nutzer erhalten auch mehr Kontrolle darĂŒber, wie viele Informationen sie mit den Apps auf ihren Smartphones teilen. Google fĂŒhrt die "ungefĂ€hre Standortbestimmung" fĂŒr Apps wie Wetterdienste ein, die Ihren genauen Standort nicht kennen mĂŒssen. Dies wird dazu beitragen, dass Apps so funktionieren, wie sie sollten, wĂ€hrend Ihr exakter Standort auch privat bleibt. Wiederum, wie bei iOS.

Und schließlich gibt es auch neue Datenschutzfunktionen, die direkt in Android 12 integriert sind. Google rollt eine neue Reihe von Open-Source-Funktionen namens Private Compute Core aus, die "Funktionen wie Live Caption, Now Playing und Smart Reply ermöglicht. Die gesamte Audio- und Sprachverarbeitung findet auf dem GerĂ€t statt, isoliert vom Netzwerk, um Ihre PrivatsphĂ€re zu schĂŒtzen."

Das neue Datenschutz-Dashboard soll die Verwaltung der eigenen Daten einfacher machen.
VergrĂ¶ĂŸern Das neue Datenschutz-Dashboard soll die Verwaltung der eigenen Daten einfacher machen.
© Google

Aber was Sie in Android 12 nicht finden werden, ist etwas, das der App-Tracking-Transparenz auch nur im Entferntesten Ă€hnelt. WĂ€hrend Google ganz klar in Apples Fußstapfen tritt, wenn es um den Datenschutz geht, macht es einen großen Bogen um Werbeanzeigen.

Fairerweise muss man sagen, dass Google eine Option zum Ausschalten der Anzeigenverfolgung bietet. In den Einstellungen gibt es einen Schalter, um die Personalisierung von Anzeigen zu deaktivieren. Damit wird Apps mitgeteilt, dass sie Ihre Werbe-ID nicht verwenden dĂŒrfen, um "Interessen-basierte Werbung" zu erstellen. Das ist Ă€hnlich wie Apples "Cross-Site-Tracking verhindern"-Schalter und es ist eine gute Lösung, die man auch nutzen sollte.

Allerdings reicht es bei Weitem nicht an das heran, was Apples ATT tut. Um ein Ă€hnliches Maß an GranularitĂ€t zu erhalten, mĂŒssen Sie zur Registerkarte "Google" in den Einstellungen gehen, dann "Google-Konto verwalten", "Daten & Personalisierung" und schließlich "Anzeigeneinstellungen". Dort finden Sie eine schwindelerregende Anzahl von Optionen und Einstellungen fĂŒr Google und seine Partner sowie die Möglichkeit, den Zugriff fĂŒr einzelne Apps und Kategorien zu deaktivieren. Ich habe keine Statistiken, aber ich schĂ€tze, dass weniger als 5 Prozent der Google-Nutzer ĂŒberhaupt wissen, dass dies existiert, geschweige denn, dass sie den Zugriff routinemĂ€ĂŸig Ă€ndern. Es ist weit davon entfernt, Sie zu informieren, wenn Sie eine App öffnen, die Sie ĂŒber Apps und Websites hinweg verfolgen möchte.

Und so will es Google wahrscheinlich auch haben. Im Laufe der Jahre haben sich iOS und Android extrem angenĂ€hert, wobei Apple Teile des Systems geöffnet hat, um iOS personalisierter zu machen, und Google sich mehr auf Design und Benutzerfreundlichkeit konzentriert. Aber bei der PrivatsphĂ€re bleibt eine Kluft und es ist unwahrscheinlich, dass sie sich in nĂ€chster Zeit schließt.

Google sagt zwar, dass es "weiterhin die Grenzen verschieben und Wege finden wird, um die höchsten Standards fĂŒr Datenschutz, Sicherheit und Schutz aufrechtzuerhalten", aber irgendetwas sagt mir, dass das keine explizite Option zum Ausschalten der Werbeverfolgung beinhalten wird.

Dieser Kommentar wurde von unserer amerikanischen Schwesterpublikation Macworld.com ĂŒbersetzt.

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