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Apple Arcade angespielt: Fast jeder Titel gefällt

18.09.2019 | 11:25 Uhr |

Apple Arcade macht einen soliden ersten Eindruck, aber es hat das Potenzial, viel, viel mehr zu sein. Ein erster Eindruck von Leif Johnson.

Gestern habe ich dauergedaddelt und habe flott Ausschnitte aus allen bisher 53 verfügbaren Apple Arcade Spielen in der iPadOS 13.1 Beta gespielt (abgesehen von "What the Golf", das immer wieder auf meinem iPad Mini 5 abstürzte). Ich war am Ende erschöpft, aber ich würde nicht sagen, dass ich mich gelangweilt habe.

Und obwohl ich nie etwas gesehen habe, das mir sofort als großartig erschien, kann ich mit Sicherheit sagen, dass jedes Spiel zumindest gut war. Abgesehen von "Hot Lava", das mich auf dem iPad mit seiner First-Person-Perspektive frustriert hat, würde ich heute gerne in jeden der anderen Titel tiefer einsteigen. Das ist ein guter Start für einen guten Service, aber die Zukunft von Apple Arcade hängt davon ab, wie einfach und häufig Apple neue, von Kritikern gelobte Spiele ankündigt, wie viele Top-Entwickler es anzieht und ob es diese Entwickler angemessen bezahlen kann.

Froschfresser in der Spielzeugstadt Konami

Apple Arcade verfügt über einige komplexe Strategiespiele, aber einige der besten sind ziemlich einfache Titel wie Konamis "Frogger in Toy Town".

Es sieht genau so aus, wie ich es mir vorgestellt habe. Bereits im März habe ich argumentiert , dass die größte Erfolgschance von Apple Arcade darin besteht, sich auf preisgekrönte, kunstvolle Indie-Spiele zu fokussieren, die in jeder "Best of"-Listen für iOS-Spiele landen, wie etwa "Alto's Adventure", "Monument Valley" oder "Prune". Und einige der Spiele hier lehnen sich in diese Richtung, insbesondere die narrativen Spiele wie "Mutazione" oder "The Get Out Kids".

"Projection" hat die Stimmung von "Limbo" aufgenommen und in eine wunderschöne Ästhetik eingebunden, die von Schattenspielfiguren aus früheren Jahrhunderten inspiriert wurde. Und ich bin insbesondere ein großer Fan von minimalistischen Puzzlespielen, wie "Spek" (in dem man dreidimensionale Objekte dreht, bis sie 2D werden, um einen sich bewegenden Punkt von einem Teil zum anderen zu schieben) oder "Tint", in dem man mit einem Aquarellpinsel verschiedene Farbtupfer verbindet und daraus neue Farben bildet. Sie sind beide angenehm entspannend.

Viele Möglichkeiten zur Auswahl

Aber nichts überraschte mich mehr als die schiere Vielfalt von Apple Arcade. Es gibt Kampfspiele wie "LEGO Brawls" und "Punch Planet". Worträtsel wie "Dear Reader" oder "Word Laces". Und es sind sogar Spiele dabei, die so aussehen, als würden sie auch auf jeder Konsole gut funktionieren, wie "Oceanhorn 2" oder "Sayonara: Wild Hearts" (letzteres wird ja auch bald auf die Nintendo Switch kommen). So viele von ihnen machen einfach Spaß, wie "Pinball Wizard", das wie ein Dungeon-Abenteuer aussieht, aber eigentlich sich darum dreht, einen armen kleinen Zauberer auf seine Feinde zu schubsen, die die Bumper eines Pinballautomaten bilden. Wie im regulären App Store gibt es auch hier eine gute Mischung aus herausragenden Titeln aus kleinen Studios und weithin anerkannten Riesen.

Dennoch würde ich mir im Startfenster von Apple Arcade mehr Unterstützung für große Studios wünschen. Es gibt Konami, das nur ein modernes 3D-Frogger-Update namens "Frogger in Toy Town" veröffentlicht hat. Andere Entwickler waren ehrgeiziger. Capcom veröffentlichte mit "Shinsekai: Into the Depths", einem 2D-Unterwasser-Abenteuer, das sowohl erschütternd als auch herausfordernd ist. ( Frogger und Shinsekai hatten auch kurze Auftritte bei Apples Keynote am 10. September, Anm. d. Red. ) Annapurna Interactive – ein Indie-Liebling, der gut für die Apple Arcade geeignet ist – gibt einen guten Einstand mit "Sayonara" (und dem kommenden "The Pathless"), aber Apple Arcade hätte einen spektakuläreren Start haben können, wenn es sich den jüngsten Hit gesichert hätte: "Sky – Children of the Light". Für Apple Arcade hätte man daraus aber die hier an sich gutartigen In-App-Käufe abschaffen müssen. Dennoch hat Apple Arcade einen guten Anfang genommen.

(Wenig) bezahlen, um zu spielen.

Wäre mit den aktuell 53 Titeln im Angebot Apple Arcade gar 9,99 Euro im Monat wert gewesen? Nicht wirklich. Aber für 4,99 Euro ist dies ein ausgezeichnetes Angebot für den neuen Service, vor allem, wenn man bedenkt, dass viele der Spiele wahrscheinlich zwischen 3 und 10 Euro pro Stück kosten würden, wenn sie allein im App Store veröffentlicht würden. Tatsächlich habe ich aufgehört, Spiele im App Store zu kaufen, vor allem, weil sich die Preise mit der Zeit aufsummieren, aber mit Apple Arcade kann ich einige der besten Titel für den Preis von weniger als drei Leberkäsesemmeln pro Monat bekommen.

"Beyond a Steel Sky" ist eines der mit Spannung erwarteten Spiele, die den Soft Launch in der Beta nicht geschafft haben.
Vergrößern "Beyond a Steel Sky" ist eines der mit Spannung erwarteten Spiele, die den Soft Launch in der Beta nicht geschafft haben.

Nochmals muss ich die Zahl 53 erwähnen. Apple sagte ursprünglich, dass es beim Start mehr als 100 Spiele geben würde, sodass wir bald sehen könnten, ob und wie der Service mit Dutzenden weiterer Spiele geflutet wird, bevor die Woche zu Ende geht. Werden diese von gleicher Qualität sein? Ich bin vorsichtig optimistisch. Einige der Spiele, die Apple bei seinen Veranstaltungen stolz vorgestellt hat – wie "Beyond a Steel Sky" – sind noch nicht einmal aufgetaucht, und sie gehören vielleicht zu den besten, die es bisher gibt.

Eine gute Übersicht aller verfügbaren Spiele auf Apple Arcade gibt es in dieser Online-Tabelle:
Apple Arcade – Alle Spiele

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